Archiv

Frühlingsbegrüßungslauf im Nationalpark

Von Hase und Charly


Heute war Ausflugszeit angesagt. Es ist Frühling ! Seit Wochen schon wollen Charly und ich endlich einmal einen Ausflug in den Parc Naturel Régional du Morvan machen, und heute, bei wunderschönstem sonnigen Frühlingswetter, war es dann soweit. Laufklamotten angezogen, was Trockenes zum Umziehen mit eingepackt, ein Picknick vorbereitet (mit dem superleckeren Brot von unserer Semurer Ich-bin-zwar-unfreundlich-aber-ich-kann-mir-das-erlauben, denn-bei-mir-gibt-es-das-weltbeste-Baguette-Bäckerin), ins Auto gesetzt und los gings. Und Charly und ich sind ja so schlau und lernfähig. Nachdem wir uns bei unseren letzten Läufen, bei denen wir neue Gebiete erkunden wollten, jedesmal aufs Übelste verfranst haben - wir sind ja alle beide nicht so die Orientierungskünstler, ne - haben wir diesmal die Original Michelin-Karte mitgenommen, die uns wohlbehalten durch den Forêt au Duc geleiten sollte.


Wir kamen in Roche des Fées an und stellten erstmal das Auto ab. Souverän und im Selbstbewusstsein des Orientierungshelden wies ich mit der Karte in der Hand in die Richtung, in die auch das Auto zeigte. Der Arm wurde schwerer, je länger wir die Karte anschauten und dann feststellten, dass das mit Sich-er-heit nicht der Weg ist. Wir wären schon auf dem ersten Meter auf dem Holzweg gewesen. Haha, Holzweg ist gut mitten im Wald.
Naja, dann eben die Karte ein wenig im Uhrzeigersinn drehen und schon ist die Perspektive eine ganz andere.
Wir zogen uns um, legten noch eine Pinkelpause ein und sausten los in Richtung Hauptstrasse und nach 100 Metern wieder nach rechts hinein in den Nationalpark. Schön ist es im Wald. Man darf sich den Wald nicht so vorstellen wie in Deutschland, der hier ist komplett asphaltiert, schließlich liegen in den Wäldern noch ein paar Dörfer. So kamen wir an einem See an. Hier könnte man im Sommer toll baden, vor allem ist hier kein Mensch, da kann mans aushalten. Und es stehen auch ein paar Picknicktische herum, da können wir doch nachher unser Picknick abhalten?! Jawohl, das machen wir, aber erst warteten noch ein paar Hügelchen auf uns.



Wir hoppelten also am See vorbei und tiefer in den Wald hinein, Charly mit unserer überlebenssichernden Wanderkarte fest in der Hand und vor allem auch im Blick. Nach einer Weile sagte ich dann lachend zu ihm, Mensch, jetzt bewunder doch mal die wunderschöne Landschaft und starre nicht immer nur auf deine Karte !!, das wirkte. Wir waren ganz hin und weg von dem schönen Wald, in dem die Vöglein voller Frühlingseuphorie um die Wette zwitscherten und in dem wir keiner Menschenseele begegneten. Aber diese Tatsache erklärt sich von selbst: es ist Sonntag, es ist 13 Uhr und wir sind in Frankreich. Stichwort Mittagessen ! Trotz der idyllischen Umgebung wurde ich mit jedem Kilometer, den wir vorankamen, immer nervöser, denn es ging stetig bergab, und zwar steil. Und soweit hatte ich im Physikunterricht dann doch aufgepaßt, um zu wissen, daß es, wenn es viel bergab geht, gezwungenermaßen auch wieder viel bergauf gehen muß, wenn man wieder an seinen Ausgangspunkt zurückkommen will. Aber egal, das packen wir schon, schließlich sind wir Semurer und keine Flachlandbewohner.


