Besondere Läufe

Mini Break

Zurück aus dem Mini Break, wie es in England heisst, wenn man übers Wochenende verschwindet.
Am Freitag sind wir nach St.Louis gefahren. Gleich neben Basel.
Und weil es in St. Louis ziemlich trostlos ist, haben wir uns gleich rüber jemacht in die Schweiz, nach Basel.
Dort haben wir ein bisschen die Läden angeguckt.
Dann haben wir ein Restaurant gesucht. Wir fanden auch ein nettes, vornehmes Restaurant. War echt lecker dort. Die Kellner sehr förmlich mit Mantel aufhängen und so. Wie aus dem Bilderbuch.
Das Restaurant betrachte ich als perfekt. Ich guck ja da immer automatisch, was falsch gemacht wird, aber hier gibts null Einwände. Es liegt an vielen Kleinigkeiten, wo mir das auffällt. Es ist nicht die saubere Tischdecke, es ist eher der Salz- und Pfefferstreuer, der ein gutes Restaurant auszeichnet. Sind diese Dinge sauber, kann man dem Restaurant uneingeschränkt vertrauen.
Auch das Servieren und wie die Gläser abgestellt werden wird von mir beobachtet. Passt mal auf, ob euer Kellner das Glas mit der Schrift zu euch auf den Tisch stellt. Idealerweise stellt der Kellner das Glas etwas versetzt hin um es dann mit einer geübten Bewegung zu dir hindreht um auf den Namend der Biermarke aufmerksam zu machen. Und hier in dem Lokal wars einfach perfekt.
Wir bestellten uns auch leckere Dinge. Bei mir gabs Kalbslende mit Morchelsoße an Butternudeln.
Kerstin hat eine Maispoulardenbrust mit Kürbisrisotto gegessen. Super.
Der ganze Spaß hat 100 Franken gekostet, das sind 66 €. Dafür gabs auch noch 5 € Trinkgeld.
Dann sind wir wieder in die Innenstadt. Dort fand wohl so ne Kirmes statt. Riesenrad und Schleuderfahrdinger.
Kennt ihr noch die Raupe, die mit einem Affenzahn im Kreis fährt und das in Wellen? Genau in sowas sind wir eingestiegen. Das letzte mal als wir so dieses Dingens gefahren sind, waren wir beide noch recht jung. Das war aber auch mal wieder lustig.
Dann fuhren wir in unser Hotel und warteten auf den Samstag.

Samstag fuhren wir nach Colmar. Ach ist die Stadt putzig. Nicht ganz deutsch und nicht ganz französisch. Ein paar Bilder hat ja Hase eingestellt auf ihrem Blog.
Lustig diese halbdeutschen Namen und Begriffe, wie z.b. die Winstub. Wir gingen schön shoppen und aßen noch einen Elsäßer Flammkuchen. Das muss natürlich sein, wenn man im Elsaß ist. Das Bier ist aber sauteuer. Das hab ich mir dann aber auch verkniffen. Trink ma halt Wasser, is eh bald Marathon.
Wir schauten uns dann noch die Stadt ein bisschen an, bevor es am Nachmittag wieder ins Hotel ging. Achnö, erst waren wir ja noch in einer Pizzeria. Carboloading, weisch?

So kam der Sonntag und damit auch mein 40. Geburtstag. Hui, kaum zu glauben, dass ich schon in dem Alter bin. Aber lustigerweise geht es mir besser, als zu meinem 30. Geburtstag. Damals noch schön Übergewicht, brav 50 Zigaretten geraucht und wo ne Party war, war Charly auch nicht weit. Ne, die Zeiten kann ich getrost hinter mir lassen.
An meinem Geburtstag sollte es auch ein Marathon sein, man gönnt sich ja sonst nix. Dafür gings nach Ferrette, das natürlich auch im Elsaß liegt. Etwa 20 km von St. Louis entfernt.
Um 10 Uhr war der Start mitten im Nebel, der übergangslos später in den Nieselregen überging. War aber nicht schlimm, weils auch ganz bald zu regnen aufhörte. Ach war der Marathon nett. Nicht so ein Gedränge wie in Berlin. Nicht so irre lange Wege von der Unterkunft bis man endlich am Start steht. Wir konnten auch noch 5 Minuten vor dem Start die Klamotten wechseln, weil wir uns um 9:55 Uhr für Regenjacken entschieden.
Um 10 Uhr war dann auch der Start mit 260 Teilnehmern. Wir haben uns voneinander verabschiedet, wir sehen uns dann im Ziel.
Nettozeiten gibts nicht, brauchts auch nicht, man steht ja auch nicht 25 Minuten, bis man über die Startlinie kommt, sondern nur ein paar Sekunden. Und los ging mein 16. Marathon.
Ich nahm mir eigentlich überhaupt nix vor, ich lauf einfach nach Gefühl vor mich hin. Wenns unter 4 Stunden wird is gut, wenn nicht is Wurscht. Ich hab ja schließlich nix drauf hintrainiert.
Zunächst führt die Strecke 4 km lang bergab. Auf dem ersten km hatte ich so 5 Minuten verwendet, plötzlich haut mir jemand auf den Hintern. Spinn ich jetzt? Ich dreh mich um und seh zu meinem Erstaunen Hase grinsen. Sie musste mir unbedingt nochmal auf den Hintern hauen. Aber nu trennten wir uns wirklich.
Nach 7 km sahen wir uns nochmal an einer Schleife in einem der 14 zu durchlaufenden Dörfer und winkten uns fröhlich zu.
Die Strecke war eigentlich nie wirklich flach, ständig gings sanft hoch und wieder nach unten. Kilometerlange Steigungen ließen kilometerlange Bergabpassagen folgen. In den Dörfern selber war einiges los. Sogar mit Morgenmantel und Kaffeetasse wurde draussen gestanden und die Läufer angefeuert. Das war sowas von herzlich. Und es gab auch kein Mißverständnis, die meinten wirklich mich, schauten mich an und klatschten und riefen überall ihr Allez, allez zu mir herüber und das war wirklich in jedem Dorf so. Überall wurde auf Töpfe gehauen, alte Leute klatschten, die jüngsten auch und alle freuten sich darüber, dass der Marathon durch ihr Dorf führt. In Berlin sind meinetwegen mehr Zuschauer, bei München bin ich mir da nicht so sicher, aber die haben längst nicht die Herzlichkeit.
Auch an den Verpflegungsstationen ist einfach kein Vergleich mit deutschen Laufveranstaltungen möglich. In Deutschland würde man sagen, die Verpflegungsstationen sind funktionell eingerichtet, mehr aber auch nicht. In Frankreich erleben wir ständig, dass es eine absolute Vollverpflegung gibt. Was es da alles zu schlemmen gibt. An JEDER Station gab es Cola, an JEDER Station warmen Tee, an JEDER Station Isogetränk und Wasser.
Dazu natürlich Bananen, Orangen, Äpfel, Lebkuchen, Trockenfrüchte und was weiss ich noch alles. Laufen wie Gott in Frankreich. Und dazu noch die Leute, die wirklich alles tun um die Wünsche zu erfüllen. Nett, einfach nett.
Mir gings vom Körperlichen her ganz gut, die Kilometer wurden schön regelmäßig abgeklappert, wobei ich aber doch merkte, dass mir ein bisschen Training fehlt.
Ich hab aber auch noch meine Kräfte ein bisschen aufgespart, weil ich das Gefühl hatte, dass wir noch einiges an Höhenmetern nach oben laufen müssen, das kann ja noch was werden. Aber so verging Kilometer für Kilometer. Nach 36 km kam ein Anstieg und ich guckte auf den Forerunner, auf welcher Höhe wir sind um dann zu sagen, wie weit es noch nach oben ging. Aber so schlimm wars gar nicht. Irgendwo haben wir die Höhe wieder gewonnen, ohne dass man es richtig mitbekommen hat.
Naja, dann hab ich eben meine Beine laufen lassen und mich nicht mehr um mich gekümmert, nach 40 km konnts nicht mehr so schlimm werden. Aber dann nach 41 km BOING. Kam der Hammermann. Was is los? Was hat der jetzt verloren bei mir? Mir wurde es echt spontan schwummerig, die Beine waren aus Knetgummi und ich war fertig. Was is los? Naja, weit isses ja nicht mehr. Aber da es jetzt auch noch stetig bergauf ging, hatte ich einfach nicht mehr die Kraft und musste eine Gehpause einlegen und das 800 Meter vor dem Ziel. Was is los??? Naja, nach 200 Metern bin ich wieder angetrabt und dann gings eh bald steil bergab nach unten ins Ziel. Dem Fotografen hab ich ungrinsend das Victoryzeichen in die Kamera gehalten und bin nach 3:56 Stunden ins Ziel getrabt.
Ich hab mich dann schnell am Tee gütlich getan und bin bald wieder den Berg hoch: ÄCHZ!!! Ich latschte zum Auto um mich bei der Kälte gleich umzuziehen, denn in 15-20 Minuten werd ich Hase erwarten, bis dahin will ich wieder im Ziel sein.
Ich zog mich gerade am Auto um und stand in der Unterhose herum, als an mir jemand mit grüner Jacke vorbei lief. Spinn ich?
Haaaaaassseee rief ich, mit meiner Jogginghose wedelnd in Unterhosen rumstehend meinem Schatz hinterher. Ich guckte auf die Uhr und sah ungläubig, dass sie in einer Zeit von 4:24 Stunden ins Ziel laufen würde. Ja wie jetzt? Da bin ich ja jetzt gar nicht im Ziel? Sie kann mir ja gar nicht die Wimperntusche aufs Hemd schmieren?! Ich beeilte mich und joggte mit superschweren Beinen wieder den steilen Berg hinab und sah dann meinen Schatz schon auf einer Bank sitzen. Dann schloßen wir uns in die Arme und freuten uns über den schönen Marathon und erzählten das Erlebte.
Mit Beweiseisen und einer Rose, die jede Finisherin bekommt, sind wir dann zum Auto um sofort nach Freiburg zu fahren. Dort wollten wir noch ein bisschen meinen Geburtstag feiern und über die Hasenbestzeit staunen.
Abends aßen wir noch schön in Omas Küche und dann gings zurück in unser Hotel.

