Wettkampfberichte

Tegernsee

Sodale, mal wieder einen Wettkampfbericht schreiben. Na zumindest zum Teil. Denn wenn der Charly eine Reise tut, dann hat er was zu suchen In der Früh gings los, auf freien Straßen gings mit Hurra nach Peißenberg. Dort zwei Brezen gekauft und nen Kaffee zum mitnehmen. Weiter gings nach Peißenberg. Öhm. Ja, auf dem Kreisverkehr war die Lorelei. Ne, es war nur eine Kohlenlore. Denn in Peißenberg gabs ja viele Jahre Steinkohleabbau. Gut, dass es so früh war, dann waren net so viel Autos unterwegs. Man kommt sich halt blöd vor auf einer Verkehrsinsel. Die Dose ward gefunden und als ich diese mit dem Magnet wieder hinmachen wollte, war ich ganz schön erstaunt, dass Steine am Magnet hängen blieben. So viel Eisen ist in den Steinen.

Ohne weitere Erlebnisse kam ich in Gmund am Tegernsee an. Schlau wie ich war, hab ich mein Fahrrad mitgenommen und bin zur Nachmeldung geradelt. Dass Nachmelden sinnvoll war, sah ich, als ich die Schlangen an den Voranmeldungen sah. An der Nachmeldung war kaum ein Mensch. Ätsch.

Als ich meine Startnummer hatte, musste ich erstmal einen Berg hoch. Naja, Cache suchen. Von dort oben konnte ich schön über den Tegernsee blicken und das Gewusel beim Startbereich.
5 Minuten vor dem Start war ich auch schon im Startblock und wartete auf den Start. Der Herr Wessinghage war da. Ihr wisst schon, der Europameister über 5000 Meter im Jahre 1982.
Dann war Start und los gings.
Ich hatte keine Zeitvorstellungen und lief halt mal so vor mich hin. Ich hatte eigentlich immer das Gefühl, dass es bergab ging. Vielleicht wars ja auch so. Kalt wars aber mit 10°. Der Wind hat sein Übriges dazu getan.
Wir liefen nach Tegernsee. So stellt man sich Oberbayern vor. Lederhosen, Dirndl und eine Art Rübezahl, der von einem Wahlplaket grinste.


Alle paar Kilometer gabs Iso und Wasser. Nach etwa 10 km auf der komplett gesperrten Bundesstraße gings auf der andern Seite des Sees zurück. Aber hier war nix mehr mit flach oder Straße. In Rottach Egern gings noch. Aber dann kam schon die eine oder andere Steigung.
Nach 16 km musste man noch über einen Kilometer bergauf laufen. Nach weiteren Hügeln war das aber überstanden. Dafür wurde man am Schluß mit einem Spurt bergab belohnt. Über einen Kilometer gings bergab und die letzten 1100 Meter lief ich noch in knapp 4:30 und so schaffte ich es doch noch unter 1:50 Stunden.
Ich ging direkt zu den Beweiseisen, die man seperat kaufen musste und bewaffnete mich mit zwei Wurstsemmeln und schon war ich wieder verschwunden. Keine Lust auf Zielgeplänkel. War auch zu kalt im Laufhääs.
Also zurück zum Auto und umgezogen. Dann gings zum Soldatenfriedhof von Gmund. Warum? Klar, weil da ein Cache liegen sollte. Aber denkste, es war nur ein Loch in der Wand. Dose geklaut. Aber ich hab ja meist eine Reservedose dabei und hab die dort deponiert. Der Besitzer der Dose hat sich auch schon bedankt via Mail.
Dann fuhr ich nach Bad Tölz. Dort steht eine alte Dampfwalze. Ich stellte bergan mein Auto ab und ging zu der Walze. Die Dose war schnell gefunden. Deckel runter und dann hör ich Tuck tuck tuck tuck, das langsam näher kam. Irgendwann sah ich hoch und sah einen blauen Corolla auf mich zurollen. Lustig was man innerhalb von einer Sekunde alles denken kann.

So ein Auto hab ich auch
Das IST mein Auto

Wieso kommt jetzt mein Auto auf mich zu? Und wieso macht es Tuck, tuck, tuck? Wie auch immer, ich machte einen Satz auf das Auto zu, riss die Tür auf und zog die Handbremse.
Ich hab statt dem ersten Gang den dritten oder fünften genommen. So passierte es, dass das Getriebe das Auto nicht halten konnte und mir der
Corolla plötzlich entgegen kam.
Obwohl ich mich ganz schön erschrocken hab, musste ich dann doch lachen. Das Auto hätt ja auch in Bad Tölz landen können oder in der Isar. Das wär doch ein Klassiker gewesen, wenn ich hinter meinem Auto herrenn, das sich rückwärts vom Acker macht.

Nach ein paar weiteren Dosen auf dem Heimweg war ich wieder pünktlich Zuhause um den verdienten Sieg von Hoffenheim gegen Dortmund anzusehen.

 

11 Kommentare 21.9.08 20:17, kommentieren

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Füssen Marathon

Endlich mal wieder Marathon.
Diesmal wieder mein heißgeliebter Marathon in Füssen, der sich jetzt Königsschlösser Romantik Marathon nennt.
Es gab ja Ärger mit dem Festspielhaus, ob der Marathon König Ludwig Marathon heissen darf. Nun wurde wohl der Lauf umgetauft.
Am Vortag, am gestrigen Samstag fand noch ein 10km und ein Halbmarathon statt. Eigentlich hatten wir vor, Kerstin und ich, dass wir zusammen gemütlich 10 km laufen. Aber so gut gings ihr doch nicht mit der Hüfte und langsam 10 km laufen, das geht eigentlich gar nicht. Also ließen wir das bleiben und agierten lieber als Anfeuerer.
Werner und Richard sind dort den HM mitgelaufen, also feuerten wir sie mit Bier in der Hand an. Motiviert bestimmt ungemein. Allerdings wars doch recht frisch und nachdem Kerstin schon 14 km lang gefroren hat, haben wir entschieden, dass wir nicht mehr auf die Zieleinkunft der beiden warteten und sind, nicht ohne vorher noch am Festspielhaus einen Cache zu loggen, Heim gefahren.
Am Sonntag gings auf leeren Straßen nach Füssen in der Früh um 6. Da ist wahrlich nicht viel los auf der B472.
Schnell waren wir dort, trafen uns mit ein paar Bekannten und dann dauerte es auch nicht mehr lang, bis der Start war.
Um 7:30 gingen 920 gemeldete Marathonläufer auf die Strecke.
Raus aus der Stadt und schon wurde der Hopfensee angelaufen. Das Wetter war prima die ersten 2 Stunden, schön kühl und es war bedeckt.
So lief ich gemütlich im 5:40er Schnitt um den See herum und guckte noch nebenbei ein bisschen auf bestimmte Koordinaten. Ihr ahnt es schon, es gibt am Hopfensee einen Cache. Und ich dachte mir, dass, wenn ich in die Nähe des Caches käme, würde ich den schnell suchen. So war es dann auch, gerade mal 20 Meter neben der Laufstrecke wurde eine Dose angezeigt. Ich also ins Gebüsch abgebogen und ziemlich schnell den recht deutlichen Hasengrill gefunden. Äste zur Seite geworfen, Gurkenglas geöffnet, Filmdose auf, Logbuch rausgeschüttelt, Kugelschreiber aktiviert und Name rein geschrieben. Den ganzen Krempel wieder zusammengepackt und wieder versteckt. Das ganze dauerte keine 3 Minuten.
Weiter gings um den Hopfensee herum. Schön schattig bei den ganzen Bäumen, denn mittlerweile kam immer mehr die Sonne zum Vorschein.
Nachdem der Hopfensee 1 1/2 mal umrundet war, schwenkte die ganze Karawane wieder nach Füssen.
In Füssen an der B472 war schließlich auch ein bisschen Verkehrschaos. Die Polizei sperrte die Straße, damit den Läufern auch kein Leid geschieht. Links bis zum Horizont Autos, rechts bis zum Horizont Autos und hinter den Scheiben genervte Autofahrer. Tja, wären se mal lieber mitgelaufen.
Vorbei gings am Musical, den Lech nach oben und nach 21 km stand Kerstin mit Max am Straßenrand.
Eine kleine Kußpause musste natürlich sein und ein kleines Schwätzle, wie es mir geht. Geht scho, ist nett heute.
Ich musste mich wieder verabschieden, war ja grad mal die Hälfte.
Also rüber über die Lechbrücke und nun lief man ein gutes Stück am Forggensee entlang. Auch an einem großen Campingplatz, wo wir einiges an Anfeuerungen bekamen.
So nach 25 km machte es sich aber schon bemerkbar, dass ich das Marathontraining total geschwänzt hab. Denn seit dem 18. Mai im Knast war die längste Strecke der langsame Halbmarathon durch die Weinberge. Sonst war noch ein 19 km Lauf und das wars auch schon. Im Geiste machte ich mir eine Notiz: Ein Marathon ist verdammt lang und man möge doch jeden Marathon ernst nehmen und sich darauf vorbereiten. Ich war halt auf dem Standpunkt, ein Marathon geht immer.
So hatte ich nun mit immer schwerer werdenden Beinen zu kämpfen und die Motivation eine angemessene Zeit zu holen, die hatte ich auch nicht.
Ich gönnte mir an der Verpflegung immer eine ausgiebige Gehpause, trank brav 2 Becher Wasser, Iso, alles was das Buffett hergab und fiel wieder in meinen Lauftritt. Dass der Kilometerschnitt auf über 6 min pro km fiel, war mir ehrlich gesagt wurscht. Es wurde nun aber auch immer wärmer, aber nach 32 km verschwanden wir wieder im Wald um den Schwansee zu umrunden. Achja, da läge auch ein Cache, aber der war dann doch ein gutes Stück von der Laufstrecke entfernt. Ausserdem wusste ich, dass bald noch ein Weizen auf mich wartete.
Nach 36 km wurde ich auch von Alphornbläsern und noch viel wichtiger, von Hase und Max empfangen. Ich bekam ein leckeres Weizen von Max gereicht und dann nahm ich Kerstin mit, dass wir zusammen ein bisschen spazieren gehen könnten. Wir gingen ein gutes Stück Hand in Hand und mit dem Weizen in der Hand die Strecke entlang und nachdem das Weizen leer war, kehrte Kerstin wieder um und ich lief die restliche Strecke zurück nach Füssen. Doch zunächst musste man noch zum Unter- und Mittersee hochlaufen, schließlich an einem Wendepunkt umdrehen und dann gings zur Belohnung noch 1,2 km relativ bergab. Das Ende war natürlich auch bald geschafft und mit meinem langsamsten Marathon beendete ich nach 4:25 Stunden diesen Lauf.
Enttäuscht? Nö, ist doch wurscht. Direkt zum Erdinger Stand gegangen und zwei Bier geholt. Das gönnt man sich doch gern. Ausserdem hatte ich einen höllischen Kohldampf.
Im Ziel fand ich auch meinen Schatz wieder und nun liefen wir zum Bierzelt rüber um einen wunderbaren Leberkässemmel zu futtern und noch einen Kuchen hinterher.
Es wurde noch mit anderen Läufern gefachsimpelt aber bald verließen wir nach der Siegerehrung, bei der ich übrigens nichts gewonnen hatte den schönen Lauf.

Schön wars wieder in Füssen und nächstes mal klappts bestimmt, dass Kerstin den Marathon auch mitlaufen kann.
Und was haben wir noch gelernt? Immer schön auf so einen langen Lauf hintrainieren, denn es nicht bloooooß ein Marathon.

10 Kommentare 27.7.08 17:48, kommentieren

Hitzehalbmarathon im Elsaß

Bisschen spät dran mit dem Bericht, weil er schon über eine Woche her ist.
Ausserdem hab ich schon lang nix mehr geschrieben, nicht wahr?
Ich hab kürzlich einen Bericht geschrieben, aber kurz bevor ich ihn veröffentlichen wollte, war alles futsch. Da hatte ich dann erst mal ganz schön einen dicken Hals. Sooo ein langer Bericht und weg. Und nochmal schreiben, dazu konnt ich mich nicht aufraffen.
Also erzähl ich jetzt.

Vor einer Woche war in Molsheim bei Straßburg ein Marathon/Halbmarathon. Ich war noch nicht gemeldet und eigentlich wollte ich ja den Marathon machen. Wieso einen läppischen Halbmarathon machen, wenn auch ein Marathon angeboten wird? Haha.
Aber das Wetter, das Wetter. Die Meteorologen meinten, es wird heiß. Sehr heiß. Bis zu 35°. Also meldete ich mich nur für den Halbmarathon an. Es war aber nicht nur die Hitze die mich abgeschreckt hat, sondern eher die 2 Stunden frühere Startzeit. Und nachdem wir in Colmar Gröhlmar nicht gerade viel Schlaf bekommen, weil während der EM immer ein anderes Land einen Autokorso durch die Stadt macht, haben wir lieber ein bisschen länger im Hotel geschlafen, gemütlich und äusserst ausgiebig gefrühstückt und haben uns zum Bus begeben, der uns zum Start des HM brachte.
Die Marathonläufer waren längst unterwegs und wir sahen beim Fenster des Busses raus und registrierten kopfschüttelnd, dass manche Läufer in wilden Verkleidungen die Strecke liefen. Also ich weiß nicht, ob ich unbedingt als Weinflasche verkleidet bei 35° laufen wolle. Ich glaub eher nicht.
Wir kamen beim HM Start an und warteten im Schatten und amüsierten uns über die zwanghaften Warmläufer. Finden wir ja superwichtig, dass man sich bei einem HM, bei dem man jede Zeitambition vergessen kann noch eine Stunde zuvor warm läuft. Naja, bei vielen ist es auch die Aufregung und die können nicht einfach so im Schatten liegen und auf den Start warten. Wir können das wunderbar.

Nun war der Start, 2 Stunden nach dem Marathonstart und die Horde lief los. Wir liefen ganz als letztes los und überquerten gehend die Startmatte. Bloß it hudla, wie der Allgäuer sagt.
Es war warm, sagte ich das schon? Zunächst gings bergab und bald überholten wir einige Läufer.
Es wurde über elsäßische Dörfer getingelt und es ist immer wieder nett, wie sich die Elsäßer für eine Laufveranstaltung begeistern. Die ganzen Zuschauer sind einfach so herzlich und feuern alle an. Das macht Spaß. Und es wurden viele Duschen von den Anwohnern aufgebaut, die auch viel genutzt wurden.
Das hilft auch richtig gut, den Körper gekühlt zu lassen. Tolle Logik, gell?
Es wurde immer heißer und wir liefen gemächlich weiter. Die Versorgungsstellen nutzten wir immer recht ausgiebig. Es kam schon mal vor, dass wir ganz entspannt 5 Minuten oder länger an der Versorgung standen und Wasser in uns rein schütteten. Nebenbei noch ein paar leckere Müsliriege gemümmelt und ein paar Orangenschnitze und weiter gelaufen.
Irgendwann liefen wir in die Weinberge hinein und das war mal echt hart. Die pralle Sonne haute uns auf den Kopf und nachdem Kerstin schon eine leichte rotfärbung an den Schultern fest stellte, hab ich ihr kurzerhand mein Jamaica-Häß um die Schultern gelegt und bin eben oben ohne gelaufen.
Sonnenbrand hab ich mir zum Glück aber keinen geholt. Hase natürlich auch nicht.
Manchmal gab es an den Versorgungsstellen Elsäßer Wein zu probieren, was ich mir natürlich nicht entgehen lies.
Es gab Stellen in den Weinbergen, da lief vor uns niemand, es lief hinter uns niemand. Gemütlich wurde geschlendert und geratscht. Sich mit Gewalt durch die Weinberge zu jagen war nicht sehr sinnvoll. Natürlich versuchten es doch einige und wir sahen ab der Hälfte immer wieder Leute, die am Straßenrand lagen und medizinisch versorgt werden mussten. Ja, wenn man sich zu viel vornimmt bei solchen Temperaturen, macht ganz schnell der Kreislauf schlapp.
Nach 16 km wurde die Strecke aber wieder flacher und wir konnten entspannt die letzten paar Kilometer laufen. Immer wieder machten wir Gehpausen, liefen wieder los, plauderten mit Mitläufern und kamen dem Ziel näher.
200 Meter vor dem Ziel war ein roter Teppich ausgelegt, auf dem wir ins Ziel liefen in der gigantischen Zeit von 2:36 Stunden. Meine Bestzeit ist eine bescheidene Stunde schneller.
Aber dafür hat es viel Spaß gemacht, trotz Hitze.
Was ich aber schade fand, es gab die Finishermedaille nur für die Marathonläufer. Die hätt ich fei schon ganz gern mitgenommen. Vielleicht hätt ich doch den Marathon laufen sollen? Ja, kurz danach kann man schon wieder eine große Klappe haben, nicht wahr?
Aber dann eben wieder das nächste mal.
Eine Bekannte, die Lizzy berichtete von ihrem Marathon und erzählte von der Hölle im Elsaß. Der Lauf wurde sogar vorzeitig offiziell abgebrochen und man musste wohl auf eigene Verantwortung weiter laufen. Wer das gemacht hat, bekam trotzdem noch die Medaille und das Finishershirt.
Na hoffenltich ist es in 3 Wochen beim Füssen Marathon net so arg heiß, aber der Start ist ja schon um halb 8 in der Frühe.
Was das bedeutets mit der Hitze sieht man auch an den Ergebnislisten.
Wir waren mit unserer Zeit immer noch im ersten Drittel zu finden. Manche Leute haben weit über 3 Stunden benötigt, einige sogar über 4 Stunden und das für 21 km.
Beim Marathon war das auch kurios anzusehen. Gerade mal jeder sechste schaffte die Zeit unter 4 Stunden. Also Bestzeit wird wohl keiner geschafft haben, an diesem kuscheligen Tag.