Ja, zunächst gings ja nach oben. Dank GPS konnte ich Hase ordentlich nerven. Ich sagte ihr ständig die aktuelle Höhe. Waren wir zunächst ganz oben bein 566 Höhenmetern, worauf Kerstin meinte, dass da die Luft schon ganz schön dünn wäre, gings nun immer schön weiter nach unten. Es spricht ja nix gegen nach unten laufen, aber die Physik, die Physik. Newton hat doch den Käse mit der Schwerkraft erfunden, dafür gehört ihm heute noch der Hintern versohlt.
Immer schön weiter nach unten liefen wir. Der Wald war einfach traumhaft, stellte ich fest, nachdem ich nicht mehr steif in die Karte guckte. Ich konnte es einfach nicht lassen, Kerstin zu sagen, wieviel Höhe wir schon verloren haben. Schließlich müssen wir das alles wieder hoch. Na bravo.
Wir machten ein Wettrennen mit einem Zitronenfalter, der ist ewig lang vor uns her geflogen, aber letztlich haben wir ihn doch noch ordentlich versägt.
Dort unten hörten wir nun schon den Fluß und kurz darauf sahen wir ihn auch schon. Cure heisst er, wie die gleichnamige Band. Also sind wir unten am Fluß, dann gehts auch nicht weiter nach unten. So, das genügt, wir waren auch nur noch bei 370 Höhenmetern, also gings 200 Meter nach oben. Wieder die Karte zu Rate gezogen und an einer Brücke die richtige Route eingeschlagen und von nun an gings bergauf.



Ja, es ging bergauf, das ist keine Übertreibung. Bergauf ging es. BERGAUF !! Erstaunt nahm ich zur Kenntnis, daß Charly heute ausnahmsweise einmal mein Angebot, gerne in seinem eigenen schnelleren Tempo vorauszuhoppeln, annahm. So lief ich gemütlich in meinem ganz eigenen langsameren Tempo die extreme Ansteigung hoch und rief ihm noch hinterher, daß er bei eventuellen Weggabelungen doch bitte auf mich warten solle, da er ja unsere lebenswichtige Karte noch immer fest in der Hand hielt und ich keine große Lust hatte, mich zu verlaufen und weder Charly noch das Auto jemals wiederzufinden. Er meinte, er würde dann einen Schuh liegenlassen, der mir die richtige Richtung weisen würde. Scho recht, Charly
Als ich ihn dann wiederfand, etliche Höhenmeter später und dennoch den wunderschönen Wald mit seinen plätschernden Bächen und saftig grünen Nadelbäumen genießend, saß er grinsend am Rocher de la Pérouse, ließ sich die Sonne ins Gesicht scheinen und genoß die umwerfende Aussicht.
Guckst du hier: http://www.petit-patrimoine.com/fiche-petit-patrimoine.php?id_pp=89318_9



Die Aussicht war echt der Wahnsinn. Mittlerweile waren wir ja auch schon wieder 100 Meter nach oben geklettert. Vor uns lag nur Wald und Wald und nochmal Wald, soweit das Auge reichte. Unten war der Fluß zu sehen. Es ist nicht ganz leicht zu beschreiben. So saß ich auf einem Felsen und wir guckten in die Landschaft. Aber schließlich rappelten wir uns wieder auf und liefen den Rest des Anstiegs hoch, was ja auch nochmal 100 Höhenmeter bedeutete. Ich lief wieder voraus und als ich fast oben war, hab ich auf einer Bank wieder auf Kerstin gewartet.
Nun waren wir fast oben und da fiel mir auf, dass die Bäume unglaublich gesund aussehen. Die verschiedenen Nadelbäume standen richtig saftig in voller Pracht da. Die Äste bogen sich nicht traurig nach unten, sondern strebten nach oben. Es war totenstill im Wald, kein Mensch, kein Auto, kein Fußgänger, absolut nichts. Nur wir zwei und unsere Schritte, die über den Boden trippelten. Eine unglaubliche Stille, abgesehen vom Vogelgezwitscher und dem Geklopfe eines fleißigen Spechts, der sich wohl unbedingt eine Gehirnerschütterung holen wollte. Meine Karte hatte ich noch immer in der Hand und mittlerweile kam ich auch klar mit der Orientierung. Ganz wichtig erklärte ich meinem Schatz ständig, dass es jetzt noch 800 Meter geradeaus geht und dann müssen wir nach links um wieder einen fachmännischen Blick auf die Karte zu werfen.
Ich behauptete, dass wir am Ende so 13 – 14 km hätten, was sich natürlich als falsch herausstellen sollte und ich die mentale Stärke von Kerstin trainierte. Doch zunächst sahen wir mitten im Wald ein einsames großes Haus, ein Forsthaus.