Es wurde Montag und wir shoppten noch durch Freiburg.
Ich hab noch ein paar Caches gesucht und bin halb Wahnsinnig dabei geworden.
Einen haben wir dann aber doch noch gefunden an der Universität. Das war Arbeit.
Dann fuhren wir nochmal nach Colmar.
Da gibts auch noch was kurioses zu erzählen, was auch wieder beweist, wie absolut nett die Elsäßer sind.
Ich sperrte das Auto ab und wir liefen durch Colmar. Nach etwa 2 Stunden kamen wir zurück und fanden einen Zettel in der Windschutzscheibe. Häh?
Hase übersetz mal.
Da steht, wir sollen in das Optikergeschäft nebenan gehen und nach einem Jean fragen. Häh? Rätsel, isser uns in die Karre gefahren? Dann kam der Jean auch schon angefedert und erklärte was los war. Ich Idiot hatte auf der Beifahrerseite die Scheibe nach unten gefahren und hab vergessen es wieder zu schließen. So stand mein Auto die ganze Zeit mit offenem Fenster rum, alles lag im Auto. Meine Sonnenbrille auf dem Beifahrersitz, Ipod, Rucksack, Einkäufe, Taschen. Alles was das Herz begehrt.
Jean erklärte, dass er dann aus dem ersten Stock gesehen hat, wie sich jemand in mein Auto beugt und im Handschuhfach rumkramt, wobei er ihn von oben angebrüllt hat, worauf sich der Kerl vom Typ Penner verpisst hat.
Ich stieg dann erstmal ins Auto ein und glotzte blöde vor mich hin. Es fehlte nix, gar nix. So ein Glück. Ich war aber erstmal total fertig mit der Welt. Wie kann man bloß so blöd sein und das Autofenster unten lassen? Minutenlang saß ich noch so da und Kerstin ist nochmal zu Jean reingegangen um sich nochmal herzlich dafür zu bedanken, dass er das bemerkt hat. Hui, waren wir froh.
Perplex sind wir dann nach Hause gefahren in den Hasenstall.

So, das war dann also unser spannendes und schönes Wochenende und ihr braucht jetzt ein Wochenende um das alles zu lesen.

2 Kommentare 6.11.07 17:57, kommentieren

Werbung


Urlaub

Hase und ich hatten Urlaub.
16 Tage hatten wir für uns. Das war jetzt aber auch eine schöne Zeit, dafür fiel der Abschied auch unglaublich schwer.
So schnell können 2 Wochen vergehen.
Jetzt wirds auch mal Zeit etwas über den Urlaub zu erzählen, oder?
Ich will jetzt nicht sagen, wir waren daundda und Wetter war schön. Nö, lieber einen Teil davon, dafür mehr im Detail.

Ich hab mich ja schon immer für Golf interessiert. Ich kenn viele Begriffe wie Par, Birdie, Eagle, Albatros, Green, Tee, Holz und Eisen, Handicap usw.
WER GÄHNT DA IM HINTERGRUND?
Nein, Golf ist nicht langweilig und blöd. Golf ist anstrengend und geil.
Jaja, jetzt lässt der Charly sein Golfkönnen raushängen, aber denkste, so einfach geht das dann doch nicht.
Wir waren doch in Stadtlauringen, bei Schweinfurt bei den Haseneltern. Wo das genau ist? Fragt den Seehofer, der weiß das. Und kürzlich hat der Hasenpapa, der Siegfried die Platzreife auf dem Golfplatz geschafft.
Wasn das?
Platzreife muss man haben, um alleine auf dem Golfplatz spielen zu dürfen. Sonst könnt ja gleich der Gustav vom Traktor steigen und ein paar Bälle durch die Luft prügeln, mitsamt dem Gras. Nönö.
Es braucht theoretisches Wissen und man muss dem Pro vorspielen. Hat man bestanden, hat man die Platzreife. Da darf der Siegfried dann schon stolz darauf sein. Ist er auch

So sind wir dann also zusammen auf den Golfplatz gefahren. Und da ich ja keine Platzreife habe, woher auch? Konnten wir nur auf den Puttplatz und auf die Driving Range. Da brummt der Bär, da fliegen die Bälle.
Driving Range ist die Stelle, an der der Abschlag trainiert wird.
Also hat Siegfried einen Eimer voller Bälle aus dem Automat geholt, kurze Einweisung und dann durfte ich mit dem Eisen 7 Abschläge machen.
Ersma Probeschwung und dann auf den Ball gedroschen. Oh Brüder ich konnte den Ball nicht in der Ferne erkennen..... weil er noch zu meinen Füßen lag. So einfach ist das also nicht, das Bällchen zu treffen. Na gut, brav zugeguckt, wie der Hasenpapa das so macht und daraus gelernt. Dann hab ich wieder geprobt und ZACK, diesmal sauste der Ball durch die Luft und landete nach 100 Metern wieder. Geil
Mehr Bälle, mehr Bälle. Immer drauf aufs Tee mit dem Ball, schwing und dann dieses befriedigende KLOCK, wenn man den Ball genau getroffen hat. Hui, das war ja stark.
Kerstin hat auch ein paar Bälle geschlagen, aber irgendwie war das nix für sie. Sie guckte lieber zu, wie ich zum Tiger wurde. Tiger Woods wird eh bald niemand mehr kennen.
Nach einer Weile kam sie dann, die BIG BERTHA.
Big Bertha ist nicht die dicke Greenkeeperin, Big Bertha ist ein Abschlagsholz und ich durfte sie benutzen.
Also BIG BERTHA in die Hand genommen und dann KLOCK, Volltreffer. Der Ball segelte mal eben 200 Meter weit. Ich brachte das Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht. BÄLLE, BÄLLE, BÄLLE. Und Klock, Klock, Klock, flogen die Bälle hinaus auf die Wiese. Super. Irgenwann war der Eimer dann doch mal leer und so gingen wir zum Putten.
Wieder gabs eine Belehrung vom Hasenpapa, aufmerksam zugehorcht, gestaunt, wie er das macht und dann haben wir das auch gemacht. Ball hingelegt, konzentriert geguckt und dann KLICK, rollte der Ball auf das Loch zu, am Loch vorbei und blieb 7 Meter dahinter liegen. Ähm, zuvor war das Loch nur 2 Meter weg. Also Merke: Putting Platz ist keine Driving Range.
Ich hab probiert und probiert, aber das Feingefühl ließ mich dann doch ganz schön im Stich. So fein konnte ich meine Drivermuskulatur gar nicht in den Griff bekommen, immer wieder rollte der Ball weit am Loch vorbei.
Irgendwann gingen wir dann wieder nach Hause und nu war ich doch ganz schön infiziert vom Golf spielen. Da musste ich gleich mal gucken, wo in der Nähe im Allgäu ein Golfplatz ist, was so Trainerstunden kosten, es wurde auch Daheim gleich mal Golflektüre gekauft, es wurden zwei Tees im Aldi ausgeliehen. Die ganze Schachtel mit 300 Stück wär mir dann doch zu viel gewesen. Wann sollte ich die denn kaputt machen?
Übrigens bekam ich von Siegfried noch das 7er Eisen geschenkt. Stark, oder? Er hat nämlich einen Komplettsatz gekauft, viele, viele Eisen in der Golftasche, das macht ganz schön was her, das hat so was Profimäßiges. Schläger sind ja auch wichtig. Kannst ja net alles mit einem Schläger spielen. Geht schon, aber eben nicht so gut.
So, jetzt hab ich mir auch noch übers Internet ein paar Golfbälle gekauft, dann doch noch ein paar Tees, einen Putter und so eine Puttermatte. Wär doch gelacht, wenn ich das nicht hinkrieg mit der Feinmotorik.
Fehlt nur noch die Platzreife, dann wird das Handicap verbessert. Der Bernhard Langer kann schon mal seine Schläger versteigern.

