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Auerberg

Gestern gings auffi in die Wand.
Najaaaa, so richtig Wand nicht. Aber ich bin den Auerberg hochgelaufen.
Wo issn der Auerberg? Der liegt an der Grenze vom Allgäu zu Oberbayern und ist 1055 Meter hoch. Und ist damit 70 Meter höher, als der Hohe Peißenberg. Man kann den auch gut sehen, ist ja nur 22 km entfernt.
Ich bin schon mal auf den Auerberg gelaufen. Das ist aber schon 2 1/2 Jahre her, es wurde also wieder mal Zeit.
Was mich jedoch stört an der Berglauferei, das ist das Bergablaufen. Das scheppert ganz schön in die Knie rein. Also hab ich kurzerhand meine Eltern angerufen, die mich ja begleiten könnten. Dafür würde ich sie auch brav zum Kaffee einladen in dem Retaurant auf dem Berg, aber ätsch, das wird momentan renoviert.
Ich fuhr also die Eltern abholen und die Doris war auch da. Doris wohnt auch in dem Dorf und sagt immer, was im Schützenheim momentan so los ist.
Also haben wir einfach die Doris mit ins Auto verfrachtet und dann fuhren wir alle in Richtung Auerberg. In Rettenbach hab ich dann plötzlich gehalten und bin ausgestiegen.
Mit den Worten: 'Ich lauf dann mal los' bin ich losgeschwirrt und hinterließ drei Personen im Corolla ihrem Schicksal.
Von Rettenbach gehts in Richtung Bernbeuren. Immer leicht die Hügel hoch und wieder runter und wieder hoch. So konnt ich mich auch gut einlaufen für den Berg. Der tiefste Punkt war bei 760 Höhenmetern und dann gings irgendwann in Bernbeuren nach oben.
Eigentlich wollte ich ja die Rennstrecke hochlaufen. Diese Strecke wurde im Jahr 1920 gebaut um das Autorennen auf den Auerberg zu veranstalten. In den 80ern war dann Schicht im Schacht und das Rennen wurde der Umwelt zuliebe ersatzlos gestrichen.
Der Auerberg war schon immer ein wichtiger Punkt im Allgäu. Schon 2500 Jahre, bevor der Jesus auf die Welt kam haben sich die Steinzeithoschis dort niedergelassen. Die Kelten machten sich irgendwann breit, wurden aber gnadenlos von den Römern in einer Schlacht vertrieben. Nun gehörte der Berg also den Römern. Strategisch natürlich nachzuvollziehen, schließlich kann man vom Gipfel aus unglaublich weit gucken.
Später kams dann zu einer Völkerwanderung, in der die alten Römer, die Kelten und was weiß ich wer noch ins Allgäu strebten und sich gut vertrugen. Vielleicht liegts auch daran, dass die Allgäuer so einen krassen Dialekt haben. Man weiß es nicht.
Achso, wir haben ja heute nicht Geschichtsstunde, sondern Sport. Ich lief also aus Bernbeuren raus und hoppelte mit kleinen Schritten dem Berg entgegen. Ganz dort oben sah ich zwischen den Tannenspitzen, die St:Georg Kirche sitzen.
Die Christen haben schon im Jahr 800 ihre Religion dort ausgelebt. Huch, wieder zur Geschichte übergeschweift.
Irgendwann kam ich an einer Straße raus, die mich nach Prachtsried leitete. Gut, lauf ich da halt hin. Erst flach, dann wieder nach oben und auf der Hügelkuppe stellte ich fest, dass ich falsch bin, also wieder umdrehen und zurück.
An einem Bauernhof fragte ich einen Almöhi nach dem Weg. Ja, Charly hat sich auf dem Weg zum Gipfel verfranst. Superleistung.
Ich lief dann noch einen km, bis ich an die eigentliche Rennstrecke kam und von dort aus strebte ich nun dem Gipfel entgegen.
Es war gar nicht so schlimm, mit dem richtigen Rhytmus und schön kleinen Schritten kam ich dem Berg immer näher. 100 Meter unter dem Gipfel stand dann auch mein Fanclub und erwartete mich mit Applaus und Fotoapparat. Aber zwei Schleifen musste ich schon noch drehen, dann war ich auch schon oben, aber den Rest bis zur Kirche lief ich auch noch die Treppen nach oben, sonst hätt ich den Auerberg ja gar nicht vollbracht.
Heftig schwitzend kam ich schließlich oben an und konnte den Blick über die Landschaft schweifen lassen.
Ich konnte die ganze Berglandschaft sehen. Wendelsteingebirge, Wettersteingebirge, Allgäuer Berge, bis nach Bregenz hinüber, das ja 100 km entfernt ist.
Das Schöne ist, dass man wirklich ringsherum um die Kirche läuft und in jede Richtung unendlich weit sehen konnte. Kein Wunder dass sich die alten Römer und Kelten und Steinzeitfreaks um den Berg gekloppt haben.
Nun ging ich wieder runter zum Parkplatz zu meinem Fanclub und man wunderte sich ein bisschen, warum ich nicht komplett erledigt wäre. Ach, das bisschen Berg da, macht mir gar nix aus
Schließlich sind wir wieder nach Hause gefahren.
Jetzt muss ich dann doch mal wieder auf den Tegelberg laufen.

