6-Stunden von Ottobrunn

So, wieder ein Kapitel in der Laufkarriere des Charly E.
Ich hab den 6-Stunden-Lauf von Ottobrunn hinter mich gebracht.
Blöd, dass in dieser Nacht die Uhr um eine Stunde vorgestellt wurde. Das hieß, dass der Start zwar immer noch um 9 war, aber gefühlt war er um 8. Das hieß aufstehen um 6, gefühlt um 5. Dann mit Hurra nach Ottobrunn fahren. Die Autobahn war schön leer, so ists brav.
Natürlich hab ich mich auch verfahren, auf der A8 nach Salzburg sah ich das Schild an, dass hier die Ausfahrt Unterhaching ist. Da muss ich raus, habs aber nicht gemacht. Dann eben über Oberhaching und ander Käffer nach Ottobrunn durchgefragt.
Ich kam noch rechtzeitig an, aber es war doch schon halb 9.
Ich traf Botti und dann war schon bald der Start. Erstmal ein Stück gehen, bis wir an die Stelle kamen, an der der Start sein sollte. So kam man bei 50 km genau an der Rundenzählung vorbei und hat eine fest gehaltene Zeit für diese 50 km.
Dann wurde bequem runter gezählt und Witze darüber gemacht, dass man doch lieber einen Tiefstart macht.
So entspannt hab ich noch keinen Start erlebt. Um Punkt 9 wurde locker losgelaufen. Bloß kein Stress, man hat noch ein bisschen Zeit.
Also rein in das Abenteuer 6-Stundenlauf.
Die Runde sah so aus, dass man eine Runde im Stadion lief, dann hoch zum Tribünenübergang, dort wurde die Runde fest gehalten und dann hinten wieder raus aus dem Stadion, dann ein bisschen über die Wege, dann dauerte es auch nicht lange, bis man wieder im Stadion war. Eine Runde war 1442 Meter lang und ich hatte die Befürchtung, dass mich das irgendwann ganz schön ankotzen würde. Aber es war nicht so schlimm.
Die erste Stunde verging recht zügig, dauerte etwa 60 Minuten. Ach tatsächlich? Um 10:20 Uhr rief ich meinen Knusperhasen Zuhause an und sagte ihr, dass es mir gut geht. Ich fragte sie, ob sie am Compi Daheim nachgucken kann, was ich für eine Pace hab. Ich lief die Runden so um die 8:10 Minuten, was aber wohl ein bisschen zu schnell war für mein Vorhaben. Später sagte sie mir, dass ich mit 5:39 Pace unterwegs war. Ich solle doch langsamer machen. Aber es fühlte sich gut an und so hielt ich mein Tempo. Das war schon nett mit Kerstin zu telefonieren. Sie ist sehr beeindruckt davon, dass ich mir so einen Lauf antue. Aber noch ist das Ziel fern.
Immer wieder gings im Kreis dahin und nach jeder Runde kam man im Stadion auch an dem reichhaltigen Buffett vorbei. Es gab Wasser, Cola, Apfelschorle und zu heißen Tee. Gummibärchen, Fleischbällchen, Obst, Gemüse, Wurstschnittchen, Kuchen. Alles was das Läuferherz begehrt.
Ich hab mir irgendwann zueigen gemacht, dass ich immer was trinke und etwas zu mümmeln mitnehme. Gummibärchen waren gut für die Ablenkung, denn bis man die gekaut hatte, war man schon wieder im Stadion.
War es um 9 noch saukalt, wurde es zunehmend wärmer. Ich legte die Mütze irgendwann ab, dann die Handschuhe und irgendwann zog ich mein langes Hemd aus um ein kurzes anzuziehen. Und die Sonnenbrille konnte ich auch irgendwann auf die Nase setzen. Nur der kalte Ostwind nervte hin und wieder.
Weiter zog ich meine Kreise, es wurde Mittag und um 12:30 wechselte ich die Schuhe. Das war ein Aha-Erlebnis. Da merkt man erst, wie man die Schuhe niedertrampelt. Ich hatte das Gefühl auf Wölkchen zu schweben, aber das Gefühl verging auch bald wieder. Leider zu schnell.
Nach 4 Stunden dachte ich mir, nu ists aber gut, meinetwegen reichts auch schon wieder. Aber es waren ja noch 2 Stunden. Und ab da begann auch der körperliche Verfall. Jede Runde wurde zäher. Mittlerweile war auch unser Fanclub eingetroffen. Die Christiane, die Uschi, der Stefan, Helmut. Gleich bekam ich den versprochenen Keks, aber so richtig nach Essen war mir nicht zumute, das ändert sich aber spätestens im Ziel. Es tat sehr gut, bekannte Gesichter zu treffen. Wenn man im Stadion erwartet wird und angefeuert und sie dich anlügen, dass du gut aussiehst. Gefühlt hab ich mich schon länger nicht mehr gut. Unser Fanclub ist dann auch ein paar Runden auf der Strecke gelaufen.
Hin und wieder schimpfte ich auch ein bisschen vor mich hin um mir die Zeit zu vertreiben und sagte zu Botti und Stefan, dass mir vor 10 Runden die Namen für die Bäume ausgegangen sind. Das war schon lustig, wie man Runde für Runde immer das Gleiche sieht.