18 Kommentare 21.5.07 21:48, kommentieren

Frühlingsbegrüßungslauf im Nationalpark

Von Hase und Charly


Heute war Ausflugszeit angesagt. Es ist Frühling ! Seit Wochen schon wollen Charly und ich endlich einmal einen Ausflug in den Parc Naturel Régional du Morvan machen, und heute, bei wunderschönstem sonnigen Frühlingswetter, war es dann soweit. Laufklamotten angezogen, was Trockenes zum Umziehen mit eingepackt, ein Picknick vorbereitet (mit dem superleckeren Brot von unserer Semurer Ich-bin-zwar-unfreundlich-aber-ich-kann-mir-das-erlauben, denn-bei-mir-gibt-es-das-weltbeste-Baguette-Bäckerin), ins Auto gesetzt und los gings. Und Charly und ich sind ja so schlau und lernfähig. Nachdem wir uns bei unseren letzten Läufen, bei denen wir neue Gebiete erkunden wollten, jedesmal aufs Übelste verfranst haben - wir sind ja alle beide nicht so die Orientierungskünstler, ne - haben wir diesmal die Original Michelin-Karte mitgenommen, die uns wohlbehalten durch den Forêt au Duc geleiten sollte.


Wir kamen in Roche des Fées an und stellten erstmal das Auto ab. Souverän und im Selbstbewusstsein des Orientierungshelden wies ich mit der Karte in der Hand in die Richtung, in die auch das Auto zeigte. Der Arm wurde schwerer, je länger wir die Karte anschauten und dann feststellten, dass das mit Sich-er-heit nicht der Weg ist. Wir wären schon auf dem ersten Meter auf dem Holzweg gewesen. Haha, Holzweg ist gut mitten im Wald.
Naja, dann eben die Karte ein wenig im Uhrzeigersinn drehen und schon ist die Perspektive eine ganz andere.
Wir zogen uns um, legten noch eine Pinkelpause ein und sausten los in Richtung Hauptstrasse und nach 100 Metern wieder nach rechts hinein in den Nationalpark. Schön ist es im Wald. Man darf sich den Wald nicht so vorstellen wie in Deutschland, der hier ist komplett asphaltiert, schließlich liegen in den Wäldern noch ein paar Dörfer. So kamen wir an einem See an. Hier könnte man im Sommer toll baden, vor allem ist hier kein Mensch, da kann mans aushalten. Und es stehen auch ein paar Picknicktische herum, da können wir doch nachher unser Picknick abhalten?! Jawohl, das machen wir, aber erst warteten noch ein paar Hügelchen auf uns.



Wir hoppelten also am See vorbei und tiefer in den Wald hinein, Charly mit unserer überlebenssichernden Wanderkarte fest in der Hand und vor allem auch im Blick. Nach einer Weile sagte ich dann lachend zu ihm, Mensch, jetzt bewunder doch mal die wunderschöne Landschaft und starre nicht immer nur auf deine Karte !!, das wirkte. Wir waren ganz hin und weg von dem schönen Wald, in dem die Vöglein voller Frühlingseuphorie um die Wette zwitscherten und in dem wir keiner Menschenseele begegneten. Aber diese Tatsache erklärt sich von selbst: es ist Sonntag, es ist 13 Uhr und wir sind in Frankreich. Stichwort Mittagessen ! Trotz der idyllischen Umgebung wurde ich mit jedem Kilometer, den wir vorankamen, immer nervöser, denn es ging stetig bergab, und zwar steil. Und soweit hatte ich im Physikunterricht dann doch aufgepaßt, um zu wissen, daß es, wenn es viel bergab geht, gezwungenermaßen auch wieder viel bergauf gehen muß, wenn man wieder an seinen Ausgangspunkt zurückkommen will. Aber egal, das packen wir schon, schließlich sind wir Semurer und keine Flachlandbewohner.


Ja, zunächst gings ja nach oben. Dank GPS konnte ich Hase ordentlich nerven. Ich sagte ihr ständig die aktuelle Höhe. Waren wir zunächst ganz oben bein 566 Höhenmetern, worauf Kerstin meinte, dass da die Luft schon ganz schön dünn wäre, gings nun immer schön weiter nach unten. Es spricht ja nix gegen nach unten laufen, aber die Physik, die Physik. Newton hat doch den Käse mit der Schwerkraft erfunden, dafür gehört ihm heute noch der Hintern versohlt.
Immer schön weiter nach unten liefen wir. Der Wald war einfach traumhaft, stellte ich fest, nachdem ich nicht mehr steif in die Karte guckte. Ich konnte es einfach nicht lassen, Kerstin zu sagen, wieviel Höhe wir schon verloren haben. Schließlich müssen wir das alles wieder hoch. Na bravo.
Wir machten ein Wettrennen mit einem Zitronenfalter, der ist ewig lang vor uns her geflogen, aber letztlich haben wir ihn doch noch ordentlich versägt.
Dort unten hörten wir nun schon den Fluß und kurz darauf sahen wir ihn auch schon. Cure heisst er, wie die gleichnamige Band. Also sind wir unten am Fluß, dann gehts auch nicht weiter nach unten. So, das genügt, wir waren auch nur noch bei 370 Höhenmetern, also gings 200 Meter nach oben. Wieder die Karte zu Rate gezogen und an einer Brücke die richtige Route eingeschlagen und von nun an gings bergauf.



