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Gebirgstälerhalbmarathon in Oberstdorf

Am 29.05.2005 fand zum 6. mal der Halbmarathon in Oberstdorf durch die Gebirgst?ler statt. Die Wetterprognose war wenig L?uferfreundlich und so kam es auch, dass an diesem Sonntag wundersch?nes Hochsommerwetter die ca. 650 L?ufer empfing. Auch die Temperaturen bis 31? konnten uns nicht abschrecken.

Ich meldete mich an und wartete nun mit einem befreundeten L?ufer auf den Hitzelauf, der da kommen m?ge.

Vor so einem Start ist immer die gleiche Stimmung, es ist ein kribbeln, fast ein sp?rbares Vibrieren, das in der Luft liegt. ?berall beobachte ich von meiner schattigen Parkbank aus, wie sich die Athleten und Athletinnen warm liefen, diverse Dehn?bungen machten und sich mit Gleichgesinnten austauschten. Nat?rlich darf auch das obligatorische Tiefstapeln nicht fehlen. Noch nie hab ich erlebt, dass ein L?ufer zugibt, in bestechender Form zu sein, doch unter uns gesagt, die meisten sind k?rperlich zu diesem Zeitpunkt topfit. Ich wollte diesen Lauf und die Umgebung einfach nur genie?en und nahm mir kein Zeitziel vor. Bestzeit war sowieso nicht drin, das verhindern schon die knapp 600 H?henmeter, die zu bew?ltigen waren.

Um 10:20 Uhr war der erste Startschuss, die Damen wurden auf die Strecke geschickt.

Ich fand das gut, so kommen die Damen in den Genuss der vermehrten Anfeuerungen, weil ja die Herren dabei standen und ihre Laufkolleginnen anfeuerten. Nach 3 Minuten, einer Runde durch das Dorf, kamen die Damen wieder am Start vorbei, wieder wurde geklatscht und Mut zugerufen und schlie?lich verschwanden die Vertreterinnen des sch?nen Geschlechts aus dem Blickfeld.

Nun kam wieder das Procedere der Herren mit warm laufen und dehnen, das Kribbeln und Vibrieren wurden wieder st?rker, es wurde zum Start aufgestellt und um 10:35 Uhr wurden auch wir Herren auf die Reise geschickt.

Ich hielt mich mit meinem Laufkollegen im hinteren Teil des Feldes auf, man will ja den Leuten mit Zeitambitionen nicht im Wege stehen. Auch wir wurden nat?rlich zun?chst durch das Dorf geleitet, wieder vorbei am Start und dann aus Oberstdorf hinaus. Schon nach 1 Km ging es zackig einen Berg hoch, der Schwei?ausbruch hatte begonnen. Einige L?ufer haben hier lieber einen z?gigen Gehschritt angeschlagen, wohl um Kr?fte zu sparen f?r die Kilometer die noch kommen werden. Wir schafften den Berg im Laufschritt, aber der Puls war bestimmt schon sehr nah an der Maximalgrenze. Endlich war die Steigung geschafft, puh.

Schon jetzt lohnt es sich, dass man diesen sch?nen Lauf nicht auf Zeit l?uft, man hat von hier oben einen pr?chtigen Blick in die Allg?uer Alpen, eine tolle Aussicht.

Nun, nach etwa 3 Km war das Gel?nde nicht flach, es war aber angenehm zu laufen, waren wir doch viel im Schatten des Waldes.

Bei Km 5 erreichten wir die erste Versorgungsstelle, ich hatte eine eigene Wasserflasche dabei und habe diese mit einem Wasserschlauch wieder bef?llt. Ein kleiner Junge, der den Schlauch hielt fand es fantastisch, dass er mich von oben bis unten mit dem Wasserschlauch nass spritzen konnte. Der Junge jauchzte vor Vergn?gen. In dieser Hitze war die Dusche alles andere als unangenehm, allerdings machte ich mir Sorgen, weil viel Wasser in meine Schuhe gelaufen ist, ja hoffentlich bekomme ich keine Blasen.

Die Reise ging weiter, nach etwa 7 KM f?hrte die Strecke hinunter in das Trettachtal, aber es gibt keine Verschnaufpause, denn schon f?hrt und der Weg bergauf, aber nicht sehr steil, zum Christlesssee.

