Archiv

Kempten Halbmarathon

Bei sch?nem, aber leicht windigem Wetter fand heute der Kemptener HM statt. Ist mir einer der wichtigsten L?ufe des Jahres, weil ich dort vor 2 Jahren noch Zuschauer war und ich noch gar nicht in der Lage war soweit zu laufen.
Ich hoffte, dass ich dem Pacemaker mit dem 1:45 Ballon folgen k?nnte, aber der ging auf der Strecke ab wie Schmidts Katze.
Vor dem Lauf hab ich mich mit Moori mit Familie getroffen. Die Ziele wurden abgesteckt, ?ber das vergangene Training gesprochen und was die Zukunft f?r L?ufe bringen wird.
Beim Warmlaufen f?hlte ich mich gar nicht sonderlich gro?artig, es ging richtig z?h und ich sah schwarz f?r meine 1:45.
Es wurde Aufstellung genommen und kurz vor dem Startschu? verliert der Pacemaker f?r die 1:30 seine Luftballons. *Allgemeines Gel?chter*
Nun war aber wirklich der Start und ich stand viel zu weit hinten. Es stockte, vor jeder Kurve musste man ein paar Schritte gehen. Aber was solls, ruhig bleiben, weiter laufen. Der erste KM war nach 4:54 erledigt, trotz gro?em L?uferverkehrsaufkommens. Na da sind wir doch erstmal zufrieden. Immer den 1:45 Ballon im Blick m?sste ich diesem doch so nach und nach n?her kommen?!
Nach 1 1/2 KM kommt schon die Verpflegungsstation, aber ich versteh nicht so recht, wieso man nach 1500 Metern schon trinken muss
Auf dem 2. Kilometer war jetzt mehr Platz, Klick die Uhr und 4:45 gestoppt. Holla, das ist verdammt flott, aber wieso ist der Luftballonmann immer noch so weit weg? Der 3. KM in 4:42, es lief gut. Sollte ich dieses Tempo sp?ter bereuen? Egal, der 4. KM war nach 4:46 vorbei. Langsam ging die erste von 4 Runden zu Ende, man h?rte schon die Zuschauer jubeln, aber zuvor noch 4:52 f?r den 5. KM gestoppt.
Keine Frage, dass man bei der Stimmung unter den Zuschauern G?nsehaut bekommt. Es ist eine Gerade von 200 Metern, die ins Ziel f?hrt....... wenn man 15 KM mehr in den F??en hat . Die Zuschauer geben mir einen Schub, der 6. KM best?tigt das in 4:43.
Nun bin ich mitten in der 2. Runde, es wird wieder ruhiger. Der 7. KM in 4:49. Mittlerweile kann ich das ziemlich gut an der Versorgungsstelle. Becher anvisieren, Arm ausstrecken, Becher im vollen Lauf grabschen, in den Hals sch?tten, Becher wegwerfen, Teebecher anvisieren, Becher grabschen, in den Hals sch?tten, Becher wegwerfen, weiter laufen.
Achja, der 8. Km ist vorbei, auch in 4:49.
Wenn ich so vor mich hinrechne, m?sste der Luftballonmann mittlerweile mindestens 200 Meter hinter mir sein, aber von wegen, gaaaanz vorne am Horizont seh ich den Luftballon wippen.
Sind die f?higen Pacemaker ausgegangen? Kann ja wohl nicht sein.
Der 9. KM in 4:48 ist immer noch verdammt schnell, es geht auf den 10. Km zu, der schlie?lich in 4:57 geschafft wird. Mittlerweile geht es wieder an den Zuschauern vorbei, die immer noch einen ordentlichen L?rm machen.
Km 11 in 4:47 - I feel good.
Km 12 in 4:49 - I feel good, obwohl ich mir den Tee statt in den Hals fast komplett ?bers Gesicht gesch?ttet hab. Dat war nix
Gut, dass man Zewa am Mann hat, Gesicht trocknen und weiter rasen.
Es kommt der 13. Kilometer, mich ?berholt ein Radler. Ich denke so bei mir, was hat DER denn da verloren? Gefolgt wird dieser wohl von noch 2 Radlern, die sich in einem f?rchterlichen Dialekt unterhalten. Kurz darauf weiss ich auch warum ich nicht mal 'Bahnhof' verstanden habe, es rasen 2 Kenianer an mir vorbei, aber von wegen auf dem Rad, die waren zu Fu? und unterhielten sich!!!!!!!!!!!!! Und das mit knapp 20 Km/h !!!!!!!!!!!