2 Kommentare 30.6.08 17:36, kommentieren

Knastmarathon

Es ist ja auch völlig normal, dass man Sonntag Früh um 5 Uhr 370 km fährt, freiwillig in den Knast geht, über 42 km läuft um dann wieder 370 km Heim zu fahren.
Man kann sagen, dass ich am Sonntag nicht viel Zeit für andere Dinge hatte.
Um 8:30 kam ich also in Darmstadt an der Justizvollzugsanstalt an, aber erst fragte ich in der Stadt nach dem Weg in den Knast. Ich bekam zwar eine freundliche Antwort, aber ich wurde schon etwas skeptisch angeschaut.
Ich sortierte auf dem Parkplatz aus, was ich nicht brauchen würde und was ich auch nicht mitnehmen dürfte. Also kein Handy. Ich hab mein Gepäck recht karg gehalten und bin auf den Eingang zugegangen.
Drinnen, im Vorraum durfte ich als erstes meinen Ausweis abgeben, der direkt eingetütet wurde. Dann musste ich meine Tasche durchsuchen lassen und wurde durch einen Metalldetektor geschickt. Ob ich Fotoapparat oder Handy dabei hätte? Nöööö.
Nun hieß es warten, bis eine Tür automatisch aufging. Das war irgendwann der Fall und ich durfte in den Knast hinein. (Durfte????) Ich habs mir klaustrophobischer vorgestellt. Aber der Knast hatte vielmehr etwas von einer Kaserne, als von einem Gefängnis. Große Gebäude, viele Bäume, Sportplatz, viele Sitzgelegenheiten, alles schön groß gehalten. Nett hier.
Nach ein paar Metern kam jemand auf mich zu und schickte mich freundlich zur Startnummernausgabe. Das war auch schnell erledigt.
Überall standen Leute herum, die nur darauf gewartet haben, mir helfen zu können. 'Dort vorne könnte man sich umziehen.' sprachs.
Ich bin auf das Gebäude zu und traf einen Mann an, der mir einen riesengroßen Wäschesack in die Hand drückte. Dort solle ich alles rein packen, was ich nicht benötigte und ihm den Wäschesack wieder bringen. Der wird später weg gesperrt, dass da keiner ran kommt.
In der Umkleidekabine zog ich mich um und konnte nun eine Stunde warten, bis der Start ist.
Ich traf noch auf zwei Läuferkollegen aus einem Laufforum, mit denen ich mich unterhalten habe. Vor dem Rennen gabs noch Wurst- und Käsesemmeln. Apfelschorle, Kaffee, Wasser. Ja, da bleibt doch kein Wunsch offen. Und alle Helfer überwarfen sich, dass sie uns versorgen könnten.
Die Prominenz war auch da. Auch das Fernsehen. Das DSF hat Aufnahmen von dem Marathon gemacht. Die Sendung soll am Ende Mai oder Anfang Juni gezeigt werden. Na da bin ich ja gespannt.
Die Prominenz bestand aus Achim Heukemes und seine Freundin.
Achim ist der Godfather des Ultralaufes. Er kam mit seiner Freundin direkt aus New York zurück, wo die beiden eine 10 Tages Lauf mitgemacht haben. Das heisst, 10 Tage wird auf einem Rundkurs gelaufen, der eine Meile lang ist. Dabei hat er mal eben 701 Runden zurück gelegt. Sowas ist normal im Leben des Achim Heukemes. Klar, dass er nach dieser Belastung und mit der Zeitumstellung nix auf die Reihe kriegt an diesem Tag, was sich auch im Ergebnis niederschlug. Immerhin benötigte er 3:14 Stunden für den Marathon. Öhm.
So nun war es soweit, der Start stand bevor und mit 'Final Countdown' wurden wir ohne Knarre auf die Reise geschickt.
24 Knackis und etwa 100 in Freiheit lebende, dazu noch 4 Einradfahrer.
Der Kurs war natürlich so gelegt, dass man sich zwangsläufig ständig begegnet. Es gab etliche 90° Kurven und 2 komplette Wenden um einen Hut herum.
Einen Läufer kannte ich noch von einem anderen Laufforum und er grüßte mich bei jeder Begegnung. Also etwa 80 mal.
Die Stimmung war prima. Die Inhaftierten, die nicht mitliefen, durften dem Lauf zusehen. Da wären die normalen Knackis, die sich hinter einer Absperrung aufhielten und uns zusahen.
In einem anderen, abgesperrten Bereich waren wohl die harten Kaliber, die hinter einem Zaun waren und uns anfeuerten. Wobei das 'Uns' eher den Mitläufern galt, die dort ihre vorübergehende Heimat hatten.
So wurde gerufen 'Auf gehts Mohamed, gib Gas Azil, hau rein Robert' Es gab ganze 3 Mohameds, die angefeuert wurden.
Wir liefen um die verschiedenen Gebäude herum, um Knastwerkstätten herum. Es gab eine Schreinerei und sogar eine Gefängniseigene Buchbinderei.
Ich hatte aber meist das Gefühl durch einen asphaltierten Park zu laufen, wenn da nicht immer der Anblick von bis zu 8 Meter hohen Betonwände mit darauf liegenden Stacheldrahtrollen und die coolen Wärter gewesen wären.
Die Wärter machten es sich in Stühlen bequem und hatten meist auch die Beine auf dem Tisch liegen.
Kurz vor dem Ende einer Runde, die 1754 Meter lang war, kam man an dem Spalier unserer Zuschauer vorbei. Ein Meer von dunkelroten T-Shirts, die uns beobachteten und sofort in Jubel ausbrachen, wenn Mohamed, Janusz oder Björn vorbei liefen. Manch einem Insassen war der Lauf auch herzlich egal und so wurde eben am Rand Backgammon oder Karten gespielt. Das muss man schon ausnutzen, wenn man zusätzlichen Freigang bekommt.
So lief ich also meine Runden und benötigte meist so um die 9:30 Minuten für eine Runde. Aber ich hatte schon nach einer Weile ständig Seitenstechen und mein Bauch grummelte blöd vor sich hin. Dennoch hielt ich eigentlich mein Tempo, denn so um die 3:45 Stunden wollte ich in etwa brauchen. Den Halbmarathon schaffte ich auch genau in 1:52:30, das wär genau im Soll gewesen. Das Problem war aber neben meinem Bauch und dem Seitenstechen die Füße. Ich hatte meine Leichtgewichtschuhe an, aber ich hätt besser gedämpfte Schuhe nehmen sollen, denn die Mischung aus Asphalt und dem Beton hat mich zunehmend zermürbt. Ich spürte schon bald meine Knöchel und mir taten die Füße mehr und mehr weh.
Nach 13 Runden nahm ich mir eine 5-minütige Auszeit und gab noch schnell eine Stuhlprobe ab.
Ab da ging es mir aber auch im Bauch besser. Kluge Entscheidung. Schneller wurde ich aber deswegen nicht. Im Gegenteil, meine Zeiten wurden von Runde zu Runde langsamer. Das Wetter war auch schön schwül. Es war zwar nicht so heiß, aber die Schwüle, die war nicht zu unterschätzen.
Nach zwei Stunden waren plötzlich alle Knastzuschauer verschwunden, aber eine Runde später waren alle wieder da. Achne, ich merkte, dass wir frische Zuschauer bekamen. Das kriegt man wohl auch nicht überall geboten, dass man bei einem Marathon mitten im Rennen neues Publikum bekommt.
Der erste Block musste wieder in ihre Zellen, dafür durfte der nächste Block den Rest des Rennens anschauen. Die Leute hinter den Zäunen blieben aber verschwunden.
Die Verpflegungsstelle war super. Wo kriegt man schon alle 1700 Meter ein reichhaltiges Buffett gestellt und Helfer, die sich darum rissen, einem den Becher in die Hand zu drücken.
'Komm, nimm von mir das Wasser, das ist viel besser, als das von meinem Kollegen, probiers aus'
Auch Cola und Apfelschorle gabs. Dazu noch Bananen und Müsliriegel.
Nach 18 Runden ging es immer weiter bergab mit meiner Konstitution und so hatte ich keinerlei Zeitambitionen mehr. Pfeif drauf. Lauf einfach dein Ding durch und freu dich am Marathon. Ja, freuen ist gar nicht so leicht, wenn die Füße meckern und die Beine schwerer werden. Dazu kam auch immer die gleiche Stelle, die alle Läufer mehr oder weniger fertig gemacht hat. Man lief in Richtung Westen (glaub ich) auf die Knastmauer zu und da stand die Luft drin, das war wie eine Wand vor der Wand und immer öfter musste ich bei diesem Teil eine Gehpause einlegen. Um das Gebäude herum fiel mir alles furchtbar schwer, aber ich war nicht allein. Es gab mal einen Zeitpunkt, da zählte ich an der Stelle 11 Geher, was mich dann aber wieder motivierte weiter zu laufen.
Ich gewöhnte es mir auch an an der Verpflegung Getränke zu nehmen und 100 Meter oder etwas mehr zu gehen.
Runde für Runde lief ich also weiter und mir wurde auch klar, dass ich nicht mal die 4 Stunden schaffen würde. Naja, auch egal.
Der Sprecher im Zielbereich war auch super drauf. Der hat die meiste Zeit geredet und das über 5 Stunden. Über jeden wusste er etwas zu berichten, rief ständig die Namen von den Läufern in die Runde. In seinen Sprechpausen lief prima Musik, ala 'I need a hero', 'we are the Champions' usw.
Mittlerweile war auch schon der Sieger im Ziel und auf seiner letzten Runde hab ich ihm beim entgegen Kommen noch applaudiert. In 2:53 schaffte er die Strecke. Ein weiterer Läufer blieb noch unter 3 Stunden. Aber ich schleppte mich noch brav über die Runden. Aber dennoch geht auch jeder Marathon zu Ende, auch wenn man das nach 35 km noch nicht so recht glauben mag.
Doch irgendwann war ich auf der letzten Runde und lief gemächlich ohne Endspurt ins Ziel. Geschlagene 4:07 Stunden hab ich benötigt. Na, egal. Hauptsache Spaß hats gemacht.
Der Achim Heukemes war natürlich längst im Ziel, blieb dort aber stehen und beglückwünschte jeden einzelnen Finisher. Natürlich wartete er auch auf seine Freundin, die ein paar Minuten nach mir ins Ziel kam.
Nachdem mir die Medaille um den Hals gehängt wurde, ging ich zum Verpflegungszelt und stärkte mich mit etlichen Streuselkuchen und Käsesemmeln, Fleischbrühe. Der Küchenbeauftragte kam kaum nach mit dem Bringen der Semmeln. Wir hatten schließlich alle Kohldampf.
Ich traf im Zelt dann auf meine Laufkollegen aus dem Internet und plauderten über den mehr als gelungenen Lauf.
Jeder trank einen Kaffee, aber erst wurde gefragt, wo denn die Milch sei? Die ist drüben im andern Zelt, müsste man holen..... Also tranken wir den Kaffee eben schwarz. Wir gehen doch nicht freiwillig 5 Meter und wieder zurück???
Einige Knackis saßen mit uns im Zelt und es war schon nett anzusehen, wie sie alle ausgelassen waren und glücklich darüber einen Marathon gelaufen zu haben. Einer sagte immer, dass er es gar nicht glauben kann, dass er jetzt tatsächlich Marathon gelaufen ist. Auch sie hatten alle viel zu erzählen von ihrem Erlebnis.
Das Halloooo steigerte sich noch, als der Küchenmensch mit einem Wagen ankam, wo vier Kästen Bier drauf standen. Sofort stürzte man sich drauf, aber es handelte sich nur um Malzbier. Hätte mich auch ehrlich gewundert, wenn es richtiges Bier gegeben hätte. Aber die Freude war nur kurz getrübt und ratzfatz hatten wir alle ein Malzbier in der Hand.
Einer der Insassen meinte, 'Ich hoffe, ihr seid nächstes Jahr alle wieder dabei.... aber ohne mich, denn ich werd dann nicht mehr da sein' worauf er uns zuprostete und breit grinsend einen tiefen Schluck aus dem Malzbier nahm.
Die Atmosphäre war einfach nur toll, sowas erlebt man nicht in der Anonymität eines Berlin- oder Münchenmarathons.
Nachdem ich mich nun etwas erholt hatte, ging ich zu den Umkleiden, holte meinen Wäschesack und zog mich um.
Schwermütig gingen wir auf den Ausgang zu und mussten das Gefängnis wieder verlassen. Das war schon ein sehr merkwürdiges Gefühl, wieder vor der Tür zu stehen und keine Mauer vor der Nase zu haben.
Ich denke jetzt an die Insassen, für die ab Heute wieder der schwere Alltag in Gefangenschaft abläuft, ein Tag wie der Andere. Aber die Knackis konnten einen aussergewöhnlichen Tag genießen, der für sie einen Hauch von Freiheit hatte.
Doch jetzt hieß es 370 km Heim fahren. Zurück in den Regen.

Das war für mich schon ein sehr intensives Erlebnis und so einen 'beknackten' Marathon, den man auch noch doppelsinnig nehmen kann, würde ich sofort wieder machen.
Es ist auch erstaunlich, was man für das Startgeld von 10 Euro alles geboten bekam. Absolute Vollversorgung, eine Medaille, eine gute Laufmütze, ein T-Shirt, eine DVD von der Marathonaufzeichnung, eine CD mit Fotos und superfreundliche nette Leute, soweit das Auge blickte.

3 Kommentare 19.5.08 09:23, kommentieren

Würzburg Marathon

Bonjour, isch bins
So sagt man im Elsaß
Aber ich will ja von Würzburg erzählen.
Es klingelte der Wecker, blabla, Frühstück, blabla, auf dem Weg zum Marathon, blabla

Zeitsprung

Um 10:03 fiel der Startschuß für den zweiten Block, in dem ich mich ganz vorne aufgestellt hab. War prima, keiner vor der Nase und kaum Leute, die mich überholt haben.
Ich hab mir eigentlich vorgenommen, wieder die 3:30 Stunden in Angriff zu nehmen, aber nachdem ich am Vortag den Wetterbericht gehört hab, hab ich das nicht mehr in Erwägung gezogen. Bis zu 22° und strahlender Sonnenschein. Nönö, das lass ich mal besser bleiben. Also lauf ich einfach so mit.
Die ersten Kilometer lief ich aber noch so zwischen 5:09 und 5:20. Fühlte sich prächtig an. Und am Vormittag wurden wir auch noch nicht so gegrillt von der Sonne. 22° ist eigentlich nicht viel, aber wenn es der erste Tag im Jahr ist, mit solchen Temperaturen, dann wird das nicht gut fürs werte Marathoniwohlbefinden.
Dieses Jahr war es ein einfacher Rundkurs, nachdem es die Jahre zuvor immer zwei Runden in Würzburg waren.
Da WÜ nicht sooooo groß ist, mussten sich die Veranstalter ganz schön verkünstelt.
So war es denn, dass man viele Straßen doppelt lief, ein paar Straßen sogar 3x. Ob das mental so toll ist, das sei mal dahin gestellt. Ich finds nicht sehr toll in einer Straße die Kilometerschilder für 9 km, 18 km und 39 km stehen zu sehen. Ausserdem wollte man uns in der Ausschreibung weiß machen, dass es sich um einen schnellen, flachen Kurs handelt. Dass das auf einer Einrundenstrecke in WÜ nicht funktioniert, ist mir klar, aber vielen andern Läufern nicht, die extra auf eine gute Zeit hintrainiert haben und denen es sowohl wegen den zahlreichen Hügeln und den Temperaturen die Zeit verhagelt hat. Schade drum. Aber mir wars ja wie gesagt wurscht.
Ich lief entspannt vor mich hin und dackelte der Läuferschar hinterher. Dass die Streckenorganisation noch ein bisschen verbesserungswürdig ist, merkte man dann auch, als von links die Nordic Walker ankamen und die Straße der Marathonläufer queren mussten. Ausserdem wurden die NWler fehlgeleitet, was sich daran auswirkte, dass die NWler nicht 16 sondern nur 10 km gegangen sind.
Beim HM gabs auch noch ein paar Pannen. Läufer, die um Platzierungen kämpften, fanden sich plötzlich auf der falschen Fährte wieder und liefen einen Kilometer zu weit. Den zweiten und dritten Platz holten dafür andere Läufer. Dass die stinksauren Läufer den Organisator zur Brust nahmen, war nur verständlich.
So, nun aber wieder zu meinem Lauf.
Bei km 19 trennte sich die Halbmarathonmeute von den Marathonis, die noch ein Stück zu bewältigen hatten und schon wurde es übersichtlich.
Es ging über eine Mainbrücke und am Start/Zielgelände entlang.
Dann bei 22 km sah ich meine Kerstin und die Susanne mit Kind am Rand stehen. Da musste ich doch natürlich stehen bleiben und ein bisschen Kussmotivation einholen. Wir unterhielten uns noch 2 Minuten und nachdem der Peter an mir vorbei gerauscht ist, hab ich mich mit den Worten 'Den krieg ich noch' verabschiedet.
So lief ich wieder los, als mir nach 500 Metern einer von hinten zurief, dass ich mich da so klammheimlich von hinten anschleiche und überhole.
Ach hallo, da überholte ich gerade den Richard.
Da es mir ja nicht pressierte, hab ich mich mit dem Richard unterhalten über sein Marathonwunschziel, über den Werner, seinen Bruder, der seinen ersten HM unter 2 Stunden gelaufen ist, obwohl er eigentlich gar nicht wirklich darauf hintrainieren konnte. Da geht noch was Respekt, respekt.
So liefen wir gemeinsam am Main entlang und ich hab mich als Paceläufer angeboten. So vergeht ja auch die Zeit viel schneller und man ist abgelenkt von seinen Gedanken, die einem während so einem Marathon durch den Kopf gehen.
Wir liefen weiter den Main hinauf und hatten immer leichten Gegenwind. Aber wenns Gegenwind gibt, dann gibts auch irgendwann Rückenwind. Ähm, das heisst *schwitz wie sau*
Kurz vor der 30 km Marke mussten wir auch umdrehen und hatten den Wind im Rücken. Es wurde superwarm, aber es ging hier auch leicht bergab.
Irgendwann ging der Häuserkampf wieder los, wir erreichten die Innenstadt von Würzburg. Dort wurde wieder kreuz und quer durch die Stadt gelaufen, die Läufer kamen einem entgegen, die schon mehr Strecke hinter sich gebracht hatten.
Richard hatte jetzt doch so seine Schwierigkeiten und wurde so nach und nach langsamer. Solche Schwächephasen sind mir auch bestens bekannt. Da reichts, da willst du ins Ziel und hast keine Lust mehr. Die Reststrecke, die nur noch Einstellig ist, kommt einem so elendig lang vor, obwohl man solche Strecken doch in jedem Training locker vor sich hinlaufen könnte. Bis km 38 zog ich den Richard nun mit, immer guckend, ob er auch noch hinter mir ist. Aber dann bei km 39, als der Richard von einer Passantin Cola bekommen hat, haben wir uns wohl aus den Augen verloren.
Und so zog ich mein Tempo auf den letzten 3 km nochmal an, nachdem mich plötzlich der Paceläufer für 4 Stunden überholt hat.
Ich war jetzt an der alten Mainbrücke, aber nö, es ging noch nicht drüber, man musste nochmal eine Schleife um die Häuser einlegen. Auch nicht gerade stimulierend fürs Gemüt.
Aber was solls, ein Marathon ist 42,2 km lang, egal wie und wo man läuft.
Auf den letzten 1600 Metern überholte ich ein Päärchen, als ich die beiden überholte, meinte die völlig erledigte Frau, dass sie einfach nicht mehr kann, sie kann nicht mehr.
Ich hab mich umgedreht und gerufen, dass es nur noch 1600 Meter sind und das die paar Meter natürlich noch zu schaffen sind. Aber sie meinte nöööööööö, geht nicht mehr, aber sie lief weiter. Geht doch
Nun durfte ich auch schon über die Mainbrücke und dann wars auch nicht mehr weit. Ich überholte wieder den Paceläufer für 4 Stunden und als ich an ihm vorbei lief, gab er mir die Hand und gratulierte mir, dass ich die 4 Stunden schaffen würde. Ähm, ja danke.
Nun waren es nur noch ein paar hundert Meter und in der letzten Kurve durfte ich nochmal meinen Schatz küssen, der hier auf mich wartete. Aber jetzt hielt ich mich nicht bei ihr auf und lief erstmal ein bisschen ins Ziel, um mir das verdiente Beweiseisen um den Hals hängen zu lassen.
Nachdem ich den Peter gleich im Ziel getroffen hab, bin ich direkt zum Weißbierstand gelaufen und hab zwei davon eingeschenkt um wieder zu Zielbereich zu gehen. Ich war kaum zurück, kam auch schon der Richard ins Ziel gelaufen.
Nicht wirklich glücklich, nicht wirklich enttäuscht verkündete er mir seine Zeit, worauf ich ihm erstmal ein Weißbier überreichte.
Es war schon schön in WÜ. Hat mir wieder gut gefallen, aber ob die Würzburger Organisatoren sich damit einen Gefallen getan haben mit dem Einrundenkurs, ich glaubs ja nicht unbedingt. Denn die Leute, die da waren wissen jetzt, dass der Kurs nicht flach und schnell ist.
Anderen Läufern stößt es sauer auf, wenn sie den Prospekt vom nächsten Jahr lesen und erkennen, dass Pauschal 6 Euro mehr bezahlt werden sollen.
So wird das nix mehr mit 5000 Teilnehmern.

Der Sieger kam erst nach 2:30 Stunden ins Ziel. Er wollte aber 2:19 laufen.
Die Siegerin benötigte 3:01. Auch keine Spitzenleistung. Und auch darauf wird geguckt.

So endete also mein 17. Marathon (Davon 3 Ultras)
In der ersten Hälfte hatte ich eine 1:53 stehen, auf der zweiten Hälfte eine 2:03. Gesamtzeit ist 3:57:14.
Und in knapp 2 1/2 Wochen wartet schon der 18. Marathon auf mich.

Bilder gucken?

Da die Nummer 2993 eingeben

4 Kommentare 1.5.08 11:07, kommentieren

Von Plänen und dem Über-den-Haufen-Werfen derselben

Freiburg, 6. April 2008, 11 Uhr 05, Marathonstart.

Der Plan war gewesen, den Marathon mit einer Pace von genau 5 Minuten zu laufen, und somit eine neue Bestzeit von knapp unter 3 Stunden 30 Minuten zu schaffen und meine bisherige Bestzeit von 3 Stunden 38 Minuten zu verbessern.

Soviel zum Plan.

Die ersten Kilometer lief ich schön in dem Tempo, das ich mir vorgenommen habe. Ich riss mich zusammen und hatte auch stets eine Pace von 4:58. So sollte es sein, dann könnte ich an den Verpflegungsstellen ein paar Sekunden verplempern.
Tja, wer 3:30 laufen will, muss um Sekunden feilschen. Jede Sekunde zu schnell würde sich grausam rächen, ich kenn mich doch.
Doch schon nach 4 km war ich doch schon am zweifeln, ob das überhaupt was wird. Ich hatte nicht das Gefühl, dass es im 5er Schnitt gut lief. Da hab ich ganz andere Tage erlebt, wo ich im Training 21 km in einer 5er Pace laufe und mich dabei super fühle. Hier in Freiburg nicht. Am Wetter kanns nicht liegen, das konnte kaum besser sein. Kalte 6-8°, hin und wieder tröpfelte es, eigentlich top. Die Strecke war auch äusserst flach, bis auf den Weg die Dreisam nach oben. Man sieht nicht, dass es bergauf geht, aber es ist so, das weiß ich seit einem Intervalltraining, das ich mal an der Dreisam gemacht habe. Naja, wir werden sehen. Noch bin ich bei km 5 und kann mein Tempo natürlich halten. Wär ja noch schöner. Dann am 5 km Schild stolperte ich über einen Teeraufwurf auf der Straße. Ich konnte mich gerade noch fangen, bevor es mich aufs Schnäuzchen gelegt hätte. Das brachte mich auch ein bisschen aus dem Rhytmus.
Die interessante Strecke führte durch die Altstadt, auf der Bundesstraße entlang und dann eben die Dreisam hoch und wieder zurück.
So nach 11 km dachte ich, es läuft doch jetzt ganz gut, die Pace fühlte sich schon etwas entspannter an, ich hatte ziemlich jeden Kilometer unter 5:00 aber mein GPS hatte mich da schon längst im Stich gelassen. Das Tempogefühl war trotzdem da.
Angenehm war, dass es beim Wendepunkt der Dreisam immer schön ganz leicht bergab ging. Das war super, trotz Gegenwind.
Nach 15 km hatte ich den Pacemaker für die 3:30 Stunden eingeholt und ich war drauf und dran ihn zu überholen, aber ich sagte mir, neeeeeee, das kann ich nicht machen, das müsste ich büßen.
Wir kamen nach 18 km etwa in Herdern an und da tobte ganz schön der Bär, da war mehr geboten als beim wilden Eber in Berlin, da war Stimmung, da war die Hölle los. Nett war das.
Nach 21 km lief man wieder am Start vorbei und lief auf die zweite Runde. Ich hatte eine Zeit von 1:45:20 auf der Uhr, also müsste ich noch 20 Sekunden aufholen um die 3:30 zu knacken.
Die Pacemaker machten ihre Arbeit prima und ich lief ihnen brav hinterher. Aber wie ich schon geschrieben hab, es lief einfach nicht sooooo toll, wie ich mich eigentlich fühlen sollte.
Bis km 25 konnte ich die Pace auch gut halten, aber dann wurde ich langsamer. Was mir dann auch noch den Mut versemmelt hat, den Pacemakern zu folgen, war die Stelle, die nun bei km 26 war. Der Teeraufwurf, der mich wieder stolpern ließ. Wild rudernd hab ich mein Gleichgewicht gehalten, aber ich bin so erschrocken, dass ich um einiges langsamer wurde. Es wurde kurz dahinter leicht bergauf gelaufen zu einer Brücke und da war der Pacemaker auch schon 100 Meter von mir weg. Die Motivation hatte ich nicht, ihm zu folgen und wieder aufzuschließen. In dem Moment gab ich es auf unter 3:30 zu kommen. Hat so keinen Sinn nicht, ich kann nicht weiter unter 5 Minuten laufen für den Kilometer. So lief ich zwar immer noch recht flott vor mich hin, aber mit 5:07 war ich einfach zu langsam und schneller wurde ich auch nicht mehr. Bei den Verpflegungsstellen legte ich auch noch Gehpausen ein und lief angestrengt wieder die Dreisam nach oben.
Kurz vor der Wende hab ich nochmal eine Gehpause gemacht und nun durfte ich auch wieder leicht bergab laufen. Es lief, aber es lief nicht locker.
Nach etwa 27 km kamen uns die Läufer entgegen, die noch den Weg die Dreisam entlang laufen müssen. Ich sah in der Ferne eine grüne Jacke, die Jacke von Kerstin. Ich winkte ihr fröhlich zu, wir blieben beide stehen und küssten uns.
Wie läufts? Fragt sie und ich sag: 'Scheíße' Worauf sie mich ganz erschrocken anschaut. Nein sooo scheiße gehts mir auch nicht, es geht schon, aber zäh.
Und wie gehts dir? Kerstin gings super, das freute mich und dann trennten wir uns wieder und liefen weiter unseren Lauf.
Nun lief ich ohne Zielvorstellungen vor mich hin und hörte auf mich, statt auf die Uhr. Die Pace hats mir verhagelt, ich war nun immer deutlich über 5 Minuten. Naja, wurscht.
Ich rechnete ab km 32 aber vor mich hin, ob ich denn wenigstens eine neue Bestzeit hinkriege und das könnte noch hinkommen. Für die restlichen 10 km müsste ich immer unter 5:30 laufen, dass das noch knapp hinhaut. So rechnete ich jeden Kilometer vor mich hin, machte noch 2, oder 3 Gehpausen und lief dem Ziel entgegen. Meine Güte, muss denn so ein Marathon immer so lange sein? Aber nach 38 km wars auch wieder ok, dann sinds nur noch 4 km und die krieg ich doch wohl auch noch gebacken. Die Pace hatte ich sogar wieder bei etwa 5:15. Immerhin.
Es kam km 40, schließlich 41 und bald hörte ich auch schon das Ziel, das jenseits der Eisenbahnbrücke auf dem Messegelände ist.
Ich bog um die Kurve und sah das ersehnte Ziel auch schon. Neben dem Ziel gabs auch noch einige Fotografen, denen ich noch mein Siegerlächeln schenkte. Ein bisschen Theater muss schon noch sein im Zieleinlauf und ich muss auch sagen, dass die Bilder sehr gut gelungen sind. Ich sah auch überhaupt nicht kaputt aus.
Achso, ich lief also ins Ziel und stoppte meine Zeit bei 3:36:14. Das war tatsächlich eine neue Bestzeit für mich, aber die 3:30 hab ich doch um ein paar Minuten verpasst.
Ich holte mir das Beweiseisen ab und eine weiße Plastikfolie, in der alle Läufer wie kaputte Engel aussahen mit dem Isogetränk in der Hand.
Schnell ein bisschen was getrunken und gefuttert und gleich wieder in den Zielbereich gegangen, weil ich Kerstin einfach alles zutraue. Und siehe da, ich hab knapp 5 Minuten gewartet, da kam sie auch schon angebrettert und legte noch einen zauberhaften Zielsprint hin um mir weinend nach 4:04:12 Stunden überglücklich in die Arme zu fallen.
Boah, was bin ich stolz auf sie. Das Training hat ja mal richtig bei ihr was bewirkt und das sind 20 Minuten, die sie von ihrer alten Beszeit abgeknabbert hat. Irre, oder?

