Berlin, Berlin, wir waren in Berlin

So, zurück aus dem Berlin Marathon Wochenende.
Da war ja einiges los. Nix für Klaustrophobe Menschen.
Entspannt fuhren wir am Freitag mit der Bahn in der ersten Klasse nach Berlin.
Dann erstmal zu Markus, zu einem Freund von Kerstin und jetzt auch von mir.
Sofort danach schauten wir, dass wir zur Messe kommen, um unseren Startkrempel zu holen. Es war einiges los. Ich will nicht wissen wie es am Samstag zugegangen ist.
Wieder Heim und lecker Nudeln gemümmelt.
Am Samstag war Shopping in Berlin angesagt. Am Alexanderplatz hats ein gigantisches Einkaufszentrum. Aber da gings auch so zu. Nix für Klaustrophobe Menschen.
Am Nachmittag Heim. Am Abend trafen wir uns mit Uli und Familie. Die Manu haben wir leider nicht angetroffen. Die Innenstadt war gesperrt, wegen dem Inlinermarathon und so konnte sie nicht über die Straße zu unserem Lokal.
Es war ein Italiener in Kreuzberg, indem noch richtig geraucht werden darf. (Kreuzberger Nächte sind lang, schalalaaaa) *Nerv, stör, wann kommt denn endlich das Rauchverbot auch nach Berlin?* Die Pizza war echt riesig, hing weit über den Tellerrand hinaus. Es gab auch scharfes Öl dazu. Und wer kann da nie nein sagen? Ich! Also druff mit dem Öl. Nix für Warmduscher. Ich kippte ordentlich Öl drauf und beim Finger ablecken dacht ich UPS, scharf!!!! Die Schärfe des Öls wurde von mir allgemein unterschätzt. Oh man. Aber da musste ich durch. Die Pizza war jetzt echt sauscharf und ich dachte mir nur immer, ich bin ein Trottel, das muss ich büßen. Aber mein Magen hat sich dann doch relativ ruhig verhalten. Ein bisschen hat er schon rebelliert, aber es ging.