Gehts noch?????????
Staunend dr?cke ich automatisch den 13. Km ab 4:50.
Kopfsch?ttelnd nahm ich den 14. Km in Angriff, der immer noch sehr gut lief und mit 4:51 zu Ende war. Auf gehts in den 15. Km. Und was kommt? Genau, die Gerade mit den Zuschauern, die L?rm machten, wieder G?nsehaut. Die Kenianer waren mittlerweile im Ziel, in 1:05:25 ich durfte aber noch eine Runde . Mal in den K?rper hinein geh?rt, weil ich mir sagte, dass ich doch etwas platt sein m?sste, aber n?, mir gings immer noch sehr gut. Naja, die Zeiten lassen jetzt doch um ein paar Sek?ndchen nach. An den Luftballonpacerversager hab ich auch nicht mehr gedacht, aber dann hab ich ihn doch noch in der Ferne gesehen. Bin ich ihm n?her gekommen? Wohl nur Wunschdenken. Nach dem 16. Km in 4:56 folgte wieder ein Schnellerer in 4:50.
Doch tats?chlich, der Luftballon mit der magischen 1:45 ist definitiv n?her gekommen. Eine recht gro?e L?uferschar hat sich um den Pacer versammelt und lief das Tempo mit.
Der 18. Kilometer ist geschafft, ich dr?cke eine 4:54. Es sind nur noch 3 Km, ich h?re wieder in mich hinein und frage mich, warum ich nicht noch etwas schneller laufe, denn der Pacemaker mit seinem Pulk kommt mir immer n?her. Will er jetzt die Zeit verbummeln, die er zu schnell gelaufen ist, damit er p?nktlich ins Ziel kommt? Scheint so. Ich denke mir, dass ich schneller laufe, aber die Uhr behauptet etwas anderes. 4:52, von wegen schneller. Mittlerweile bin ich beim Paceluftimann angekommen, er schaut zu mir r?ber, sieht aber ?berhaupt nicht locker laufend aus, eher leicht platt Ich nehm mir jetzt vor, m?glichst viele von dem Pulk noch einzusammeln. Mit Sicherheit 70 L?ufer stapeln sich kurz vor KM 20, der immer noch nicht schneller als 4:52 war. Nun hol ich so nach und nach das Letzte aus mir heraus um noch kr?ftig zu ?berholen, was mir auch gut gelingt. Es geht das letzte mal an den Zuschauern vorbei und nun gilt der Zielkanal auch f?r mich. Neben mir l?uft noch jemand, der im Schlu?spurt an mir vorbei ziehen will, aber ich kann ihn dennoch hinter mir lassen, weil auch ich zu einem Sprint angesetzt habe. Ich ?berquere das Ziel, dr?cke die Uhr und staune Baukl?tze.
Neue pers?nliche Bestzeit in 1:41:57 und das, obwohl ich nicht speziell auf den HM hintrainiert habe. Seit dem Moment hab ich ein d?mliches Grinsen im Gesicht, lass mir von einem M?del mit Medaillen gratulieren und finds einfach nur geil.
Gleich mal bei der Versorgung zwei Clausthaler gekrallt und schlie?lich ein paar Minuten in den Bus gesetzt, bei dem man seinen Beutel deponieren konnte. Grinsend sa? ich also da, etwas gepl?ttet und s?ffelte Alkfreies. Doch ewig kann ich ja nicht sitzen bleiben, Volkmar m?sste doch auch schon langsam ankommen? Schlie?lich haben wir uns getroffen ?ber die Zeiten gestaunt und sind noch eine gute Weile mit Mooris Familie am Biertisch gesessen.
Als wir gingen, hab ich mir noch eine Urkunde mit meiner Zeit ausdrucken lassen. Gut war, dass es jetzt in Kempten Nettozeiten gibt. Letztes Jahr galt noch die Zeit ab dem Startschu?, was mich diesmal 33 Sekunden gekostet h?tte.