Das Gute ist, dass nach einem Berglauf absolut nix weh tut. Ich war ja auch nicht auf dem Auaberg Mir gehts so, als wär ich gestern gar nicht gelaufen, dementsprechend locker lief ich auch heute Vormittag.

Ein Bild vom Berg gibts hier Auerberg

Oder da

Winterauerberg

5 Kommentare 1.6.07 15:57, kommentieren



Todsünden

Gestern hatte ich meinen 600. Tag, den ich hintereinander gelaufen bin. Und ich hab zunächst gar nicht dran gedacht. Erst Kerstin hat mich darauf aufmerksam gemacht.
Tja, ich lauf halt nicht mehr für die Serie täglich, sondern, weil ich das einfach will und brauch. Ich würd ja am Rad drehen, wenn ich mal einen Tag nicht laufen könnt.
Puh.
In den 600 Streaktagen bin ich über 7000 km gelaufen. Das entspricht einem Tagesschnitt von 11,71 km. Auch nicht schlecht, oder? Und es läuft einfach immer noch prima.
Heute Nacht hab ich auch schon den 601. Lauf gemacht. Weil der Wetterbericht sehr warmes Wetter vorausgesagt hat und ich nicht so früh ins Bett wollte, bin ich Nachts um 1 losgelaufen und hab noch schnell 10 km gemacht. Aber entspannend ist das einfach nicht für mich in der Nacht. Ich lauf total verkrampft und langsam im Dunkeln. Neeee, ein Dunkelläufer werd ich nie.

