Marathon in Würzburch

Und wieder gibts einen Marathon in der Statistik.
Das ist dann das 13. mal, dass ich die Marathondistanz oder mehr gemacht hab.
Diesmal gings mit meinem Schatz nach Würzburg.
Das Wetter war eigentlich ganz gut, wenn auch ein bisschen zu warm, aber um 9, als der Start war, wars super. Das freut vorallem die Zuschauer.
Würzburg ist eine schöne Stadt. Umgeben von Weinbergen liegt die Stadt wunderschön in einem Talkessel. Das heisst natürlich auch, dass, wenn Wärme drin ist, sie nicht mehr so leicht raus geht.
Wir haben bei Kerstins bester Freunding in der Nähe von WÜ übernachtet und haben am Vorabend noch unser Auto auf den Parkplatz an der Talavera abgestellt. Das war recht schlau, denn um 8 in der Früh waren die Parkplätze voll und die Straßen gesperrt.
Wir haben uns dann auf den Weg zum Start gemacht, der um 9 gelegt war.
Dann machte es bumm und Kerstin und ich haben uns voneinander verabschiedet.
Wir liefen heute das eigene Tempo.
Die erste Zeit lief es bei mir recht zäh. Hm, blöd, denk ich mir da. Könnt ruhig a bissal besser laufen. Die 5:12 min/km waren schon leicht mühselig. Naja, was solls. Es war trotz der 5000 Teilnehmer nicht zu voll auf den Straßen, man konnte prima überholen und sein Tempo finden.
Nach 6 km zwickte es mich in der Wade, auch blöd. Fühlte sich fast so an, als wollte ich eine Zerrung bekommen. Aber ich hab das wieder weg geschüttelt.
Immer ging es am Main entlang, schön auf dem Radweg und vorallem schön unter Bäumen, die Schatten spendeten. Denn schon um 9:30 hatte es an die 20°.
Die Verpflegungsstationen dürfen gern auch noch ein bisschen üben. Ist ja wunderbar, wenn Frankenbrunne als Sponsor auftritt, das Problem ist aber, dass das Wasser aus den Flaschen in die Becher nicht so schnell gefüllt werden konnte, wie Läufer vorbei kamen. Da gab es einiges an Murren. Zudem gabs auch nur Bananen. Bisschen dünn, schließlich sind wir auch ziemlich verwöhnt vom Marathon in Charolais, mit der Vollverpflegung. Aber man kann nicht alles haben.
Nach 11 km lief man über eine Zeitnahmematte, damit auch wirklich nicht abgekürzt werden kann. Meine Zeit war noch gut im Limit. Zeitziel hatte ich in dem Sinne eigentlich nicht, aber ich hab schon geliebäugelt mit einer neuen Bestzeit. Aber ich fühlte mich einfach nicht danach und mit 5:10 min/km wird das eh nix mit der Bestzeit.
Nun lief man zurück in die Innenstadt, rüber über den Main und dort ins Zentrum gelaufen. Altstadt gibts hier in Würzburg ja im Prinzip nicht, weil die Engländer im 2. Weltkrieg Würzburg nahezu platt gemacht haben. Muss zuvor eine wunderschöne alte Stadt gewesen sein, die es von der Schönheit mit Bamberg aufnehmen hätte können. Die Infos hab ich von meinen 'Schwiegereltern', die übrigens auch extra nach WÜ gefahren sind um uns anzufeuern. Blödsinnigerweise hab ich sie nicht gesehen, sie haben mich nicht gesehen, weil ich kein rotes Shirt anhatte, sondern mein Jamaica- Hääß. Erst kurz vor dem Ziel hab ich sie erblickt.
Achso, soweit sind wir ja noch eeeewig nicht. Ich hab ja noch nicht mal die erste Runde hinter mich gebracht. Wo war ich? Ah, genau, im Zentrum.
Würzburg hat wunderschöne Kirchen und schnuckelige Kneipen. Die Zuschauer waren hier auch viel vertreten und feuerten uns an.
Dann nach 20 km liefen wir wieder über den Main, wo es dann noch zu einem kleinen Kämpfchen kam. Ich wollte eien Mitläufer überholen, kam aber nicht vorbei, da hab ich ihn behutsam an der Schulter berührt und leicht nach rechts geschoben. Woraufhin er mich weg schob, ich schob dann natürlich zurück, er schob wieder, dann hab ich mal ordentlich Schwung geholt und ihn dann recht giftig angesehen, dann war auch wieder Ruhe. Soll er sich halt net so breit machen.
Drüben wieder angekommen gibts einen scharfen Knick, wir liefen vorbei an Start und Ziel und los gings in die zweite Runde.
Die Halbmarathonläufer mussten hier leider schon das Rennen beenden. Selber schuld, wir dürfen nochmal 21,1 km machen. Ätsch. Die Zeit stoppte ich bei 1:51. Vieeeeel zu langsam um mich zu begeistern, wenn ich so weiter trödle, dann käme ich in 3:42-3:43 an, ne, so gehts nicht. Also hab ich mir vorgenommen das Tempo zu erhöhen. Klar war das auch ein gewisses Risiko. Aber jetzt nach der Halbmarathonmarke lief es doch besser als am Anfang.
Nun wollte ich den km immer unter 5 Minuten schaffen. Solange es eben geht. Und das Wetter machte die Sache natürlich nicht einfacher.
