Schulsport

Ich wollt schon lang mal meine Gedanken über den Schulsport zum Besten geben. Anläßlich der Diskussion des dicken Deutschen, der schon als Kind auf dem Weg dorthin gebracht wird, find ich, muss ich dazu senfen.

Schauen wir doch mal Kindern zu, die so 5 Jahre alt sind. Was machen die denn den ganzen Tag? Richtig, sie spielen und rennen den ganzen Tag durch den Garten. Spielen verstecken, rasen die Straße hoch und runter, tummeln und balgen sich und dann sitzen sie am Abend am Tisch als wär nix gewesen. Kinder haben unendlich viel Energie, ständig ist irgendwas und Eltern haben die liebe Mühe dem Nachwuchs nachzukommen.
Tja, werden Kinder nun älter, ist es nach und nach vorbei mit der Bewegung. Sie kommen in die Schule und ab da heisst es, setz dich da mal hin und verhalt dich bis 13 Uhr ruhig.
Dann kommt man Heim, macht die Hausaufgaben (meistens) und schleicht sich anschließend ins Zimmer. Ablenkung gibts genug in der High-Tech Welt.
Die Kinder werden regelrecht eingeschläfert. Keine Bewegung, nix. Es gibt ja Eltern, die regen sich fürchterlich darüber auf, wenn der Schulbus nicht verkehrt und dem Kind zugemutet werden soll, dass es 2 km in die Schule geht oder mit dem Fahrrad hinfahren soll. Das arme Balg. Ist doch so anstrengend.
Dass in der Schule Lehrermangel herrscht, ist ja auch bekannt. Um dem auszugleichen, werden natürlich als erstes die Sportstunden gekürzt. Sport ist nicht wichtig.
So vergehen die Jahre und die Kinder werden nach und nach träger und fetter. Dass man Kinder nicht mehr so leicht schlank bekommt, ist auch nicht überraschend. Also wird aus dem moppeligen Kind, ein dicker Jugendlicher und schließlich ein fetter Erwachsener, der am Ende seiner Karriere mit dem Feinripp auf dem Sofa liegt und wie ein Vollidiot Kartoffelchips in sich rein futtert und dabei seinem Sport nachgeht, das Fußball gucken. Bravo, Mission erledigt.
Deutschland ist der Europameister der Fetten, hurra. Und diesen Rang werden wir verteidigen, koste es die Krankenkassen, was es wolle.
Natürlich sehen die Helden in Feinripp auch Leichtathletikveranstaltungen an und schüttelt bei der Übertragung des Stadtmarathons den Kopf. Lauter bekloppte sind das, die sich die Gesundheit ruinieren und die Gelenke kaputt machen. Das kann ja gar nicht gesund sein. Und überhaupt diese Menschenmassen und 42 km laufen, das sind doch alles Verrückte. So lamentiert unser Adipösi weiter und nimmt einen kräftigen Schluck von seinem Krombacher, weil das am meisten bei Sportsendungen beworben wird. Muss ja gut sein. Unser Adi schont sich lieber und wartet, bis die Breitwandcouch durchgesessen ist.

Zurück zur Schule. Es ist doch nicht normal, dass ein Kind zum still Halten gezwungen wird, das widerspricht doch seiner Natur. Im Kindergarten noch wurde wie wild herum getollt und ab der 1. Klasse ist das vorbei?
Wieso werden denn nicht einfach die Tische rausgeworfen und die Stühle in die Ecke gestellt? Man kann Unterricht auch aktiv gestalten. Man nehme ein paar Stehtische um den Schreibkram zu deponieren und sammle die Kinder um sich.
Im Klassenzimmer wäre sehr viel Platz. Klar kann man die Kinder auch im Halbkreis um sich herum sitzen lassen, denn den ganzen Tag stehen, das ist es natürlich auch nicht.
Lasst doch die Kinder durchs Klassenzimmer wandern, der Lehrer latscht selbst mit. Das macht Spaß, da bleibt die Aufmerksamkeit erhalten und es wird sich bewegt. Ganz einfach. Dann klappt das auch mit dem Sport.

Einmal im Jahr fällt den Lehrern ein, man müsse doch die Kinder laufen lassen. Die müssen nämlich 1000 oder 2000 Meter laufen. Steht vielleicht so im Lehrplan. Also raus mit den Kindern auf den Sportplatz.
Wir laufen heute 2000 Meter auf Zeit.
Allgemeines stöhnen und jammern.
Aber hilft nix, das muss so sein, also 'aufdiePlätzefertiglos' die Kinder rennen wie vom Teufel verfolgt los und sind nach 100 Metern total fertig. Sind ja dann nur noch 1900 Meter. Ein paar Cracks sind dabei, die die 2000 Meter locker schaffen, aber der Großteil tut sich schwer und man will lieber auf der Stelle tot umfallen, statt noch 1500 Meter zu laufen. Die Zeit vergeht nicht, die Strecke wird und wird nicht weniger. Nach einer Runde würde der Großteil einfach aufgeben und den Lehrer nach Alaska wünschen. Aber nein, da muss man durch. Noch 3 Runden. Es wird nach Abkürzungen gesucht, doch irgendwann ist es geschafft, die Schüler fallen reihenweise halbtot ins Gras und verfluchen diese scheiß Lauferei.
Natürlich setzt sich das augenblicklich im Kopf fest: Laufen = Anstrengend = Scheiße = Ist tödlich. Glaubt denn irgendjemand im Ernst, dass die Kinder freiwillig und zum Spaß auch nur noch einen Meter laufen wollen? Nö. Die sind traumatisiert von dem Horrorerlebnis 2000 Meter Lauf und das für lange Zeit, vielleicht auch für immer. Ich frage mich, wieviel Couchpotatoes wurden allein durch solche beknackte hauruck Aktionen gezüchtet? Statt den Schüler darauf behutsam hinzutrainieren wird dieser in den Laufhorror getrieben. Lieber nie wieder anstrengen.


Übrigens: Ich gratuliere meinen Eltern ganz herzlich zum 40. Hochzeitstag

24.5.07 14:57

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bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Hase / Website (24.5.07 16:45)
Jetzt haste dich aber mal wieder so richtig ausgelassen
Wie du das beschreibst, wie die 2000 Meter im Schulsport abgenommen wurden, das deckt sich absolut haargenau mit meiner Erfahrung. Mei, war das übel. 2000 Meter laufen !! Horror. Nach 200 m war ich am Ende, aus, fertig. Nix ging mehr. Kein Wunder, hatten wir das doch nie vorher geübt. Wenn mir damals jemand erzählt hätte, daß ich 2007 innerhalb eines Monats zweimal Marathon laufen würde, ich hätte denjenigen ja sowas von verrückt erklärt


Uli / Website (25.5.07 09:48)
Schulsport ist immer wieder ein dankbares Thema, über das man sich auslassen kann. Weil es hat sich seit Jahrhunderten nichts geändert. Meine Ziehtochter hätte vor Kurzem auch wieder so eine 12 Minuten-Dauerlauf-Aktion durchziehen sollen. Und als Verschärfung auf dem Schuleigenen Hartplatz auf einer von der Lehrerin abgesteckten ca. 100 m langen Runde. Weil die 400-m-Laufbahn wäre immerhin einen halben Kilometer entfernt gewesen, also unzumutbar weit weg.
Sinn und Zweck dieser Übung wurde den Damen übrigens nicht erklärt. Verständlich, dass meine Ziehtochter aufgrund ihrer bestehenden Kniebeschwerden erst gar nicht angetreten ist. Und lieber eineinhalb Stunden joggen geht.

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