So, was machen wir denn nu? In knapp 3 Wochen wär wieder ein Marathon, den wollen wir schon machen, aber mit welchem Ziel? Soll ich es nochmal probieren mit den 3:30? Vielleicht erwisch ich einen besseren Tag für mich? Soll ich mich als Pacemaker für Hase zur Verfügung stellen, dass sie die 4 Stunden knacken könnte? Oder laufen wir einfach gemütlich vor uns hin? Schau ma mal.
Die weiteren Pläne sind dann: Ich muss am 18. Mai in den Knast und im Juni ist Marathon im Elsaß. Schließlich kommt noch im Juli der gute, alte König Ludwig Marathon in Füssen.
5 Marathons in 3 1/2 Monaten. Das geht scho.
Danach wird auf einen schnellen Halbmarathon hintrainiert.
Ist der erledigt, können wir gern noch ein paar entspannte Marathons laufen.

Achja, in den Knast muss ich, weil dort in der JVA in Darmstadt der Knastmarathon statt findet.
28 Gefangene und 72 Gäste dürfen sich auf einer 1700 Meter Runde austoben und einen Marathon laufen.
Das läuft richtig professionel ab, mit Champion Chip und super Trainingsplan für die Knackis.
Darauf freu ich mich auch. Ich bin doch ein Fan von solch schrägen Veranstaltungen.

9 Kommentare 9.4.08 14:24, kommentieren

Halbmarathon in Gray

So, nachdem Kerstin von ihrer Superbestzeit geschrieben hat, schreib ich auch noch einen Bericht von Gray.
Naja, wo fang ich denn an?
Am Start, das wär ja logisch, nicht wahr?
Ich hab drauf spekuliert, dass ich meine HM Bestzeit von 1:36:38 unterbieten könnte, wenn alles prima läuft. Wir werden sehen.
Pünktlich zum Start schoß jemand in die Luft, beziehungsweise in den strömenden Regen und die 481 Halbmarathonläufer stoben davon.
Ich stand ziemlich weit vorne, aber es war ok so. Nix Gedrängel. Ich habs gut erwischt diesmal.
Den ersten Kilometer lief ich natürlich viel zu schnell, in 4:12. So gehts ja net. Wobei ich sogar am Anfang ne Pace unter 4 Minuten hatte, aber schnell hab ich mich eingekriegt.
Schon hat es wieder aufgehört zu regnen, aber plötzlich war da ein Berg. Der war so 600 Meter lang. Gar nicht geil, kann ich gar nicht brauchen. Da verhagelts dir dein Vorhaben schon nach 2 km.
Ich musste mich zusammen nehmen um nicht zu schnell hoch zu laufen. Pfeif auf die Pace in dem Moment.
Nun denn, den Kilometer konnt ich nur in 4:52 machen, wobei das auch noch recht flott war für den Berg. Oben angekommen musste ich erstmal durchpusten. Das fiel leichter, weil ich ordentlich Luft bekam von dem starken Gegenwind.
Ich hab mich an zwei Kollegen gehängt und hab mich in den Windschatten gestellt. Das funktionierte einigermaßen und sie hielten mir den Wind ab. So konnte ich schön in 4:32 er Pace laufen. Manchmal 4:28, dann wieder 4:34. Es lief ganz gut soweit. Schließlich bog man ab und hatte Seitenwind. Das war etwas angenehmer.
Nach 5 km schlief mir langsam der linke Fuß ein. Was soll DAS denn jetzt? Ich schnüre meine Schuhe nie zu fest und das war auch heute auf keinen Fall so.
Immer mehr schlief mir der Fuß ein und es gab ein paar Stellen, an denen ich mit der Zeit kein Gefühl mehr hatte. Ich konnte es mir aber auch nicht erlauben da mal stehen zu bleiben und die Beine auszuschütteln.
Mit Rückenwind legte ich die nächsten Kilometer zurück, mit dem Nachteil, dass es furchtbar warm in den Klamotten wurde. Ausserdem schlief mein Fuß immer fester vor sich hin. Ihm war vielleicht langweilig.
Nach 10 km hatte ich 45:23 auf der Uhr stehen. Super, passt. Damit könnts sogar knapp reichen für die Bestzeit. Das fanden meine Füße auch und nach 11 km wachte der linke Fuß auch langsam wieder auf. Schon komisch, oder?
So tingelten wir nun an der Saone entlang, rauf auf eine Brücke, was mir natürlich wieder die Pace verhagelte und den 12. Kilometer lief ich nur in 4:40. Wo soll ich bloß die Sekunden aufholen?
Ich versuchte etwas schneller zu laufen, aber es ging nicht. Ich war haargenau an der Grenze. Lief ich 2 Sekunden schneller auf den Kilometer, merkte ich sofort, wie ich zumachte. Lief ich die 2 Sekunden wieder langsamer, war ich im Soll und konnte das Tempo beibehalten, das immer so bei 4:32 war.
Die Kilometer bis 16 liefen sehr gut und dann plötzlich regnete es wieder. Sehr pünktlich zu dem Zeitpunkt wo man nach 17 km nach rechts abbog und voll in den Gegenwind hinein. Es war fies, es war hart. Mir regnete es voll ins Gesicht rein und der starke Wind erledigte den Rest. Ich versuchte die Pace zu halten, aber es ging halt einfach nicht. So lief ich die folgenden Kilometer alle in 4:40 - 4:42 er Pace und so sah ich auch endgültig die Bestzeit dahin schweben.
Doch irgendwann hört jedes Rennen auf und schließlich kam ich nach 1:38:48 im Ziel an.
Nix Euphorie, nix Hochgefühl. Aber ich war trotzdem nicht unzufrieden mit der Zeit. Geht scho.
Ich frag mich bloß wo ich die 2 Minuten verloren hab. Da war natürlich der Berg und die letzten vier Kilometer. Aber dazwischen war ich eigentlich immer im Soll. Naja und der Lauf war wohl auch ein paar Meter länger.
Ich hängte mich nach dem Zieleinlauf erstmal über ein Gitter und ein besorgter Mitarbeiter kam zu mir und fragte, obs mir gut ging. Ich winkte bloß ab, aber er fragte mich nochmal, obs mir gut geht. Ja, es ging mir ganz gut, wie es einem numal so geht nach nem Halbmarathon.
Auf dem Weg zur Verpflegung gabs noch für jeden einen wunderschönen Pokal, den Hase sofort in den Müll werfen wollte, weil er einfach so prächtig anzusehen ist
Die Versorgung übrigens im Ziel war natürlich wieder tipptopp. Da sind die Franzosen echt der Hammer. Da wirst du versorgt wie ein König.
Aber ich hatte jetzt erstmal nicht viel Zeit um zu futtern, denn ich wollte unbedingt den Zieleinlauf von Kerstin sehen. So zog ich mich schnell am Auto um und trabte vor zum Ziel und siehe da, nach 1:53:19 kam Hase ums Eck gebretzt und hatte noch reichtlich Kraft für einen Schlussspurt. Sofort im Ziel nahm ich sie in die Arme und war mit ihr happy, dass sie so eine Superzeit gelaufen ist. Gleich kam auch wieder der Mitarbeiter an und fragte, ob es Kerstin gut geht. Ca va. Ca va et toi? Grins.
Nun wurde es aber Zeit, dass wir uns aufs Bufett stürzten. Die Lebkuchen, Orangen, Trockenfrüchte etc. warteten auf uns und vorallem der heiße Tee.
Hase kam auf dem Grinsen gar nicht mehr raus und ich grinste mit ihr mit. Schööön.
Ich bin fei scho arg stolz auf meinen Schatz und bin bestimmt auch ein bisschen schuld daran, dass sie so eine Zeit gelaufen ist.
Und dann fuhr ich uns im Regen zurück in den Hasenstall, wo wir gegenseitig unsere Heldenschmerzen klagten, wobei wir nicht vergaßen zu grinsen.
Zuhause angekommen, versuchten wir aus dem Auto zu steigen. Vor uns standen 5 Leute und waren sich gerade einig, dass alles immer schlimmer wird, denn auch hier war Kommunalwahl, als wir unsere lädierten Gräten aus dem Auto wuchteten und gleichzeitig: Aua, au, Aua sagten. Die Leute sahen uns etwas seltsam an, denn wer sagt schon aua und grinst dabei? Die Deutschen sind ja komisch drauf.

(Die Seite von myblog.de hat wohl momentan a bissal Schwierigkeiten.)

18 Kommentare 17.3.08 12:17, kommentieren

10 km von Kempten

Es gibt wieder etwas von einem Wettkampf zu berichten.
Gut, viele Wettkämpfe warens ja nicht dieses Jahr. Zwei gingen mir ja durch die Lappen, weil ich mir eine halbe Stunde vor dem Start zum Zugspitzarenalauf den Fuß verknackst hab. Damit ging mir auch der heißgeliebte König Ludwig Marathon flöten. Naja. Pech.

Nach dem Desaster von Immenstadt, wo ich ja elendig vor die Hunde ging und ich mich mit über 50 Minuten ins Ziel schleppte, war ich jetzt viel besser vorbereitet. Klar hatte ich nicht die Höchstform, aber ich fühlte mich recht gut. Eine Zeit von unter 45 Minuten sollte ich doch hinkriegen?!
Zunächst klingelte aber der Wecker schneite es aber heftig im Ostallgäu. Fette Flocken fielen vom Himmel.
Ja Mahlzeit, das kann ja was abgeben. Und dafür hab ich trainiert? Nützt ja nix.
Und so fuhr ich nach Kempten und Hase sagte noch. Hasenmann, da ist doch diese Wettergrenze zwischen Ost- und Oberallgäu. Wirst schon sehen, da liegt gar kein Schnee in Kempten. Na wenn Hase das sagt, dann wirds schon so sein.
Ich fuhr also nach Kempten und tatsächlich, ohne Scheiß, in Kempten lag kein neuer Schnee, nö. Sogar die Sonne schien ein bisschen vor sich hin. Tja, Kerstin weiß das als alteingesessene Allgäuerin
Ich hab also meine Startnummer geholt und mich warm gemacht. Da traf ich auch auf Werner und Richard. Die auch mitlaufen würden.
Also noch zusammen warm gelaufen und über Zeitziele gefachsimpelt und dann stellte man sich auch schon bald zum Start auf. Knapp 1000 Leute sollten auf die Strecke gehen. Ganz schön eng an der Iller entlang.
Der Startschuß fiel pünktlich um 13:30 Uhr und los ging die Hatz nach Minuten. Ein bisschen eng wars schon am Anfang, aber ich hab trotzdem einen guten Ausgangsplatz gefunden. Kaum Herrschaften, die meinen mit Zielzeit 1:10 Stunden ganz vorne neben Dr.Miksch stehen zu müssen, der locker in 35 Minuten den Lauf abspult.
Nach dem erste Kilometer hatte ich eine 4:30 stehen. Voll im Soll, würde ich jeden Kilometer so laufen, wäre das eine 45 er Zeit. Ich hatte aber meine Demut gewonnen für die Strecke und hielt mein Tempo im Zaum, obwohl ich mich gut fühlte. Auch 10 km können lang sein.
Es war meist flach, dennoch führte die Strecke auch dreimal unter eine Brücke, die dann aussenrum hoch gelaufen wurde. Das waren nunmal Steigungen. Dort war auch das nördliche Ende der Strecke erreicht. Auf der andern Seite der Brücke lief man wieder hinab und schon gings zurück auf der anderen Seite der Iller. Dort wurde auch wieder eine Brücke überquert und schon hatte man eine Runde geschafft.
Mir gings nach der ersten Runde sehr gut und mit einem Schnitt von 4:28 lief ich in die zweite Runde. Bald kam km 4 und nach km 5 war auch schon die Hälfte geschafft. Ich dachte an Immenstadt von vor 4 Wochen, wo ich am liebsten stehen geblieben wäre und freute mich, dass es mir gut ging.
Wieder hoch zur Brücke, diese überqueren, zurück.
Ich dachte mir, ich will nicht überrundet werden von den Spitzenläufern, die bald hinter mir auftauchen müssten. Aber ich schaffte das selbst auferlegte Ziel. Die Sieger hab ich nicht gesehen.
Schon war ich auf der dritten Runde und soooo leichtfüßig war ich dann doch nicht mehr, aber egal, es waren die letzten 3,4 km, da geht nicht mehr viel schief. Ich drehte immer an meinem Hasenring herum und dachte an meinen Schatz, dass sie jetzt ja auch bestimmt an mich denkt und das half mir auch das letzte mal die Brücke hoch.
Komisch, war die Steigung in den ersten beiden Runden auch so steil? Kam mir vorher irgendwie flacher vor. Aber ich glaub jetzt nicht wirklich, dass so ein böses Bauunternehmen schnell die Straße steiler gemacht hat. Rüber über die Brücke, runter von der Brücke und nur noch 1,6 km. Jetzt kann ich noch alles aus mir raus holen, jetzt is eh scho wurscht. So schaffte ich sogar den 9. Kilometer in 4:20 und freute mich, dass ich noch soviel Kraft hatte, aber nur bis ich 9,3 km hatte, denn dann war es vorbei mit der Herrlichkeit, das gute alte Laktat machte mir einen Strich durch die Rechnung und die Beine wurden wie Blei. Aber was solls, immerhin 7 km später als vor vier Wochen und so schleppte ich mich weiter die Strecke entlang und war fasziniert davon, dass ich plötzlich so im Eimer war. Nicht mehr lange, rüber über die Fußgängerbrücke nochmal am Zuschauerspalier vorbei gestapft und den 10. Kilometer in 4:43 vergeigt. Ziel? Nö. Nix Ziel. Das Ziel ließ noch 120 Meter auf sich warten und so kam ich nach 45:25 selbstgestoppten Minuten ins Ziel. Ich legte mich erstmal quer über eine Absperrgitter und war erledigt. So hing ich eine Weile darüber um nach einer schöpferischen Pause schließlich aus dem Zielbereich zu wanken.
Halbwegs zufrieden mit dem Ergebnis traf ich schließlich wieder auf Werner und Richard die auch ganz zufrieden waren mit ihrem Lauf. So wurde noch ein bisschen geplaudert und über das Laufjahr 2008 geredet und dann haben wir uns verabschiedet.

Ich fuhr aber noch nicht Heim, ich hatte noch Zeit und hab noch ein paar Caches in Kempten gesucht und gefunden. Mittlerweile hab ich schon 29 Stück gefunden, davon vier Stück heute. Ich hatte 8 Caches in meinem GPS gespeichert, aber die andern 4 ließ ich bleiben.
Bei einem Cache musste ich mich ganz schön gedulden, ich hab ihn zwar raffiniert getarnt gefunden, aber ich konnte ihn nicht heben, weil eine Frau mit Kind auf der Brücke 'Schnee in die Iller werfen' gespielt hat. So stand ich blöd mit meinem Block und einem Kugelschreiber herum und bewunderte die Statik der 'nagelneuen Kemptener Golden Gate Bridge' Als Mutti mit Kind wieder eine Schneeschaufel voll in die Iller warf, konnte ich den Cache holen, gemütlich rein schreiben, dass ich da war und musste aber wieder ewig warten, bis das Kind wieder eine Schaufel voll in die Iller warf. Blödsinnigerweise kamen noch zwei jüngere Leute des Weges und betrachteten die Statik der Brücke. Hmmmmm, auch Cacherkollegen? Demonstrativ guckte ich auf mein GPS um eventuellen Cacherkollegen subtil zu verstehen geben, dass ich auch vom Fach bin, aber einer guckte nur mal kurz her und beide verschwanden wieder. Nun konnte ich endlich wieder den Cache an seine Stelle heften und meines Weges ziehen.

So, das war dann also der letzte Eintrag für dieses Jahr.
Es steht ein spannendes neues Jahr bevor und das wird prima. Wir werden es erleben.
Ich wünsche euch allen ein gutes Neues Jahr 2008, dass alle eure Wünsche und Vorhaben in Erfüllung gehen.
Und nächstes Jahr an Silvester hab ich auch keine Nachtschicht

9 Kommentare 31.12.07 22:24, kommentieren

Do mechtasch doch verrecka

Hier mal ein Bericht im Allgäuer Dialekt.
Das wurde so gewünscht
Ich schreib ihn aber auch noch mal in Hochdeutsch hin

Am letschdn Sonndag war da Nikolauslauf Z'Immastadt.
Des sollt eigentlich bloß a normaler Genußlauf wera, i hau ma vorgnomma, dass sie so oisafuffzg Minuta loff, so hots ma o der Plan gseht.
Aber wia des halt so isch, es goht halt it, dass ma bei am Zehner langsam lofft. I ko it hofala vor mi nagrattla und links und rechts überholat die D'leit.
Ja mei. I hob mi davor no mitm Richard troffa, der dia 10 Kilometar in knapp 41 Minuta loffa wollt. Üüüüaaaa, des wear i it so schnell schaffa, weil i loff ja heit gmiatlich vor mi na, weisch?
So hot ma si an D'Startlinie gstellt und um kurz noch Ölfe hand sa D'leit losgrattla lau.
Auf da erschta 2 Kilometar isch mas eigentlich no ganz guat ganga, ich hau so aufd Uhr gluagat und bi statt in 5:07 in 4:33 gloffa. Des war z'schnell als wia i ma vorgnomma hau, aber o it soooo schnell, dass i wegs deam glei ind Ambulanz miest.
Aber so noch 2 km isch nachha los ganga. I weiß it, was des war. I bi so halb hi gwesa, i hau it gwisst wia ma gschieht. Des war grad a so, als hätt ma mia Bleimanschetta an d'Fiaß bunda. Und des Gwicht isch immer mehr wohra. Erscht isch ja no einigermaßen ganga mit 4:40. Aber noch 4 km isch dann so an Bichl naufganga, da hau ich gmoint i komm do nimm nauf.
Hindana isch mehr da Bichl naganga, nacha isch meah ganga. Nachdem i dia erscht Rund gmacht hau und scho d'Hälfte ghett hau, haun i ma denkt, jetzt heasch auf mit deam Schmarra, des hot heit koin Zweck und des war jetzt sowieso der letschte 10er den i jemals gloffa bi. Den Sülweschdalauf ko i ma o spara, i bi doch it da Depp und moch mi do hi.
Und wia i so vor mi rumfluach isch mas imma minder ganga.
Noch 6 km hots ma an Vogl nausghaut. Muasch a mol denka, i bi scho weiter über 5 min aufn Kilometer gloffa und des war ma no z'schnell. I bi allad noooo langsamer wora.
Wo i nacha bei 5:44 war und des Tempo mir immer no z'schnell war, hau i an dem Bichl, den ma mear naufloffa hätt solla, mei des globsch it, mir hots vool da Stecka rauszoche. I hau ganga miasa, den Berg... Schmarra, Berg wars ja it amol.... hau i it naufrenna kenna.
Mi hand Leit überholt, dia sigsch normal nia bei Wettkämpf.
Do sind oi dabei, dia hand sogar bei am 10 er a Trinkfläscha dabei. Ma kent ja verduuschda, moinat sa.
Und dann sind do no dia Leit, dia mitm Pulsmesser loffat und eistellat, dass sa it schneller loffa wend, als wia z.B. 169er Puls. Wennma schneller isch, na piepts. Aber weisch, die loffat schneller, um mi rum piepts, aber dia loffat dann aber o it langsamer. Des sigsch weiter vohna ita. Mir isch d'Lätsche ganz schea naghangat und a Gries hau i gmocht, wia zeah Dag Reagawedda.
Na, mir isch gleich. Mi hot dann oiner überholt, der gmoit hot, dass i it aufgeah soll. Des goht scho no. Na, des war it mei Daag. I bi dann meah weiter gloffa, jetzt hau i aber wieder a weng schneller kenna.
Komisch war, dass i so bei 8 km wieder schneller gloffa bi und i meah a baar Leit überholt hau. Oh dean, der mir vorhin no gseht hot, dass des scho no goht. I hau dann mea unter 5min/km loffa kenna und dann war o scho der letschd Kilometer und den hob i no in a 4:42 er Pace macha kenna.
Ich moi, wenn der Lauf 20 km ganga wär, na hätt i die zweiten 10 km schneller macha kenna, als dia erschta 10. So war i nach 50:18 Minuta im Ziel und hau ma denkt, do weasch doch heednarrat. Des war ja glei gar nix. So bin i a bissla schnella gweah, als wenn i so wia im Trainingsplan an Funlauf gmacht het mit 51 Minuten, aber so war ich Maushii.
Der Richard hots tatsächlich in 41 Minuta backt, obwohls doch a weng bucklig gweh isch. Reschpekt.
Mia hand dann no dia Siegerehrung agluagat. Der Nikolaus isch komma und der Krampus. Dann sott ma no singa. Aber i hau no nia gsunga, do fang i dean Schmarra jetzt o it a.
Danoch simma wieder Hoim gfahra und wia säht ma do?
Der Lauf war ernüchternd.