Nach einem langen Bogen lief man zurück in Richtung Start/Ziel. Und hier dachte ich eigentlich, dass ich vielleicht meiner Kerstin begegne, die übrigens auch den Marathon gelaufen ist und nicht nur den Halbmarathon, wie sie ursprünglich angekündigt hat. Aber das war mir schon klar.
Schade, ich bin ihr leider nicht begegnet, denn so ein Kuss setzt ja auch Kräfte frei, nicht wahr?
Tja, nun denn liefen wir auf der Strecke, die man ja schon kannte von der ersten Runde. Man kann da geteilter Meinung sein, manche findens blöd, zweimal 21,1 km zu laufen, anderen macht das nix aus. Mich stört das auch nicht sonderlich, man weiß, was auf einen zukommt.
Bis km 28 wollte ich immer noch schön vorsichtig sein, hatte auch immer das Tempo um die 5 Minuten. Wenn es mir dann immer noch gut ginge, würde ich noch ein bisschen mehr aus mir rausholen, vielleicht klappts ja doch noch mit der persönlichen Bestzeit.
Die 28 kam, die 29 kam, dann die 30 und dann bei km 30,4 km machte es plötzlich in mir BUMM Ja hallo Herr Hammermann, was willst du denn von mir. Auweia, das ist immer so ein Punkt, den mag einfach keiner. Plötzlich und ohne Vorwarnung kommt der Prügel über die Birne, die Atmung wird viel schneller und die Beine fühlen sich an wie Blei.
Ich biss auf die Zähne und hoffte, dass ich über den Punkt drüber komme. Das Tempo hab ich gehalten, ich lass mir doch von dem Typ nicht den Tag versauen, oder? Also lief ich dagegen an und tatsächlich, nach 32 km lief es wieder ziemlich gut. Das Laufen ging wieder wie am Schnürchen.
Dann kamen die km 34, 35 und 36, ich war mittlerweile schon wieder im Zentrum von Würzburg, als mir der Mann mit dem Vorschlaghammer erneut eine auf die Zwiebel zentrierte. Wieder das gleiche Theater, Atmung schnell, Beine blubb, blubb. Ich konnte mein Tempo nicht halten, es ging einfach nicht. Wie ich auch in mich reinredete, ich war leer. Dann bei km 38 musste ich eine Gehpause einlegen, aber nur 200 Meter, bis der Red Bull Stand kam. Dort hab ich mich bedient und hab mich wieder angetrieben. Nun lief es plötzlich wieder einigermaßen, ich hab auch kleinere, schnellere Schritte gemacht, das half auch.
Dann wieder über die alte Mainbrücke und dem Fotografen die breite Brust und die erhobenen Arme gezeigt. Das wird ein Superbild, vor Superkulisse.
Aber kaum um die Kurve gelaufen, traf mich der Mann mit der Abrissbirne volle Breitseite. Ich wollte einfach nur noch ins Ziel, mir egal wie, aber ich wollte, dass der Blödsinn endlich vorbei ist.
Dann eben 500 Meter vor dem Ziel traf ich meine Schwiegereltern und winkte halbherzig. Ein Grinsen brachte ich auch nicht zustande. Dann waren es nur noch 200 Meter, dort vorne der Zielbogen und doch noch den Zieleinlauf genossen.
Mann, das war eine Arbeit auf den letzten Kilometern, aber trotzdem war ich auf der zweiten Hälfte ein bisschen schneller als auf der Ersten. Mit 1:50 lief ich die zweite Runde und hatte eine Gesamtzeit von 3:41:53. Tja, Bestzeit um über 3 Minuten verpasst, aber ich find es nicht schlimm, schließlich fehlte da ein bisschen spezielles Marathontraining.
Dann kamen auch schon meine Schwiegereltern in den Zielbereich und nach ein paar Alkfreie Weizen haben wir uns ins Bierzelt gesetzt.
Nach einer halben Stunde sind wir wieder aufgebrochen, denn schließlich will ja auch unsere Kerstin im Ziel begrüsst werden. Ich ging die Strecke noch ein Stück zurück und nach einer Weile kam sie auch schon. Glücklich, aber doch kaputt lief sie mir entgegen und den Rest der Strecke haben wir noch gemeinsam hinter uns gebracht. Das heisst, auf den letzten 100 Metern ist sie einfach abgegangen wie Schmidts Katze und in das Ziel gelaufen.
Als ich bei ihr ankam, hab ich sie erstmal eine Weile fest gehalten und gedrückt.
Wie es ihr ergangen ist, kann man auf ihrem Tagebuch nachlesen. Hasenmarathonbericht
Nach einer kleinen Erholungspause haben wir uns von Kerstins Eltern verabschiedet, denn wir waren noch verabredet zum Auflauf essen im Auflauf. Ja, die Wirtschaft heisst so.
Doch zunächst mussten wir ja erst den ganzen Weg gehen, das waren immerhin auch noch so 2 km. Und irgendwie hatten wir doch ganz schön schwere Beine. Aber grinsen, das geht immer.
Wir hatten dann noch ein nettes Treffen mit Bekannten aus dem Internet, es wurden Zeiten verglichen und auf die Schulter geklopft.
Von Sylvi, (die mal eben in 3:20 gefinisht hat und Gesamt 5. bei den Damen wurde) hat Kerstin einen süßen Plüschhasen bekommen. Der Hase hat die Startnummer 41. Das war die Nummer, die Kerstin hatte bei ihrem ersten Marathon. Süß war das.
Dann haben wir uns schließlich alle wieder verabschiedet und sind müde und erledigt in den Hasenelternstall gefahren.
Schön wars, warm wars.