Sch?n wars und jetzt kann der Marathon in zwei Wochen kommen

11.4.05 10:19, kommentieren



Hamburg Marathon

Hier nun also mein Marathonbericht aus Hamburg, tut mir leid, dass er so lang geworden ist, er ist trotzdem recht kurz gehalten

Um 6:30 Uhr bin ich aufgestanden, bin im Hotel ans Fr?hst?cksbuffett und hab mir 3 Semmeln geg?nnt. Alles rein in den Hals, was satt macht. Bierschinken, Honigsemmel, M?sli, O-Saft, Multivitaminsaft und eine Kannee Kaffee. Ich mach mir da keine Gedanken dar?ber, ob das mein Magen vertr?gt, oder ob Kaffee entw?ssernd wirkt und mit der Einstellung fahr ich immer gut.
Ich war recht aufgeregt, das muss ich zugeben . Gegen 7:50 hab ich den Kilometer bis zum Startgel?nde zur?ck gelegt. ?berall wuselte es, ?berall L?ufer, Handbiker, Rollis und Inlinerfahrer, die die breite Karolinenstra?e hoch und runter fuhren, ungest?rt von Autos.
Ich zog mich in der Halle um, in der auch die Kleiderbeutel abgeben wurden, sendete eine SMS an Peter, in der Hoffnung, dass er sein Handy anhat, aber war wohl nix. So verbrachte ich die Zeit alleine mit Beobachten der ganzen Atmosph?re. Neben mir musste ein M?del ihrem Freund aus der Jogginghose helfen. Ich dachte mir, muss die das Zuhause auch immer machen? ?berall schmierten sich die Leute mit Vaseline und ?hnlichem ein, glaubten an bestimmte Mittelchen, die die Muskeln besser durchbluten, hauten sich den Franzbranntwein um die Ohren und um die Beine. Es ist der typische Geruch vor einem Laufereignis. Es ist egal welcher Lauf, es riecht immer gleich.
Ich ging eine halbe Stunde vor dem Beginn auf das Startgel?nde, nutzte noch ein Dixiklo und taperte vor mich hin. Komisch, an der Halle waren 20 Dixis, ?berall standen 15 Leute davor. Am Startgel?nde waren nur ein paar Dixis, aber kein Stau. Ich hab in Hamburg allgemein das Ph?nomen kennen gelernt, dass der Mensch ein Herdentier ist. Wenn irgendwo Stau ist, m?ssen sich die L?ufer hinten anstellen. Fand ich lustig und hab mir das auch erfolgreich im Laufe des Wochenendes zunutze gemacht.
Es war recht kalt, aber wundersch?n sonnig. Ich fror mit meinen Kollegen um die Wette, manche hatten M?llbeutel um, andere alte Klamotten, die kurz vor dem Start ?ber die K?pfe der L?ufer geworfen wurden.
Es waren nur noch ein paar Minuten bis zum Start, die Stimmung unter uns allen war toll, es wurde die Welle ein paar mal versucht. Um 9:00 wurden die Walker aus unserem Block B losgelassen, zur gleichen Zeit wie im Block A die ersten L?ufer. Langsam stieg die Spannung ins unermessliche und endlich die Befreiung durch den Startschu?. Mein Marathon in Hamburg hat begonnen, ich bekam spontan die erste G?nsehaut. Ich lief ?ber die Startlinie und dr?ckte auf meine Uhr.

Es ging gerade aus, genau der Kilometer, den ich vom Hotel hergekommen bin und die ganze Zeit hatte ich G?nsehaut. Schon hier jubelten die Zuschauer. Nach dem 1. Kilometer schon der erste H?hepunkt, wir bogen auf die Reeperbahn ein. Diese weltber?hmte Stra?e hinunter zu laufen, es ist ein Wahnsinnsgef?hl. Mir f?llt das Lied von Udo Lindenberg ein und sang es st?ndig in mich hinein, auch auf den restlichen 41 Km.