Charly war schon extrem putzig in seinem Stolz, den richtigen Weg für uns zu finden. Aber trotzdem - nee, 13 – 14 km, das kam mir etwas zu wenig vor. Ich behauptete, wir kämen auf mindestens 15, wenn nicht mehr. Aber Charly war der Fachmann mit der Karte und insistierte, daß das maximal 14 km seien. Na gut. Da er uns so absolut sicher und ohne sich ein einziges Mal zu verhoppeln durch den Wald geführt hatte, glaubte ich ihm das. Als er mich dann aufklärte, daß wir jetzt 12 km hinter uns hätten, stellte ich mich demnach darauf ein, nur noch eineinhalb bis zwei Kilometer zu laufen zu haben. Das geht. Nur daß Charly mir dann etwas später sagte, öhm, das mit den 13 – 14 km wäre wohl etwas optimistisch gewesen und ich hätte wohl recht gehabt und wir würden auf 16 Kilometer kommen. Und außerdem wollte er noch von mir wissen, warum ich ihm denn immer wieder glauben würde ? Ich sei ja selbst schuld und verdiene es ja nicht besser ! Die letzten Kilometer liefen aber trotz allem recht gut, da es jetzt nicht mehr bergauf ging, und so liefen wir noch einmal durch einen unglaublich dichten Nadelwald, in dem es richtig dunkel wurde und kein Sonnenstrahl duchkam – ich liebe diese Art Wald ! -, es wurde kalt und ich mußte meine Jacke wieder anziehen, wir liefen die letzten zwei Kilometer flott runter und freuten uns auf unser Mittagessen, das wir uns redlich verdient hatten, wie wir fanden.

Und wie wir unser Mittagessen am Nachmittag verdient haben. Aber zunächst hat sich unsere Stirn gerunzelt. Wo vorhin an unserem ausgewählten Picknicktisch kein Mensch war und der See in Stille dalag, waren jetzt etliche Leute unterwegs. Man fuhr wohl nach dem Mittagessen raus zum See, gaaanz nah und dann wird um den See gegangen, dass man sich später den Kuchen auch verdient hat. Ne, darauf hatten wir jetzt aber gar keine Lust, wir waren die ganze Zeit alleine im Wald, also wollten wir auch in aller Ruhe alleine unser Baguette mümmeln. Wir liefen den Rest zum Auto, zogen uns um und fuhren ein Stückchen die Strecke entlang, die wir zuvor gelaufen sind und siehe da, wir fanden auch auf einer Waldlichtung einen Picknicktisch. Also raus mit unserer Tasche und an dem Tisch breit gemacht. Wir freuten uns über unser Schnippchen, das wir den Menschenmassen gemacht haben und säbelten fröhlich am Baguette herum.
Kaum das Messer angesetzt, kamen schon die ersten Wanderer vorbei, wünschten uns einen bon appétit und zogen ihres Weges. Jetzt kam auch hin und wieder ein Auto vorbei, die Gesichter klebten an der Scheibe, als sie zu uns raus sahen. Wieder und wieder kamen Wanderer vorbei, teils mit Rucksäcken, ein Motorrad, noch ein paar Autos. Es war ja schon kurios, dass wir zuvor wirklich auf 16 km keine einzige Menschenseele angetroffen hatten.
Wir ließen uns davon natürlich nicht stören, futterten gekochten oder rohen Schinken, wir waren uns da nicht so einig, nagten an Surimi (das sind so Fischstäbchen), und spachtelten den guten Mont d’Or. Ein total abgefahrener Käse, der zudem recht teuer ist. Ich überleg ständig, wie wohl französische Kässpatzen schmecken, mit diesem Käse. Muss ich mal ausprobieren. Dann gabs noch Cassis Marmelade. Eine superleckere Marmelade mit Cassis aus dem Burgund. Freunde, ihr macht euch keine Vorstellung davon, was es im Burgund für leckere Sachen gibt.



