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Von Plänen und dem Über-den-Haufen-Werfen derselben

Freiburg, 6. April 2008, 11 Uhr 05, Marathonstart.

Der Plan war gewesen, den Marathon mit einer Pace von genau 5 Minuten zu laufen, und somit eine neue Bestzeit von knapp unter 3 Stunden 30 Minuten zu schaffen und meine bisherige Bestzeit von 3 Stunden 38 Minuten zu verbessern.

Soviel zum Plan.

Die ersten Kilometer lief ich schön in dem Tempo, das ich mir vorgenommen habe. Ich riss mich zusammen und hatte auch stets eine Pace von 4:58. So sollte es sein, dann könnte ich an den Verpflegungsstellen ein paar Sekunden verplempern.
Tja, wer 3:30 laufen will, muss um Sekunden feilschen. Jede Sekunde zu schnell würde sich grausam rächen, ich kenn mich doch.
Doch schon nach 4 km war ich doch schon am zweifeln, ob das überhaupt was wird. Ich hatte nicht das Gefühl, dass es im 5er Schnitt gut lief. Da hab ich ganz andere Tage erlebt, wo ich im Training 21 km in einer 5er Pace laufe und mich dabei super fühle. Hier in Freiburg nicht. Am Wetter kanns nicht liegen, das konnte kaum besser sein. Kalte 6-8°, hin und wieder tröpfelte es, eigentlich top. Die Strecke war auch äusserst flach, bis auf den Weg die Dreisam nach oben. Man sieht nicht, dass es bergauf geht, aber es ist so, das weiß ich seit einem Intervalltraining, das ich mal an der Dreisam gemacht habe. Naja, wir werden sehen. Noch bin ich bei km 5 und kann mein Tempo natürlich halten. Wär ja noch schöner. Dann am 5 km Schild stolperte ich über einen Teeraufwurf auf der Straße. Ich konnte mich gerade noch fangen, bevor es mich aufs Schnäuzchen gelegt hätte. Das brachte mich auch ein bisschen aus dem Rhytmus.
Die interessante Strecke führte durch die Altstadt, auf der Bundesstraße entlang und dann eben die Dreisam hoch und wieder zurück.
So nach 11 km dachte ich, es läuft doch jetzt ganz gut, die Pace fühlte sich schon etwas entspannter an, ich hatte ziemlich jeden Kilometer unter 5:00 aber mein GPS hatte mich da schon längst im Stich gelassen. Das Tempogefühl war trotzdem da.
Angenehm war, dass es beim Wendepunkt der Dreisam immer schön ganz leicht bergab ging. Das war super, trotz Gegenwind.
Nach 15 km hatte ich den Pacemaker für die 3:30 Stunden eingeholt und ich war drauf und dran ihn zu überholen, aber ich sagte mir, neeeeeee, das kann ich nicht machen, das müsste ich büßen.
Wir kamen nach 18 km etwa in Herdern an und da tobte ganz schön der Bär, da war mehr geboten als beim wilden Eber in Berlin, da war Stimmung, da war die Hölle los. Nett war das.
Nach 21 km lief man wieder am Start vorbei und lief auf die zweite Runde. Ich hatte eine Zeit von 1:45:20 auf der Uhr, also müsste ich noch 20 Sekunden aufholen um die 3:30 zu knacken.
Die Pacemaker machten ihre Arbeit prima und ich lief ihnen brav hinterher. Aber wie ich schon geschrieben hab, es lief einfach nicht sooooo toll, wie ich mich eigentlich fühlen sollte.