Reeperbahn
Ich komm an
Die geile Meile
Auf die ich kann

Wie sollte ich heute ins schwitzen kommen, wenn eine G?nsehaut die n?chste jagt? Ich wusste nicht wohin ich gucken sollte, rechts konnte man in jedem zweiten Wort ?Sex? lesen, links waren die Oper, das Musical und die entsprechenden Werbungen f?r die weltber?hmten Musicals.
Schlie?lich war die Reeperbahn zu Ende, es ging ?ber die K?nigstra?e zur ersten Wasserstelle bei Km 5 an der Bernadottestra?e. Hier war wieder das Herdentierph?nomen zu beobachten. Wasser gab es an vielen Tischen, aber n?, alles rannte zielstrebig auf den 1. Tisch zu, die Tische dahinter waren dagegen so gut wie leer. Sch?n f?r mich, ich griff erst beim 3. und 4. Tisch zu, was ich auch bei den folgenden Verpflegungsstellen ebenso machte.
Nach 6 Km machte die Stra?e einen 180? Knick, es ging nun die Elbchaussee hinab. Wer sich auskennt wei?, das ist das Villenviertel von Hamburg. Lauter tolle Villen standen links und rechts der Chaussee. Wenn ich wieder komm, wird ich mal meinen Geldbeutel ausleeren und eine Villa kaufen. Aber welche denn? Sind alles schmucke Teile. Wieder hatte ich einiges zu tun mit gucken und hielt auch Ausschau nach dem einen oder andern Promi, der hier mit Sicherheit ans?ssig ist, aber schade, kein bekanntes Gesicht, das uns mit Schampus zugeprostet h?tte.
Nach dem Ende der Elbchaussee, in Gedanken nannte ich die Gegend einfach mal Spie?erviertel, ging es nach ca. 10 Km und Verpflegung an Tisch 3 und 4 Richtung Fischmarkt. Hier lief man etwas bergab und man konnte jetzt auch den ber?hmten Hafen sehen. Die Zuschauer wurden mehr, es wurde lauter.
Nach 12 Km machte die Stra?e einen Knick und was dort an den Landungsbr?cken abging, das kann einfach unm?glich beschrieben werden. Ich lief diese Stra?e entlang, die man so oft auf Kalendern, Postkarten oder im Fernsehen sieht. Ich war auf den Landungsbr?cken, aber nicht allein, nicht nur mit den tausenden Mitl?ufern. Links und rechts standen Menschenmassen in 5 Reihen dicht an dicht. Sie standen auf der S-Bahn Br?cke dicht an dicht und alle machten Krach mit Trillerpfeifen, Ratschen, Kocht?pfen und allem M?glichen. Wieder lief ich mit G?nsehaut durch dieses Spalier. Ich sah links Menschen, rechts Menschen und war Fassungslos. Wie gesagt, ich kann es nicht beschreiben, was in mir vorging. Etwas weiter vorne sah ich eine Kamera des NDR- der die Dixitoilettent?r filmte. Ich kapierte gar nix, aber dann ging die T?r auf, ein L?ufer trat heraus und sah vor seiner Nase die Kamera. Als ich Zuhause die ?bertragung angesehen habe, kam dieses Szene. Dort wurde der L?ufer gefragt, ob es n?tig ist, schon nach 12 Km auf die Toilette zu gehen, worauf er trocken geantwortet hat, dass er schon zum zweiten mal musste und den Reporter stehen lie?.
Nach den Landungsbr?cken wurde es etwas ruhiger, die Reihen lichteten sich und ich konnte das gerade erlebte einigerma?en verarbeiten. Nun kamen recht ruhige Kilometer, es ging um die Aussenalster herum, wir liefen durch einen Tunnel. Dort wurde immer wieder die Welle gemacht, es wurde gerufen und man freute sich an dem Hall. Die Stimmung war nach 18 Km noch sehr gut unter den L?ufern.
Ich machte mir nach der 20 Km- Verpflegungsstelle, bei der nat?rlich wieder nur der erste Tisch belagert wurde, ?ber das Publikum Gedanken. ?berall las man die Schilder, kleine und gro?e Kinder, die m?chtig stolz aussahen und auf ihren Papi warteten, der es bestimmt schaffen wird. Ich hoffe das M?dchen mit den Kulleraugen konnte ihren Papi vorbei laufen sehen. Frauen, die auf ihren Mann oder Freund warteten und auf Transparenten nachdr?cklich darauf hinwiesen, dass sie geliebt werden und an ihren Schatz geglaubt wird. Wieder hatte ich G?nsehaut, w?hrend ich so die kleinen und gro?en Zuschauer angesehen habe und versucht habe ihre Gedanken zu erraten.