Nach dem Mittagessen, das an der frischen Luft mitten im Wald natürlich noch viel besser schmeckt als es das sowieso schon tut, beschlossen wir, noch ein bißchen Auto-Sightseeing durch den Morvan zu machen. Wenn wir schon mal hier sind. Ich übernahm die Karte und die Führung und lotste Charly über sehr kurvige und hügelige Straßen und durch extrem abgelegene Dörfer. Diese Dörfer liegen so dermaßen mitten in der Pampa, daß man sich echt fragt, ob es dort schon elektrischen Strom und fließendes Wasser gibt. Aber bildhübsch ist es im Morvan. Wen es interessiert, die offizielle Seite des Morvan ist die hier: http://www.parcdumorvan.org/
Was für ein schöner Frühlings-Lauf-Ausflug das war !

3 Kommentare 5.3.07 12:34, kommentieren



Frühling

Und schon sind wir nach dem knallharten Winter im Frühling gelandet. 5 Meter Schnee hatten wir in diesem Winter....Quadratmeter.
Das Laufen ist ja mal momentan echt der Hammer. Es läuft ja dermaßen gut, dass es fast beängstigend ist.
Ein Beispiel? Als ich letzte Woche von Kerstin ins Allgäu fuhr, musste ich abends noch meine Beine vertreten. Das tat gut nach so einer langen Autofahrt.
Ich lief locker los, aber mit der Zeit wurde ich immer schneller. War ich zunächst mit knapp 5:30 unterwegs, war ich nach 5 km schon bei 5:05, dann wurde ich immer noch schneller und dann hab ich mir gedacht, dann probier ich, ob ich die 10 km noch unter 50 Minuten schaff, aber das wär schon arg schräg.
Naja, ich lief dann in 4:50, 4:40, 4:30 und den letzten Kilometer sogar noch in 4:10. Und tatsächlich war ich noch unter 50 Minuten.
Der folgende lange Lauf am nächsten Tag war dann aber nicht so locker.
Zunächst lief ich nach Bertoldshofen, dann zurück, hoch in Richtung Mooshütte durch den Wald nach Kaufbeuren. Aber Houston, wir hatten ein Problem. In dem Wald hab ich mich mal wieder verfranst. Aber vom Feinsten. Der Weg war futsch, umdrehen wollte ich nicht. Wird schon wieder ein Weg kommen. Aber es kam keiner. Im Gegenteil, es wurde immer schlimmer. Ich war am Bachtelsee, konnte durch die Bäume das Kraftwerk sehen, also isses nicht mehr weit, da kann ich mich schon noch durch die Bäume keilen.
Ich bin nicht ganz echt im Kopf, ich war am Rand des Sees und es ging rechts in etwa / <--- so steil hoch. Jeden Schritt musste ich überlegen, an welchem Baum ich mich fest halte, wo ich abrutschen könnte und in den See fallen könnte. Wo ich an einer Wurzel tritt finde. Es war zum kotzen und mir wars echt nicht mehr wohl. Ich dachte sogar daran, durch den See zu schwimmen. Das kam mir noch als leichteste Alternative vor. Auch wenn der See nur 4° hatte. Ich verkniff es mir aber doch noch und keilte fleißig weiter. Die Hände hab ich mir leicht aufgerissen und ich war genervt wie Sau. Dann schaffte ich es diesen Berg / <--- hoch und fand ENDLICH ENDLICH den Weg, der mich von rechts angrinsen zu schien.
So, jetzt hatte ich die Schnauze voll und erst 17 km waren gelaufen. Über eine Stunde dauerte meine Kraxeltour. Ich brauchte den langen Lauf doch fürs Training. Also weiter nach Kaufbeuren und nach Hirschzell. Dort bin ich wieder nach Kaufbeuren rüber und freute mir ein Loch in den Kittel über den Berufsverkehr. Hurra Zivilisation. Nun lief ich wieder in Richtung Heimat, es fing an zu regnen und meine Beine meinten, nu is aber gut. Fand ich auch, aber ich hatte noch 8 km zu laufen.
Der Rest des Weges war ereignislos, aber zäh.