10 Km sind schon fast geschafft, wir laufen ?ber eine Br?cke, unter der die Trettach mit heftiger Naturgewalt tost und in das Tal st?rzt, ein toller Anblick, doch soviel Zeit habe ich nicht, ich muss weiter. Bald kommt der Wendepunkt und die Zwischenzeitnahme. Hier muss man noch mal den Blick ?ber die Berge und die Almen schweifen lassen, dazu ist auch Zeit, weil hier der zweite Verpflegungspunkt ist. Beim Verzehr einer Banane, kann ich noch die Bergwelt genie?en.

Weiter geht es in das schwierigste St?ck der Strecke. Wir laufen durch einen Wald und sprichw?rtlich ?ber Stock und Stein bergab. Sehr vorsichtig laufe ich die Trailstrecke hinab. Erst im Januar knickte ich mit dem Fu? um und konnte vier Wochen nicht laufen und das setzte sich im Kopf fest. Ich muss meinen Kollegen ziehen lassen, der wie eine Gemse den Berg hinunter l?uft. Scheinbar bin ich sehr langsam, weil mich noch 20 L?ufer ?berholen, bis wir besseres Terrain erreichen. Ich konnte es nicht fassen, wie halsbrecherisch manche Leute den Weg nahmen.

Endlich wurde der Weg breiter und flacher. Die L?ufer, die mich ?berholt haben, sammelte ich nun nach und nach wieder ein, das motivierte und ich gab mir nun selbst die Sporen. Ich holte meinen Lauffreund bald ein, der jedoch Magenprobleme bekommen hat, die er sich wohl durch hastiges trinken von kaltem Wasser zugezogen hat. Alleine lief ich also weiter, hoch zur Versorgungsstelle. Meine Beine liefen hier bei Km 14 so gut, dass ich mich nicht lange bei der Getr?nkestation aufhielt und flott weiter zog, doch schon bald lief ich auf eine Steigung zu, bei der ich nicht erkennen konnte, wie hoch diese f?hren wird, also lief ich frohgemut den Weg hoch, rechts donnerte der Qybach ins Tal, der zurzeit viel Schmelzwasser f?hrt und nicht mehr viel mit einem Bach gemeinsam hatte. Tja, die Steigung h?lt an, ich bin etwas zu optimistisch den Berg hoch gelaufen. Einige L?ufer fangen hier lieber wieder das Gehen an, aber ich werde nicht gehen, ich laufe den Berg hoch, obwohl, hm, die Steigung scheint noch weiter zu gehen, es ist doch sehr verlockend nun ein paar erholsame Gehschritte zu machen, doch noch lief ich weiter. Als ich um die n?chste Kurve bog und immer noch kein Ende des Berges in Sicht war, war mein Vorsatz zunichte und fing auch an zu gehen. Zum Gl?ck stand gleich darauf ein Schild, mit dem Hinweis, dass es noch 100 Meter bis zur Versorgungsstelle waren und somit die Steigung zu Ende. Ich ging also bis zu dieser Getr?nkestation, lie? noch mal meinen Blick ?ber die Berge und ins Tal schweifen, in dem ich L?ufer sah, die den Berg noch vor sich hatten.

Von nun an ging es bergab, nein nicht mit mir, das Ziel im Tal war bald erreicht. Nur noch 4 Km waren zu bew?ltigen. Der Verlauf einer Stra?e muss noch 2 Km gefolgt werden, doch schlie?lich f?hrt ein Weg steil hinab ins Tal. Unten angekommen, l?uft man am Ortsrand von Oberstdorf und wird von den Zuschauern begr??t. 20 Km sind geschafft, aber mir geht es noch hervorragend, daher kann ich mein Tempo forcieren und ?berhole ein paar L?ufer. Ich laufe durch die beschaulichen Stra?en von Oberstdorf und kann schon in der Ferne den Sprecher der Zielankunft h?ren. Ich laufe die letzte Kurve und sehe das Ziel vor mir, ich ?berhole noch einen L?ufer, werde fotografiert, mein Name wird genannt und erreiche das Ziel in 1:56:18.

Mein Kollege kam auch bald ins Ziel, sein Magenproblem hatte sich gebessert.

Am Kurhaus dachten wir noch an unser leibliches Wohl und verabschiedeten uns schlie?lich von einem der sch?nsten Panoramal?ufe in Deutschland. Trotz der Hitze war der Oberstdorfer Gebirgst?lerlauf ein tolles Erlebnis.

29.5.05 23:56, kommentieren