Kinderläufe wurden auch veranstaltet. Viele Kinder waren dort und in vielen Altersklassen wurden Sieger ermittelt. Eine Runde sollten diese laufen. Gerade als ich wieder im Stadion war, fiel mal der Start für die 4 Jährigen. Ich schleppte mich durchs Rund und kam mir reichlich blöd vor, als die Meute, die mir gerade mal bis zum Oberschenkel ging an mir vorbei rannte und am Horizont verschwand. Schon ein erhebendes Gefühl von einem 3-Jährigen versägt zu werden. Aber die hatten auch noch keine 35 km hinter sich und noch 2 1/2 Stunden vor sich.
Da gab es an der Umgehung des Stadions eine Stelle, die uneben war, da hat wohl eine Wurzel im Boden die Pflastersteine angehoben. Es war jedesmal so, dass ich an der Stelle vorbei kam und ich dort ins Stolpern kam. Es hatte etwas von 'Dinner for one' (Der Vergleich stammt von Uschi) und in der 39. Runde hab ich zum ersten mal darauf geachtet und bin NICHT drüber gestolpert, dafür aber wieder bei Runde 40. Ja der Vergleich mit Dinner for one ist nicht von der Hand zu weisen. The same procedure as last Round? The same Procedure as EVERY Round Charly!
Nach 4:50 Minuten sagte mir der Rundenzähler, dass ich jetzt die 50 km erreicht habe. Hurra. Ab hier zählte ich in Gedanken schon voraus. Wenn ich diese Runde schaffe, bin ich bei 51,44, dann bei 52,88.....
So hangelte ich mich in die letzte Stunde. Die Zeit zog sich wie Kaugummi. War eine Stunde zuvor noch 60 Minuten lang, war die 6. Stunde etwa 123 Minuten lang. Grob geschätzt.
Aber das Ende war nah, Runde für Runde zog ich weiter meinen Kreis. Ich zählte weiter in Gedanken meine Kilometer und 10 Minuten vor dem Ende hab ich die 60 km Marke geschafft, der Rest ist Bonus, denn 60 km wollte ich schaffen. Ich bekam ein Stöckchen in die Hand mit meiner Nummer.
Noch ein paar Minuten waren es und um Punkt 15 Uhr machten die Kinder mit Trillerpfeifen einen Wahnsinnsradau. Das war das Ende, ich war auf der Laufbahn und ließ mich ins Gras fallen. Es war vorbei und ich war erledigt. Ich legte mein Stöckchen auf die Bahn um zu markieren, dass ich hier aufgehört hatte zu laufen. Später liefen zwei Personen mit einem Vermessungsrad die Strecke ab und notierten die Restmeter der Teilnehmer.
Nach ein paar Minuten mit den Beinen in der Luft, humpelte ich zu unseren Groupies, es wurde viel gratuliert. Das grinsen fiel mir aber etwas schwer, aber den Bildern nach zu urteilen, schaffte ich es dennoch.
Es gab noch eine Suppe, die mal so richtig gut tat und Bier. Boah war ich breit nach dem Bier. Klar, ich war ja völlig ausgelaugt. Da fällt das Grinsen gleich viel leichter.
Bald verabschiedete sich unser Fanclub und Botti und ich warteten auf die Siegerehrung, die noch eine Stunde auf sich warten ließ. Klar, musste ja erst alles ausgewertet werden.
In der Zwischenzeit duschte ich mit herrlichem warmen Wasser und dann ging ich wieder ins Stadion.
Dort bekamen wir einen Zettel mit den Distanzen in die Hand gedrückt. Botti und ich sahen ratlos auf den Zettel. Hmmm. Dort stand nämlich, dass ich 59,1 km gelaufen sei. Ähm, das kann jetzt aber nicht sein, da fehlen doch zwei Kilometer. Botti bestätigte das, er hat sein GPS dabei gehabt und ihm fehlten auch mindestens 2 km. Hmmm, blöd ist das. Kann nicht sein. Gibts ja nicht. Muss man aufklären.
Nun war die Siegerehrung.
Ein Mädchen mit 12 Jahren lief 39 km. Manchmal joggte sie, manchmal ging sie. Aber sie hielt die 6 Stunden durch.
Botti hatte knapp 58 geschafft und wurde zweiter bei den M50. Und es klärte sich wirklich noch auf, der Compi hatte einfach die Anfangsrunde und die Restmeter unterschlagen und so bekam ich dann auch meine Urkunde für
61,12 km überreicht.
Ich wurde Gesamt 21. von 61 und in meiner Altersklasse 5. von 18. Damit bin ich aber sehr zufrieden. Das war mit Abstand die längste Strecke, die ich je gelaufen bin.
Nun war es Zeit sich zu verabschieden und quälte mich durch München wieder nach Hause. Ich war ja sooo platt und wollte nur noch Heim, was essen und ins Bett.
Zuhause hab ich dann noch mit Kerstin telefoniert, die superstolz auf ihren Heldenhasenmann ist. Ja, ich bin auch ein bisschen stolz auf mich