Nun kam der Marathonsonntag, bei dem wir Haile Gebrselassie zum Weltrekord jagen wollten. Haben wir ja auch geschafft in 2:04:26.
Wir mussten aber bis wir wirklich an der Startlinie waren mindestens 4 km latschen. Von Zuhause zur Straßenbahn, zur S-Bahn, zum Startgelände. Das läppert sich. Wir warteten also vor uns hin und stellten uns irgendwann in Block H. Viele Menschen, nix für Klaustrophobiker übrigens.
Kurz vor 9 kam über die Lautsprecher 'Chariots of fire' aber nur für eine Minute, dann ein anderes Lied, das auch abgebrochen wurde, ersetzt durch ein anderes Lied, das auch abgebrochen wurde, dann wieder Chariots of Fire, das auch abgebrochen wurde, gefolgt von einem andern Lied, das auch abgebrochen wurde, gefolgt von Chariots of Fire, naja, wieder abgebrochen usw. Das nervte scho a bissal, ausserdem hatten die Lautsprecher einen Wackelkontakt. Es flogen zuvor die Luftballone in den Himmel. Aha, war wohl der Startschuß schon, geballert von Berlins Bürgermeister Wowereit. So weit hinten kriegste nix mit. Nur viele Leute um einen herum. Nix für klaustro..........
Soooooo, dann warten wir mal, bis der wilde Lauf voran geht. Aber es dauerte 25 Minuten bis wir über die Startlinie kamen.
Aber endlich durften wir uns auch auf die Reise durch Berlin machen. Da hatte der Haile schon 8 km hinter sich gebracht.
Gleich nach 600 Meter kam die Siegessäule. Das Tempo war bei 7 Minuten pro km. Ging nicht schneller, egal. Es dauerte doch 4 km bis wir schön unser Tempo laufen konnten, dann war die Menge auseinandergezogen. Nach 7 km meinte Kerstin 'Ich glaub, der Hammermann war gerade da' Hmmmmm????? Jetzt erst? Es war nicht Kerstins Tag, meiner eigentlich auch nicht. So richtig fit fühlte ich mich auch nicht. Ich hätte an diesem Tag keine Bestzeit machen wollen. Nene.
Das Wetter war prächtig, schön bedeckt, etwas Wind. Ideal zu laufen.
Nach 12 km fragte mich Kerstin, obs noch weit ist? Hmmmm??? Oha, ihr gehts heut nicht so dolle. Ab da hab ich mich auch immer bei Hase erkundigt, wie es ihr geht und schon nach 17 km meinte sie 'muss ja, muss ja'
Alle 5 km gabs Verpflegung. Ich würde sagen, funktionell eingerichtet. Es gab Wasser, ekelhaft chemisch schmeckendes Basica in leuchtend gelb und Tee. Dazu auch immer Bananen und Äpfel. Das wars dann auch. Wer Basica nicht trinken mag, hat bei isotonischen Getränken Pech gehabt. Kerstin konnte das Kontrastmittel auf jeden Fall nicht trinken. Ich zwang mich wenigstens dazu.
Nach 21 km war die Halbmarathonmarke erreicht. Keine Spur von Freude oder Hurra wir haben die Hälfte Euphorie bei Kerstin. Ich sah ihr an, dass sie es nicht glauben konnte, dass nochmal 21 km vor uns lagen. Dass hier schon einige Leute gehen mussten und die Laternen abstützten, machte es für sie auch nicht unbedingt leichter. Ich richtete sie auf, dass wir bei 28 km am wilden Eber vorbei kommen, da gehts immer voll ab, sagen die Leute. Also hangelten wir uns Kilometerweise voran. Dann kam auch der wilde Eber. Auf 200 Metern ein unglaublicher Lärm, aber das wars auch schon wieder. Eigentlich enttäuschend, wenn man doch schon so viel davon gehört hat, wie hier am wilden Eber die Sau raus gelassen wird. Naja. Ich konnte auf dem ganzen Lauf nicht umhin an meinen dritten Marathon in Hamburg zu denken, wie emotional mich die Zuschauer mitgenommen haben. Das war in Berlin längst nicht so. Von der Stimmung her am Streckenrand konnte Berlin absolut nicht mithalten, lediglich beim Zieleinlauf war Berlin heftiger. Aber soweit sind wir ja noch nicht.
Berlin ist aber dafür umso imposanter, größer, wuchtiger, eindrucksvoller von den Bauten her. Auch die Geschichte wird einem hier sehr nahe gebracht. Auf unserem Lauf konnten wir natürlich alles sehen, was man bei einer Sightseeingtour einfach sehen muss.
Schon öfters sagte Kerstin zu mir, dass sie nicht mehr kann, dass sie keine Kraft mehr hat und kaputt ist. Aber wir hatten doch noch 12 km vor uns nach 30 km. Ihr gings nicht gut. Ich hätte ihr gern ein bisschen Kraft von mir gegeben, aber das ging ja nicht. Es fiel ihr immer wieder so schwer anzulaufen nach einer Getränkestelle.
An einer Labestation wars ja 'superlecker'. Von der Organisation bekam der Stand 15.000 Becher zu wenig. Was hieß, dass die Becher mehrmals verwendet wurden. Sie wurden vom Boden aufgehoben und wieder verwendet. Das war nicht sehr appetitlich und hatte schon etwas skurilles, dass uns diese mehrmals gebrauchten labberigen Becher mit hygienebehandschuhten Händen gereicht wurde.