So, das wars zum Laufen. Ich wollt noch was anderes sagen.
Meine Schwiegermutti in Späh (Schreibt man das so? Nein ich will ausdrücklich NICHT korrigiert werden) hats geschafft.
Ab sofort kann man ihr Buch im Buchladen des Vertrauens kaufen, oder einfach nur über Amazon.
Also kauft das Buch, bevor es vergriffen ist. Ich hab es schon vor mir liegen. Das ist schon eine tolle Sache. Da halt ich ein Buch in der Hand von einer Autorin, die ich so gut selbst kenne und weiß wie sie denkt und redet.
Bevor ich weiter schreib, hier der direkte Link zu ihrem Psycho-Thriller. Hasenmutterbuch
Das ist alles ganz schön aufregend, kann ich euch sagen. Wir freuen uns alle so mit der Renate......
.......
Wobei das so nicht ganz richtig ist.
Man sollte meinen, Freunde und Bekannte freuen sich ebenfalls, dass es jemand geschafft hat, einen Roman zu veröffentlichen, dazu noch beim größten Verlag im deutschsprachigen Raum, aber dem ist leider nicht so.
Erschüttert stellt die Renate und auch der Rest der Hasenfamilie fest, dass die Freude der Mitmenschen nicht so vorhanden ist.
Festzustellen war das schon im vergangen Jahr, als die Renate den Vertrag zu ihrem Buch bekommen hat und das natürlich im Freundes- und Verwandtenkreis erzählt hat. Klar, manche haben sich herzlich für sie gefreut. Das wär eigentlich die Reaktion, die man von Freunden erwartet. Aber von wegen. Manch einem ist das Gesicht zur Maske gefroren, andere beglückwünschten mehr als kühl, wieder andere lästerten gleich mal drauf los, dass das ja wohl nicht verdient ist. Und jetzt, nachdem das Buch erschienen ist, hat mir die Renate erzählt, dass die Leute noch kühler und distanzierter reagieren. Ich verstehe es einfach nicht.
Wahrscheinlich ist es so, dass der Neid gnadenlos zuschlägt.
Einer Statistik zufolge bilden sich 50% der Menschen ein, dass sie selber ein Buch schreiben können, dass sie aber einfach nicht so die Zeit dafür haben und alle haben die tolle Idee für einen Thriller oder sonstigen Roman. Irgendwann macht man sich ran ans Buch und dann wirds der Roman des Jahrzehnts. Ist ja schließlich nicht schwer so ein Buch zu schreiben.
Und nun schafft es jemand den man kennt und dann gehts los.
Wir sind bei der Todsünde
NEID
Neid ist eine fürchterliche Unart. Wenn ich eines nicht ertrage, dann ist es Neid. Ich selbst hab dieses Gefühl nicht, kenn ich nicht. Ich weiß, es gibt schnellere Leute als mich. Es gibt intelligentere Leute als micht. Es gibt schönere Leute als mich :D (Bestimmt geschminkt) Haha, es gibt Leute, die bessere Tagebücher schreiben. Ich akzeptiere es, versuche besser zu werden, wenn ich es nicht schaffe, dann ist das eben so. Aber deswegen neide ich keinem den persönlichen Erfolg. Neid ist eine Eigenschaft, die völlig sinnlos ist. Denn Neid entsteht dadurch, dass man etwas begehrt, wo das Unterbewusstsein weiß, dass man es selbst niemals schaffen wird. Ich find das schlimm, dass man sich dann nicht für die Person freuen kann, die es geschafft hat.
Mein Arbeitskollege ist auch so ein Kandidat.
Ein gern genommenes Thema war immer der Sport.
Ich rede über das Formel 1 Rennen von Monaco und was kommt? Dieses Arschloch, dieser scheiß Steuerflüchtling von Schumacher.
Spendet der Schumacher 10 Millionen, dann heissts, das merkt doch der überhaupt nicht, die paar Millionen.
Es geht ihm nie um das Sportereignis selbst, sondern immer nur um das Geld. Wieso ein Oliver Kahn 6 Millionen im Jahr verdienen muss usw. Dass Dirk Nowitzki mit Geld zugeschüttet wird. Aber Nowitzki wird sich keine Sekunde damit trösten, wieviel Geld er mit Basketball verdient, sein Ziel war der Titel und nich die nächste Million.
Mein Kollege ist ein grundneidischer Mensch. Selbst fährt er einen BMW Dingsbums. So ein hochgestelltes Auto, so ein halbes Geländeauto. Keine Ahnung wie das heisst und redet davon, was der und der für ein Auto hat, wieso der einen Mercedes XY fährt. Sowas kann er sich nämlich nicht leisten.
Das regt mich total auf sowas. Wenn man ständig darauf schaut, was der andere hat, mit was er Erfolg hat, was einer besser kann, warum jemand mehr verdient.
Ich freu mich auf jeden Fall unglaublich für die Renate, für ihren Roman und wünsche ihr, dass viele tausend Exemplare davon verkauft werden.

Da fällt mir noch was ein. Kaum hat es sich im Freundeskreis herumgesprochen, dass die Hasenmutter einen Vertrag beim Heyne-Verlag hat, wurden ihr ungefragt Schnellschlußmanuskripte ins Knie geschraubt. Einige Bekannte kamen auf Besuch und brachten ihr Selbstgeschriebenes mit.
Hasenmutter sollte sich das durchlesen und für gut befinden.
Wenn das mal so einfach wäre. Renate hat Jahre an ihrem Roman geschrieben, war von Selbstzweifeln geplagt, hat sich gefragt, was sie da eigentlich macht und dass das keinen Menschen interessiert, was sie schreibt. Und eine Chance auf Veröffentlichung gibts ja eh nicht. Gerade mal 0,1% der Manuskripte bekommen überhaupt die Chance in den Kreis zu kommen, der VIELLEICHT gedruckt wird. Und natürlich ist es für sie wie ein Lottogewinn, für sie ist ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen, auf einem Weg, der steinig und hart war.
Das verdient keinen Neid, sondern den allerhöchsten Respekt.