Ob ich mir sowas noch mal antue? Gestern hab ich mich der Stimme enthalten, aber heute siehts schon wieder etwas besser aus. Das verzwickte ist, wenn ich nochmal einen 6-Stunden-Lauf mache, dann will ich natürlich die Strecke überbieten und geh die Sache nicht so locker und unverkrampft an. Wir werden sehen. Kommt Zeit, kommt Rat, kommt Fusselbart, kommt Rasierapparat.
Heute hab ich Frühschicht und ich hab beschlossen, dass ich den Kilometer in die Arbeit mit dem Auto fahre. Mein Rucksack war nämlich so schwer

26.3.07 06:54

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bisher 17 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Scarlett O'Hasi / Website (26.3.07 07:44)
Was für ein schöööner Bericht ! Schöön *quietsch*
Hm, daß ich sehr stolz auf dich bin, hast du ja selber schon geschrieben. Aber ich sags dir trotzdem nochmal
Ich bin ja sooo stolz auf dich !
Die Dinner-for-One-Anekdote ist echt klasse. Same procedure as every round
Eine Wahnsinnsleistung hast du da vollbracht.



Uli / Website (26.3.07 08:44)
Mein Respekt und Hochachtung vor Deiner Leistung. Nicht nur körperlich, auch mental ist das sicherlich eine ziemliche Herausforderung.
Wetten, dass das nicht das letzte mal war?