Mittlerweile bin ich bei Km 26 und nun begann der wahre Marathon. Bisher war bei den L?ufern gro?e Freude und Heiterkeit. Die Stimmung wurde aber ringsum immer ruhiger. Schon einige mussten Gehpausen einlegen, streckten ihre Muskeln, versuchten die harten Waden zu dehnen. Gut, dass hin und wieder f?r die L?ufer Massagestationen standen, die auch gern genutzt wurden. Es war jetzt auch an der Zeit f?r mich in meinen K?rper hinein zu h?ren. Ich analysierte meinen Zustand und kam zu dem Ergebnis, dass ich noch Spitze in Form war. Ich musste l?cheln, f?hlte aber mit den Schmerzgeplagten mit.
Bei Km 27 versuchte ich einen lustigen Satz und rief meinem Nebenmann zu, dass da ja schon wieder ein Kilometerschild kommt, das letzte war doch gerade erst da hinten?! Ich erntete nur einen giftigen Blick. Ich war in Euphorie und kam einem Geher n?her, der auf dem R?cken den Aufdruck ?Die Sau l?uft doch? hatte. Ich musste ihm zurufen ?Qu?l dich du Sau? grinste ihn an, aber auch hier nur ein b?ser Blick. In der Fernseh?bertragung hab ich ihn wieder gesehen, wie er auf einer der Massageb?nke bei Km 30 auf der Liege behandelt wurde.
Die Zuschauer wurden ab Km 32 wieder um einiges mehr. Ich sah ein breites Transparent, worauf zu lesen war 'Wir haben schon geduscht'. Wer sich noch erinnern kann, ich hatte am Bodensee im Oktober ab Km 32 ganz ?ble Kr?mpfe und musste die restlichen Km gehen. Ich hoffte, dass ich diesmal verschont w?rde.
Nun bin ich bei Km 35, ich sehe ein Schild mit der Aufschrift 'Umdrehen w?re jetzt doch auch bl?d' jetzt musste ich Slalom laufen, so viele L?ufer mussten nun gehen oder liefen ganz langsam weiter. Ich wurde ziemlich behindert und was machten meine Beine? Sie taten etwas weh, aber mir ging es immer noch toll. Ich klatschte munter Kinderh?nde ab, auch die Kinder, die die H?nde gerade mal in 50 cm hatten, das fanden die Kinder toll, ich freute mich, weil sie sich freuten. Gerade jetzt, wenn der Marathon dem Ende zugeht, sind die L?ufer mit sich selbst besch?ftigt und haben keinen Blick mehr f?r die Zuschauer, die nun von Km zu Km immer mehr wurden.
Ich h?rte jetzt bei 36 Km eine Frau sagen, dass man sich nun noch 5 Minuten erholen k?nne, bevor es den Berg hoch geht. Berg? Ich dachte ich bin in Hamburg?!?! Naja, dann bereite ich mich mal psychisch auf diesen Berg vor, aber erstmal kann ich ja weiter kleine H?nde abklatschen, Schilder lesen und Anfeuerungen genie?en.
Immer mehr L?ufer musste ich ?berholen und bei Km 37,5 kam der ganze Zug ziemlich ins Stocken. Die Zuschauer machten die Stra?e extrem eng und was noch hinzu kam war, dass dem Asics Bogen, der die letzten 5 Km anzeigte, kurz zuvor schlapp machte und die ganze Luft aus dem Stra?en?berspannenden Teil entfleuchte. Viele freiwillige Zuschauer hielten solange den Bogen hoch, damit die L?ufer unten durch laufen konnten.
Aber auch dieses Hindernis konnte mich nicht weiter aufhalten, es ging unbarmherzig dem Ziel entgegen. Ja, stimmt schon, ich lief am 39 Km ? Schild vorbei und dachte wehm?tig, dass in 20 Minuten alles vorbei ist. Sogar jetzt noch, nach dieser langen Distanz war ich nur am L?cheln und lief wieder seit einigen Kilometern mit G?nsehaut durch Hamburg. Dann nach 40 Km dachte ich wieder an den Berg, an der Rothenbaumchaussee soll doch die Steigung sein?! Die Steigung war l?ngst vorbei und ich hab es gar nicht bemerkt. Und ehrlich, es waren ja kaum H?henmeter.
Ich lief an Km 41 vorbei und wurde immer wehm?tiger, ich wollte, dass dieser Marathon ewig weiter geht, aber mit jedem Schritt kam ich dem Ziel n?her. Ich sah die Zuschauer an, die Zuschauer sahen mich an, ich lief auf das Lokal ?September? zu, an dem sich die Foris getroffen haben. Hier macht die Stra?e den letzten Knick und man sah in ein paar hundert Metern das Ziel. Wieder dieses irre Spalier von Zuschauern, in der Ferne wie eine Welle die L?ufer, die einer nach dem anderen die Arme in die Luft rei?en, genau wie ich das schon 100 Meter vor dem Ziel mache und mit erhobenen Armen, l?chelnd und nat?rlich mit G?nsehaut nach 3:56:49 ?ber die Ziellinie lief.