8 Kommentare 8.6.07 12:35, kommentieren

Le tour de France

Ja is denn scho wieder Tour de France?
Ne, noch nicht, aber man könnts hier in France fast meinen.
Hintergrund: Am 13.Juli macht die Tour de France dieses Jahr Station in Semur en Auxois. Ja richtig, das ist diese schöne Stadt, in der ich mit meinem Knusperhasen wohne, wenn ich mich nicht im Allgäu rumtreibe.
Die ganze Stadt steht jetzt schon Kopf, weil Tour ist. Tour de France hat hier einen höheren Stellenwert, als die Fußball WM. Klar, dass der Hype deshalb groß ist.
In unserer Allee ist alles vollgehängt mit Fahnen, dass am 13.Juli die Tour de France ins Burgund, dass die Tour nach Cote d'or, dass die Tour nach Semur en Auxois kommt. Und weil sich bitte die ganze Stadt mit Werbeprodukten eindecken soll, gibts in den Läden das Zeug zur Tour Spottbillig. Z.B. ein T-Shirt mit Tour de France Logo kostet gerade mal 5 €. Eine Fahne, wie sie auch in der Allee hängt, gibts für 1,50 €. Aufkleber gibts auch. Ein Riesenwirbel.
Ich werd mir schon auch noch ein paar Sachen kaufen und damit im Allgäu rumwedeln. Interessiert bloss keinen da.
Aus den Häusern hängen überall auch schon diese Fahnen von den Fenstern. Die Stadtgärtner richten die ganze Stadt her, an jedem Kreisverkehr werden bunte Fahrräder aufgestellt und mittendrin eine Mühle.
Es ist sogar schon die Startlinie auf dem Asphalt zu sehen. 200 Meter von unserem Hasenstall entfernt wird der Etappenstart erfolgen. Ich glaub, das gibt ein ganz schönes Gewusel. Wenn wir die knapp 200 Athleten einrechnen und dazu pro Nase noch mindestens ein Auto und etliche Betreuer, dann wirds ganz schön voll werden in der Stadt. Schade, dass ich an dem Tag nicht hier sein kann, das hätt mich schon interessiert, wie es da zu geht, wie die Radler sich vor dem Start verhalten, ob sie komplett abgeschirmt werden, oder ob sie einfach so durch die Leute marschieren.
Wie gesagt, die Etappe ist erst in über 3 Wochen und gestern war auch schon eine Veranstaltung für die Kinder. Da war irgendwie so ein Tour de France Bus da und ein Parcour aufgebaut, an dem die Kinder rumfahren können und was dazu lernen. Alle Kinder kamen dann natürlich auch mit einem gelben Tour de France Hemd wieder raus.
Das kann ja noch heiter werden die nächsten Wochen. An dem Tag ist auch die ganze Stadt abgeriegelt, da geht nix mehr rein und nix mehr raus.

Was gibt es denn über das Laufen zu erzählen? Eigentlich nicht viel. Ich laufe so jeden Tag meine 10, 11 km, ab und zu mehr und das wars auch schon. Irgendwie planlos, weil ich auch nicht so recht weiss, was an Läufen so ansteht.
Mit Kerstin zusammen laufe ich meist.
Das ist auch ganz lustig. Sobald wir loslaufen kommt von ihr nach 12 Sekunden 'Ich kann heut aber nicht schneller'. Dabei weiß sie doch, dass mir das Tempo mit ihr zusammen egal ist. Wenn ich schneller laufen will, dann lauf ich alleine. Aber sie hat dann oft ein schlechtes Gewissen, weil sie meint, sie bremst mich aus.

Heut Abend hier in Frankreich die Fete de la Music, da wird in ganz Frankreich auf den Strassen Musik gemacht. Überall Bands in den Fußgängerzonen und Riesenstimmung. Da bin ich aber auch gespannt, wie das ist. Hoffentlich macht das Wetter mit, denn heut Früh hat es noch geregnet. Das wär nämlich arg schade. Wir werden sehen.