Bis km 25 konnte ich die Pace auch gut halten, aber dann wurde ich langsamer. Was mir dann auch noch den Mut versemmelt hat, den Pacemakern zu folgen, war die Stelle, die nun bei km 26 war. Der Teeraufwurf, der mich wieder stolpern ließ. Wild rudernd hab ich mein Gleichgewicht gehalten, aber ich bin so erschrocken, dass ich um einiges langsamer wurde. Es wurde kurz dahinter leicht bergauf gelaufen zu einer Brücke und da war der Pacemaker auch schon 100 Meter von mir weg. Die Motivation hatte ich nicht, ihm zu folgen und wieder aufzuschließen. In dem Moment gab ich es auf unter 3:30 zu kommen. Hat so keinen Sinn nicht, ich kann nicht weiter unter 5 Minuten laufen für den Kilometer. So lief ich zwar immer noch recht flott vor mich hin, aber mit 5:07 war ich einfach zu langsam und schneller wurde ich auch nicht mehr. Bei den Verpflegungsstellen legte ich auch noch Gehpausen ein und lief angestrengt wieder die Dreisam nach oben.
Kurz vor der Wende hab ich nochmal eine Gehpause gemacht und nun durfte ich auch wieder leicht bergab laufen. Es lief, aber es lief nicht locker.
Nach etwa 27 km kamen uns die Läufer entgegen, die noch den Weg die Dreisam entlang laufen müssen. Ich sah in der Ferne eine grüne Jacke, die Jacke von Kerstin. Ich winkte ihr fröhlich zu, wir blieben beide stehen und küssten uns.
Wie läufts? Fragt sie und ich sag: 'Scheíße' Worauf sie mich ganz erschrocken anschaut. Nein sooo scheiße gehts mir auch nicht, es geht schon, aber zäh.
Und wie gehts dir? Kerstin gings super, das freute mich und dann trennten wir uns wieder und liefen weiter unseren Lauf.
Nun lief ich ohne Zielvorstellungen vor mich hin und hörte auf mich, statt auf die Uhr. Die Pace hats mir verhagelt, ich war nun immer deutlich über 5 Minuten. Naja, wurscht.
Ich rechnete ab km 32 aber vor mich hin, ob ich denn wenigstens eine neue Bestzeit hinkriege und das könnte noch hinkommen. Für die restlichen 10 km müsste ich immer unter 5:30 laufen, dass das noch knapp hinhaut. So rechnete ich jeden Kilometer vor mich hin, machte noch 2, oder 3 Gehpausen und lief dem Ziel entgegen. Meine Güte, muss denn so ein Marathon immer so lange sein? Aber nach 38 km wars auch wieder ok, dann sinds nur noch 4 km und die krieg ich doch wohl auch noch gebacken. Die Pace hatte ich sogar wieder bei etwa 5:15. Immerhin.
Es kam km 40, schließlich 41 und bald hörte ich auch schon das Ziel, das jenseits der Eisenbahnbrücke auf dem Messegelände ist.
Ich bog um die Kurve und sah das ersehnte Ziel auch schon. Neben dem Ziel gabs auch noch einige Fotografen, denen ich noch mein Siegerlächeln schenkte. Ein bisschen Theater muss schon noch sein im Zieleinlauf und ich muss auch sagen, dass die Bilder sehr gut gelungen sind. Ich sah auch überhaupt nicht kaputt aus.
Achso, ich lief also ins Ziel und stoppte meine Zeit bei 3:36:14. Das war tatsächlich eine neue Bestzeit für mich, aber die 3:30 hab ich doch um ein paar Minuten verpasst.
Ich holte mir das Beweiseisen ab und eine weiße Plastikfolie, in der alle Läufer wie kaputte Engel aussahen mit dem Isogetränk in der Hand.
Schnell ein bisschen was getrunken und gefuttert und gleich wieder in den Zielbereich gegangen, weil ich Kerstin einfach alles zutraue. Und siehe da, ich hab knapp 5 Minuten gewartet, da kam sie auch schon angebrettert und legte noch einen zauberhaften Zielsprint hin um mir weinend nach 4:04:12 Stunden überglücklich in die Arme zu fallen.
Boah, was bin ich stolz auf sie. Das Training hat ja mal richtig bei ihr was bewirkt und das sind 20 Minuten, die sie von ihrer alten Beszeit abgeknabbert hat. Irre, oder?