Ja, es ging bergauf, das ist keine Übertreibung. Bergauf ging es. BERGAUF !! Erstaunt nahm ich zur Kenntnis, daß Charly heute ausnahmsweise einmal mein Angebot, gerne in seinem eigenen schnelleren Tempo vorauszuhoppeln, annahm. So lief ich gemütlich in meinem ganz eigenen langsameren Tempo die extreme Ansteigung hoch und rief ihm noch hinterher, daß er bei eventuellen Weggabelungen doch bitte auf mich warten solle, da er ja unsere lebenswichtige Karte noch immer fest in der Hand hielt und ich keine große Lust hatte, mich zu verlaufen und weder Charly noch das Auto jemals wiederzufinden. Er meinte, er würde dann einen Schuh liegenlassen, der mir die richtige Richtung weisen würde. Scho recht, Charly
Als ich ihn dann wiederfand, etliche Höhenmeter später und dennoch den wunderschönen Wald mit seinen plätschernden Bächen und saftig grünen Nadelbäumen genießend, saß er grinsend am Rocher de la Pérouse, ließ sich die Sonne ins Gesicht scheinen und genoß die umwerfende Aussicht.
Guckst du hier: http://www.petit-patrimoine.com/fiche-petit-patrimoine.php?id_pp=89318_9



Die Aussicht war echt der Wahnsinn. Mittlerweile waren wir ja auch schon wieder 100 Meter nach oben geklettert. Vor uns lag nur Wald und Wald und nochmal Wald, soweit das Auge reichte. Unten war der Fluß zu sehen. Es ist nicht ganz leicht zu beschreiben. So saß ich auf einem Felsen und wir guckten in die Landschaft. Aber schließlich rappelten wir uns wieder auf und liefen den Rest des Anstiegs hoch, was ja auch nochmal 100 Höhenmeter bedeutete. Ich lief wieder voraus und als ich fast oben war, hab ich auf einer Bank wieder auf Kerstin gewartet.
Nun waren wir fast oben und da fiel mir auf, dass die Bäume unglaublich gesund aussehen. Die verschiedenen Nadelbäume standen richtig saftig in voller Pracht da. Die Äste bogen sich nicht traurig nach unten, sondern strebten nach oben. Es war totenstill im Wald, kein Mensch, kein Auto, kein Fußgänger, absolut nichts. Nur wir zwei und unsere Schritte, die über den Boden trippelten. Eine unglaubliche Stille, abgesehen vom Vogelgezwitscher und dem Geklopfe eines fleißigen Spechts, der sich wohl unbedingt eine Gehirnerschütterung holen wollte. Meine Karte hatte ich noch immer in der Hand und mittlerweile kam ich auch klar mit der Orientierung. Ganz wichtig erklärte ich meinem Schatz ständig, dass es jetzt noch 800 Meter geradeaus geht und dann müssen wir nach links um wieder einen fachmännischen Blick auf die Karte zu werfen.
Ich behauptete, dass wir am Ende so 13 – 14 km hätten, was sich natürlich als falsch herausstellen sollte und ich die mentale Stärke von Kerstin trainierte. Doch zunächst sahen wir mitten im Wald ein einsames großes Haus, ein Forsthaus.



Charly war schon extrem putzig in seinem Stolz, den richtigen Weg für uns zu finden. Aber trotzdem - nee, 13 – 14 km, das kam mir etwas zu wenig vor. Ich behauptete, wir kämen auf mindestens 15, wenn nicht mehr. Aber Charly war der Fachmann mit der Karte und insistierte, daß das maximal 14 km seien. Na gut. Da er uns so absolut sicher und ohne sich ein einziges Mal zu verhoppeln durch den Wald geführt hatte, glaubte ich ihm das. Als er mich dann aufklärte, daß wir jetzt 12 km hinter uns hätten, stellte ich mich demnach darauf ein, nur noch eineinhalb bis zwei Kilometer zu laufen zu haben. Das geht. Nur daß Charly mir dann etwas später sagte, öhm, das mit den 13 – 14 km wäre wohl etwas optimistisch gewesen und ich hätte wohl recht gehabt und wir würden auf 16 Kilometer kommen. Und außerdem wollte er noch von mir wissen, warum ich ihm denn immer wieder glauben würde ? Ich sei ja selbst schuld und verdiene es ja nicht besser ! Die letzten Kilometer liefen aber trotz allem recht gut, da es jetzt nicht mehr bergauf ging, und so liefen wir noch einmal durch einen unglaublich dichten Nadelwald, in dem es richtig dunkel wurde und kein Sonnenstrahl duchkam – ich liebe diese Art Wald ! -, es wurde kalt und ich mußte meine Jacke wieder anziehen, wir liefen die letzten zwei Kilometer flott runter und freuten uns auf unser Mittagessen, das wir uns redlich verdient hatten, wie wir fanden.

Und wie wir unser Mittagessen am Nachmittag verdient haben. Aber zunächst hat sich unsere Stirn gerunzelt. Wo vorhin an unserem ausgewählten Picknicktisch kein Mensch war und der See in Stille dalag, waren jetzt etliche Leute unterwegs. Man fuhr wohl nach dem Mittagessen raus zum See, gaaanz nah und dann wird um den See gegangen, dass man sich später den Kuchen auch verdient hat. Ne, darauf hatten wir jetzt aber gar keine Lust, wir waren die ganze Zeit alleine im Wald, also wollten wir auch in aller Ruhe alleine unser Baguette mümmeln. Wir liefen den Rest zum Auto, zogen uns um und fuhren ein Stückchen die Strecke entlang, die wir zuvor gelaufen sind und siehe da, wir fanden auch auf einer Waldlichtung einen Picknicktisch. Also raus mit unserer Tasche und an dem Tisch breit gemacht. Wir freuten uns über unser Schnippchen, das wir den Menschenmassen gemacht haben und säbelten fröhlich am Baguette herum.
Kaum das Messer angesetzt, kamen schon die ersten Wanderer vorbei, wünschten uns einen bon appétit und zogen ihres Weges. Jetzt kam auch hin und wieder ein Auto vorbei, die Gesichter klebten an der Scheibe, als sie zu uns raus sahen. Wieder und wieder kamen Wanderer vorbei, teils mit Rucksäcken, ein Motorrad, noch ein paar Autos. Es war ja schon kurios, dass wir zuvor wirklich auf 16 km keine einzige Menschenseele angetroffen hatten.
Wir ließen uns davon natürlich nicht stören, futterten gekochten oder rohen Schinken, wir waren uns da nicht so einig, nagten an Surimi (das sind so Fischstäbchen), und spachtelten den guten Mont d’Or. Ein total abgefahrener Käse, der zudem recht teuer ist. Ich überleg ständig, wie wohl französische Kässpatzen schmecken, mit diesem Käse. Muss ich mal ausprobieren. Dann gabs noch Cassis Marmelade. Eine superleckere Marmelade mit Cassis aus dem Burgund. Freunde, ihr macht euch keine Vorstellung davon, was es im Burgund für leckere Sachen gibt.



Nach dem Mittagessen, das an der frischen Luft mitten im Wald natürlich noch viel besser schmeckt als es das sowieso schon tut, beschlossen wir, noch ein bißchen Auto-Sightseeing durch den Morvan zu machen. Wenn wir schon mal hier sind. Ich übernahm die Karte und die Führung und lotste Charly über sehr kurvige und hügelige Straßen und durch extrem abgelegene Dörfer. Diese Dörfer liegen so dermaßen mitten in der Pampa, daß man sich echt fragt, ob es dort schon elektrischen Strom und fließendes Wasser gibt. Aber bildhübsch ist es im Morvan. Wen es interessiert, die offizielle Seite des Morvan ist die hier: http://www.parcdumorvan.org/
Was für ein schöner Frühlings-Lauf-Ausflug das war !