Ich bekam von einem h?bschen M?dchen die Finishermedaille umgeh?ngt, sie sah mir in die Augen und gratulierte mir und sie sagte es nicht nur mechanisch zu jedem L?ufer. Ich glaube, sie hat gewusst, dass sie den besten Job aller Helfer hat. Sie darf den gl?cklichen, strahlenden L?ufern im Hochgef?hl des pers?nlichen Triumphes als erste gratulieren.

Ich ging den Zielbereich weiter und dann passierte etwas, das ich von mir selbst niemals erwartet h?tte. Ich sah mir die Medaille an und pl?tzlich schossen mir die Tr?nen in die Augen. Sofort hab ich die Medaille losgelassen und hab versucht mich wieder zu fassen, was mir auch gelungen ist. Ungehobelte Allg?uer heulen doch nicht.
Kurz darauf stellte ich mich bei einer Getr?nkeverpflegung an und da ich noch etwas warten musste, sah ich mir noch mal die Medaille an. Wieder geschah das unfassbare, mir schossen wieder die Tr?nen in die Augen. Ich lie? die Medaille wieder baumeln, blickte auf den Boden und nahm mir ein Gatorade. Eine Weile schritt ich vor mich hin und ging schlie?lich zum Stand mit Erdinger Alkoholfrei. Ich nahm mir zwei Becher davon, allerdings am 3. Tisch, der frei war, weil sich alle L?ufer auf die ersten beiden Ausgabetische tummelten.
Ich suchte mir einen Platz in der Sonne und setzte mich. Ich nahm einen tiefen Schluck und blickte fatalerweise wieder meine Medaille an. Ich kenne mich so nicht, aber wieder tr?nten mir die Augen. Ein paar Minuten war ich still mit dem Kopf zwischen den Beinen in mich gekehrt und schaffte es nicht, das Erlebte emotional zu verarbeiten.

Sp?ter bin ich wieder aufgestanden, wanderte ?ber das Gel?nde und ging schlie?lich zum Massieren. Zwei niedliche M?dels haben mir gleichzeitig meine ersch?pften Beine massiert. Sie gaben sich ganz gro?e M?he mit jedem einzelnen L?ufer und fragten auch nach den Beschwerden, damit sie richtig massieren konnten. W?hrend dem Massieren rief Moori an, den ich anschlie?end zur?ck rief. Die Zeiten waren schon im Internet verf?gbar und Volkmar war sehr stolz auf Peter und mich. Ja, auch ich war selbst stolz auf mich. Das nahm ich mir einfach heraus.

Nun ging ich wieder in die Messehalle und holte mir jetzt erst das Finishershirt ab, das man komischerweise schon am Vortag abholen konnte. Ich holte mir die Urkunde ab und lie? mir f?r 5 ? die Medaille gravieren. Anschlie?end verlie? ich das Marathongel?nde.

Im Hotel angekommen stellte ich mich genussvoll unter die Dusche, aus der ruhig etwas mehr Wasser h?tte kommen k?nnen und sah mir um 16 Uhr die Zusammenfassung des Marathons an. Ein gewisser Julio Ray hatte solchen Respekt vor mir, dass er mir fast 2 Stunden davon gerannt ist und in 2:07:39 gewonnen hat. Na, fast h?tte ich ihn zum Streckenrekord gejagt.

Was gibts zum Schlu? zu sagen? Hamburg ist einfach eine tolle Stadt, der Marathon war perfekt organisiert. Nirgends gab es Wartezeiten. Die Startnummernausgabe war in 20 Sekunden erledigt, die Urkunde bekam man auch innerhalb einer Minute. Auch das Gravieren der Medaille dauerte nur 2 Minuten.
Wenn man es richtig machte, musste man auch kaum am Dixiklo anstehen und wer an der Verpflegungsstation unbedingt den ersten Tisch benutzen will, der muss eben warten.
Es war ein Traum in Hamburg dabei gewesen zu sein und es war mit Sicherheit nicht der letzte Marathon in der sch?nen Hansestadt mit ihren unglaublichen Zuschauern.

Danke Hamburg

1 Kommentar 25.4.05 10:03, kommentieren