In diesem Sinne: Ich wünsch euch einen schönen Tag.
Guckt doch mal bei Kerstins Tagebuch vorbei und schaut unseren Garten an.

4 Kommentare 21.6.07 10:35, kommentieren

Ich

Ich laufe jetzt seit fast 5 Jahren. Zeit mal wieder über mich was zu schreiben.

Vor 5 Jahren hatte ich mein Paradegewicht von 110 kg. Schlank ist was anderes. Und in meiner Glanzzeit ließ ich auch keine Party aus. Ich hab 12 Jahre lang geraucht wie ein kaputter Ofen und zu dem einen oder andern dunklen Weizen sagte ich nicht nein. Der Kalorienumsatz stimmte also überhaupt nicht mehr. Weil ich mit dem Rauchen aufgehört hatte, packte ich die Kneipenluft auch nicht mehr. Mit dem Ergebnis, dass ich auch das Billard spielen aufhörte. Billard ist nämlich auch ganz schön anstrengend, wenn man es so intensiv betrieb, wie ich. Also fiel das auch weg, ich legte ordentlich an Gewicht zu, bis ich eben bei besagten 110 Kilo angelangt war.
So gings nicht weiter, also hab ich mir überlegt, was ich tun sollte. Irgendwie kamen meine Gehirnwindungen drauf, dass das Laufen doch ziemlich nett wäre. Es ist einfach, nicht viel Aufwand und effektiv. Und um den Vorsatz zu unterstreichen, fasste ich den Entschluß im Frühling 2004 einen Marathon zu laufen. Das sind doch mal Ziele, die Hand und Fuß haben.
Niemandem hab ich erzählt, dass ich das Laufen beginne. Ausser Harry. Dem erzählte ich noch in meinem allerletzten Suff, dass ich im Frühling 2004 einen Marathon laufen werde und Harry, weissu schon, dass ich das auch mach, wennich das sag *hicks* Ja Charly, glaub ich dir und jetzt schlaf deinen Rausch aus. Harry, wirsu sehn. *hicks*
Also gabs jetzt auch keinen Weg zurück mehr, ich hab mich bei Harry geoutet. Schuhe hatte ich nämlich zu dem Zeitpunkt schon gekauft. Asics GT-2070 und wir schrieben den 27. September 2002, als ich meine Laufkarriere startete.
In einem einsamen Wald machte ich meine ersten Laufschritte. Mein System sah so aus, dass ich 2 Minuten lief und dann 1 Minute Pause machte. Boah, es war die Hölle, aber ich schaffte es 9x diese 2 Minuten zu laufen. Mir klopfte der Puls in den Schläfen und ich war erledigt. Nichtsdestotrotz grinste ich unter der Dusche wie noch nie, schließlich war ich nun einer der schwersten Leichtathleten und schon unter der Wasserberieselung freute ich mich schon auf Übermorgen, denn dann durfte ich wieder laufen.
So verging die Zeit, aus dem Anfänger wurde nach 3 Wochen... Ein Verletzter. Mir riss ein Wadenmuskel beim Aufwärmen. Das kostete mich 2 Wochen Pause, es war schlimm nicht laufen zu können, ausserdem haute mein Plan nicht mehr hin, ich war schon bei 5 Minuten am Stück angekommen. Naja, auch diese Verletzung ging vorbei, ab da lief ich in meinen ersten Winter hinein. Irgendwann schaffte ich eine halbe Stunde, bald schon die ganze Stunde und ab Dezember gings los mit den Zipperlein. Mir tat zunächst die linke, dann die rechte und schließlich beide Achillessehnen irre weh. Ich konnte die Treppen Zuhause nicht mehr vorwärts runter und hoch gehen, aber das hielt mich nicht vom Laufen ab. Ich ignorierte die Achillessehnen, trotz heftigen Schmerzen lief ich stur jeden zweiten Tag. Ließen die Schmerzen mit der Zeit nach, holte ich mir ein Problem an der Hüfte ab. Auch das nervte mich wochenlang. Ein ITBS Syndrom zunächst rechts dann links legte mich wieder auf Eis, aber Verletzungen kommen und gehen wieder, ich blieb dabei. Nachdem ich so ziemlich jeden Muskel, jede Sehne und jeden Knorpel auswendig kannte, ließen die Zipperlein und Zipper nach und bald konnte ich auch schon in den Frühling hinein laufen.