3 Kommentare 5.3.07 12:34, kommentieren

Dampflokrunde - Ein Ultralauf ohne Zwang

Jetzt hab ich doch noch dieses Jahr den anderen Teil der Dampflokrunde erkundet. Die Strecke von Lechbruck nach Marktoberdorf kannte ich schon, aber die von Biessenhofen nach Lechbruck, die fehlte noch in meiner Sammlung.
Es war Dienstag und ich hatte einen freien Arbeitstag. Die Wetteraussichten sagen, dass es jetzt dann schneit, aber für diesen Tag gabs noch Sonne und Temperaturen um die 14°.
Um kurz nach 7 bin ich aufgestanden und hör meinen Nachbarn an der Windschutzscheibe rumkratzen. Öha, Frost. Da wirds mich wohl an den Fingerchen frieren.
Ich hab mich aufgerüstet, Bauchtasche mit Flasche umgeschnallt, zwei Täschchen hingehängt, Handy rein, Fotoapparat am Mann und rüber übers Gleis. Gut, wenn die Dampflokrunde an der Haustür vorbei führt. Noch ein Foto vom Streckenstein gemacht und losgelaufen.
Ich hab mich gleich ermahnt langsam zu machen, es ist nämlich verdammt weit heute.
Ich wusste nicht, wie weit ich laufen würde, vielleicht gar die ganze Runde? Aber das kam mir doch reichlich utopisch vor. Ich laufe so lange, bis es mir zu blöd wird, wenn es anfängt weh zu tun, oder wenn ich mich quälen muss, dann ruf ich meine Eltern an, die holen mich ab.
Nach 6 km lief ich durch Kaufbeuren, am Bahnhof vorbei und weiter in Richtung Westen. Eigentlich hat der Tourismusverband Ostallgäu die ganze Strecke mit Schildern ausgestattet, auf der eine kleine Dampflok zu sehen ist. Funktioniert ganz gut, aber ein paar Schilder gibts eben nicht. So kams dann auch, dass ich in Kaufbeuren ein Umweg machte, weil mich ein Schild verwirrt hat. Wär ich direkt unter der Brücke durch, dann über die Wertach, wär ich gleich drüben gewesen, aber ich lief aussen rum, über 1 km Umweg. Na bravo. Am Ortsausgang von Kaufbeuren musste ich wieder stehen bleiben, weil erneut keine Damplok zu sehen war, aber die Straße hieß am Bahndamm, also wird die hoffentlich richtig sein, es war auch die richtige.
Weiter zum Waldfriedhof hoch und dann auf direktem Weg nach Mauerstetten. Ja, man merkt, dass hier einst Züge gefahren sind, bis 1977. Auf einem aufgeschütteten Damm gings immer geradeaus, ich konnte ewig weit sehen, nach 2 km wurde ich mit einer kleinen Kurve belohnt, danach wieder eine schnurgerade Strecke. Die km- Steine für die Züge stehen noch am Wegesrand, teilweise wachsen da Bäume heraus, oft ein lustiges Bild.
Von Mauerstetten führte die Strecke weiter nach Linden, ach sagte ich schon, dass es oft ziemlich lang geradeaus ging?
Von Linden gings geradeaus weiter, an Stöttwang vorbei. Ganz weit kann man hier sehen, bis in die Berge hinein, die ewig weit weg scheinen, später aber dann viel näher waren. Dort kam mir auch vor 2 Monaten die Idee, die Dampflokrunde zu laufen. Nach Stöttwang kam ich ins Kaltental. Ob die Gegend jetzt was mit der Eiszeit zu tun hat, oder ob es an den Kelten liegt, darüber muss ich mich noch informieren.
Vom Kaltental weiter nach Frankenhofen.
20 km waren geschafft, hier legte ich ein Päuschen ein. Ich lief zum Friedhof und füllte meine Wasserflasche auf. Hier war mächtig was los, das Qualifiying fürs morgige Grabsteinrennen war im vollen Gange. Es ist doch Allerheiligen, da werden die Gräber aufgebrezelt.
Ich ging an den Brunnen und ein älterer Herr sprach mich an, dass er auch immer normales Leitungswasser trinkt, das ist doch viel besser als das chemische Zeugs, das es in den Läden zu kaufen gibt und Leitungswasser ist ja auch sehr gesund. Dann verschwand er wieder mit seiner Gießkanne.
Ich lief runter zum Ort und fragte mich zu einem Laden durch. Ich kam am Dorfedeka an und ging in den Laden. Schwer was los hier, alle am Plaudern und alle gute Laune. Das war so ein richtiger heimeliger Dorfladen wo wirklich Jeder Jeden kennt. Ich wurde freundlich angelächelt, sowohl von den Angestellten, als auch von den Kunden mit ihren Einkaufskörben. Ich nahm mir zwei Bananen und einen Boskop raus, worauf die ältere Dame mir die Sachen aus der Hand nahm und gleich direkt zur Waage ging. Ob ich denn noch einen Wunsch hätte? Ähm ja, eine Breze. Sie fußelte geschäftig in das Bäckereiabteil und klaubte eine Breze raus. Ich erblickte eine Nußschnecke und die wollte ich auch noch haben. Und immer hatte man ein lockeres Gespräch.
Ja, das werden sie gleich wieder abgestrampelt haben, das wird nicht lange herhalten. Wenn das immer so einfach wäre mit dem abstrampeln, gell? Darfs denn noch was sein? Die Kunden nickten dann auch noch mit, auch die andere Angestellte lächelte und plauderte. Meine Angestellte ging zur Kasse, wo eine Dame schon wartete, bis die Kasse besetzt ist. Meine persönliche Ladenbetreuerin entschuldigte sich bei der Kundin, weil sie erst mich abkassierte, die natürlich Verständnis dafür hatte und lächelte. Das kostete mich 2,25€, was mir im Nachhinein viel zu billig vorkam. Ich verabschiedete mich, worauf die Angestellten, als auch die Kunden mir einen schönen weiteren Tag wünschten. Sowas hab ich auch noch nie erlebt in einem Laden.
Ich aß nun eine Banane, die Breze hinterher, Apfel in die Jacke, die andere Banane und die Nußschnecke musste ich in der Hand halten. Eine Katze kam zu mir und meinte, es gäbe was zu holen, aber ein Stück Breze wollte sie nicht, war mir klar, aber Wurst hatte ich leider nicht dabei. Die Katze wurde noch ein bisschen gestreichelt und dann gings weiter auf meine Dampflokrunde.
Es ging jetzt durch den Wald, an Osterzell vorbei, Denklingen, Bidingen war in der Nähe und hier sah ich ein Schild, nach Biessenhofen sinds 10 km. Das war aber schon ein bisschen verlockend, die Heimat so nah, aber nö, die Lokrunde lockt mich weiter. Also weiter. Hier war ich auch im Sachsenrieder Forst, das ist eins der grössten deutschen Waldgebiete.
Hier hatte ich auch keinen Handyempfang. Ich war fern der Zivilisation. Gut, böse Zungen behaupten auch, dass man fern der Zivilisation ist, wenn man in Bidingen wohnt.
Nein, keine bösen Witze machen, ich lief durchs Forst und kam irgendwann bei Ingenried aus dem Wald und hatte plötzlich Oberbayern vor mir, ich war im Landkreis Weilheim Schongau.
Hier in Ingenried legte ich wieder ein Päuschen ein und futterte meine Nußschnecke und den Apfel. Das war schon ein bisschen blöd über 10 km den Apfel, die Banane und die Nußschnecke zu tragen. An einem Brunne hab ich meine Wasserflasche wieder voll gemacht und schon gings weiter.
Immer mit dem Gesicht in der Sonne und der Nase im Wind meinem Ziel entgegen, bei dem ich nicht wusste, wo es sein würde.
Von Ingenried führte der Weg nach Tannenberg. Hab ich noch nie gehört. Von hier verläuft eine Straße nach Bernbeuren, aber ein Radwegschild schickte mich nach links, blöd, keine Dampflok auf dem Schild, war ich richtig? Im Nachhinein bertrachtet, war ich da noch richtig, aber nicht mehr lange.
Ich kam an einer Kirche an kurz vor Burggen und hier rief mich Hase an, das freute mich ganz besonders. Ich sagte ihr, dass es mir gut ginge, es geht voran. Kerstin fand es gut, dass ich so einen Lauf mache, das fällt auch nicht jedem ein.
Hier an der Kirche hätte ich links abbiegen müssen, in den Ort hinein laufen, aber ich lief nach rechts, damit hat sich die Dampflokrunde erledigt, ahnte ich aber erst nach 2,5 km, wusste ich wirklich erst viel später. Ich kam fast wieder in Tannenberg an, schöne sinnnlose Schleife gelaufen.
Von hier führte die Straße nach Bernbeuren, da will ich hin, das passt einigermaßen. Dann kam ich wieder an eine Kreuzung mit dem Hinweis nach links: Bernbeuren 3,6 km und einem Hinweis nach rechts: Bernbeuren 3,4 km. Super. Ich entschied mich für rechts und kam irgendwann an einer Straße raus. Die Straße kannte ich und so lief ich eben auf dieser Straße nach Bernbeuren. Die Marathondistanz hab ich mittlerweile überschritten.
Hier angekommen fotografierte ich ein Hinweisschild: Kaufbeuren 33 km. Dabei wurde ich von einem älteren Ehepaar beobachtet. Der Herr fragte mich, für was das jetzt gut war? Worauf ich ihm erklärte, dass ich von der Gegend von Kaufbeuren komme und es mir ganz schön weit vorkommt, wenn ich das so auf dem Schild lese.
Es folgte eine kurze Pause, bei der ich mit großen Augen angeguckt wurde, worauf die Frau fragte, ob ich tatsächlich schon 33 km gelaufen sei? Darauf sagte ich, nööö es sind eher 44 km. Jetzt war die Gesprächspause und die Augen noch größer. Ich unterbrach die Schweigeminute und fragte, ob ich hier wieder auf die Dampflokrunde komme. Der Mann scheuchte seine Frau ins Haus, sie solle eine Landkarte holen, die sie bereitwillig raus brachte. Wir studierten die Karte und anschließen verabschiedete ich mich. Bald kommt Lechbruck und jetzt reichte es mir auch so langsam, vorallem, weil es jetzt ziemlich hügelig hoch und runter ging. Ich entschloß mich, meine Eltern anzurufen, dass sie mich in Lechbruck abholen. Mir reichte es, der stärker und kälter werdende Wind hat mich auch immer mehr genervt. Sicher, ich hätte noch weiter laufen können, aber wie am Anfang schon gesagt, ich wollte mich nicht quälen und wenn es weh tut hör ich auf.
Ein paar Dörfer durchlief ich noch, eher alleinstehende Bauernhöfe.
Plötzlich stand ich genau vor einem Golfplatz, als ich aus einem Wald kam. Ja wo kommt der denn plötzlich her? Das war schon seltsam, erst noch mitten auf dem Feldweg durch dei Pampa gelaufen und auf einmal war da so ein supergepflegter Golfplatz und Leute die ihr Golfwägelchen hin und her schoben. Dort ein Mann, der konzentriert seinen Ball putten wollte, hier ein Paar, das einen mittellangen Schlag machte, aber ätsch, nix aufs Green
Weiter durch einen Wald kam ich an Loch 6 vorbei und dort unten sah ich auch schon den See von Lechbruck, es roch nach Ziel. Einen Berg musste ich noch nach unten laufen, an einem Bach entlang und dann war ich dort, wo eigentlich der zweite Teil der Dampflokrunde beginnt, die Strecke von Lechbruck nach Marktoberdorf.
So bin ich jetzt die komplette Dampflokrunde gelaufen. Na gut, der Teil von Lechbruck nach Marktoberdorf ist schon ein Weilchen her.
Kaum angekommen, bogen meine Eltern um die Kurve. Das war ein perfektes Timing. Und weil meine Eltern schön mitdenken, haben sie mir zur Belohnung ein Weizenbier mitgebracht. Meine Mutter hat mich begeistert fotografiert, wie ich das Weizen einschenke und trinke, das hab ich mir aber auch verdient, nicht wahr?
50,5 km bin ich gelaufen, dabei hab ich wohl auch einen Umweg von etwa 4 km gemacht.
Das war ein schöner Lauf und vielleicht mach ich es mal wahr und laufe in einem Rutsch die kompletten 80 km, aber so schnell bestimmt nicht.
Heute merk ich, dass ich Farbe im Gesicht bekommen hab, die Umrisse von der Sonnenbrille sind erkennbar. Fast fühlt es sich wie ein Sonnenbrand an, das soll mal einer nachmachen am 31. Oktober.
Bilder hab ich auch einige gemacht. Bitteschön Dampflokbilder
Danke fürs lesen von diesem halben Roman, jetzt habt ihr euch aber auch ein Bier verdient