17 Kommentare 5.12.07 19:30, kommentieren

Berlin, Berlin, wir waren in Berlin

So, zurück aus dem Berlin Marathon Wochenende.
Da war ja einiges los. Nix für Klaustrophobe Menschen.
Entspannt fuhren wir am Freitag mit der Bahn in der ersten Klasse nach Berlin.
Dann erstmal zu Markus, zu einem Freund von Kerstin und jetzt auch von mir.
Sofort danach schauten wir, dass wir zur Messe kommen, um unseren Startkrempel zu holen. Es war einiges los. Ich will nicht wissen wie es am Samstag zugegangen ist.
Wieder Heim und lecker Nudeln gemümmelt.
Am Samstag war Shopping in Berlin angesagt. Am Alexanderplatz hats ein gigantisches Einkaufszentrum. Aber da gings auch so zu. Nix für Klaustrophobe Menschen.
Am Nachmittag Heim. Am Abend trafen wir uns mit Uli und Familie. Die Manu haben wir leider nicht angetroffen. Die Innenstadt war gesperrt, wegen dem Inlinermarathon und so konnte sie nicht über die Straße zu unserem Lokal.
Es war ein Italiener in Kreuzberg, indem noch richtig geraucht werden darf. (Kreuzberger Nächte sind lang, schalalaaaa) *Nerv, stör, wann kommt denn endlich das Rauchverbot auch nach Berlin?* Die Pizza war echt riesig, hing weit über den Tellerrand hinaus. Es gab auch scharfes Öl dazu. Und wer kann da nie nein sagen? Ich! Also druff mit dem Öl. Nix für Warmduscher. Ich kippte ordentlich Öl drauf und beim Finger ablecken dacht ich UPS, scharf!!!! Die Schärfe des Öls wurde von mir allgemein unterschätzt. Oh man. Aber da musste ich durch. Die Pizza war jetzt echt sauscharf und ich dachte mir nur immer, ich bin ein Trottel, das muss ich büßen. Aber mein Magen hat sich dann doch relativ ruhig verhalten. Ein bisschen hat er schon rebelliert, aber es ging.

Nun kam der Marathonsonntag, bei dem wir Haile Gebrselassie zum Weltrekord jagen wollten. Haben wir ja auch geschafft in 2:04:26.
Wir mussten aber bis wir wirklich an der Startlinie waren mindestens 4 km latschen. Von Zuhause zur Straßenbahn, zur S-Bahn, zum Startgelände. Das läppert sich. Wir warteten also vor uns hin und stellten uns irgendwann in Block H. Viele Menschen, nix für Klaustrophobiker übrigens.
Kurz vor 9 kam über die Lautsprecher 'Chariots of fire' aber nur für eine Minute, dann ein anderes Lied, das auch abgebrochen wurde, ersetzt durch ein anderes Lied, das auch abgebrochen wurde, dann wieder Chariots of Fire, das auch abgebrochen wurde, gefolgt von einem andern Lied, das auch abgebrochen wurde, gefolgt von Chariots of Fire, naja, wieder abgebrochen usw. Das nervte scho a bissal, ausserdem hatten die Lautsprecher einen Wackelkontakt. Es flogen zuvor die Luftballone in den Himmel. Aha, war wohl der Startschuß schon, geballert von Berlins Bürgermeister Wowereit. So weit hinten kriegste nix mit. Nur viele Leute um einen herum. Nix für klaustro..........
Soooooo, dann warten wir mal, bis der wilde Lauf voran geht. Aber es dauerte 25 Minuten bis wir über die Startlinie kamen.
Aber endlich durften wir uns auch auf die Reise durch Berlin machen. Da hatte der Haile schon 8 km hinter sich gebracht.
Gleich nach 600 Meter kam die Siegessäule. Das Tempo war bei 7 Minuten pro km. Ging nicht schneller, egal. Es dauerte doch 4 km bis wir schön unser Tempo laufen konnten, dann war die Menge auseinandergezogen. Nach 7 km meinte Kerstin 'Ich glaub, der Hammermann war gerade da' Hmmmmm????? Jetzt erst? Es war nicht Kerstins Tag, meiner eigentlich auch nicht. So richtig fit fühlte ich mich auch nicht. Ich hätte an diesem Tag keine Bestzeit machen wollen. Nene.
Das Wetter war prächtig, schön bedeckt, etwas Wind. Ideal zu laufen.
Nach 12 km fragte mich Kerstin, obs noch weit ist? Hmmmm??? Oha, ihr gehts heut nicht so dolle. Ab da hab ich mich auch immer bei Hase erkundigt, wie es ihr geht und schon nach 17 km meinte sie 'muss ja, muss ja'
Alle 5 km gabs Verpflegung. Ich würde sagen, funktionell eingerichtet. Es gab Wasser, ekelhaft chemisch schmeckendes Basica in leuchtend gelb und Tee. Dazu auch immer Bananen und Äpfel. Das wars dann auch. Wer Basica nicht trinken mag, hat bei isotonischen Getränken Pech gehabt. Kerstin konnte das Kontrastmittel auf jeden Fall nicht trinken. Ich zwang mich wenigstens dazu.
Nach 21 km war die Halbmarathonmarke erreicht. Keine Spur von Freude oder Hurra wir haben die Hälfte Euphorie bei Kerstin. Ich sah ihr an, dass sie es nicht glauben konnte, dass nochmal 21 km vor uns lagen. Dass hier schon einige Leute gehen mussten und die Laternen abstützten, machte es für sie auch nicht unbedingt leichter. Ich richtete sie auf, dass wir bei 28 km am wilden Eber vorbei kommen, da gehts immer voll ab, sagen die Leute. Also hangelten wir uns Kilometerweise voran. Dann kam auch der wilde Eber. Auf 200 Metern ein unglaublicher Lärm, aber das wars auch schon wieder. Eigentlich enttäuschend, wenn man doch schon so viel davon gehört hat, wie hier am wilden Eber die Sau raus gelassen wird. Naja. Ich konnte auf dem ganzen Lauf nicht umhin an meinen dritten Marathon in Hamburg zu denken, wie emotional mich die Zuschauer mitgenommen haben. Das war in Berlin längst nicht so. Von der Stimmung her am Streckenrand konnte Berlin absolut nicht mithalten, lediglich beim Zieleinlauf war Berlin heftiger. Aber soweit sind wir ja noch nicht.
Berlin ist aber dafür umso imposanter, größer, wuchtiger, eindrucksvoller von den Bauten her. Auch die Geschichte wird einem hier sehr nahe gebracht. Auf unserem Lauf konnten wir natürlich alles sehen, was man bei einer Sightseeingtour einfach sehen muss.
Schon öfters sagte Kerstin zu mir, dass sie nicht mehr kann, dass sie keine Kraft mehr hat und kaputt ist. Aber wir hatten doch noch 12 km vor uns nach 30 km. Ihr gings nicht gut. Ich hätte ihr gern ein bisschen Kraft von mir gegeben, aber das ging ja nicht. Es fiel ihr immer wieder so schwer anzulaufen nach einer Getränkestelle.
An einer Labestation wars ja 'superlecker'. Von der Organisation bekam der Stand 15.000 Becher zu wenig. Was hieß, dass die Becher mehrmals verwendet wurden. Sie wurden vom Boden aufgehoben und wieder verwendet. Das war nicht sehr appetitlich und hatte schon etwas skurilles, dass uns diese mehrmals gebrauchten labberigen Becher mit hygienebehandschuhten Händen gereicht wurde.
Nach 36 km waren wir wieder an einer Versorgungsstelle und da war es dann auch mit Hase geschehen. Sie schluchzte laut auf und weinte 'Ich kann nicht mehr, das sind noch über 6 km, ich bin fertig, ich kann nicht mehr' sie tat mir so leid, dass ich am liebsten mitgeweint hätte mit ihr. Ein Mädchen an der Getränkestation schaute erschrocken und mitleidig zu uns herüber.
Ich nahm meinen Hasen in die Arme und schlug vor, dass wir doch einfach gehen könnten ein Stück und wenns wieder geht, dann laufen wir weiter. Da riss sie sich los und lief weiter. Hase ist schon sehr zäh und kann kämpfen. Die Blöße des Gehens wollte sie sich nicht antun und so liefen wir auch die letzten 6 km weiter. Ich wieß ein paar mal darauf hin, dass wir gar nicht überholt werden und wir nur die ganze Zeit selbst am überholen sind, es läuft doch ganz gut, aber Kerstin interessierte das nicht sehr, sie wollte ins Ziel, egal wer überholt oder überholt wird.
Als wir am Potsdamer Platz ankamen, hatten wir nur noch 3 km zu bewältigen, sogar der Ku'Damm war schon hinter uns. Die Straße war breit und gut zu laufen. Dann kam eine Biegung nach links und in der Ferne sahen wir das Brandenburger Tor.
'Schau Hase, da vorne ist das Ziel, wenn wir da durch sind, sind wir gleich im Ziel' Aber es ist nunmal noch 2 km entfernt. Die Zuschauer wurden hier immer mehr und das Brandenburger Tor kam immer näher. Irgendwann konnte man die Quadriga gut erkennen, das Tor wurde größer und größer und da waren sie dann doch, die Emotionen, die ich bis dahin vermisst habe. Wir zwei liefen gemeinsam durch das Brandenburger Tor, an dem sich schon so viele Geschichten und Dramen abspielten. Ich berührte im vorbei laufen das Tor und hatten nun noch 300 Meter zu laufen. Hand in Hand liefen wir das letzte Stück. Die Tribünen waren voll mit Leuten die von den Seiten herunter jubelten, dann kam der Zielbogen und wir hatten es endlich in 4:44:55 geschafft.
Ich nahm meine Kerstin in die Arme und führte sie zu den Damen mit den Medaillen, wo wir eine umgehängt bekamen. Kerstin lächelte. Na also, geschafft.
Wir hielten uns auch nicht mehr lange dort auf, bekamen unseren Versorgungsbeutel und dann holte ich für meinen Schatz den Kleiderbeutel, anschließend meinen eigenen, worauf ich mich auf der Wiese vor dem Reichstag umzog. Das war auch so eine Kulisse. Im Hintergrund der Reichstag mit den wehenden Fahnen und auf der Wiese überall Verhau, Abfall, abgekämpfte Helden und gelbe Folien in die man sich wickeln konnte.
Dann verließen wir unseren Marathon und machten uns auf den langen Weg zurück zu Markus und die wunderbare Dusche danach.
Dass es Kerstin nicht so gut ging, das hat wohl viele Gründe.
Sie hat den Marathon wohl ein bisschen auf die leichte Schulter genommen, nachdem die ersten Beiden so leicht für sie waren.
Wir sind eindeutig in der Woche zuvor zuviel beim Shoppen gewesen. Den ganzen Tag auf den Beinen, das kostet einfach so richtig Kraft.
Das Training für den Marathon konnten wir einfach nicht so machen, wie es eigentlich notwwendig gewesen wäre.
Und dann war eben noch die Tagesform mit entscheidend.
Was solls. Beim nächsten mal läufts dafür umso besser.

3 Kommentare 2.10.07 13:45, kommentieren

Marathon in Würzburch

Und wieder gibts einen Marathon in der Statistik.
Das ist dann das 13. mal, dass ich die Marathondistanz oder mehr gemacht hab.
Diesmal gings mit meinem Schatz nach Würzburg.
Das Wetter war eigentlich ganz gut, wenn auch ein bisschen zu warm, aber um 9, als der Start war, wars super. Das freut vorallem die Zuschauer.
Würzburg ist eine schöne Stadt. Umgeben von Weinbergen liegt die Stadt wunderschön in einem Talkessel. Das heisst natürlich auch, dass, wenn Wärme drin ist, sie nicht mehr so leicht raus geht.
Wir haben bei Kerstins bester Freunding in der Nähe von WÜ übernachtet und haben am Vorabend noch unser Auto auf den Parkplatz an der Talavera abgestellt. Das war recht schlau, denn um 8 in der Früh waren die Parkplätze voll und die Straßen gesperrt.
Wir haben uns dann auf den Weg zum Start gemacht, der um 9 gelegt war.
Dann machte es bumm und Kerstin und ich haben uns voneinander verabschiedet.
Wir liefen heute das eigene Tempo.
Die erste Zeit lief es bei mir recht zäh. Hm, blöd, denk ich mir da. Könnt ruhig a bissal besser laufen. Die 5:12 min/km waren schon leicht mühselig. Naja, was solls. Es war trotz der 5000 Teilnehmer nicht zu voll auf den Straßen, man konnte prima überholen und sein Tempo finden.
Nach 6 km zwickte es mich in der Wade, auch blöd. Fühlte sich fast so an, als wollte ich eine Zerrung bekommen. Aber ich hab das wieder weg geschüttelt.
Immer ging es am Main entlang, schön auf dem Radweg und vorallem schön unter Bäumen, die Schatten spendeten. Denn schon um 9:30 hatte es an die 20°.
Die Verpflegungsstationen dürfen gern auch noch ein bisschen üben. Ist ja wunderbar, wenn Frankenbrunne als Sponsor auftritt, das Problem ist aber, dass das Wasser aus den Flaschen in die Becher nicht so schnell gefüllt werden konnte, wie Läufer vorbei kamen. Da gab es einiges an Murren. Zudem gabs auch nur Bananen. Bisschen dünn, schließlich sind wir auch ziemlich verwöhnt vom Marathon in Charolais, mit der Vollverpflegung. Aber man kann nicht alles haben.
Nach 11 km lief man über eine Zeitnahmematte, damit auch wirklich nicht abgekürzt werden kann. Meine Zeit war noch gut im Limit. Zeitziel hatte ich in dem Sinne eigentlich nicht, aber ich hab schon geliebäugelt mit einer neuen Bestzeit. Aber ich fühlte mich einfach nicht danach und mit 5:10 min/km wird das eh nix mit der Bestzeit.
Nun lief man zurück in die Innenstadt, rüber über den Main und dort ins Zentrum gelaufen. Altstadt gibts hier in Würzburg ja im Prinzip nicht, weil die Engländer im 2. Weltkrieg Würzburg nahezu platt gemacht haben. Muss zuvor eine wunderschöne alte Stadt gewesen sein, die es von der Schönheit mit Bamberg aufnehmen hätte können. Die Infos hab ich von meinen 'Schwiegereltern', die übrigens auch extra nach WÜ gefahren sind um uns anzufeuern. Blödsinnigerweise hab ich sie nicht gesehen, sie haben mich nicht gesehen, weil ich kein rotes Shirt anhatte, sondern mein Jamaica- Hääß. Erst kurz vor dem Ziel hab ich sie erblickt.
Achso, soweit sind wir ja noch eeeewig nicht. Ich hab ja noch nicht mal die erste Runde hinter mich gebracht. Wo war ich? Ah, genau, im Zentrum.
Würzburg hat wunderschöne Kirchen und schnuckelige Kneipen. Die Zuschauer waren hier auch viel vertreten und feuerten uns an.
Dann nach 20 km liefen wir wieder über den Main, wo es dann noch zu einem kleinen Kämpfchen kam. Ich wollte eien Mitläufer überholen, kam aber nicht vorbei, da hab ich ihn behutsam an der Schulter berührt und leicht nach rechts geschoben. Woraufhin er mich weg schob, ich schob dann natürlich zurück, er schob wieder, dann hab ich mal ordentlich Schwung geholt und ihn dann recht giftig angesehen, dann war auch wieder Ruhe. Soll er sich halt net so breit machen.
Drüben wieder angekommen gibts einen scharfen Knick, wir liefen vorbei an Start und Ziel und los gings in die zweite Runde.
Die Halbmarathonläufer mussten hier leider schon das Rennen beenden. Selber schuld, wir dürfen nochmal 21,1 km machen. Ätsch. Die Zeit stoppte ich bei 1:51. Vieeeeel zu langsam um mich zu begeistern, wenn ich so weiter trödle, dann käme ich in 3:42-3:43 an, ne, so gehts nicht. Also hab ich mir vorgenommen das Tempo zu erhöhen. Klar war das auch ein gewisses Risiko. Aber jetzt nach der Halbmarathonmarke lief es doch besser als am Anfang.
Nun wollte ich den km immer unter 5 Minuten schaffen. Solange es eben geht. Und das Wetter machte die Sache natürlich nicht einfacher.
Nach einem langen Bogen lief man zurück in Richtung Start/Ziel. Und hier dachte ich eigentlich, dass ich vielleicht meiner Kerstin begegne, die übrigens auch den Marathon gelaufen ist und nicht nur den Halbmarathon, wie sie ursprünglich angekündigt hat. Aber das war mir schon klar.
Schade, ich bin ihr leider nicht begegnet, denn so ein Kuss setzt ja auch Kräfte frei, nicht wahr?
Tja, nun denn liefen wir auf der Strecke, die man ja schon kannte von der ersten Runde. Man kann da geteilter Meinung sein, manche findens blöd, zweimal 21,1 km zu laufen, anderen macht das nix aus. Mich stört das auch nicht sonderlich, man weiß, was auf einen zukommt.
Bis km 28 wollte ich immer noch schön vorsichtig sein, hatte auch immer das Tempo um die 5 Minuten. Wenn es mir dann immer noch gut ginge, würde ich noch ein bisschen mehr aus mir rausholen, vielleicht klappts ja doch noch mit der persönlichen Bestzeit.
Die 28 kam, die 29 kam, dann die 30 und dann bei km 30,4 km machte es plötzlich in mir BUMM Ja hallo Herr Hammermann, was willst du denn von mir. Auweia, das ist immer so ein Punkt, den mag einfach keiner. Plötzlich und ohne Vorwarnung kommt der Prügel über die Birne, die Atmung wird viel schneller und die Beine fühlen sich an wie Blei.
Ich biss auf die Zähne und hoffte, dass ich über den Punkt drüber komme. Das Tempo hab ich gehalten, ich lass mir doch von dem Typ nicht den Tag versauen, oder? Also lief ich dagegen an und tatsächlich, nach 32 km lief es wieder ziemlich gut. Das Laufen ging wieder wie am Schnürchen.
Dann kamen die km 34, 35 und 36, ich war mittlerweile schon wieder im Zentrum von Würzburg, als mir der Mann mit dem Vorschlaghammer erneut eine auf die Zwiebel zentrierte. Wieder das gleiche Theater, Atmung schnell, Beine blubb, blubb. Ich konnte mein Tempo nicht halten, es ging einfach nicht. Wie ich auch in mich reinredete, ich war leer. Dann bei km 38 musste ich eine Gehpause einlegen, aber nur 200 Meter, bis der Red Bull Stand kam. Dort hab ich mich bedient und hab mich wieder angetrieben. Nun lief es plötzlich wieder einigermaßen, ich hab auch kleinere, schnellere Schritte gemacht, das half auch.
Dann wieder über die alte Mainbrücke und dem Fotografen die breite Brust und die erhobenen Arme gezeigt. Das wird ein Superbild, vor Superkulisse.
Aber kaum um die Kurve gelaufen, traf mich der Mann mit der Abrissbirne volle Breitseite. Ich wollte einfach nur noch ins Ziel, mir egal wie, aber ich wollte, dass der Blödsinn endlich vorbei ist.
Dann eben 500 Meter vor dem Ziel traf ich meine Schwiegereltern und winkte halbherzig. Ein Grinsen brachte ich auch nicht zustande. Dann waren es nur noch 200 Meter, dort vorne der Zielbogen und doch noch den Zieleinlauf genossen.
Mann, das war eine Arbeit auf den letzten Kilometern, aber trotzdem war ich auf der zweiten Hälfte ein bisschen schneller als auf der Ersten. Mit 1:50 lief ich die zweite Runde und hatte eine Gesamtzeit von 3:41:53. Tja, Bestzeit um über 3 Minuten verpasst, aber ich find es nicht schlimm, schließlich fehlte da ein bisschen spezielles Marathontraining.
Dann kamen auch schon meine Schwiegereltern in den Zielbereich und nach ein paar Alkfreie Weizen haben wir uns ins Bierzelt gesetzt.
Nach einer halben Stunde sind wir wieder aufgebrochen, denn schließlich will ja auch unsere Kerstin im Ziel begrüsst werden. Ich ging die Strecke noch ein Stück zurück und nach einer Weile kam sie auch schon. Glücklich, aber doch kaputt lief sie mir entgegen und den Rest der Strecke haben wir noch gemeinsam hinter uns gebracht. Das heisst, auf den letzten 100 Metern ist sie einfach abgegangen wie Schmidts Katze und in das Ziel gelaufen.
Als ich bei ihr ankam, hab ich sie erstmal eine Weile fest gehalten und gedrückt.
Wie es ihr ergangen ist, kann man auf ihrem Tagebuch nachlesen. Hasenmarathonbericht
Nach einer kleinen Erholungspause haben wir uns von Kerstins Eltern verabschiedet, denn wir waren noch verabredet zum Auflauf essen im Auflauf. Ja, die Wirtschaft heisst so.
Doch zunächst mussten wir ja erst den ganzen Weg gehen, das waren immerhin auch noch so 2 km. Und irgendwie hatten wir doch ganz schön schwere Beine. Aber grinsen, das geht immer.
Wir hatten dann noch ein nettes Treffen mit Bekannten aus dem Internet, es wurden Zeiten verglichen und auf die Schulter geklopft.
Von Sylvi, (die mal eben in 3:20 gefinisht hat und Gesamt 5. bei den Damen wurde) hat Kerstin einen süßen Plüschhasen bekommen. Der Hase hat die Startnummer 41. Das war die Nummer, die Kerstin hatte bei ihrem ersten Marathon. Süß war das.
Dann haben wir uns schließlich alle wieder verabschiedet und sind müde und erledigt in den Hasenelternstall gefahren.
Schön wars, warm wars.