Glückwunsch nochmals und viele Grüße
Uli


Mik (26.3.07 22:16)
Ich bewundere ja die mentale Stärke die man für solche Stundenläufe haben muss! Starke Leistung, wirklich. Und die gewünschten 60 km überboten. Echt klasse, Charly.
Über die Wurzelgeschichte musste ich ja auch lachen, ist ja doch etwas anderes ob man das in einer Erzähung liest oder selber in jeder Runde die Wurzel mitnimmt ;-)
Glückwunsch von mir, liebe Grüße
Michi


Kerstin / Website (26.3.07 23:29)
Auch aus Sunny California herzlichen Glueckwunsch zu der klasse Leistung. 6 Stunden am Stueck laufen, meine Guete! Und dann noch ueber 60 km weit. Das braucht schon einiges an mentaler Staerke, um das durchzuhalten.
Eins nur (hoffe, ich wirke nicht zuuu besserwisserisch): Same procedure as every lap.
Round ist "Genglish" *gg*
Viele Gruesse
Kerstin


Charly (27.3.07 05:35)
Hui, aus aller Welt gibts Kommentare
Freut mich.
Danke Kerstin fürs Verbessern.
Gut, dann every Lap.



Holger (27.3.07 16:19)
Hallo Charly,
10 Km weiter als bei meinem 1. 6h Lauf, klasse Leistung.

Gruß Holger


Charly (27.3.07 16:32)
Danke Holger, aber du hast mir einiges voraus, was die Stundenläufe angeht.
Vielleicht mach ich auch mal 24 Stunden. Das liegt aber in sehr weiter Ferne


Martin / Website (27.3.07 20:51)
Im Moment kann ich mir so eine Strecke gar nicht vorstellen. Und dann noch in kleinen Runden- Wahnsinn. Da muß nicht nur der Körper sondern auch der Kopf mitziehen !Tolle Leistung !


flottemotte / Website (28.3.07 07:34)
hi charly,
herzlichen glückwunsch zu deinem ersten 6h-lauf und der super erreichten KM.
wünsche dir guteerholung .
gruss FM


Lizzy / Website (28.3.07 14:57)
So, nun bin ich bei meinem fröhlichen Bloghopping auch hier angekommen

Deshalb auch hier nochmal: Herzlichen Glückwunsch! WahnsinnsLeistung
Ich weiß gar nicht, ob alle Fotos, auf denen du drauf bist, im Web.de-Album erscheinen (der Platz reichte nicht für alle).
Nachher werde ich mal vergleichen und wenn noch ungesehene mit dir drauf dabei sind, melde ich mich per PN wieder. Jetzt geh' ich erstmal erstmals wieder ein Ründchen joggen. Ohne Buffet am Rand


Charly (28.3.07 19:45)
Bei mir macht das Laufen auch schon wieder Spaß. Aber Montag wars nicht witzig


Hase / Website (28.3.07 19:52)
Fröhliches Bloghopping
Find ich gut


Anja (28.3.07 20:50)
Möcht ich hier auch noch meinen Respekt für die Leistung los werden. 6 Stunden - ich mach nix 6 Stunden lang an einem Stück... das ist ne verdammt lange Zeit. In 6 Stunden fahr ich von hier bis hinter München (wenns in Würzburg nicht staut) und Du läufst in der Zeit im Kreis... muss man sich mal so überlegen.... klasse!


Hasenmama / Website (29.3.07 09:29)
Sorry, Charly - ich bin wieder mal die letzte hier. Aber, dennoch herzlichen Glückwunsch, das ist so eine Leistung, daß ich am liebsten verstummen möchte. Das ist Deine größte Stärke, daß Du allen Widrigkeiten zum Trotz durchziehst, was Du Dir vornimmst (nicht, daß ich jemals den Ehrgeiz hätte, Dir in Deiner Disziplin nachzueifern) - Eisenhart, Junge!
Ich bin soooooo stolz auf Dich


muttern (30.3.07 15:16)
hallo Sohn wieder ein soooooo schöner Bericht ,bin begeistert wie immer ,weiter GUTLAUF
Muttern


Alpi (4.4.07 11:30)
Boooaah - bisch du deppert. 60km?! Was für ein Bericht. GRATULLE!!


Charly (4.4.07 13:18)
Danke Erich

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