3 Kommentare 1.11.06 08:18, kommentieren

19.10.2005
Ist es denn zu glauben? Ich lauf doch tatsächlich den vierten Tag in Folge. Und das Beste ist, es hat sich auch noch toll angefühlt.

20.10.2005
Gehts eigentlich noch, Charly?
Jetzt gehts dann aber los, oder? Ich bin heut schon wieder gelaufen, aber eigentlich aus dem Grund, weil ich heute zum Zahnarzt musste, wegen meiner Wurzelbehandlung und wer weiß ob ich morgen in der Lage gewesen wäre, um zu laufen.

21.10.2005
Ich bin Heute/Gestern wieder gelaufen. Ich hatte es nicht vor, aber es kam anders. Ich kam abends von der Spätschicht, hab noch ein paar Mails mit Kerstin ausgetauscht, bis sie ins Bett gegangen ist. So, da saß ich nun um 22:30 Uhr und im Fernseher kam nur Käse.
Da dachte ich so bei mir, wieso lauf ich eigentlich jetzt nicht noch eine Runde, dann kann ich mir das in der Früh sparen und kann länger liegen bleiben.
So lief ich fröhlich durch die Nacht.
Nach einer Stunde fiel mir plötzlich etwas ein, ich lief doch den sechsten Tag hintereinander und die Regeln der Täglichläufer sagen ja, dass es auch möglich ist einen so genannten Midnight-Double zu machen. Das heißt, man muss um 23:45 Uhr loslaufen und mindestens bis 00:15 laufen, dann zählt dies als 2 Tage. Da ich ja schon um 23 Uhr losgelaufen bin und ich noch längst nicht Heim kommen würde, käme ich in den Genuss dieser Regel, obwohl mir das eigentlich egal sein müsste, ich leg es ja nicht drauf an täglich zu laufen, aber wenn ich doch eh gerade bei sechs Tagen bin? …. Also lief ich weiter und sah auf die Uhr. Um genau 00:00 Uhr blieb ich stehen, um die Regel haargenau zu befolgen und machte bei der Gelegenheit eine Pinkelpause. Daraufhin lief ich die restlichen 4 Kilometer nach Hause.

26.10.2005
Ich bin beim 11. Tag am Stück angekommen, mittlerweile hab ich mich auch bei den Streakrunnern angemeldet. Naja, gar nicht verrückt ist auch nicht normal


15.10.2006
Das war ein kleiner Rückblick auf das vergangene Jahr.
Denn heute ist Jubeltag. Ich bin heute genau ein Jahr lang jeden Tag gelaufen. Egal bei welchem Wetter, ob es geschneit hat, ob Sturm war, viel Schnee, Regen, runterbrennende Sonne, oder ob ich eigentlich überhaupt keine Zeit hatte.
Am schwersten waren die Tage nach Wettkämpfen. Nach so einem Marathon mit schmerzenden Muskeln zu laufen, das ist dann nicht sonderlich entspannend, aber auch das gehört dazu.
Ich bin schon a bissal stolz darauf, dass ich solange Zeit täglich gelaufen bin. Aber ich hör auch nicht auf damit. Zu was denn auch, es geht mir doch gut und ohne täglich zu laufen, da würde mir jetzt wirklich etwas fehlen.

Ich bin heute die Hasenrunde gelaufen, natürlich, wo denn auch sonst? Schließlich bin ich vor 365 Tagen genau diese Strecke mit meinem Schatz gelaufen. Ich hätte sie heute gerne dabei gehabt auf der Strecke, das wär schön gewesen, aber geht ja nicht.
Schönes Wetter war, aber es ging ein recht kalter Ostwind. Egal, ich lief trotzdem in kurzen Klamotten. Schließlich scheint die Sonne.
So lief ich nach Kaufbeuren bis zum Bahnhof, lief zur B16 und dann an der Wertach entlang zum Bärensee, rüber zum Bachtelsee und wieder nach Hause.
Schön war es zu laufen, das dachten sich auch viele andere Leute, die bei diesem Wetter einen Spaziergang machten. Ich war ja mächtig beeindruckt von so manchem Spaziergänger. Sie schafften es mit dem Auto bis zum Bachtelseekraftwerk zu fahren, erklommen den Damm und guckten über den See. Dann gings wieder zurück ins Auto und nach Hause.
War da jetzt ein bisschen Ironie dabei?
Es lief bei mir richtig gut und ziemlich flott bin ich am Wertachufer entlang gefetzt. Das hat richtig Spaß gemacht über die Wege zu tigern. Klar musste ich immer auf den Boden gucken, damit ich nicht so einem Stolperstein zum Verhängnis wurde. Aber es ging alles gut.
Das sind Tage, die für Läufer wie gemacht sind. Nicht zu warm, nicht zu kalt, die Sonne scheint und die Gegend ist einfach schön anzusehen. So stell ich mir doch einen Jubiläumslauf vor.