8 Kommentare 13.5.07 21:20, kommentieren

Weltkulturerbelauf Bamberg

Ach isses doch schön, das Bamberch. Es ist die Stadt der Liebe, die Stadt, die Weltkulturerbe ist und die Stadt, in der ich meinen Schatz zum ersten mal geküsst hab.
Und eben in dieser Stadt findet alle 2 Jahre der Weltkulturerbelauf statt.
Schon vor 9 Monaten haben wir uns dafür angemeldet. Das musste auch sein, weil der Lauf ganz schnell ausgebucht ist. Angeboten wird der Halbmarathon, den wir natürlich gemacht haben, dann noch ein 10,9 km Lauf und ein 4,4 km Lauf. Insgesamt sind es etwa 10.000 gemeldete Teilnehmer, da wird’s aber voll in der fränggischen Stadt.
Wir haben uns gegen halb 10 Uhr auf den Weg gemacht. Wir sind nämlich momentan bei den Haseneltern untergebracht und hatten von hier aus einen Weg von nur 70 km zu machen.
Um 10:40 waren wir da und haben unser Auto beim P+R Parkplatz abgestellt. Dann gings mit dem Bus in die Innenstadt.
Überall war gewusel. Und wir suchten hier die Startnummernausgabe. Und dann suchten wir die Startnummernausgabe. Die Startnummernausgabe haben wir auch noch gesucht. Naja, als wir sie nicht fanden, haben wir uns mal bei der Organisation durchgefragt.
Ja, wo gibt’s denn die Startnummern?
Ja, de gibt’s undn am Hofn, an da Wieland Halln.
Ähm, geht da ein Bus hin oder so?
Ja, heid ned, aber gestern is a Shuttle Bus do gfohrn
Des is ach alles in der Bambercher Zeitung gstandn
Kerstin ist dann völlig genervt abgedreht und hat sich nur gedacht, danke fürs Gespräch, das hilft uns jetzt weiter, dass gestern der Bus gefahren ist.
Die Startnummernausgabe war nur bis 12 Uhr, langsam hats pressiert. Was tun? Der Hafen ist ein gutes Stück weg, also haben wir uns ein Taxi gerufen. Das Taxi kam auch schon nach 2 Minuten. Wo wir denn hinwollen? Zur Wieland-Halle. Fahrer schaut uns an und meint dann: Wo issn die?
Kerstin guckt und fragt, ob das nicht üblich ist, dass Taxifahrer sich auskennen in der Stadt? Naja, wir haben ihm dann eben den Weg zur Halle gewiesen und ihm gesagt, er soll in einer halben Stunde wieder da sein, was auch prima geklappt hat. Wir holten uns die Startnummern und bekamen auch ein Shirt, in leuchtendem Gelbgrün. Schick.
Hase kaufte sich noch ein paar Laufschuhe und dann gings mit dem Taxifahrer wieder in Richtung Innenstadt. Aber da mittlerweile die Stadt abgeriegelt war, mussten wir ein gutes Stück früher aussteigen.
Nun gingen wir noch ins Hofcafé und frühstückten. Ja, Frühstück gibrs da bis 17 Uhr, ist ja schließlich eine Studentenstadt.
Anschließend suchten wir unsere Bekannten auf. Der Peter wohnt direkt in der Innenstadt in einer superschönen Altbauwohnung. Kerstin und ich sprachen immer kichernd von der Hartz 4 Bruchbude. Was natürlich ironisch gemeint war. Hui, die Wohnung ist ein Traum.
Hier konnten wir uns umziehen und lauffertig machen.
Gegen 14:45 Uhr sind wir alle zum Start gepilgert. Gut, dass ich meine Sonnenbrille aufhatte, denn ein Drittel hatte das leuchtend grüne Laufshirt an.
Noch ein bisschen haben wir vor uns hingegrinst und uns über den genialen Tag gefreut mit Superwetter und dann war auch bald der Start. Prima, man musste durch zwei Tore durch, was den Vorteil hatte, dass sich das Feld gleich entzerrte.
Wir liefen von fast ganz hinten los, sollte ja auf keinen Fall ein Lauf auf Zeit werden, sondern ein Grinselauf durch unser Bamberch, in dem alles angefangen hat. Wir hatten nicht mal eine Uhr dabei.
Nach 2 km kam auch schon der erste Berg und wer Bamberg kennt, der weiß auch, dass es da ganz schön in die Hügel geht. Hier sind schon viele Leute gegangen, aber wir liefen schön den Berg hoch, wir sind ja alte Semurer, die vor Bergen gar keine Angst haben, pah, da sind wir anderes gewöhnt.
Schön war der Weg, der über Kies nach oben führte. Die Sonne brutzelte uns aufs Haupt, aber heiß wars eigentlich nicht.
Wir erklommen den Hügel und dann führte die Strecke wieder nach unten. War man unten, wars wieder Zeit nach oben zu laufen. Denn Bamberg ist ja auch wie Rom auf sieben Hügeln gebaut worden und die wurden uns auch von der Streckenführung gezeigt.
Nach oben überholten wir immer richtig viele Leute, was uns natürlich schön motivierte und einen Tick schneller laufen ließ. Bergab mussten die Knie dafür immer ganz schön leiden.
Beim fünften Anstieg erklommen wir den höchsten Punkt der Strecke, wir liefen in eine Burg hinein. Allerdings staute es sich da, es war etwas eng, hinzu kam, dass die Verpflegungsstelle dort oben war. Die Verpflegungsstelle war auch recht üppig ausstaffiert, mit ähm, Wasser. Ja, das wars auch schon wieder.
Von nun an gings bergab, etliche Höhenmeter ratterten wir in die Stadt hinab. Die Aussicht auf Bamberg von hier oben war gigantisch. Ich war mächtig beeindruckt von dieser Stadt. Es kommt nicht von ungefähr, dass die Stadt ein Weltkulturerbe ist.
Unten angekommen wurde wieder etwas durch die Stadt gelaufen, woraufhin wir dann in den Hain geleitet wurden. Der Hain ist ein riesiger Park, der zwischen Regnitz und Main-Donau-Kanal eingebettet ist. Kilometerlang liefen wir durch den Hain an der Regnitz entlang, dann kam eine Wendung, dann liefen wir dem Kanal nach. Und dann kam auch unser Bänkchen in Sicht. Das ist unsere Bank, weil wir uns dort an der Stelle vor 21 Monaten zum ersten mal geküsst haben. Und auch heute legten wir eine Kusspause an dieser Stelle ein. Unsere Bank war aber leider besetzt. Grinsend liefen wir weiter.
Erzählte ich schon, dass wir massenweise Läufer überholten? Wir hatten mittlerweile 12 km hinter uns und einige machten schon Gehpausen. Am Berg ist das ja noch nachvollziehbar, aber im Flachen? Im Schatten?
Naja, uns geht’s gut, wir gehen nicht. Der Hain war nun zu Ende und man lief am Kanalufer auf der rechten Seite weiter. Die Strecke war asphaltiert und recht flach. Da lässt es sich prima überholen. An einem Busch legte ich eine Pinkelpause ein und dann heizte ich der Kerstin hinterher, die natürlich weitergelaufen ist. Mit einer 4:30er Pace bin ich dahin gerast. Ich überholte die Läufer mit einem Affentempo und bekam auch die verwunderten Blicke der Läufer mit, bis ich auch schnell wieder zu Kerstin aufgeschlossen habe.
Bei km 17 wurden wir wieder in die Stadt gelotst und dann kam auch schon eine ausserplanmäßige Versorgungsstation mit Rauchbierradler. Natürlich gönnten wir uns einen Becher davon. Das war aber auch lecker. Aber noch mal zurück laufen und noch einen Becher holen, soviel Lust hatten wir dann auch nicht.
Kreuz und quer liefen wir nun durch die alte Stadt, auf Kopfsteinpflaster und um Häuserecken. Viele hübsche Gassen bekamen wir noch zu sehen. Bei km 19 kam man am Dom mit dem Domplatz vorbei, nachdem noch eine Steigung gemeistert wurde.
Dann war es nicht mehr weit, der 20. Kilometer erschien. Hier wurde die Straße großzügig abgesperrt, dass man ungehindert durch das Spalier der vielen Zuschauer laufen konnte. Sehr viele Zuschauer jubelten den Läufern zu und wir genossen den langen Zieleinlauf. Kerstin und ich nahmen uns an den Händen und liefen gemeinsam durch das Ziel.
2:10 Stunden haben wir benötigt. Wir stärkten uns auf dem großen Platz mit Bananen und Erdinger Alkoholfrei und holten uns noch für unseren Gutschein ‚Kloß mit Soß’ ab. Die Soß war im Kloß. Das war recht witzig.
Als wir auf die Ergebnisliste guckten, stellten wir fest, dass Kerstin gar nicht drauf stand und wir nehmen an, dass dadurch, dass wir zusammen durch das Zeitnahmetor liefen, sie nicht erfasst wurde. Das ist schon arg ärgerlich. Mit Champion Chip wär das nicht passiert.
Nun war es an der Zeit, dass wir zum Peter gingen. Dort wurden von allen die Zeiten verglichen, sich gegenseitig versichert, wie gut die Zeiten sind und dass das Profil doch recht schwierig ist, aber wunder- wunder- wunderschön ist. Und das kann ich auch gern bestätigen. Ich glaube kaum, dass es einen schöneren Halbmarathon gibt, als diesen in Bamberch.
Nachdem wir geduscht hatten, sind wir kollektiv ins Hofbräu und haben ordentlich gefuttert. Für mich gabs eine gegrillte Rauchbierhaxe mit Kloß und Kraut. So ein richtiges leichtes Essen für den gesundheitsbewussten Läufer von Heute. Dazu noch 2 Schlenkerla Rauchbiere und die Welt war noch viel mehr in Ordnung.
Alle machten wir einen recht müden Eindruck, also machten wir uns auf den Weg zurück.
Schön war, dass wir in Peters Wohnung übernachten konnten, so konnten wir am heutigen Montag noch schön Shoppen gehen. Bevor wir jedoch den Schlaf der Sieger schliefen, präsentierte Peter mir aber seine Grappa Sammlung. Hätte er nicht arbeiten müssen, wäre das womöglich sehr gefährlich geworden. Denn noch etliche Grappas wollten probiert werden. Doch die Vernunft hat gesiegt und schwer ließen Hase und ich uns schließlich aufs Sofa fallen.
Schön wars in Bamberg. Schade, dass dieser Lauf nur alle 2 Jahre statt findet und hoffentlich klappt es auch in 2009 mit dem Lauf, dann sind wir gern wieder dabei, beim Weltkulturerbelauf im Mai.

5 Kommentare 7.5.07 22:13, kommentieren

Der erste Hasenmarathon

Das war doch mal eine Pasta Party, im Charolais, einem Teil des Burgunds.
Ja gut, wir sind ja in Frankreich und der Stil wird dann auch bei der Pasta Party gewahrt.
Zunächst standen natürlich alle rum, um sich einen Aperitiv zu gönnen. Dann wurde sich gesetzt, an den hübsch dekorierten Tisch und die Vorspeise kam. Schinken und Brot. Nach der Vorspeise wurde abgeräumt um Platz für die Nudeln zu machen. Schüsselweise wurden die Spaghetti Bolognese rein gebracht. Man bekam so viele Nudeln nachgeliefert bis auch wirklich alle genug hatten und immer wieder kamen Schüsseln aus der Küche raus, obwohl längst alle den Löffel weg gelegt haben.
Aber das wars noch nicht, es folgte noch ein Dessert und natürlich der Käse. Dann wurde auch noch Obst verteilt. Dass auch wirklich keiner zu kurz kommt.
Ich hab mich mit dem Essen beschäftigt, denn so richtig viel verstanden hab ich nicht in dem Stimmenwirrwarr. Kerstin hat ab und zu übersetzt, was die Läufer für Horrorgeschichten erzählten. Ausschweifend wurde vom hügeligen, bevorstehenden Marathon geredet, der bald alpine Züge bekam. Auch das Wetter änderte sich mit Fortschreiten der Pastaaa Partieeee. Es wurde Viertelstündlich heisser und heisser. Es wird die Hölle.
Tipps gabs von links und rechts, man muss unbedingt Power Gel futtern und es wurde ausgiebig von Krämpfen bei km 28 geredet. Kerstin wurde immer kleiner, ich grinste meist nur, weil das Pre-Marathon-Geschwätz einfach sein muss.
Wir waren die ersten die Heim gingen.
Wir schliefen gut, wir frühstückten gut und das Wetter war gut. Es lag ein hübscher Nebel in der Luft, da wird’s dann wohl eher nix mit den versprochenen 30° die ein Teilnehmer prohezeite.
Wir fuhren mit dem Auto zum Start, bibberten schön vor uns hin und beobachteten amüsiert, dass sich so viele Läufer warm liefen. Scho wichtig bei einem Marathon, dass man sich eine halbe Stunde warm läuft.
Dann war auch bald der Start und los ging unsere Reise auf den ersten Marathon für meinen Hasen.

Nach etwa einem Kilometer gings schon hinaus aus der Stadt und nun mussten wir stetig bergauf laufen. Aber gut, dass der Teil am Anfang ist. Es war wirklich an jeder Seitenstraße und an jedem Feldweg ein Ordner. Und wirklich jeder Ordner wünschte uns Bon Courage. Superfreundliche Leute und wir haben jedem Ordner mit einem lächelnden merci geantwortet. Nett war das. Dafür gabs nicht soviel Zuschauer. Wahrscheinlich wurde jeder Zuschauer zum Ordner vergattert.
Wir waren die Vorletzten, hinter uns waren nur noch 2 Damen, vor uns war auch bald niemand mehr. Es waren ja auch nur 160 Teilnehmer. So liefen wir meist einsam durch die schöne Burgunder Hügelwelt. Hin und wieder wurde die Einsamkeit unterbrochen durch einen Ordner in Leuchtweste, der einen Feldweg bewachte.
Es wurde nach 4 km schon Zeit für die erste Pinkelpause. Ein Zeichen, dass wir ausreichend hydratiert waren. (Hasendeutsch)
Immer noch gings danach bergauf und dann kam der Hammermann bei Kerstin. Plötzlich aus heiterem Himmel fängt sie an zu verzweifeln und meint, dass wir doch jetzt gerade mal 5 km gelaufen sind, dass das noch 37 km sind und dass sie sich überhaupt nicht gut fühlt und dass das doch blöd ist und es ist noch weit, das schafft sie nicht. Scheißidee. Ich war ganz schön perplex. Ich hab mit dem Gemecker bei km 32 gerechnet, aber doch noch nicht bei 5 km. Das ist ja gerade mal eine Früstücksjoggerldistanz. Was sag ich denn da zu Kerstin zur Motivation? Teil dir die Strecke doch in kleine Etappen ein und denk um himmels Willen nicht schon jetzt an das Ziel. Du fühlst dich doch gut oder?
Öhm, hm, nö.
Doch!
Nach der Meckertirade gings weiter in die Hügel hinein.
Bei 10 km sahen wir dann doch mal eine Läuferin, der wir näher kamen, als wir fast ansetzten zum überholen gingen wir aber erst nochmal in die Büsche um überschüssiges Hydrat loszuwerden.
Schön liefen wir weiter über schnuckelige burgunder Dörfer, an vielen Ordnern vorbei und einem Jungen, der uns was auf der Trompete vorspielte. Nachdem wir ihm aplaudiert hatten, hörte er auch schon auf damit. Danke.

Die Versorgungsstellen waren auch der Hit. Ne, eigentlich wars immer ein Buffet. Da gabs Rosinen, Pflaumen, Aprikosen, Bananen, Orangen, Müsliriegel, Schokolade und noch etliches mehr. Und Cola gabs auch schon ab km 15. Kerstin probierte Cola, grinste und fands geil. Also ab jetzt immer Cola. Das war dann auch die Stelle, wo es ihr langsam besser ging und die Verzweiflung vor der Riesendistanz kleiner wurde, bis sie irgendwann ganz verschwand. Ich hielt mich immer ein bisschen länger bei den Versorgungsstellen auf und dinierte. Den Helfern gefiel es immer wunderbar, wenn ich so reichlich ihre Station plünderte. Aber irgendwann ists auch wieder gut mit mampfen und ich rannte Kerstin hinterher.
Bei km 18 hatte Kerstin dann wieder so einen Selbstzweifler. Sie sagte mir, dass ich doch bestimmt schneller laufen wolle und dass sie mich doch bremst. Ich hab dann einfach nur gesagt, mit sowas brauchst du jetzt gar nicht erst anzufangen, lauf einfach und haute ihr auf den Popo. Das half.
Die Gegend in der wir liefen war einfach nur wunderschön, alles übers Land, die schönen Dörfer, die Schlösser die manchmal protzend auftauchten, die weißen Charolais-Kühe und diese Ruhe.
Gegen 11 Uhr kam die Sonne aus dem Nebel heraus, aber dafür liefen wir jetzt auch einige Kilometer durch schattigen Wald. Das Wetter war einfach perfekt für einen Marathon.

Nun war die Zeit des Geniessens gekommen. Der Wald, der Körper, der lief wie eine Maschine, das Traumwetter mit bis zu 23°, der leichte Wind, alles wunderbar. So spulten wir jetzt Kilometer für Kilometer ab. Bei km 29 war eine Verpflegungsstation, an der sich auch Läuferkollegen gütlich taten. Sie waren wohl schon einige Minuten am futtern, wir stärkten uns auch noch reichlich, dann gings weiter. Wir hatten jetzt also schon 4 Leute überholt. Und nun gab es auch die Belohnung für die Erklimmung der Hügel am Anfang der Strecke, wir durften über 2 km bergab laufen, das war super.
Unten angekommen waren wir schon bei km 32. Es sind nur noch 10 km, das ist ja gar nix, das laufen wir doch zu jeder Brotzeit mal eben. So motivierte ich Kerstin. Aber sie brauchte keine große Motivation, denn langsam dämmerte es ihr, dass sie ihren ersten Marathon schaffen wird.
Jetzt sahen wir auch vor uns Läufer, die Gehpausen einlegen mussten, auch das gab Kerstin noch zusätzlich Energie und ich stachelte sie auch an, dass wir doch den da vorne noch kassieren könnten. Und denn da und den davor.
Bei km 34 war wieder eine Verpflegungsstelle, es wurde reichlich gemampft und der junge Mann auf den wir aufgelaufen sind war fix und fertig. Er machte so einen völlig ausgelaugten Eindruck, goss sich mit einer Flasche immer wieder Wasser über den Kopf und war erledigt. Da kam dann auch ein kleines Teufelchen bei mir zum Vorschein und ich klatschte in die Hände, rieb sie aneinander und meinte im jovialen Ton: Pack mas wieder? Worauf wir federnd unseren weiteren Weg einschlugen.
Uns gings ja prächtig und je näher wir dem Ziel kamen, umso besser ging es auch Kerstin. Und jetzt sammelten wir auch immer mehr Läufer ein, die gehen mussten. Wir hingegen wurden immer schneller, je näher das Ziel kam. Hammermann? Was ist das denn? Kennen wir nicht, der liegt noch irgendwo da hinten bei km 5 im Graben. Ach war da was? Total vergessen. Pah, Hammermann, Lä-cher-lich.
Einen Läufer sahen wir, der lief vor und lief wieder zurück, lief vor, lief zurück. Was hat der denn für ein Problem? Darauf angesprochen, was das denn solle, meinte er, er trainiert für einen 48 Stunden Lauf und will heut den Marathon in 6 Stunden laufen, aber weils nicht mehr so weit ist, läuft er eben immer wieder ein Stück zurück. Na, wenn er meint. Wir liefen lieber vorwärts und überholen weiter Läufer. Das war schon interessant, wir waren ja wirklich 25 km alleine auf weiter Flur.
Bei km 36 meinte ich zu Kerstin, jetzt ist doch eh schon alles Egal, denn 6 km können wir zur Not auch noch krabbeln. Das sah sie auch ein und ab da wurde sie immer schneller. Bei km 39 war wieder Verpflegung, aber diesmal gabs kein Mittagsmahl, wir hatten jetzt keine Zeit mehr, wir müssen ins Ziel. Die schnellsten Kilometer lief Kerstin hier und der Allerschnellste war der 42. Kilometer, aber halt, zuvor traf ich noch die Reinkarnation der Paula Radcliffe. Bei km 41 gabs noch eine Wasserstelle, ein Organisateur rief Eau, Hase nickte, rannte auf den Mann zu, schnappte sich im Vorbeilaufen den Becher Wasser aus der Hand, trank ihn profimäsig nur halb aus und ließ ihn so absolut lässig zu Boden fallen, wie man es nur bei Eurosport zu sehen bekommt, der Becher mit einem Stompf auf dem Boden landet und sich der Rest auf der Straße ergiesst. Ich musste so lachen über die Szene, auch Kerstin lachte mir zu. Ist das wirklich mein Häschen, das bei km 5 so ein Häufchen Elend war und völlig verzweifelt war, weil noch 37 km vor ihr lagen? Nun war es nur noch ein Kilometer und Kerstin sprühte nur so von Energie und Freude.
Ich merkte dann, wie sie auf dem letzten Kilometer in sich ging, wie sie ruhig wurde und ich konnte mir sehr gut vorstellen, was in ihr vorging. Wir waren schon in der Stadt, das Ziel ist gleich da. Ich bekam eine Gänsehaut und war so froh, dass ich mit meinem Schatz diesen Augenblick erleben darf. Schließlich ist das Gefühl, zum ersten mal im Leben einen Marathon zu finishen einmalig und kein Zieleinlauf wird mehr so sein, kein Berlin, kein New York, nichts.
Auf den letzten 200 Metern wollte Kerstin einen Endspurt hinlegen, aber ich hab sie gleich eingebremst und gesagt, mach langsam, du musst die letzten Meter geniessen und in dich aufnehmen, schau dir das alles ganz genau an und lauf rein ins Ziel. Dort vorne vor dem Stadtschloß war effektvoll der Zielbogen aufgestellt und so lief meine frischgebackene Marathonheldin vor mir ins Ziel.
Ich folgte ihr nach 1 Meter, dann drehte sie sich um und fiel mir weinend in die Arme. Ich hielt sie einfach nur fest und ließ sie die Wimperntusche auf meinem Shirt verteilen. Minutenlang lagen wir uns in den Armen, viele Leute sahen uns dabei zu, der Sprecher redete lange von uns über diese Szene, wir wurden gefilmt und fotografiert, aber in dem Moment mussten die Gefühle einfach nur raus.
Nach einer ganzen Weile lächelte und strahlte mein Schatz schon wieder. Ja, sie hat es geschafft, mit 5 Stunden hat sie geliebäugelt und es wurde dann eine Zeit von 4:42 Stunden.
Wir setzten uns ins Gras, lächelten, ich war stolz auf sie.
Nun war es aber Zeit, dass wir ins Hotel kamen, schließlich durften wir dort noch duschen, obwohl doch schon Nachmittag war und dann fuhren wir wieder durch das ganze Burgund nach Hause und schmiedeten fleißig Marathonpläne für die Zukunft. Achtung, Hase hat Blut geleckt.