Von dem Lauf hab ich mich längst wieder erholt. Und am Montag hab ich einen 20 km Lauf gemacht. Da gings mir wieder prächtig. Bei schönem Sonnenschein liefs einfach toll.
Schön gemütlich lief ich los und wieder wurde ich stetig schneller. Die ersten 10 km hab ich in 53 Minuten gemacht. Eigentlich noch völlig normal. 5:18 Minuten für den km, da fühl ich mich wohl. Aber nun gings los, ich lief nach einem Berg nach Marktoberdorf und konnte mich nicht bremsen. Na gut, dann eben schneller werden. Da spart man sich das Intervalltraining.
Jetzt wollte ich es aber wissen und schaute, ob ich jeden Kilometer schneller schaffe. Ja, das schaffte ich. Von 4:50 ging die Zeit immer weiter runter und den 20. Kilometer lief ich in 4:27 und damit die Kilometer von 10 - 20 in 48 Minuten.
Ja man könnt sagen, dass ich gut drauf bin.
Morgen will ich nochmal einen schönen langen Lauf machen und dann noch am Sonntag ein fieses Intervalltraining und schließlich lass ich es ruhig angehen, weil in 10 Tagen schon der 6-Stunden-Lauf in Ottobrunn ist.
Auf was ich eigentlich hintrainiere, das weiß ich immer noch nicht. Mir wird schon irgendein Halbmarathon und/oder Marathon unter die Füße kommen. Wär ja schade um die Form.