So, was machen wir denn nu? In knapp 3 Wochen wär wieder ein Marathon, den wollen wir schon machen, aber mit welchem Ziel? Soll ich es nochmal probieren mit den 3:30? Vielleicht erwisch ich einen besseren Tag für mich? Soll ich mich als Pacemaker für Hase zur Verfügung stellen, dass sie die 4 Stunden knacken könnte? Oder laufen wir einfach gemütlich vor uns hin? Schau ma mal.
Die weiteren Pläne sind dann: Ich muss am 18. Mai in den Knast und im Juni ist Marathon im Elsaß. Schließlich kommt noch im Juli der gute, alte König Ludwig Marathon in Füssen.
5 Marathons in 3 1/2 Monaten. Das geht scho.
Danach wird auf einen schnellen Halbmarathon hintrainiert.
Ist der erledigt, können wir gern noch ein paar entspannte Marathons laufen.

Achja, in den Knast muss ich, weil dort in der JVA in Darmstadt der Knastmarathon statt findet.
28 Gefangene und 72 Gäste dürfen sich auf einer 1700 Meter Runde austoben und einen Marathon laufen.
Das läuft richtig professionel ab, mit Champion Chip und super Trainingsplan für die Knackis.
Darauf freu ich mich auch. Ich bin doch ein Fan von solch schrägen Veranstaltungen.

9 Kommentare 9.4.08 14:24, kommentieren



Cold Turkey und Wehmut

Nein damit ist weder das gestrige Abendessen gemeint, wo noch etwas Truthahn übrig geblieben ist, noch ein Türke, dem die Kälte in Deutschland langsam aber sicher aufs Gemüt schlägt.
Cold Turkey heissen Entzugssymptome und darunter hab ich die letzten Tage gelitten.

Vorgestern Abend sag ich zu Kerstin: Mein letzter gefundener Cache liegt schon wieder 6 Tage zurück. Das geht doch nicht.
Das ist nunmal so im Burgund. Es gibt kaum Caches hier.
Hase verstand meine Lage und hielt meine zitternden Hände.
Ach Hasenmann, ich kenn da einen und der kann dich heilen, der Weg zum Cache ist weit, bis nach Vézelay. Da brauch ich Sprit, drum werd ich gleich mal tanken.
(Hm, kommt mir bekannt vor. Wers bei dem Video da unten bis 1:36 durchhält ohne Anfall, weiß was ich mein. Aber seid stark)