Morgen fahr ich nach Frankreich. Ich freu mich drauf meinen Hasen wieder in den Arm nehmen zu können. 4 Wochen sind einfach die Hölle.
Ich kann aber wenigstens 11 Tage lang bleiben, das ist doch auch mal schön.

2 Kommentare 15.10.06 22:15, kommentieren

Wieder Zeit

So, jetzt komm ich endlich mal wieder dazu etwas zu schreiben. Oje, wo fang ich denn da an? Es ist so viel geschehen, seit letzter Woche.

Am vergangenen Freitag bin ich mit dem Zug zu den Haseneltern gefahren, Kerstin kam erst in der Nacht mit dem Auto an.
In Stadtlauringen angekommen, hab ich bald meine Laufschuhe angezogen und hab mich auf den Weg gemacht um meinen 300. Streaktag zu machen.
Ich bin mächtig stolz darauf 300 Tage lang jeden Tag mindestens 1,7 km gelaufen zu sein. So um die 3250 km bin ich seitdem gelaufen. Jetzt ist es gar nicht mehr solange hin, bis ich in die Hall of Fame komme und peile das Jahr an. Aber ich weiß auch, dass das schnell auch wieder vorbei sein kann, wenn plötzlich was kaputt ist.

Kerstin und ich haben uns ein paar schöne Tage bei ihren Eltern gemacht. Es ist immer schön dort zu sein. Schließlich sind die Haseneltern sehr lieb und herzlich. Da können wir prima die Seele baumeln lassen und Kerstin kann sich von ihrem Stress der Arbeit ein bisschen erholen, bevor es am Mittwoch wieder mit Hurra ins Arbeitsgetümmel ging.
Schade, dass das Wetter nicht so toll war, aber zum laufen war es gut.
Am Sonntag haben wir einen relativ langen Lauf gemacht. Dazu liefen wir zu einem See, dessen Namen ich vergessen hab und sind drumrum gelaufen, danach wieder zurück. Richtig gut lief es bei uns Beiden nicht, aber am Tag davor lief es doch noch richtig prima und flott? Sehr seltsam. Aber trotzdem, es war schön, wieder um den See zu laufen. Vor einem Jahr sind wir schon mal die 14,5 km See gelaufen... Wenn ich von einem Jahr rede, dann muss ja unbedingt erwähnt werden, dass mein Hase und ich schon ein Jahr ein Liebespaar sind. Natürlich haben wir in jedem Moment daran gedacht und haben immer wieder darüber sinniert und uns gefreut.
So schnell ist wieder der 13. August.

Am Montag haben wir uns auch wieder auf den Weg nach Bamberch gemacht. Denn dort hat ja alles angefangen. Wir haben eine Shoppingtour durch die Weltkulturstadt gemacht und haben den Rosengarten besucht. Viele Touristen waren da, aber genau unser Balkon war frei, schön, dass die Leute uns den Platz frei gehalten haben.
Dann haben wir noch andere Stellen angepeilt, die wir noch so gut in Erinnerung hatten, vom vorigen Jahr. Wir gingen in die gleichen schönen Cafés, suchten wieder die Läden auf und grinsten durch Bamberch. Den Park an der Regnitz haben wir auch besucht und haben unsere Bank gefunden, auf der wir uns das erste mal so romantisch unter Lebensgefahr geküsst haben.
Abends gingen wir noch in den 'Pelikan' um wieder lecker zu essen.
Anschließend fuhren wir dann doch sehr erledigt nach Hause.

Am Dienstag hieß es dann auch schon wieder schweren Herzens Abschied zu nehmen. Wir hatten ja noch ein paar Kilometer zu fahren. Wir fuhren vom Mannheimer Stau in den Heilbronner Stau, kamen zuvor vom Neckarsulmer Stau und fuhren nach Freiburg.
In Freiburg gönnten wir uns noch eine Pause und schlenderten bei herrlichen 27° durch die Hauptstadt des Breisgaus. Erwähnte ich schon, dass wir in Schweinfurt bei 16° und Regen losgefahren sind?
Hier kauften wir noch ein bisschen was ein, schließlich ist der Hasenkühlschrank ratzekahl leer.
Dann fuhren wir weiter und problemlos und ohne Staus, aber schön stressfrei mit Tempolimit in den Hasenstall.
Nach 10 Stunden unterwegs kamen wir um 21 Uhr Zuhause an. Aber für mich war der Tag ja noch nicht erledigt, schließlich musste ich ja noch laufen. Also schleppten wir die Taschen in den Stall und dann machte ich mich noch auf den Weg um meine tägliche Laufrunde zu absolvieren.

So, das wars jetzt vorerst. War ganz schön was geboten, nicht wahr?

Noch meine Mutter grüßen. Könntest du mir bitte eine Mail schicken? Ich krieg das nicht mit deiner Mailadresse hin. Die kommt immer wieder zurück.

1 Kommentar 16.8.06 14:19, kommentieren

Jubilääääum - 250 Tage Täglich

Heute war ein besonderer Tag, ich bin jetzt 250 Tage lang jeden Tag gelaufen. 250 Tage jeden Tag die Laufschuhe geschnürt, 250 Tage mit mal mehr mit mal weniger Lust auf die Laufrunde. 250 Tage jedem Wetter getrotzt, dabei war nun wirklich jedes Wetter dabei, vom Schneegestöber, über knackige -20° bist zu 32° Plus war alles dabei. Mal war Wind, mal wars schwül, mal wars glatt, mal lagen 30 cm Schnee auf der Straße, aber nie kam in Frage wegen dem Wetter nicht zu laufen. Das ist halt auch der Vorteil, wenn man jeden Tag läuft, man kann die Trainingstage nicht verlegen, ergo keine Ausreden. Wobei ich die auch nie hatte, als ich nicht jeden Tag gelaufen bin.
In der jetzigen Jahreszeit fällt das Laufen entsprechend leichter, als im vergangenen Winter, da machts auch nix, wenns knalleheiß ist, das find ich gar nicht weiter schlimm. Im Gegenteil ich find es schön, wenn ich so richtig schön schwitzen muss, Probleme bekomm ich eher bei hoher Luftfeuchtigkeit, da läuft sichs schon schwer.
In den vergangenen 250 Tagen bin ich 2713 Kilometer gelaufen, das entspricht einem Tagesschnitt von 10,85 km, oder 76 km pro Woche. Aber da geht noch was

Morgen fahr ich endlich nach 4 langen langen Wochen zu meinem Schatz nach Frankreich. Das wird aber echt höchste Zeit. Ich freu mich auf meinen Hasen

5 Kommentare 23.6.06 00:29, kommentieren

200 Tage hintereinander

Hallo
Ich bins mal wieder.
Frei nach Peter Cornelius aus 'Du entschuidige i kenn di': Du host a scho long nix mehr von dir hörn lossn.
Naja, wenig Zeit gehabt. Am Wochenende waren wir im superschönen Freiburg, dort bin ich an der Dreisam entlang gelaufen. Da wimmelts aber auch von Läufern. Für mich wär die Strecke nix, ich muss da immer Jogger jagen spielen und cool überholen.
Wie gesagt, Freiburg ist schön. Ich frag mich bloß warum Hamburg und München sich einbilden die schönste Stadt Deutschlands zu sein?!
Mittlerweile sind wir wieder in Frankreich und auch hier bin ich natürlich gelaufen. War aber recht unspektakulär. Was ich so an Kilometern gelaufen bin, das steht ja in der Kilometerliste 2006 drin, dazu muss man hier rechts bloß drauf klicken.