7 Kommentare 15.3.07 00:34, kommentieren

6-Stunden von Ottobrunn

So, wieder ein Kapitel in der Laufkarriere des Charly E.
Ich hab den 6-Stunden-Lauf von Ottobrunn hinter mich gebracht.
Blöd, dass in dieser Nacht die Uhr um eine Stunde vorgestellt wurde. Das hieß, dass der Start zwar immer noch um 9 war, aber gefühlt war er um 8. Das hieß aufstehen um 6, gefühlt um 5. Dann mit Hurra nach Ottobrunn fahren. Die Autobahn war schön leer, so ists brav.
Natürlich hab ich mich auch verfahren, auf der A8 nach Salzburg sah ich das Schild an, dass hier die Ausfahrt Unterhaching ist. Da muss ich raus, habs aber nicht gemacht. Dann eben über Oberhaching und ander Käffer nach Ottobrunn durchgefragt.
Ich kam noch rechtzeitig an, aber es war doch schon halb 9.
Ich traf Botti und dann war schon bald der Start. Erstmal ein Stück gehen, bis wir an die Stelle kamen, an der der Start sein sollte. So kam man bei 50 km genau an der Rundenzählung vorbei und hat eine fest gehaltene Zeit für diese 50 km.
Dann wurde bequem runter gezählt und Witze darüber gemacht, dass man doch lieber einen Tiefstart macht.
So entspannt hab ich noch keinen Start erlebt. Um Punkt 9 wurde locker losgelaufen. Bloß kein Stress, man hat noch ein bisschen Zeit.
Also rein in das Abenteuer 6-Stundenlauf.
Die Runde sah so aus, dass man eine Runde im Stadion lief, dann hoch zum Tribünenübergang, dort wurde die Runde fest gehalten und dann hinten wieder raus aus dem Stadion, dann ein bisschen über die Wege, dann dauerte es auch nicht lange, bis man wieder im Stadion war. Eine Runde war 1442 Meter lang und ich hatte die Befürchtung, dass mich das irgendwann ganz schön ankotzen würde. Aber es war nicht so schlimm.
Die erste Stunde verging recht zügig, dauerte etwa 60 Minuten. Ach tatsächlich? Um 10:20 Uhr rief ich meinen Knusperhasen Zuhause an und sagte ihr, dass es mir gut geht. Ich fragte sie, ob sie am Compi Daheim nachgucken kann, was ich für eine Pace hab. Ich lief die Runden so um die 8:10 Minuten, was aber wohl ein bisschen zu schnell war für mein Vorhaben. Später sagte sie mir, dass ich mit 5:39 Pace unterwegs war. Ich solle doch langsamer machen. Aber es fühlte sich gut an und so hielt ich mein Tempo. Das war schon nett mit Kerstin zu telefonieren. Sie ist sehr beeindruckt davon, dass ich mir so einen Lauf antue. Aber noch ist das Ziel fern.
Immer wieder gings im Kreis dahin und nach jeder Runde kam man im Stadion auch an dem reichhaltigen Buffett vorbei. Es gab Wasser, Cola, Apfelschorle und zu heißen Tee. Gummibärchen, Fleischbällchen, Obst, Gemüse, Wurstschnittchen, Kuchen. Alles was das Läuferherz begehrt.
Ich hab mir irgendwann zueigen gemacht, dass ich immer was trinke und etwas zu mümmeln mitnehme. Gummibärchen waren gut für die Ablenkung, denn bis man die gekaut hatte, war man schon wieder im Stadion.
War es um 9 noch saukalt, wurde es zunehmend wärmer. Ich legte die Mütze irgendwann ab, dann die Handschuhe und irgendwann zog ich mein langes Hemd aus um ein kurzes anzuziehen. Und die Sonnenbrille konnte ich auch irgendwann auf die Nase setzen. Nur der kalte Ostwind nervte hin und wieder.
Weiter zog ich meine Kreise, es wurde Mittag und um 12:30 wechselte ich die Schuhe. Das war ein Aha-Erlebnis. Da merkt man erst, wie man die Schuhe niedertrampelt. Ich hatte das Gefühl auf Wölkchen zu schweben, aber das Gefühl verging auch bald wieder. Leider zu schnell.
Nach 4 Stunden dachte ich mir, nu ists aber gut, meinetwegen reichts auch schon wieder. Aber es waren ja noch 2 Stunden. Und ab da begann auch der körperliche Verfall. Jede Runde wurde zäher. Mittlerweile war auch unser Fanclub eingetroffen. Die Christiane, die Uschi, der Stefan, Helmut. Gleich bekam ich den versprochenen Keks, aber so richtig nach Essen war mir nicht zumute, das ändert sich aber spätestens im Ziel. Es tat sehr gut, bekannte Gesichter zu treffen. Wenn man im Stadion erwartet wird und angefeuert und sie dich anlügen, dass du gut aussiehst. Gefühlt hab ich mich schon länger nicht mehr gut. Unser Fanclub ist dann auch ein paar Runden auf der Strecke gelaufen.
Hin und wieder schimpfte ich auch ein bisschen vor mich hin um mir die Zeit zu vertreiben und sagte zu Botti und Stefan, dass mir vor 10 Runden die Namen für die Bäume ausgegangen sind. Das war schon lustig, wie man Runde für Runde immer das Gleiche sieht.