Sofort fingen meine trüb gewordenen Augen wieder zu leuchten an. Wir planten sofort einen Ausflug nach Vézelay für den gestrigen Tag. Zwei Caches gibts dort. Einen Multi und einen Normalen.
Da wir im Hasenstall keinen Drucker haben, musste ich mir die Beschreibung des Multis mühsam in mein Cachebuch schreiben. Das ist Arbeit.
So, am Nachmittag gings los.
Es ist Frühling und jetzt ist die Zeit, wo das Burgund zum heulen schön ist. Da soll man nicht wehmütig werden. Denn am Donnerstag ziehen wir ja vom Burgund weg ins Elsaß. Klar, dort ist es auch wunderschön und es hat seinen Reiz, aber das Burgund ist nunmal einzigartig.
Wir fuhren an blühenden Bäumen vorbei über sanfte Hügel ging es dahin. Die Wiesen leuchtend grün, dass man sich im nächsten Leben wünscht eine Burgundkuh zu sein, die dieses Paradies wegfressen darf. Gut, die Aussicht, als Schnitzel zu enden ist dann doch nicht so prickelnd.
Kurz vor Avallon fuhren wir eine Umgehungsstraße entlang. Immer am Fluß Cousin entlang. Es ist einfach sagenhaft dort. So richtig kitschig schön wie bei den Hobbits Zuhause in Hobbingen.
Alles grün, alles blüht, der Fluß rauscht, Wälder, Gras, der Naturoverkill für die Augennetzhaut.
In Avallon haben wir noch ein bisschen eingekauft.
Dann fuhren wir weiter in Richtung Vézelay. Aber zunächst musste der erste Cache gefunden werden. Der war in St. Père an einer Kirche. Auto abstellen und zielstrebig hinter die Kirche gelatscht. Dort führte mich das GPS hin. Hase machte nebenbei Fotos von der Kirche und einem hübschen Garten.
Wir standen hinter der Kirche und dann zeigte Kerstin auf einen Stein und meinte: Da is der Cache.
Ich guckte sie an und ich holte den Stein aus der Wand und schon hatte ich die Dose in der Hand.
Grins, grins, breitgrins und rumhüpf. Hase hat ihren ersten Cache gefunden. Aber ich vermute, so richtig infiziert hab ich sie mit dem Cachefieber damit nicht.
Sie machte auch den Logeintrag ins Logbuch.
Wie weggeblasen war der Cold Turkey, ich war voll euphorisiert. Voll auf Cachedroge sozusagen.
Nun fuhren wir aber wirklich nach Vézelay rüber. Dort waren wir schon ein paar mal und diesmal wars wohl für lange Zeit das letzte mal. Da war sie wieder die Wehmut.
Wir schlenderten durch die Stadt und ich genoß die Aussicht auf...... mein GPS. Tja, das findet Kerstin immer so 'toll' am Cachen, dass man in den tollsten Gegenden sein kann, aber der Charly hat nur einen Blick für den Bildschirm des Etrax Vista HCX und dem Pfeil, der mitten durch eine Mauer zeigt.
Guck mal Charly, schön gell?
Hmja schön ja (224 Meter nach Südwest müssen wir)
Aber wirklich, ich hab mir auch das Vézelay angeschaut. Zum Beispiel interessierte mich brennend, wieviel Bretter eine Bank hatte, wieviel Eisenstangen an einem Zaun sind und wie die letzte Ziffer des Todesdatums von 'KeineAhnung' ist. Es erschien mir auch wichtig, mir zu merken, wie die letzte Ziffer der Telefonnummer dieses Hotels war.
Was man eben so ansieht bei einem kulturellen Ausflug...... mit Einbeziehung einer Cacherunde.
Die Aufgaben des Caches haben wir dann aber nicht wirklich gemacht. Auf gut Glück suchte ich die Koordinaten, wo denn wohl der Cache sein könnte. Es war ein Bereich von etwa 100 Quadratmetern, wo der Cache sein könnte. Ich wusste auch, dass er in einer Mauer versteckt war, ein Bild von einem Teil der Mauer hatte wir dabei. Dass das aber nicht so einfach ist, liegt daran, dass überall Mauern sind.
Aber ich fand einen Weg hinaus aus Vézelay? Tapfer ging Kerstin hinter mir her und überlegte mit mir, wo denn der Cache sein könnte. Ständig sahen wir uns die Mauern an, ständig wurde aufs GPS gestarrt.
Eine Stelle kam mir sinnvoll vor, ich suchte und.... fand nix. Also gingen wir den Weg wieder zurück. Kerstin führte mich an der Hand, damit ich besser gucken konnte und nich in einen Abgrund fiel, wie Hans Guckindieluft.
Dann plötzlich blieb ich stehen, fixierte einen der 125.000 Steine, liess meinen Schatz los und keilte mich in Richtung Mauer hoch. Ich hörte noch wie durch einen Nebel 'Charly pass auf deine Beine auf', doch es gab kein Zurück mehr. Ich nahm den Stein heraus und noch einen Stein und hielt triumphierend den Cache in der Hand. Kerstin zückte sofort den Fotoapparat und machte Heldenbilder von mir mit dem Cache.
Wir öffneten die Dose und grinsten hinein. Ich völlig begeistert über diesen, meinen Adlercacherblick, Hase begeistert davon, dass wir nun endlich Cachefeierabend hatten.
Ein Eintrag ins Logbuch, die Dose zurück gebracht und schon war ich wieder an der Hand von Kerstin. Ich blickte auf und sagte 'Tolle Aussicht hier'
Ach tatsächlich? Siehst du das jetzt auch schon?
Wir grinsten und schlenderten suchtbefreit durch das schöne Vézelay.
Da es schon Abend war, gingen wir noch Essen in eine Creperie. Das war mal lecker. Nachdem wir dort schön gespeist haben, sind wir beim Sonnenuntergang wieder nach Hause gefahren.
Noch mehr Kitsch, nicht wahr?

Kerstin hat einige Bilder vom gestrigen Tag gemacht.
Die können sehr bald in Kerstins Tagebuch angeguckt werden

Hasentagebuchbilder

9 Kommentare 22.4.08 12:39, kommentieren