Nach 36 km waren wir wieder an einer Versorgungsstelle und da war es dann auch mit Hase geschehen. Sie schluchzte laut auf und weinte 'Ich kann nicht mehr, das sind noch über 6 km, ich bin fertig, ich kann nicht mehr' sie tat mir so leid, dass ich am liebsten mitgeweint hätte mit ihr. Ein Mädchen an der Getränkestation schaute erschrocken und mitleidig zu uns herüber.
Ich nahm meinen Hasen in die Arme und schlug vor, dass wir doch einfach gehen könnten ein Stück und wenns wieder geht, dann laufen wir weiter. Da riss sie sich los und lief weiter. Hase ist schon sehr zäh und kann kämpfen. Die Blöße des Gehens wollte sie sich nicht antun und so liefen wir auch die letzten 6 km weiter. Ich wieß ein paar mal darauf hin, dass wir gar nicht überholt werden und wir nur die ganze Zeit selbst am überholen sind, es läuft doch ganz gut, aber Kerstin interessierte das nicht sehr, sie wollte ins Ziel, egal wer überholt oder überholt wird.
Als wir am Potsdamer Platz ankamen, hatten wir nur noch 3 km zu bewältigen, sogar der Ku'Damm war schon hinter uns. Die Straße war breit und gut zu laufen. Dann kam eine Biegung nach links und in der Ferne sahen wir das Brandenburger Tor.
'Schau Hase, da vorne ist das Ziel, wenn wir da durch sind, sind wir gleich im Ziel' Aber es ist nunmal noch 2 km entfernt. Die Zuschauer wurden hier immer mehr und das Brandenburger Tor kam immer näher. Irgendwann konnte man die Quadriga gut erkennen, das Tor wurde größer und größer und da waren sie dann doch, die Emotionen, die ich bis dahin vermisst habe. Wir zwei liefen gemeinsam durch das Brandenburger Tor, an dem sich schon so viele Geschichten und Dramen abspielten. Ich berührte im vorbei laufen das Tor und hatten nun noch 300 Meter zu laufen. Hand in Hand liefen wir das letzte Stück. Die Tribünen waren voll mit Leuten die von den Seiten herunter jubelten, dann kam der Zielbogen und wir hatten es endlich in 4:44:55 geschafft.
Ich nahm meine Kerstin in die Arme und führte sie zu den Damen mit den Medaillen, wo wir eine umgehängt bekamen. Kerstin lächelte. Na also, geschafft.
Wir hielten uns auch nicht mehr lange dort auf, bekamen unseren Versorgungsbeutel und dann holte ich für meinen Schatz den Kleiderbeutel, anschließend meinen eigenen, worauf ich mich auf der Wiese vor dem Reichstag umzog. Das war auch so eine Kulisse. Im Hintergrund der Reichstag mit den wehenden Fahnen und auf der Wiese überall Verhau, Abfall, abgekämpfte Helden und gelbe Folien in die man sich wickeln konnte.
Dann verließen wir unseren Marathon und machten uns auf den langen Weg zurück zu Markus und die wunderbare Dusche danach.
Dass es Kerstin nicht so gut ging, das hat wohl viele Gründe.
Sie hat den Marathon wohl ein bisschen auf die leichte Schulter genommen, nachdem die ersten Beiden so leicht für sie waren.
Wir sind eindeutig in der Woche zuvor zuviel beim Shoppen gewesen. Den ganzen Tag auf den Beinen, das kostet einfach so richtig Kraft.
Das Training für den Marathon konnten wir einfach nicht so machen, wie es eigentlich notwwendig gewesen wäre.
Und dann war eben noch die Tagesform mit entscheidend.
Was solls. Beim nächsten mal läufts dafür umso besser.

2.10.07 13:45

Werbung


bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Charly / Website (2.10.07 14:15)
Das war ein beeindruckender Bericht Charly, du bist so ein lieber Schatz und tust meinem Kind immer wieder so gut, danke dir!
Hasenmama


Hase / Website (2.10.07 16:11)
Danke, dass du bei mir warst

Danke für diesen schönen Bericht

Danke, dass du mich aus jedem Loch irgendwie immer wieder rausziehst

Danke, dass du genau so bist, wie du bist

Ich hab dich lieb


Uli / Website (2.10.07 17:23)
Ähm, ich will nicht ja nicht stören. Nur kurz mein Kommentar: Schön geschrieben Charly, gut dass Du dabei warst. Wie Du sagst (sinngemäß): neues Spiel neues Glück. Ich denke, dass Du Deinen Hasen schon wieder in die Spur zurück bringst.

Gute Erholung und bis bald mal wieder.
Uli

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)

Die Datenschuterklärung und die AGB habe ich gelesen, verstanden und akzeptiere sie. (Pflicht Angabe)


 Smileys einfügen