Kinderläufe wurden auch veranstaltet. Viele Kinder waren dort und in vielen Altersklassen wurden Sieger ermittelt. Eine Runde sollten diese laufen. Gerade als ich wieder im Stadion war, fiel mal der Start für die 4 Jährigen. Ich schleppte mich durchs Rund und kam mir reichlich blöd vor, als die Meute, die mir gerade mal bis zum Oberschenkel ging an mir vorbei rannte und am Horizont verschwand. Schon ein erhebendes Gefühl von einem 3-Jährigen versägt zu werden. Aber die hatten auch noch keine 35 km hinter sich und noch 2 1/2 Stunden vor sich.
Da gab es an der Umgehung des Stadions eine Stelle, die uneben war, da hat wohl eine Wurzel im Boden die Pflastersteine angehoben. Es war jedesmal so, dass ich an der Stelle vorbei kam und ich dort ins Stolpern kam. Es hatte etwas von 'Dinner for one' (Der Vergleich stammt von Uschi) und in der 39. Runde hab ich zum ersten mal darauf geachtet und bin NICHT drüber gestolpert, dafür aber wieder bei Runde 40. Ja der Vergleich mit Dinner for one ist nicht von der Hand zu weisen. The same procedure as last Round? The same Procedure as EVERY Round Charly!
Nach 4:50 Minuten sagte mir der Rundenzähler, dass ich jetzt die 50 km erreicht habe. Hurra. Ab hier zählte ich in Gedanken schon voraus. Wenn ich diese Runde schaffe, bin ich bei 51,44, dann bei 52,88.....
So hangelte ich mich in die letzte Stunde. Die Zeit zog sich wie Kaugummi. War eine Stunde zuvor noch 60 Minuten lang, war die 6. Stunde etwa 123 Minuten lang. Grob geschätzt.
Aber das Ende war nah, Runde für Runde zog ich weiter meinen Kreis. Ich zählte weiter in Gedanken meine Kilometer und 10 Minuten vor dem Ende hab ich die 60 km Marke geschafft, der Rest ist Bonus, denn 60 km wollte ich schaffen. Ich bekam ein Stöckchen in die Hand mit meiner Nummer.
Noch ein paar Minuten waren es und um Punkt 15 Uhr machten die Kinder mit Trillerpfeifen einen Wahnsinnsradau. Das war das Ende, ich war auf der Laufbahn und ließ mich ins Gras fallen. Es war vorbei und ich war erledigt. Ich legte mein Stöckchen auf die Bahn um zu markieren, dass ich hier aufgehört hatte zu laufen. Später liefen zwei Personen mit einem Vermessungsrad die Strecke ab und notierten die Restmeter der Teilnehmer.
Nach ein paar Minuten mit den Beinen in der Luft, humpelte ich zu unseren Groupies, es wurde viel gratuliert. Das grinsen fiel mir aber etwas schwer, aber den Bildern nach zu urteilen, schaffte ich es dennoch.
Es gab noch eine Suppe, die mal so richtig gut tat und Bier. Boah war ich breit nach dem Bier. Klar, ich war ja völlig ausgelaugt. Da fällt das Grinsen gleich viel leichter.
Bald verabschiedete sich unser Fanclub und Botti und ich warteten auf die Siegerehrung, die noch eine Stunde auf sich warten ließ. Klar, musste ja erst alles ausgewertet werden.
In der Zwischenzeit duschte ich mit herrlichem warmen Wasser und dann ging ich wieder ins Stadion.
Dort bekamen wir einen Zettel mit den Distanzen in die Hand gedrückt. Botti und ich sahen ratlos auf den Zettel. Hmmm. Dort stand nämlich, dass ich 59,1 km gelaufen sei. Ähm, das kann jetzt aber nicht sein, da fehlen doch zwei Kilometer. Botti bestätigte das, er hat sein GPS dabei gehabt und ihm fehlten auch mindestens 2 km. Hmmm, blöd ist das. Kann nicht sein. Gibts ja nicht. Muss man aufklären.
Nun war die Siegerehrung.
Ein Mädchen mit 12 Jahren lief 39 km. Manchmal joggte sie, manchmal ging sie. Aber sie hielt die 6 Stunden durch.
Botti hatte knapp 58 geschafft und wurde zweiter bei den M50. Und es klärte sich wirklich noch auf, der Compi hatte einfach die Anfangsrunde und die Restmeter unterschlagen und so bekam ich dann auch meine Urkunde für
61,12 km überreicht.
Ich wurde Gesamt 21. von 61 und in meiner Altersklasse 5. von 18. Damit bin ich aber sehr zufrieden. Das war mit Abstand die längste Strecke, die ich je gelaufen bin.
Nun war es Zeit sich zu verabschieden und quälte mich durch München wieder nach Hause. Ich war ja sooo platt und wollte nur noch Heim, was essen und ins Bett.
Zuhause hab ich dann noch mit Kerstin telefoniert, die superstolz auf ihren Heldenhasenmann ist. Ja, ich bin auch ein bisschen stolz auf mich

Ob ich mir sowas noch mal antue? Gestern hab ich mich der Stimme enthalten, aber heute siehts schon wieder etwas besser aus. Das verzwickte ist, wenn ich nochmal einen 6-Stunden-Lauf mache, dann will ich natürlich die Strecke überbieten und geh die Sache nicht so locker und unverkrampft an. Wir werden sehen. Kommt Zeit, kommt Rat, kommt Fusselbart, kommt Rasierapparat.
Heute hab ich Frühschicht und ich hab beschlossen, dass ich den Kilometer in die Arbeit mit dem Auto fahre. Mein Rucksack war nämlich so schwer

17 Kommentare 26.3.07 06:54, kommentieren