4 Kommentare 16.4.07 12:17, kommentieren

6-Stunden von Ottobrunn

So, wieder ein Kapitel in der Laufkarriere des Charly E.
Ich hab den 6-Stunden-Lauf von Ottobrunn hinter mich gebracht.
Blöd, dass in dieser Nacht die Uhr um eine Stunde vorgestellt wurde. Das hieß, dass der Start zwar immer noch um 9 war, aber gefühlt war er um 8. Das hieß aufstehen um 6, gefühlt um 5. Dann mit Hurra nach Ottobrunn fahren. Die Autobahn war schön leer, so ists brav.
Natürlich hab ich mich auch verfahren, auf der A8 nach Salzburg sah ich das Schild an, dass hier die Ausfahrt Unterhaching ist. Da muss ich raus, habs aber nicht gemacht. Dann eben über Oberhaching und ander Käffer nach Ottobrunn durchgefragt.
Ich kam noch rechtzeitig an, aber es war doch schon halb 9.
Ich traf Botti und dann war schon bald der Start. Erstmal ein Stück gehen, bis wir an die Stelle kamen, an der der Start sein sollte. So kam man bei 50 km genau an der Rundenzählung vorbei und hat eine fest gehaltene Zeit für diese 50 km.
Dann wurde bequem runter gezählt und Witze darüber gemacht, dass man doch lieber einen Tiefstart macht.
So entspannt hab ich noch keinen Start erlebt. Um Punkt 9 wurde locker losgelaufen. Bloß kein Stress, man hat noch ein bisschen Zeit.
Also rein in das Abenteuer 6-Stundenlauf.
Die Runde sah so aus, dass man eine Runde im Stadion lief, dann hoch zum Tribünenübergang, dort wurde die Runde fest gehalten und dann hinten wieder raus aus dem Stadion, dann ein bisschen über die Wege, dann dauerte es auch nicht lange, bis man wieder im Stadion war. Eine Runde war 1442 Meter lang und ich hatte die Befürchtung, dass mich das irgendwann ganz schön ankotzen würde. Aber es war nicht so schlimm.
Die erste Stunde verging recht zügig, dauerte etwa 60 Minuten. Ach tatsächlich? Um 10:20 Uhr rief ich meinen Knusperhasen Zuhause an und sagte ihr, dass es mir gut geht. Ich fragte sie, ob sie am Compi Daheim nachgucken kann, was ich für eine Pace hab. Ich lief die Runden so um die 8:10 Minuten, was aber wohl ein bisschen zu schnell war für mein Vorhaben. Später sagte sie mir, dass ich mit 5:39 Pace unterwegs war. Ich solle doch langsamer machen. Aber es fühlte sich gut an und so hielt ich mein Tempo. Das war schon nett mit Kerstin zu telefonieren. Sie ist sehr beeindruckt davon, dass ich mir so einen Lauf antue. Aber noch ist das Ziel fern.
Immer wieder gings im Kreis dahin und nach jeder Runde kam man im Stadion auch an dem reichhaltigen Buffett vorbei. Es gab Wasser, Cola, Apfelschorle und zu heißen Tee. Gummibärchen, Fleischbällchen, Obst, Gemüse, Wurstschnittchen, Kuchen. Alles was das Läuferherz begehrt.
Ich hab mir irgendwann zueigen gemacht, dass ich immer was trinke und etwas zu mümmeln mitnehme. Gummibärchen waren gut für die Ablenkung, denn bis man die gekaut hatte, war man schon wieder im Stadion.
War es um 9 noch saukalt, wurde es zunehmend wärmer. Ich legte die Mütze irgendwann ab, dann die Handschuhe und irgendwann zog ich mein langes Hemd aus um ein kurzes anzuziehen. Und die Sonnenbrille konnte ich auch irgendwann auf die Nase setzen. Nur der kalte Ostwind nervte hin und wieder.
Weiter zog ich meine Kreise, es wurde Mittag und um 12:30 wechselte ich die Schuhe. Das war ein Aha-Erlebnis. Da merkt man erst, wie man die Schuhe niedertrampelt. Ich hatte das Gefühl auf Wölkchen zu schweben, aber das Gefühl verging auch bald wieder. Leider zu schnell.
Nach 4 Stunden dachte ich mir, nu ists aber gut, meinetwegen reichts auch schon wieder. Aber es waren ja noch 2 Stunden. Und ab da begann auch der körperliche Verfall. Jede Runde wurde zäher. Mittlerweile war auch unser Fanclub eingetroffen. Die Christiane, die Uschi, der Stefan, Helmut. Gleich bekam ich den versprochenen Keks, aber so richtig nach Essen war mir nicht zumute, das ändert sich aber spätestens im Ziel. Es tat sehr gut, bekannte Gesichter zu treffen. Wenn man im Stadion erwartet wird und angefeuert und sie dich anlügen, dass du gut aussiehst. Gefühlt hab ich mich schon länger nicht mehr gut. Unser Fanclub ist dann auch ein paar Runden auf der Strecke gelaufen.
Hin und wieder schimpfte ich auch ein bisschen vor mich hin um mir die Zeit zu vertreiben und sagte zu Botti und Stefan, dass mir vor 10 Runden die Namen für die Bäume ausgegangen sind. Das war schon lustig, wie man Runde für Runde immer das Gleiche sieht.
Kinderläufe wurden auch veranstaltet. Viele Kinder waren dort und in vielen Altersklassen wurden Sieger ermittelt. Eine Runde sollten diese laufen. Gerade als ich wieder im Stadion war, fiel mal der Start für die 4 Jährigen. Ich schleppte mich durchs Rund und kam mir reichlich blöd vor, als die Meute, die mir gerade mal bis zum Oberschenkel ging an mir vorbei rannte und am Horizont verschwand. Schon ein erhebendes Gefühl von einem 3-Jährigen versägt zu werden. Aber die hatten auch noch keine 35 km hinter sich und noch 2 1/2 Stunden vor sich.
Da gab es an der Umgehung des Stadions eine Stelle, die uneben war, da hat wohl eine Wurzel im Boden die Pflastersteine angehoben. Es war jedesmal so, dass ich an der Stelle vorbei kam und ich dort ins Stolpern kam. Es hatte etwas von 'Dinner for one' (Der Vergleich stammt von Uschi) und in der 39. Runde hab ich zum ersten mal darauf geachtet und bin NICHT drüber gestolpert, dafür aber wieder bei Runde 40. Ja der Vergleich mit Dinner for one ist nicht von der Hand zu weisen. The same procedure as last Round? The same Procedure as EVERY Round Charly!
Nach 4:50 Minuten sagte mir der Rundenzähler, dass ich jetzt die 50 km erreicht habe. Hurra. Ab hier zählte ich in Gedanken schon voraus. Wenn ich diese Runde schaffe, bin ich bei 51,44, dann bei 52,88.....
So hangelte ich mich in die letzte Stunde. Die Zeit zog sich wie Kaugummi. War eine Stunde zuvor noch 60 Minuten lang, war die 6. Stunde etwa 123 Minuten lang. Grob geschätzt.
Aber das Ende war nah, Runde für Runde zog ich weiter meinen Kreis. Ich zählte weiter in Gedanken meine Kilometer und 10 Minuten vor dem Ende hab ich die 60 km Marke geschafft, der Rest ist Bonus, denn 60 km wollte ich schaffen. Ich bekam ein Stöckchen in die Hand mit meiner Nummer.
Noch ein paar Minuten waren es und um Punkt 15 Uhr machten die Kinder mit Trillerpfeifen einen Wahnsinnsradau. Das war das Ende, ich war auf der Laufbahn und ließ mich ins Gras fallen. Es war vorbei und ich war erledigt. Ich legte mein Stöckchen auf die Bahn um zu markieren, dass ich hier aufgehört hatte zu laufen. Später liefen zwei Personen mit einem Vermessungsrad die Strecke ab und notierten die Restmeter der Teilnehmer.
Nach ein paar Minuten mit den Beinen in der Luft, humpelte ich zu unseren Groupies, es wurde viel gratuliert. Das grinsen fiel mir aber etwas schwer, aber den Bildern nach zu urteilen, schaffte ich es dennoch.
Es gab noch eine Suppe, die mal so richtig gut tat und Bier. Boah war ich breit nach dem Bier. Klar, ich war ja völlig ausgelaugt. Da fällt das Grinsen gleich viel leichter.
Bald verabschiedete sich unser Fanclub und Botti und ich warteten auf die Siegerehrung, die noch eine Stunde auf sich warten ließ. Klar, musste ja erst alles ausgewertet werden.
In der Zwischenzeit duschte ich mit herrlichem warmen Wasser und dann ging ich wieder ins Stadion.
Dort bekamen wir einen Zettel mit den Distanzen in die Hand gedrückt. Botti und ich sahen ratlos auf den Zettel. Hmmm. Dort stand nämlich, dass ich 59,1 km gelaufen sei. Ähm, das kann jetzt aber nicht sein, da fehlen doch zwei Kilometer. Botti bestätigte das, er hat sein GPS dabei gehabt und ihm fehlten auch mindestens 2 km. Hmmm, blöd ist das. Kann nicht sein. Gibts ja nicht. Muss man aufklären.
Nun war die Siegerehrung.
Ein Mädchen mit 12 Jahren lief 39 km. Manchmal joggte sie, manchmal ging sie. Aber sie hielt die 6 Stunden durch.
Botti hatte knapp 58 geschafft und wurde zweiter bei den M50. Und es klärte sich wirklich noch auf, der Compi hatte einfach die Anfangsrunde und die Restmeter unterschlagen und so bekam ich dann auch meine Urkunde für
61,12 km überreicht.
Ich wurde Gesamt 21. von 61 und in meiner Altersklasse 5. von 18. Damit bin ich aber sehr zufrieden. Das war mit Abstand die längste Strecke, die ich je gelaufen bin.
Nun war es Zeit sich zu verabschieden und quälte mich durch München wieder nach Hause. Ich war ja sooo platt und wollte nur noch Heim, was essen und ins Bett.
Zuhause hab ich dann noch mit Kerstin telefoniert, die superstolz auf ihren Heldenhasenmann ist. Ja, ich bin auch ein bisschen stolz auf mich

Ob ich mir sowas noch mal antue? Gestern hab ich mich der Stimme enthalten, aber heute siehts schon wieder etwas besser aus. Das verzwickte ist, wenn ich nochmal einen 6-Stunden-Lauf mache, dann will ich natürlich die Strecke überbieten und geh die Sache nicht so locker und unverkrampft an. Wir werden sehen. Kommt Zeit, kommt Rat, kommt Fusselbart, kommt Rasierapparat.
Heute hab ich Frühschicht und ich hab beschlossen, dass ich den Kilometer in die Arbeit mit dem Auto fahre. Mein Rucksack war nämlich so schwer

17 Kommentare 26.3.07 06:54, kommentieren

Nikolauslauf in Marktoberdorf

Eigentlich hab ich gar nicht mehr damit gerechnet beim Nikolauslauf in MOD mitlaufen zu können, aber durch raffiniertes Schichtverschieben hab ich es doch noch hingekriegt, dort mitlaufen zu können. Eigentlich schade, dass ich nicht darauf speziell hintrainiert hab. Aber was solls.
Um halb 12 bin ich von der Arbeit heim gelaufen, dann schnell umziehen und nach MOD fahren. Ich traf mich mit Alpi und Botti und dann gingen wir gemütlich in die Stadt rein.
Gerade war der Start der Kinder. Riesengewusel.
Ich hab mich dann noch ein bisschen warm gelaufen. Ganz gemütlich wollt ich ja auch nicht laufen.
Ich kannte einige Leute, überall wurde hingegrüsst und noch ein bisschen geplaudert. Dann kurz vor 13 Uhr hab ich mich zum Start hingestellt. So in der 5. Reihe, das dürfte in etwa hinkommen.
Es folgte der Start, der Schuss fiel aus, der kam erst 25 Sekunden später.
Gleich nach 200 Metern kams zu einem Zwischenfall. Auf der Strecke sind 2 Gußeisenpfeiler, die mitten auf der Strecke sind, dazu noch eine kleine Treppenstufe. Es lief genau vor mir einer in den linken Pfosten hinein, ich weiß nicht, ob er anschließend in der Damenwertung gewertet wurde, ich hoffe aber nicht. Da konnte man sich ganz schön verletzen an empfindlichen Stellen. Zur gleichen Zeit donnerte einer in den rechten Pfosten hinein, er überschlug sich und die Meute dahinter musste aufpassen, um nicht über den Verunfallten zu stürzen.
Darauf muss man die Veranstalter nochmal aufmerksam machen, das ist einfach gefährlich.
Auch in den ersten engen Kurven kams immer wieder zu Behinderungen, aber schon bald konnte man endlich frei laufen.
Den ersten Kilometer lief ich in 4:18, das ist ok so, aber das Tempo halt ich heute nicht, sonst gäbs ja ne Bestzeit. Da machte ich mir keinerlei Illusionen. Wir liefen die Bahnhofstraße entlang, am Lidl vorbei, hinüber zum Schulkomplex, aussenrum, am Bahndamm entlang zurück und wieder in die Stadt. Ich lief an meinen Eltern vorbei und weil Mutter gerade Löcher in die Luft starrte, begrüßte ich sie, als ich längst vorbei war. Mutter meinte, ich soll mich doch umdrehen, damit sie ein Foto machen kann. Genau, mach ich nächstes mal bei knapp 14 km/h.
Nun kam die lange Gerade in den Zielbereich, der aber noch über 6 km entfernt war, da ja noch 2 Runden zu laufen waren. Riesenstimmung, superviele Zuschauer. Links und rechts wurde Charlyyyyy, auf gehts, super Charlyyyyy. Ein paar Leute erkannte ich, andere haben wohl gerufen, weil sie meinen Namen auf meiner Startnummer gelesen haben. Macht nix, das motiviert. Diesmal waren die Gußpfeiler kein Problem, weil man sie ja von Weitem schon sah, das war ja am Anfang gar nicht so, da sah man nur den Vordermann. Hinein in die zweite Runde und nach der Euphorie im Zielbereich gings dann auch schon wieder etwas zäher. Die Kilometer lief ich immer so um die 4:22 - 4:28, so genau hab ich nicht hingesehen, aber es lief ganz gut. Ab der Hälfte meckerte auch mal die linke Wade, da war wohl eine 90° Kurve ein bisschen fies. Aber das Meckern war schnell wieder weg, so gings weiter zu km 6.
Nun wieder am Bahndamm entlang und diesmal sahen mich meine Eltern auch frühzeitig, dass sie ein Bild von vorne machen konnten. Zum grinsen war mir nicht zumute, kostet doch alles Kraft.
Es folgte wieder die lange Gerade, mit den höllisch lärmenden Zuschauern, wieder das Charlyyyy, noch eine Runde, super Charlyyyy. Nett war das
Also auf gehts auf die letzte Runde, das Gröbste haben wir doch schon. Ich lief meine Stiefel weiter, hielt mein Tempo und nach 8,5 km ist doch eh alles egal, da kann man dann ohne Rücksicht noch alles geben und ein paar Leute vor sich anvisieren, die man noch überholen möchte. Meine Mütze hab ich zu Füßen meiner Eltern geworfen, die war mir zu schwer geworden.
Dann kam wieder die Gerade und nochmal alles geben. Mit Schwung gings hinein ins Ziel, mit einer Zeit von 44:10 Minuten. Meine zweitbeste 10 km Zeit.
Also was lernen wir daraus? Vielleicht sollte ich mal richtig ordentlich auf einen 10 km hintrainieren, ich glaub, da ging noch einiges. Aber ob ich das will? Ich mag die längeren Strecken lieber.
Im Ziel fragte ich einige Bekannte, was sie für Zeiten gelaufen sind. Komisch, alle waren schneller als ich, bis mir einfiel dass das ja logisch ist, die langsameren sind ja noch auf der Strecke
Ich traf Richard *Hallo Richard, winke* der konsequent darauf hintrainiert hat und mit einer Zeit von 41 Minuten belohnt wurde. Respekt, respekt. Den Aggi traf ich, der war letztes Jahr 2 Sekunden vor mir und hatte die gleiche Zeit. Ein Arbeitskollege, der eigentlich radelt hatte auch eine 41 er Zeit.
Meine Kumpels Alpi und Botti liefen gemeinsam ihre persönliche Bestzeit von 47:30 oder so. Da haben sie sich gegenseitig zur Bestzeit gezogen. Super, oder?
Ich trank an der schlecht organisierten Verpflegungsstelle noch einen Becher viel zu süßen WasweissichSaftschorle. Das schlug mir sofort auf den Magen, damit hatte ich noch Stunden später Schwierigkeiten. Das war letztes Jahr auch so, aber ich hatte es vergessen. Naja, nächstes mal gibts selber mitgebrachtes Leitungswasser, da weiß man was man hat.
Ich unterhielt mich noch mit ein paar Bekannten. Dann ging ich mit meinem Vater zu meinem Auto um mich schnell umzuziehen, schließlich wars recht kalt und nebenbei so verschwitzt sein, das ist nicht so der Bringer. Ich verabschiedete mich von Alpi und Botti und dann suchten wir Mutter, die sich irgendwo auf dem Gelände herum trieb. Aber wir hatten Glück.
Zur Belohnung machte ich meinen Geldbeutel auf und drückte Mutti einen 10 € Schein in die Hand, mit der Bemerkung 'Da, fürs Zuschauen' Da hat sie aber geguckt und gemeint, das kann sie doch nicht annehmen, (das kann sie doch nicht annehmen, dass das alles ist?) Stimmt, es war noch nicht alles, es fehlten noch 3 €, das war das Geld, das sie für mich wegen dem Friseur ausgelegt hat.
Ich zahl doch nicht für meine Fans weil sie zuschauen
Dann fuhren wir Heim und ich legte mich zur Belohnung in die Badewanne. Das hab ich ja seit Jahren nicht mehr gemacht.

4 Kommentare 18.12.06 12:30, kommentieren

Bericht aus München

So liebe Leute, gebt fein acht, ich hab euch etwas mitgebracht.