Heute also bin ich den 200. Tag am Stück gelaufen. Sicher könnte man sagen, ach da muss man doch bloß 1,6 km am Tag laufen, aber so einfach ist das dann doch nicht. Sicher ist es einfach zu laufen wenn reichlich Zeit vorhanden ist. Aber ich muss ja auch nach der 12- Stundenschicht noch laufen, zudem auch am Tag nach einem Wettkampf, was besonders viel Spaß macht, wenn alles weh tut und man gar nicht vom Fleck kommt. Das macht dann das Streaken aus. Auch wenn mal was weh tut, dann gönnt man sich auch keine Laufpause, so bin ich ja auch in den vergangenen Tagen auch mit einer Wadenzerrung gelaufen, oder mit anderen Blessürchen. Da musst du durch oder die Serie reissen lassen. Ich hab mich für 'Durchkommen' entschieden.
Mal sehen, wie lang die Serie noch dauern wird, denn momentan gehts mir auch ziemlich gut. Also kein Grund aufzuhören.

Zur Feier des Tages hab ich heute einen 30 km Lauf gemacht. Dazu bin ich bei schönem, warmen Wetter die Allee entlang gelaufen, dort hab ich mein Shirt ausgezogen und bin oben ohne gelaufen. Ist doch gleich noch angenehmer. Zwei Wasserflaschen hatte ich noch dabei, die brauchte ich aber auch unbedingt.
Ich hab versucht möglichst im Marathontempo zu laufen, naja, eigentlich war ich ein bisschen schneller. Pro km so bei 5:15 - 5:30 das war eigentlich recht zügig.
Ich lief in Villenotte nach Juilly, von dort aus nach Souhey. Danach kam ich an einer Hauptstrasse raus, die lief ich entlang, dann in ein anderes Kaff und irgendwann kam ich am canal de Bourgogne an. Dem folgte ich ein paar Kilometer. Hier war alle 300 Meter eine Schleuse, da werden die Schiffe ja Spaß haben, wenn sie alle paar Meter in die Schleuse müssen.
Mittlerweile hatte ich 15 km auf dem Tacho und überlegte, ob ich umdrehen sollte, oder noch bis in dieses Dorf dort vorne rein laufe. Vielleicht kann ich mich dort neu an den Schildern orientieren. Ich lief in das Dorf rein, das Pouligny hieß. Ich sah ein Schild das mir sagte, (seit wann können Schilder sprechen?) ok, das mir zeigte dass es nach Semur 10 km wären, ah prima, kann ich noch bis zur Kreuzung weiter laufen. Hier sah ich das Schild, dass es nach Flavigny 5 km sind. Dort hoch ist Hase bei einem 33 km Lauf mal hochgesaust. Ich schüttelte den Kopf und drehte lieber um.
Ich folgte wieder der Strasse und am Ende des Dorfes sah ich so was von frustrierendes: Die Strasse führte schnurgerade geradeaus, immer weiter und weiter bis zum Horizont. Aber das war nicht genug, es ging auch in Wellen immer weiter nach oben. Auweia, aber da muss ich jetzt durch. Ich lief also bei km 18 in die Steigung hinein und sah lieber nicht so oft zum Horizont. Ich dachte an Kerstin, dass sie die Strecke ja auch gelaufen ist. Das geht ganz schön auf die Moral. Bei km 19 war ich irgendwie immer noch nicht weiter, vor mir die Steigung und die Strasse die bis zum Ende der Welt führte. Bei km 20 konnte ich dann doch fest stellen, dass mir das Ende näher kam und nach 21 km kam noch eine Steigung, bei der ich meine Arme von mir streckte und vom Lauf- in den Gehschritt überwechselte, ich konnte nicht mehr. Nochmal kam eine Welle, ich lief wieder, aber an der letzten Steigung bei km 22 musste ich das letzte Stück wieder gehen.
Oben angkommen gönnte ich mir die Zeit zurück zu schauen und sah weit weg das Dorf. Ne, das war hart.
Von nun an gings bergab, aber auch das war keine richtige Erholung. Bald führte eine Straße wieder nach Juilly, nun hatte ich nur noch 6 km vor mir. Ich konnte mittlerweile auch wieder schneller laufen. Hinter Juilly kam Villenotte und kurz darauf die Allee. Hier zog ich mein Shirt wieder an und lief die Allee hinauf. Aber weil ich am Ende der Allee erst 28 km hatte, hab ich noch eine Schleife durch Semur gezogen, aber dann lief ich nach 30,2 km in den Raucherpark hinein und setzte mich erstmal ziemlich platt auf die Bank, bevor ich in den Hasenstall zurück taumelte.

2:48:10
30,2 km
Sonne 24°
GT-2100

1 Kommentar 3.5.06 19:57, kommentieren

Wieder bedeckt

Das Wetter ist wieder bedeckt, es hat auch geregnet, aber wie heisst es so schön? Wenn Engel laufen, wird das Wetter schön.
So war es auch, kaum waren wir draussen, hat es aufgehört zu regnen. Da hab ich mir doch die Regenjacke gleich um die Hüfte gewickelt.
Hase hat nicht lange gemacht, das sind noch die Nachwehen vom Halbmarathon. Ausserdem kratzt es ihr ein bisschen im Hals, aber nix Schlimmes.
Nach knapp 5 km hab ich Hase Nach Hause gebracht und bin selber noch die Allee hinunter gelaufen bis Villenotte und wieder zurück. Dabei hab ich mich noch mit einem Hund angefreundet, ein Cocker Spaniel, der allein herum lief und sich gerade am Charles de Gaulle Gedenkstein erleichterte
Ich kenn die politische Einstellung von dem Hund nicht, aber lustig anzusehen war es.
Ich fragte Hundi, wo er denn hingehöre? Das fasste er wohl als Einladung auf und fußelte mir hinterher. Dann schnupperte er wieder die Bäume ab, ich hab schon nicht mehr an ihn gedacht, als er von hinten angerannt kam, an mir vorbeibrezte und wieder die Bäume anschnupperte. Ein Weilchen später ging das wieder so, Hund kam mit fliegenden Ohren angerast und begutachtete die Bäume. Dieses Spiel machte er die ganze Allee entlang. Ich machte mir schon Gedanken, was ich tu, wenn er mir bis Heim folgt? Aber am Ende der Allee blieb er stehen und guckte mir bloß nach. Kam mir so vor, als macht der sowas öfter mal.
Als ich Heim kam, war das Essen schon fast fertig. Es gab was Indisches. Ich hab am Nachmittag die Vorarbeitet geleistet und Hase hat das ganze fertig gekocht.
Mit viel Mmmmhh und Oooohhh und leeeecker haben wir gegessen.

1:07:40
11,3 km
bedeckt 15°
DS-Trainer

2 Kommentare 28.3.06 11:26, kommentieren

Noch warm

Es war noch ein bisschen wärmer als gestern, aber bei Gegenwind fühlte es sich doch etwas frisch an. Bei Rückenwind dagegen kam ich so richtig ins Schwitzen.
Eigentlich wollte ich meine Eltern kurz besuchen, aber die haben wohl mal wieder die Kneipen unsicher gemacht. (Ich bin ja gespannt, wann das Telefon läutet und ich wegen diesem Satz zusammen gestaucht werde)
Nachdem die Eltern nicht da waren (Ja dann eben nicht) bin ich halt weiter gelaufen. Ich lief in Hörmanshofen die Wertach entlang und da lag dann aus so einem kleinen Wald ein Baum quer über dem Weg. 5 Weitere Bäume waren auf halber Höhe abgeknickt. Gestern war das noch nicht so, schien mir auch nicht auf natürlichem Wege geschehen zu sein. Ich tipp da eher auf mutwilligen Vandalismus. Darauf deutete auch hin, dass am Wertachsteg zwei Fahrräder einfach so im Graben lagen. Die waren gestern auch noch nicht da.
So was regt mich doch schon wieder auf.

12,2 km
1:07 h
GT-2100
12° leicht bedeckt

2 Kommentare 23.3.06 12:54, kommentieren