Im Mai 2003 war mein erster Wettkampf, der Mix-Marathon-in Marktoberdorf. Ich machte die Laufstrecke und nur 4 Leute waren langsamer als ich, aber es war geil.
Ein Monat darauf der erste Halbmarathon am Grüntensee. Ich kam nach 2:07:55 ins Ziel und hatte schon 7 Gegner hinter mir gelassen. Ich hatte so einen Bammel vor dem Halbmarathon, ich hatte Selbstzweifel: Was mach ich hier eigentlich, da hab ich doch gar nix verloren? Aber danach gabs auch kein halten mehr. Schon einen Monat später lief ich bei 35° in der Hitze den nächsten HM in 2:07:27
Einige Wettkämpfe machte ich noch in 2003 und im Mai 2004 machte ich tatsächlich meinen ersten Marathon. Und das in Mannheim in 4:00:50 Stunden.
Das große Ziel war erreicht. Es folgte im Oktober der 2. Marathon, bei dem ich elendlich versagte. 4:25 hatte ich auf der Uhr stehen und 10 km musste ich mit Krämpfen in den Waden wandern. Das war mir eine Lehre.
Im Frühling 2005 folgte ein großes Highlight, der Hamburg Marathon. Ein unvergessliches gigantisches Erlebnis mit Gänsehautgarantie.
Im Sommer dann zum ersten mal der König Ludwig Marathon und das schon mit einem gesunden Selbstbewusstsein, diese Strecke gut schaffen zu können. Dort traf ich dann auch zum ersten mal meine jetzt große Liebe, die Kerstin. Es war wohl vom Schicksal so gewollt, dass wir uns in Füssen getroffen haben. Schließlich ist sie nur wegen einem Wochenende aus Frankreich nach Füssen gereist. Und eigentlich nur sekundär wegen mir.
Im Herbst folgte noch die Rache vom Bodensee, als ich den Marathon in 3:46 schaffte.
Tage später, am 16.10.2005 folgte dann eine neue Karriere, die des Täglichläufers, auch wenn ich das damals überhaupt nicht wusste. Nunja, ich lief einfach jeden Tag und hörte einfach nicht mehr auf damit. Mittlerweile bin ich über 620 Tage täglich gelaufen und hab dabei 7200 km hinter mich gebracht. Also das tägliche Laufen würde mir schon fehlen, auch ohne dem Druck, dass, wenn man einen Tag nicht läuft, die Serie gerissen ist. Aber ich hab keinen Grund die Serie zu unterbrechen, mir gehts gut und Verletzungen hab ich lange nicht mehr gehabt. So darfs weiter gehen.
Nach einigen Marathons kam eine neue Stufe des Laufens, ich machte in diesem Jahr im März bei einem 6 Stunden Lauf mit und schaffte dabei 61,12 km. Ich hatte zwar ganz schön die Schnauze voll, aber schon am nächsten Tag war das doch alles gar nicht so schlimm, es können neue Ziele in Angriff genommen werden.
Im April kam wieder ein Highlight dazu, das mir sehr wichtig war, denn meine Kerstin hat im Burgund ihren ersten Marathon gemacht. Das war ein emotional so schöner Lauf.
Und schon 4 Wochen später machte sie ihren 2. Marathon. Für mich war es das 13. mal, dass ich die Marathondistanz oder mehr gemacht habe. Und es kommen bestimmt noch viele dazu. Es gibt noch sehr viel zu laufen.
Jetzt folgen in der nächsten Zeit die Marathons in Berlin und an meinem 40. Geburtstag in Athen. Natürlich mit meinem Hasen.
Meine Marathonbestzeit liegt jetzt bei 3:38, auf den Halbmarathon hab ich eine 1:36 stehen und auf 10 km liegt meine Zeit bei 43:20, aber das geht noch besser.
Die weiteren Ziele von mir sind, dass ich lange Etappenläufe mitmache. So schwebt mir z.B. der Isarrun vor, der 333 km lang ist und in 6 Tagen gelaufen wird. Oder einmal um den Bodensee laufen, das muss auch mal sein. Aber ich hab ja noch Zeit.

12 Kommentare 29.6.07 16:10, kommentieren