Am gestrigen Sonntag war mein 8. Marathon. Den Ultra kann man ja noch dazu denken.
Also rein nach München, es würde ein schönes Laufwetter werden. Blauer Himmel, leichter Wind und 17° sollten es werden.
Ich fuhr auf die Parkharfe im Olympiakomplex, da meinte so ein Ordner, dass ich bei Block 20 parken soll. Ja, is scho recht. Ich fuhr vor bis Block 2, direkt vor die Halle der Startnummernausgabe.
Um halb 8 war ich schon da, um 8 sperrten die erst die Halle auf. Dann eben warten. Da bekam ich eine SMS, dass der Walti auch vor der Halle steht. Ich hab ihn gefunden und angesprochen. Wir plauderten noch ein bisschen, dann gingen bald die Türen auf und rein wuselte es, jeder wollte die Startnummer als Erstes haben.
Nach einem Gang durch die Marathonmesse, mit ergatterten 2 Laufhosen bin ich wieder zum Auto, hab mich umgezogen, schick gemacht und bin gemütlich zum Startgelände gewandert. Da kommt von hinten der Jürgen an und begrüsste mich. Ich war auch nicht schwer zu erkennen, ich hatte ein Shirt mit 'Charly' hinten drauf. Wir gingen zusammen in Richtung Start in den Startblock A zu den Paceläufern mit 3:15 Luftballons. Öha, so schnell will ich aber net, aber da stand ich nun. Naja, die werden mich schon nicht überrennen. Jürgen wollte 3:20 laufen, ich meinte, ich probier unter 3:40 zu kommen.
Die Läufer der deutschen Meisterschaft wurden um 9:55 auf die Reise geschickt und um 10 wurde wieder geballert, das war unser Start. Auch bei Hase in Semur ist um diese Zeit der Start für ihren HM gewesen, ich hab fest an sie gedacht und sie auch an mich. So wünschten Jürgen und ich uns einen guten Lauf und schon waren wir auf der Strecke verschwunden.
Es ging um das Stadion herum. Sehr viele Zuschauer warens nicht. Von Jubelstimmung war auch nicht viel zu spüren. Eher standen die Leute nur teilnahmslos auf den Brücken und guckten runter.
Naja, is halt so. Ich musste mich schwer zusammen reissen, dass ich mich von dem schnellen Tempo der Mitläufer im vorderen Feld nicht mitziehen lasse und sagte mir immer vor, dass ich viel zu weit vorne stand. Das half.
Ich lief in etwa einen 5 Minuten Schnitt, ich hoffte bloß, dass das nicht zu schnell wäre und ich am Ende dafür büßen müsste. Aber jetzt lauf ich erstmal dieses Tempo.
Richtig beeindruckt war ich eigentlich nie von München. Imposant war es schon auf der Leopoldstraße zu laufen. Riesenstraßen, nur für uns gesperrt. Dort vorn stand das Denkmal von dem ich jetzt ums Verrecken nicht mehr drauf komm, wie es heisst. Fällt mir schon wieder ein, habs ja schon tausendmal gehört. Dann gings rechts weg, rein in die Türkenstraße. Wir liefen in Richtung Stadtmitte, ich erblickte die Frauenkirche. Die hat 99 Meter und nichts in München ist höher, darf nicht höher sein, ausser der Fernsehturm.
So liefen wir nach 12 km in die Fußgängerzone, über den Marienplatz, das Glockenspiel am Rathaus bimmelte und somit hatten die Zuschauer auch keinen Blick mehr für die Läufer. Jeder guckte zu dem Puppenspiel hoch.
Nach 14 km kam ein Wendepunkt und da sah ich den Jürgen wieder. Er hatte doch einiges an Vorsprung, da dürfte er wohl in seiner Zeit sein.
Weiter liefen wir, ich kannte mich jetzt nicht mehr so recht aus, wobei ich auch an Stellen vorbei kam, die ich von den Münchner Bladenights kenne.
Nach 19 km ging mir der rechte Schuh auf. Sowas passiert mir sonst nie. 8 Sekunden hab ich verloren, weil ich ihn wieder binden musste. Dann band ich ihn auch noch zu fest, aber ich hielt deswegen nicht mehr an.
Noch waren die meisten Läufer guter Dinge, man hatte noch Kraft, wobei ich da auch schon vereinzelt Läufer sah, die sich an Laternen dehnten. A bissal früh, oder?
Nun lutschte ich mein erstes Powergel. Ich lief immer noch in etwa die 5 Minuten pro km, es war ok. Trotzdem hatte ich immer noch den Verdacht, dass ich ein bisschen zu schnell war.
Nach 27 km gings in 'die Grüne Hölle' Wir bogen in den Englischen Garten ab. Grüne Hölle deshalb, weil hier kaum Zuschauer stehen und sich die Kilometer ziehen sich angeblich wie Kaugummi. Ich hatte nicht das Gefühl. Aber hier wurden es echt viele Laufkollegen, die sich an Bäume stützten und ihre Waden dehnten, oder die Oberschenkel, oder Beides. Überall auch die wilden Pinkler. Wo ein Baum ist, ist auch ein Läufer davor.
Viele Läufer konnte ich hier überholen, das demotiviert die Leute wohl wirklich, die Strecke hier im Englischen Garten.
Plötzlich lief ich auf Jürgen auf. Was ist denn da los? Ich fragte ihn, was nicht stimmt?! Ihm war kotzübel, der Magen spielt verrückt und es läuft einfach nicht mehr. Zu schnell angegangen. Kurz blieb ich noch bei ihm, dann schickte er mich an, dass ich mein Rennen laufen solle.
Nach 32 km war der Wendepunkt am Aumeister und es ging hintenrum wieder zurück. Hier stand dann auch unser Fanclub und feuerte mich an. Es wurde wild gewunken, aber nach ein paar Sekunden war ich auch schon wieder ausser Sicht.
Nun gings auf die letzten 10 km. Langsam wurde es schwieriger. Ich hab schon bei km 28 plötzlich gemerkt, dass mein Nudelspeicher leer ist, da wurde die Atmung schneller und ich fühlte mich ziemlich schlapp. Aber ich wusste was das war, der Hammermann der mir einen Hieb versetzen wollte, aber ich ließ das nicht zu, ich befahl mir das Tempo weiter zu laufen und das funktionierte ganz gut. Schließlich war das nix Neues. Faszinierend ist immer, wie plötzlich das Energiedepot leer ist. Zunächst läufst du noch gut gelaunt, dann plötzlich fühlst du dich unglaublich schlapp und fertig, von einem Moment zum Nächsten. Nach einer Weile gehts wieder, aber der Punkt ist einfach immer wieder beeindruckend.
Bald waren wir raus aus dem Englischen Garten, nur noch 8 km. Was heisst nur noch? Streichen wir das 'nur'
Es wurde immer schwerer für mich, aber nein, ich gab nicht nach, ich pfiff auf die Schwäche.
Nach 37 km spürte ich einen kleinen Stich in der Wade. [b]Upsi[/b] da kündigt sich ein Krampf an. Muss das denn sein? Mannomann. Ich lief locker weiter, ein paar hundert Meter später noch ein Stich, diesmal schon ein bisschen heftiger. Beim Schild mit der 38 musste ich dann mal stehen bleiben und hab mir an einem Bordstein die Waden gedehnt und den Krampf versucht rauszuschütteln. Dann lief ich weiter, probierte jetzt mal diesen Laufsdchritt, dann jenen. Mal lief ich auf der Fußaussenseite, dann wie mein Namensvetter Charly, der Chaplin, schließlich im genauen Gegenteil, mit X-Füßen und auf der linken Straßenseite. Hin und wieder spürte ich, dass die Waden nochmal zumachen wollten. Jetzt warf ich die Füße immer nach vorne, das funktionierte ganz gut. Ich guckte auf die Uhr und dachte bei mir, wenn ich jetzt jeden Kilometer eine Minute langsamer laufe als bisher, dann könnte es knapp für die Zeit unter 3:40 reichen, aber dann darf jetzt kein Krampf mehr kommen.
Nochmal kam eine Verpflegungsstelle bei km 40, hier noch ein paar Meter gegangen. Dann hörte man schon den Sprecher, der 1,5 km vor dem Ziel positioniert war. Er feuerte die Läufer permanent an, wir hätten nur noch 1570 Meter und das kennen wir doch vom Training, in 8 Minuten habt ihr es geschafft, dann könnt ihr euch feiern.
So lief ich jetz mit wegwerfenden Fußbewegungen leicht bergab, noch ein Stück am Stadion entlang, dann kam der Tunnel in Sicht und in diesem sogenannten Discotunnel mit lauter Rockmusik, Nebel und Lichteffekten unterstützt lief man ins Olympiastadion ein, das war dann auch wirklich ein großartiger Augenblick. Du bist mitten im Stadion und bist nur noch 300 Meter vom Ziel entfernt. Ich wurde jetzt noch von einigen Leuten überholt, ich wollte nicht schneller laufen und den Zieleinlauf geniessen und nahm die Atmosphäre auf. An der Südtribüne gings vorbei, wo einst der 'Feind' stand und seinen Fußballverein anfeuerte und dort vorne war der Zielbogen. Es wurde noch ein Foto gemacht und dann lief ich in neuer persönlicher Bestzeit von 3:38:28 ins Ziel.
Ich bekam meine Finishermedaille, ein schönes Teil, schnappte mir eine Schutzfolie und latschte aufs Spielfeld, hielt aber das Ziel im Auge, denn Jürgen dürfte auch bald kommen. Und tatsächlich nach für ihn enttäuschenden 3:44 kam er ins Ziel.
Nun gingen wir direkt zum Paulanerstand, das ganze Spielfeld war voll mit kaputten Läufern, ein nettes Bild, da alle die weiße Schutzfolie anhatten oder darauf lagen.
Wir gossen uns erstmal vier alkoholfreie Bier hinter die Binde, dann gingen wir auf die andere Seite, weil das Bier aus war und holten nochmal Nachschub. Schließlich verabschiedete sich der Jürgen von mir und ging zu seiner Familie. Ich setzte mich ins Gras und massierte an meiner lädierten Wade herum. Schlechte Idee, denn plötzlich raste ein irrer Krampf in meine Wade, bei der ich einen lauten Schrei ausstieß. Die Läufer um mich herum sahen mich mit großen Augen an, verstanden aber augenblicklich meine Situation und wendeten sich wieder ab.
Ich zog an der Wade wie verrückt, rutschte blöd auf dem Gras rum und irgendwann ließ der Schmerz nach.
So musste ich dann eine 3/4 Stunde liegen bleiben, nich gewillt aufzustehen. Zwei Mädels mit Müllbeuteln kamen vorbei und fragten, ob ich was wegzuwerfen hätte. Darauf sagte ich, 'Ja mich'.
Ich sah den Leuten zu, die nach und nach aus dem Stadion verschwanden. Was grauste es mir davor, die ganzen Stufen bis nach oben zu gehen. Das Bild war nett, es sah aus, als würden Engel mit ihren weißen Flügeln im Himmel verschwinden, zwar langsam und humpelnd, aber stetig.
1 Stunde nach meinem Zieleinlauf machte ich mich auch auf den Weg, das heisst, ich versuchte es. Ich stützte mich aufs linke Bein, kam aber nicht hoch, wegen der Wade. Dann eben mit rechts, das ging dann einigermaßen und schon federte ich die Stufen hoch aus dem Stadion hinaus. Nein, ich bin natürlich nicht gefedert. Oben angekommen blickte ich nochmal nach unten und sah hier die weißen Engel auf dem Gras liegen.
Nun machte ich mich 'zügig' auf den Weg zum Auto und musste natürlich gleich meinen Schatz anrufen.
Ihr gings leider nicht so gut bei ihrem HM. Aber das kann man in ihrem Blog nachlesen. Nächstes mal gehts wieder super beim nächsten Wettkampf. So schlechte Tage gibts nunmal. Hase war auch stolz auf mich, dass ich mich trotz Krämpfen so durchgekämpft habe.
Dann fuhr ich nach Germering zur Uschi, dort wartete lecker Kuchen auf mich. Drei Stück hab ich mir gleich gegönnt, der Kuchen war echt super. Später kam noch Ingo und grinste über seine eigene persönliche Bestzeit von 3:53. Glückwunsch Ingo, Bestzeit um 6 Minuten verbessert.
Nach einem netten zusammensein bin ich dann nach Hause gefahren, ich musste noch kochen, ausserdem hatte ich um 4 Uhr Frühschicht. Die 800 Meter in die Arbeit bin ich mit dem Auto gefahren.
Gelaufen bin ich heute auch gleich, muss ja sein, wenn man täglich läuft. Ich hatte wirklich arge Bedenken wegen meiner Wade, aber am Nachmittag hat es funktioniert. Ich brauchte zwar 20 Minuten für 3 Kilometer, aber es war ok.
Was bring ich von München mit? Die Organisation war ziemlich ok. Der Preis für den Marathon ist aber recht hoch. Ich kann mir nicht helfen, ich fühl mich da ein bisschen ausgenommen. Die Zuschauer waren auch nicht der Hit. Meist standen die Zuschauer nur herum und guckten die Läufer an. Anferungen gab es nur an ein paar wichtigen Stellen, wie der Leopoldstraße, Fußgängerzone oder am Eingang zum Englischen Garten.
Das Wetter war eigentlich super, wobei doch einige Probleme damit hatten. Die Strecke war auch nicht sehr einfach. Ein paar Steigungen sind drin.
Vielleicht lauf ich den München Marathon wieder einmal. Mal gucken. Aber es gibt schönere Stadtmarathons, wo auch die Einwohner Lust auf die Veranstaltung haben und gern zusehn. Das ist in München nicht so.
Zum Vergleich, in München wurden 60.000 Zuschauer geschätzt, in Hamburg 800.000.
Ein schöner Tag wars aber auf jeden Fall.

3 Kommentare 9.10.06 21:18, kommentieren

Ja is denn scho wieder Halbmarathon?

Jo, in Füssen war heut Halbmarathon, den musste ich auch noch schnell mitnehmen.
Dafür musste ich auch noch meine Schicht tauschen. Ganz schön stressig.
Erst hats mal geregnet, aber in Füssen war es dann doch eigentlich trocken. Da haben wir aber Glück gehabt.
Nett, wen man alles so kennt mittlerweile. Es sind doch oft die gleichen Läufer bei den Veranstaltungen in der Region.
Hier winken, da hallo sagen. Da ein Grüß dich. Man kennt sich.

Zunächst waren die Kinderrennen dran. Das war nett anzusehen. Und manche sind auch gar nicht so langsam. Da flitzt ein 11 Jähriger dahin und läuft die 1200 Meter in unter 5 Minuten. Die haben schon ein Tempo drauf.

Dann um 20 vor 11 kamen wir dran. Erst hätt ich mich fast noch falsch aufgestellt. Die 10 km Läufer standen nämlich 100 Meter weiter oben als die HM Läufer, damit das mit der Distanz am Ende stimmt. LEST IHR DAS IN DIJON? ICH SAGTE, DAMIT DIE DISTANZ STIMMT!!! Nehmt euch mal ein Beispiel.
Ich machte mir heute überhaupt keinen Stress, ganz gemütlich wird gelaufen, einfach so zum Spaß.
PENG hats gemacht, dann liefen wir alle los. Ein Stück durch Füssen, dann gings hoch nach Bad Faulenbach. Zünftige Steigung und dann trennten sich auch schon die 10 km und die HM Läufer. Wir liefen in Richtung Mitter- Obersee.
Schööön gemütlich lief ich, grinste und guckte mir die Gegend an. Neben mir war eine Läuferin, die lief auf meiner Höhe und spekulierte wohl, ob sie mit mir mithalten kann. Mir ging das auf den Wecker, dieses Gegucke, dann hab ich eben ein bisschen Gas gegeben und schon war sie brav ein paar Meter hinter mir. Das Tempo hielt ich jetzt bei, so gemütlich muss es dann ja doch net sein. Stetig gings nach oben. Ich kenn die Strecke noch vom Marathon im Juli, allerdings liefen wir da dieses Jahr bergab, das war prima.
Irgendwann schwenkte einer von der Dorf und Stadtjugend eine Fahne, dass ich hier abbiegen soll. Ich bedankte mich, worauf er komisch guckte. Nun gings schön bergab und da lief ich es laufen und überholte 4 Läufer. Das macht Spaß. Es wurde wieder flach, ich fiel wieder in mein vorheriges Tempo, dann hörte ich auch schon wieder schwere Atemzüge hinter mir. Da kam einer näher. Soll er doch, mir doch egal. Ihr könnt mch alle..... überholen. Aber irgendwie ist der Wettkämpfer im Kopf nicht kaputt zu kriegen. Ich ließ ihn nicht überholen, so weit kommts noch. Also hab ich nochmal ein bisschen das Tempo angezogen, die Atemzüge wurden leiser hinter mir.
Hintenrum gings um die Seen, dann war ich auch schon gleich wieder in Füssen. An einer Wasserstelle wurde gerufen WASSER, WASSER. Ich fragte, obs denn kein Weizen gibt? Öhm, nö, bloss Wasser. Na gut, vielleicht in der nächsten Runde.
Nun war ich in Füssen, hier durch ein paar Straßen, rein in die Fußgängerzone und da klatschte der Blanbois Aggi. Kurz servus gesagt und weiter gelaufen. Am Zielbogen, der vor meiner Nase war, aber noch 14 km weit weg traf ich den Wundsam Peter. Der war doch unser Trainer bei der Ehrwalder Laufwoche und war hier Moderator. Ich blieb kurz stehen, gab ihm die Hand und servus, dann gings auch schon auf die zweite Runde. Wieder hoch nach Bad Faulenbach, Mittersee, Obersee und vier Läufer ein gutes Stück vor mir. Nö, macht mir nix aus, ich lauf heut nicht auf Wettkampf, da sind Platzierungen egal, also lief ich schneller.
Wieder um die Seen herum, etlichen Spaziergängern ausgewichen, dann wieder runter zum Lech, bald wieder in Füssen, es gab an der Wasserstelle immer noch kein Weizen, aber die Helfer taten sich mit Schupfnudeln gütlich. Die haben ein Leben.
Und lief ich wieder in die Fußgängerzone, die zweite Runde war fast erledigt, aber diesmal blieb ich bei Aggi stehen und fragte ihn, warum er nicht mitläuft. Weil er letzte Woche den Voralpenmarathon mitgelaufen ist und jetzt ein bisschen Ärger mit der Achillessehne hat. Man sieht sich in München nächste Woche? Ja, man sieht sich da. Ich sagte, ich dreh jetzt aber noch schnell eine Runde. Und schon war ich auf der dritten Runde. Die vier Läufer vor mir kamen mir näher, ich überholte 3 davon an der Steigung nach Bad Faulenbach und nicht vergessen: Gerade Haltung, Atem ruhig halten und möglicherweise lächeln um einen lockeren Eindruck zu vermitteln, der sagt, wage es nicht mir nachzulaufen.
Klar, dass ich das Tempo beibehalten musste. Nun war irgendwie kein Läufer mehr zu sehen vor mir. Hoffentlich verlauf ich mich nicht. Aber ich glaub, in der dritten Runde verlaufen, das schaff nichtmal ich.
Nun kamen auch schon die letzten paar Kilometer, Aufmunterung von den Zuschauern und dann konnt ich auch noch 2 Läufer einholen. Einer davon fiel gerade in den Laufschritt beim 19 km Schild. Ich munterte ihn auf, dass es doch nur noch 2 km wären, das kriegen wir doch noch hin?!.
Nun war ich auch schon wieder in Füssen, nochmal durch die Altstadt, den Anstieg nochmal hoch, rüber in die Fußgängerzone und nach 1:48:49 rief der Peter meinen Namen durchs Mikro, als ich ins Ziel kam.
Sofort gabs ein Beweiseisen, also ein Medaille um den Hals, der Transponder wurde abgenommen und dann sprach mich einer an, der mir gratulierte und dass ich doch ziemlich viel Läufe mitmach. Ob ich mit der Zeit zufrieden bin? Ich sagte ihm, dass ich den ja nur so mitgenommen hab, so als schönen Lauf in dieser Gegend. Da guckte er. 1:48 mal eben laufen?
Ja, ich darf jetzt nicht mehr so bolzen, nächste Woche ist Marathon in München.
Was ich denn so in der Woche laufe? Naja, diese Woche warens über 104 km. Da guckte er nochmal, schüttelte beeindruckt den Kopf, aber dann hab ich mich verabschiedet.
Schnell noch zwei Becher Wasser trinken. Noch verabschiedet beim Peter und dann lief ich auch schon zurück zum Auto. Schließlich musste ich ganz schnell in die Arbeit.

Die kommende Woche muss ich mich aber wirklich zusammen reissen und wenig Kilometer machen. Schließlich ist schon in einer Woche der Marathon. Also Charly, schön erholen.