13.5.07 21:20

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bisher 8 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Hase / Website (13.5.07 21:31)
Schöööön *quietsch*
Das hast du aber schön geschrieben. Bei mir hat es heute irgendwie nicht mehr gereicht zu einem wirklich kreativen Bericht
Hihi, die Geschichte mit dem Mitläufer, mit dem du dich rumgeschubst hast, hast du mir ja noch gar nicht erzählt. Lustig. Soll er sich halt nicht so breit machen


Hasenmama / Website (13.5.07 22:09)
Das stimmt, Charly, Du hast einen richtigen Kulturreport abgeliefert hier, schöööön! Und - bei so einem Wahnsinnstempo darf man auch mal Bekanntschaft mit dem Hammermann machen. Wir sind auch auf Dich möchtig stolz! Das nächste Mal koordinieren wir die Kleidung einfach besser - schade, daß wir unser Cola bei Dir nicht losgebracht haben...
Dicken Glückwunsch
Haseneltern


Martin / Website (13.5.07 22:55)
Mann, die zweite Runde schneller als die erste Runde zu laufen, dazu gehört schon was. Und das obwohl der Hammermann kam. Tolle Leistung von dir die du dort gegeben hast. Und außerdem mußt du nicht unbedingt deine PB verbessern, lass mir doch eine Chance !
Gruß Martin


Anja / Website (14.5.07 05:32)
Hallo Charly,

herzlichen Glückwunsch - 3 x mit dem Hammermann kämpfen und gewinnen, das muss eine irre Leistung sein - ich kann es ja nur erahnen, nicht wirklich beurteilen.

Gruß

Anja


muttern (14.5.07 12:40)
Super wieder der Bericht in Gedanken waren wir auch dabei herzlichen Glückwunsch euch Marathoner gruß muttern


muttern (14.5.07 12:58)
na sohn toll ihr zwei ,bin gespannt,was ich noch alles erleben muss mit euch zweien ,finde es toll wie ihr zusammen harmoniert und der schöne bericht auch ich bin sehr stolz auf euch und eure berichte gruß muttern


Alpi (15.5.07 15:37)
Charly, bist halt wirklich ein Rennviech. Gratulle! Eine Superzeit ist es allemal!!

*klatsch*


Mik (19.5.07 19:00)
Ich bin mal wieder etwas spät dran hier, aber ich finde die Zeit auch toll, auch wenn es nicht die gewünschte PB war. Zwischendurch mal Leute hin und her schieben liest sich lustig, ist es beim Lauf aber sicher weniger ;-)
Schöner Bericht, Charly! Und Hase, ich schreibe das hier nochmal, ist der Hammer mit der Verbesserung beim 2. M in der kurzen Zeit! Irre. Ihr seid ein gutes Team.

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