5 Kommentare 1.10.06 15:37, kommentieren

Halbmarathon in Weilheim

Als ich das letzte mal in Weilheim war, war ich mit Mutti vor Gericht. Neiiin, ich hab sie nicht vor Gericht geschleppt. Sie war Zeuge bei einem Autounfall, da war ich 11 Jahre alt.
Aber das ist lang her, mittlerweile gibts hier Halbmarathon zu laufen.
Ganz früh aufstehen heisst das.
Um halb 9 war ich in Weilheim und die Stadt war total im Nebel versunken. Den Läufern war das recht.
Ich holte mein Startzeuchs, dann bin ich wieder zum Auto und hab mich dann irgendwo in Richtung Schule warm gelaufen.
Dann drehte ich um, zog mich nochmal um und dann gings auch schon zum Startplatz.
Ich war diesmal so frei und hab mich recht weit vorne aufgestellt. Das war auch ganz ok so, ich hatte nicht das Gefühl, dass ich im Weg war oder dass ich übermäßig überholt wurde.
Achja, davor war ja noch der Startschuß.
Los ging der Lauf, erstmal leicht bergab, dann schon bald hinaus aus Weilheim. Das Wetter war einfach gut zu laufen. Es hatte vielleicht so um die 13° und Sonne kommt da keine raus, die ist weiter oben.
Schon bald war ich am ersten km. Ist das nicht herrlich, wenn jeder Kilometer markiert ist? Da erinner ich mich doch mit Grausen an den Dijon 'HM'.
Es lief ganz gut bei mir und nun liefen wir an der Ammer entlang, ein gut zu laufender Kiesweg. Gut, ein bisschen rutschten die Füße hin und her, aber schlimm wars nicht.
Der km 3 war in 4:03 erledigt, aber das glaubte ich nicht ganz. Ich hatte recht, denn der nächste km war erst 4:53 später. Naja, dann passt das ja wieder. Ein Läufer fragte mich, wielange wir schon unterwegs seien. Ich sagte es ihm, er hatte nämlich keine Uhr dabei.
Er und noch ein Läufer sind nebeneinander gelaufen, ich hatte mal 30 Meter Rückstand und Gegenwind war auch noch. Da dachte ich mir, wenn ich mich näher hin bringe, dann kann ich im Windschatten laufen und könnt ein bisschen Kraft sparen. Also kämpfte ich mich heran und konnte dann hinter den Beiden im Windschatten laufen. Ein paar Kilometer ging das gut, aber dann wurde der Typ, der die Zeit wissen wollte schneller, der andere aber langsamer, also überholte ich ihn und versuchte am anderen dran zu bleiben, aber nö, das schaffte ich nicht. Schade, musste ich wieder nach meinem Gefühl laufen. Die Kilometer machte ich so in 4:25 - 4:30, eigentlich schön regelmäßig.
Wir liefen durch ein Dorf, kreuz und quer durch die Straßen und hier waren sogar ein paar Zuschauer. Die meiste Zeit waren wir aber alle alleine an der Ammer. Da verirrt sich natürlich kein Zuschauer hin.
Dann bei km 14 gings ein bisschen Trailig dahin. Ein Feldweg, der nicht sonderlich eben war, da merkte ich, dass ich hier ein bisschen langsamer laufe. Wieder lief ich auf einen Läufer auf, der hätte sich fast verlaufen. Dann merkte er, dass ich geradeaus laufe, daraufhin sagte er, dass er jetzt wohl besser seine Brille aufsetzt, weil er nix sieht
Hin und wieder war es ein bisschen hügelig, aber meist war es doch schön flach. Einmal musste man einen Berg hochlaufen, da war man dann an der Bundesstraße, hinten gings gleich wieder runter. Kraft kostete es allemal.
Mittlerweile waren 16 km geschafft. Ich rechnete so vor mich hin und dachte mir, das haut schon hin mit der Bestzeit, aber viel unterbieten werd ich die wohl nicht.
Dann kam die Versorgungsstelle bei km 18, da trank ich noch ein bisschen Wasser und kurz darauf *DENGEL* spürte ich schlagartig, dass ich völlig kaputt war. Ich war völlig ausser Atem und platt. Was ist denn jetzt los? Gehts noch? Aber jetzt werd ich doch wohl nicht kürzer treten, die letzten Kilometer waren eh schon immer ein wenig langsamer. Aber zum Glück war die Schwächephase nur ein paar hundert Meter lang, dann lief es wieder ganz gut.
Nach 19 km überholte mich ein Kollege und sprach mich an mit 'Charly'? Ich bejahte, dann kannte ich ihn auch. Es war der Heumann Richard, der erst kürzlich bei mir im Tagebuch vorbei geschaut hat und aus der Nachbarstadt kommt.
Wir 'unterhielten' uns kurz.
'Hi, ich bin der Richard'
'Jo, weiß'
'Das dauerte jetzt aber, bis ich dich eingholt hatte'
'Jo'
'Wie schauts aus? Wirds eine Bestzeit?'
'knapp' Mehr brachte ich nicht raus.
'Ja dann, bis gleich' sprachs und Richard entfernte sich von mir.
Kurz dachte ich daran, mich hinzuhängen, aber das packte ich nicht mehr. Nur noch 2 km, dann ist der Unsinn bald vorbei.
Nun kamen wir in Weilheim an, dann ist ja auch schon alles egal, alles rausgeholt aus dem Körper, die Zuschauer genossen und dann war auch schon bald der Zieleinlauf in Sicht. Ich guckte nun ständig auf die Uhr und im Ziel hatte ich dann eine Zeit von 1:36:39 (Selbergestoppt 1:36:35)
Super, Bestzeit. Zwar nur um eine Minute verbessert, aber das ist ok.
Dann traf ich den Richard wieder und wir unterhielten uns noch ein bisschen.
Die Becher an der Versorgung waren recht knapp. Das lag auch mit daran, dass etliche Nordic-Walker wohl meinten, da gibts was umsonst, da schlagen wir zu. Naja, ärgerlich für die HM Läufer, die es etwas nötiger hatten, als dich Stöckerlschleifer. Und der Großteil der NW-ler waren wirklich Stöckerlschleifer, Richard sah das genau so.
Kurz darauf waren auch schon die ersten Ergebnislisten draussen. Dort sah ich meine Zeit und dass ich den 60. Platz gemacht hab. Wieviel nach mir kamen, weiß ich nicht. Aber das war kein schlechter Platz.
Ich guckte dann noch die Liste des 10 km Laufes an und gucke da, hätt ich diesen Lauf gemacht, wär ich sogar achter geworden, das wär doch mal ein Ding gewesen.
Weil es doch ein bisschen kühl war und ich ein bisschen geschwitzt hab, bin ich auch gleich danach wieder aus Weilheim verschwunden.
Der Lauf war echt gelungen. Da käm ich gern wieder mal her.

Schade, dass mein Hase noch nix davon weiß. Ich weiß doch, dass sie neugierig ist, ob es denn diesmal nach dem Beschiß von Dijon mit der Bestzeit geklappt hat. Aber in Gedanken war sie ja immer bei mir.
Vor 2 Wochen war ich auch noch besser drauf, aber mittlerweile musste ich schon wieder auf den München Marathon hintrainieren, das Training dafür hat mir wohl schätzungsweise 2 Minuten bei der HM Zeit geraubt. Aber was solls, so hab ich das Gefühl, dass das noch nicht das Ende der Fahnenstange war und kann nächstes Jahr wieder angreifen.

3 Kommentare 23.9.06 15:44, kommentieren

Ultrahalbmarathon

Ja es gibt sie, die Ultrahalbmarathons.
Kerstin und ich haben beim Dijon 'Halbmarathon' mitgemacht. Im vergangenen Jahr bin ich hier meine Bestzeit gelaufen. Gutes Terrain für Bestzeiten... eigentlich. Dass die Zeit letztes Jahr nicht gestimmt hat, das war eins der wenigen Ärgernisse. Meine Handgestoppte Zeit war 20 Sekunden langsamer, als die offizielle Messung. Ich nehm aber meine eigene Zeit als Maßstab. Kann ja nicht sein, dass die mich schneller machen als ich bin.
Aber zurück zu diesem Jahr.
Es wird ein warmer Tag, mit bis zu 28° wärs schön zum Baden, wir laufen lieber.
Wir freuten uns auf den Halbmarathon und wir waren richtig gut drauf. Sogar nervös war ich.
Kein Wunder, ich hab 2 Monate schön stur und brav nach Trainingsplan trainiert, es war nur eine Frage der Zielzeit, wieviel besser meine neue Bestzeit sein würde, trotz der Temperaturen.
Wir liefen kurz vor 13 Uhr zum Start und verabschiedeten uns und wünschten uns einen guten Lauf.
Pünktlich fiel der Startschuß, es ging los.
Ich hatte ganz gut Platz, die Menge entzerrte sich schnell. Es ging vorbei am Ziel, hinaus am Canal de Bourgogne vorbei. Den ersten Kilometer lief ich in 4:13. Super, denk ich. Es wird eine Runde um den Park gelaufen, ich halte bald Ausschau nach dem 2. Kilometer, aber Fehlanzeige, kein Kilometerschild. Hab ich wohl übersehen.
Es ging wieder vorbei am Zielbogen, der noch in weiter Ferne ist. Hier dürfte dann langsam auch das Kilometerschild für den 3. Kilometer stehen, aber da steht nix. Wieder übersehen? Ist ja blöd, ich hab keinen Anhaltspunkt, wie schnell ich bin. Hätt ich doch meinen Forerunner mitgenommen.
Nun liefen wir den Canal entlang und auch der vierte Kilometer wurde nicht angezeigt, erst beim 5. Kilometer kam ein Schild. Ich war viel zu schnell und war bei 21 Minuten. Aber egal, fühlt sich gut an. Da bin ich doch richtig optimistisch, dass die Bestzeit deutlich fällt.
An einer Brücke lief man durch ein Dorf und dann gings zurück, durch Schrebergärten. Ich lief mein Tempo, ohne dass ich von Kilometerschildern belästigt wurde. Ach tatsächlich da war doch ein 7 km Schild. Das nächste kam dann aber erst wieder nach 10 km. Zuvor dachte ich mir, öha, die haben die Strecke geändert, diesen Bogen hatten wir letztes Jahr nicht gemacht, diese Steigung hätt ich mir gemerkt. Nach genau 45 Minuten war ich am 10 km Schild. Hm, hab ich jetzt für die letzten 5 km wirklich 24 Minuten gebraucht? Ich war stutzig. Na gut, wenn das 5er Schild vielleicht zu früh war, dann kommts in etwa hin. Trotzdem, meine Euphorie bekam den ersten kleinen Dämpfer.
Nun war ich schon bald wieder im Zielbereich, 12 km waren geschafft, ich fühlte mich immer noch gut und schnell. Nun musste die Canalrunde wieder gemacht werden. Es war warm, vorallem bei Rückenwind. Gegenwind dagegen kühlt schön. Dass keine Kilometerschilder da waren, daran hab ich mich nun gewöhnt. Die können mich mal. Ist wahrscheinlich eine Wahnsinnsarbeit so beknackte Schilder jeden Kilometer aufzustellen. Ich grummelte vor mich hin, dann denk ich auch nicht an meine Beine und ob es noch weit ist. Denn nach 14 km fängt das letzte Drittel an und dann heisst es durchbeissen. Das 15 km Schild erschien, ich stoppte die Uhr bei 1:08 Stunden. Aha, jetzt hab ich wieder 23 Minuten gebraucht, dann passt das ja alles wieder halbwegs. Nun sinds noch 6 km, da spekulierte ich mit einer Zeit von knapp 1:36. Na super, passt doch. Vielleicht geht am Schluß noch ein bisschen mehr? Also ranhalten. Wieder wurde durch die Schrebergärten gelaufen, nur noch 3 km oder so. Dann dachte ich mir, das Schild, das ich nach der ersten Runde sah, mit den 20 km, ist aber verdammt weit weg noch, vielleicht täusch ich mich. Nun war ich bei 19 km und da dachte ich mir, dass das nicht sein kann, das kommt ja noch ewig nicht. Ich lief noch mitten am See entlang, da müsste ich doch schon im Park sein. Ich guckte auf die Uhr und war bei 1:33 und immer noch kein 20 er Schild. Soll ich jetzt kotzen oder was? Dann nach 1:36:30 war ich an dem Schild und dann war es vorbei mit meiner Lust, ich hatte nur noch eine Riesenwut im Bauch, mir taten plötzlich die Beine weh, ich hatte keine Lust mehr und war enttäuscht. Ich hatte auch keinen Nerv mehr mich zu schinden und lief mit grimmiger Miene dem Ziel entgegen. Dass ich noch von 7 Leuten im Endspurt überholt wurde, das war mir ja so Scheißegal, meine Wut war grenzenlos. Dann kam der beknackte Zielbogen und ich lief ins Ziel und stoppte meine Uhr resigniert bei 1:41:33.
Mir wurden Zettel entgegen gestreckt, mit Werbungen für irgendwelche Läufe und ich dachte mir, ihr könnt euch eure Läufe irgendwohin stecken. Dann kam auch noch eine Dame mit einer Schachtel Schokolade daher. Da bin ich ja jetzt total scharf drauf.
Ich ging zur Versorgung und kippte erst mal ein paar Becher Wasser in mich rein. Essen konnte ich nichts.
Dann stapfte ich zum Auto und holte mein 'Finishershirt' ab. Einfach nur ein Schneeweißes Funktionsshirt, ohne Aufdruck. Dann ging ich wieder zum Ziel und wartete auf meine Kerstin, die nach 2:03 völlig enttäuscht und weinend ins Ziel lief.
Sie war so gut in der Zeit und hätte die 2 Stunden locker unterboten, wahrscheinlich in 1:57 oder 1:58. Ich hielt sie fest und ließ meinen Hasen weinen.
Dann ließen wir unserer Enttäuschen und unserem Frust freien Lauf und meckerten und motzten über das Unding, dass die Strecke einfach mal einen Kilometer länger ist.
Wir waren lange Zeit untröstlich und auch jetzt, einen Tag später bin ich immer noch sauer deswegen.
In Dijon werden wir auf jeden Fall nicht mehr laufen.
Schade, dass ich nach dem Lauf direkt nach Hause fahren und meinen Schatz zurück lassen musste. Ich hatte ja noch über 500 km zu fahren.

So eine Erfahrung macht man am besten mit dem nächsten Lauf wett. In 2 Wochen ist hier in Weilheim ein Halbmarathon und den werd ich wohl mitmachen. Und wenn es in Deutschland heisst Halbmarathon, dann ist das auch kein Ultrahalbmarathon, man kann sich auf die angegebenen Distanzen eher verlassen. Ein Halbmarathon hat schließlich 21,1 km und nicht 22 Komma Irgendwas

2 Kommentare 10.9.06 07:34, kommentieren

2/3 Alpinmarathon in Oberstaufen

Das war aber auch ein harter Lauf.
Ich wusste zwar, dass es 1000 Höhenmeter sein werden, aber dass das so heftig ist, das hätt ich jetzt auch nicht unbedingt gedacht.
Ich kam viel zu früh in Oberstaufen an, der Start war um 8:30, jetzt war es gerade mal 7 Uhr. Naja, ich dachte, ich muss ein Weilchen suchen, aber ich fuhr direkt zum Sportplatz. Da stand ich nun. Ich ging zur Anmeldung und hätte mich doch fast für den ganzen Marathon angemeldet. Da wär ich doch beinahe etwas übermütig geworden. Aber dann hab ich mich doch 'nur' für den 2/3 Marathon entschieden. Sind ja auch immerhin 29 km und sollte ja nur ein Wettkampf auf dem Weg zum Füssener König Ludwig Marathon werden, den ich so als Vorbereitung eben mitnehme.
Das Anmelden war dann auch schnell erledigt, was mach ich denn jetzt? Umziehen, mit Sonnencreme einschmieren, weil es ein superschöner Tag werden würde. Nicht zu heiß, leichter Wind und blauer Himmel. Besser kann man es nicht erwischen.
Nunja, jetzt war ich also eingeschmiert und umgezogen. Ich holte mir eine Breze und einen Kaffee und setzte mich raus um dem Treiben zuzusehen.
Ich hab mir ja eigentlich vorgenommen, nicht mehr so viel über die Nordic-Walker zu lästern, aber das muss jetzt schon sein, das war ja auch zu lustig.
Ich sah eine Gruppe von NW-lern, die sich für ihre Runde vorbereiteten. So 10 km würden die wohl walken.
Nun gings los, alle hatten ihre Startnummer und nun hefteten sich die Leute gegenseitig unter großem Brimborium mit 180 Sicherheitsnadeln die Startnummer auf den RÜCKEN.
Ich grinste vor mich hin und guckte. Ich hab schon überlegt, ob ich was sagen soll, aber nö, ich hatte ja Zeit und fand das recht interessant. Nachdem alle ihre Startnummer auf dem Rücken hatten, wurde noch ein Rucksack aufgeschwungen, der fast wieder die Startnummer wegriss. Ich weiß nicht wie lange die NWler vorhatten zu Walken, wenn sie sogar einen Rucksack brauchten. Man könnt ja verhungern unterwegs oder so. Nun standen alle da und dann kam eine Dame auf die Gruppe zu, sprach eine Weile, was eine nachdenkliche Miene bei der Gruppe zur Folge hatte. Die Dame zog wieder ab, die Gruppe guckte sich an, hoben die Schultern und nun gings los, Gegenseitig wurden die Startnummern vom Rücken genommen, anschließend wieder mit großem Zinober mit 590 Sicherheitsnadeln auf der Brust fest gemacht. Na also geht doch. Die Dame hat wohl gesagt, dass es etwas schwer sein könnte beim Zieleinlauf die Nummer zu sehen und zuzuordnen, ausser sie walken rückwärts ins Ziel.

Aber ich bin noch nicht fertig mit den NWlern. Es war ja noch ewig Zeit bis zum Start.
Eine Walkerin stand da so rum und haute sich fast eine halbe Stunde lang den linken Fuß an die rechte Wade und den rechten Fuß an die linke Wade. Hin und wieder setzte sie aus und dann gings wieder los. Hochinteressant.
Ich bin immer noch nicht fertig. Ich ging nochmal zu meinem Rucksack, als ich zurück kam, latschte ich so an der Laufbahn entlang, da standen vor mir 60 NWler und hielten alle ihre Stöcke mit beiden Armen in die Luft und streckten sich und wendeten sich und hin und her und hopp und hopp. Ich sah mir das grinsend an, keiner grinste zurück. Dann wurden noch weitere Hampelübungen gemacht, alles schön synchron. Dann drehte ich mich um und sah eine Nordic Walking Aufwärmanimateurin, die die Übungen vormachte. Ich ging jetzt mal lieber aus dem Weg, schüttelte aber nochmal grinsend den Kopf über das Getue. Einige Läufer sahen dem Treiben auch teilweise grinsend zu, aber es wärmte sich keiner mit auf. Wir haltens da lieber mit dem Laufen, statt mit Blödelgymnastik.
Aber danke für die Show, so verging die Zeit bis zum Start schneller.

Nun war gleich 8:30, alle stellten sich für den Start auf, ich war fast ganz hinten, pressiert ja net. Dann wurde gestartet und nach einer Runde im Stadion wurden wir auf die Strecke gelassen. Es ging nach Oberstaufen hinein, einige Zuschauer klatschten.
Nach knapp 2 km gings dann auch schon nach oben. Aber nicht zu knapp. Einige Schritte lief ich noch, dann fiel ich schon in den Gehschritt, schließlich sinds noch 27 km. Ich hatte noch keine Vorstellung davon, wieviel jetzt 1000 Höhenmeter sind. So ging ich den Berg hoch und ging hoch, bei etwas flacheren Passagen lief ich wieder, aber wenn es wieder steiler wurde, fiel ich wieder in den Gehschritt zurück. Vor und hinter mir ist keiner mehr gelaufen, es wurde nur gegangen. Hätte mich auch gewundert.
Irgendwann war der Anstieg geschafft und es ging wieder nach unten. Zunächst nicht so schlimm, aber dann wurde über Treppen im Wald und über Wurzeln gelaufen. Immer weiter nach unten und die schönen Höhenmeter wurden wieder abgegeben. Wir kamen in Steibis an, hier war ein Stück relativ flach, dann wurden wir wieder in die Berge gelockt, ein langer Anstieg nach oben auf direktem Weg. Auf der Straße wurde immer wieder der Verkehr aufgehalten, wenn wie diese kreuzten. Lustigerweise warens meist die Gleichen wie an der Serpentine davor.
Dann endlich kam man bei der Talstation einer Seilbahn an, tja, wo Talstation, da auch Bergstation. Wenn man nach oben blickte konnte man die Bahn irgendwo dort oben verschwinden sehen. Daneben der Weg, auf dem die Läufer hochgingen. Das war auch nun der schwerste Teil der Strecke. Ein Wanderweg führte uns zur Bergstation, immer in Serpentinen weiter nach oben. Meine Waden schmerzten, meine Achillessehnen meckerten, ich schwitzte unter der Brille durch. Ab und zu ging ich ein paar Schritte rückwärts um eine andere Belastung zu bekommen. Bis auf 1250 Meter üNN wurde gelatscht, dann war die Bergstation endlich geschafft. Hier oben war eine Verpflegungsstation, bei der ich ein paar Minuten stehen blieb. Nach rechts wurden nun die Marathonläufer geschickt, die noch 800 Höhenmeter mehr vor sich hatten, die 2/3 Luschen sollen den Berg hinten wieder runter laufen.
Oh wie ich das liebe, dieses bergab Laufen. Ich weiß auch nicht, ich kann es einfach nicht. Ich wurde von zwei Mädels überholt, da dachte ich, das gibts doch nicht, die stürzten sich halsbrecherisch nach unten und redeten dabei noch, dass das ganz schön auf die Knie geht. Ja, das geht auf die Knie, aber unbedingt. Vorallem wenn man so viel bremst wie ich. Noch ein paar Läufer überholten mich und ich fands immer noch mehr zum kotzen da runter zu laufen. Es war auch noch stellenweise supersteil und 14 km waren auch schon hinter mir. Naja, nützt ja nix, irgendwann wurde es auch wieder flacher, dann musste ich nicht so bremsen. Bald war ich auch ziemlich weit unten, es wurde flach. Durch einen schönen kühlen Waldweg genoß ich die Strecke ohne Gefälle und Steigungen. Dort vorne lag ein Mann im Liegestuhl, ein Bier in der Hand. Es war ein Streckenposten, der lässig nach links wedelte. Der hat ein Leben
Kaum nach links abgebogen, gings über einen Fluß und schließlich wieder nach oben, es galt wieder Steigungen zu machen. Immer wieder wurde es steiler und wieder flachter, entsprechend hab ich Gehpausen eingelegt oder hab wieder mit kleinen Schritten begonnen zu laufen. Kaum oben angekommen, winkte mich ein Streckenposten wieder den Berg runter. Mit dem Spruch, da vorne links und dann hast du es schon fast geschafft............ in weiteren 10 km. Hm, das könnt sich ziehen
Also weiter und wieder den Berg hinab. Aber sowas von steil, ich bin lieber mal ein paar Schritte gegangen, als da runter zu laufen. Meine armen Knie machten aber auch was mit.
Ich kam wieder in Steibis an und nun war das Schlimmste auch ausgestanden, nun waren nur noch kleine Wellen und kurze Steigungen zu erwarten. Nett war, dass die Zuschauer überall klatschten und nicht nur da standen. Sie wussten, dass es gut tut etwas angefeuert zu werden, bei so einem schweren Lauf.
Nun konnte ich schön vor mich hinlaufen, dabei überholte ich auch noch ein paar Läufer, die an allen Steigungen Gehpausen machten, aber mir gings doch nocht recht gut. Oberstaufen kam näher, dann wusste ich auch schon, dass bald das Ziel erreicht ist. Ich passierte den Bogen, der mir mitteilte, dass es noch ein km war. Den lief ich auch noch locker, lief ins Stadion ein, wo vom benachbarten Hotel auch noch die Leute vom Balkon klatschten und dann war ich auch schon nach 3:17 Stunden im Ziel.
Ich ging dann erstmal zum Stand mit dem alkoholfreien Bier und beschäftigte mich damit.
Dann später ging ich auf den Sportplatz und sah mir die Zieleinläufe an. 10 Minuten nach mir kamen auch schon die ersten Beiden des Marathons mit einem Fernsehreifen Schlußspurt ins Ziel, das war noch knapp.
Nach einem Steaksemmel und einem echten Bier hab ich mich auf den Weg nach Hause gemacht.

Heute hab ich lustigen Muskelkater. In den Beinen gehts eigentlich. Klar tun ein paar Sachen weh, aber witzig ist, dass ich in den Armbeugen unglaublichen Muskelkater hab. Ich bin ganz schön viel mit den Armen gelaufen, oder?
Der wird wohl daher kommen, weil ich bergab so verkrampft gelaufen bin.

Das war jetzt wohl mein bisher härtester Lauf, aber schön wars. Ich hab mir zwar unterwegs gedacht, das tu ich mir nicht mehr an, aber ich glaub selber nicht dran.
So anstrengend wie der Lauf war, so schön war auch die Strecke und das schöne Panorama der Allgäuer Berge.

Nun kann aber der Füssener Marathon kommen.

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