Mini Break

Zurück aus dem Mini Break, wie es in England heisst, wenn man übers Wochenende verschwindet.
Am Freitag sind wir nach St.Louis gefahren. Gleich neben Basel.
Und weil es in St. Louis ziemlich trostlos ist, haben wir uns gleich rüber jemacht in die Schweiz, nach Basel.
Dort haben wir ein bisschen die Läden angeguckt.
Dann haben wir ein Restaurant gesucht. Wir fanden auch ein nettes, vornehmes Restaurant. War echt lecker dort. Die Kellner sehr förmlich mit Mantel aufhängen und so. Wie aus dem Bilderbuch.
Das Restaurant betrachte ich als perfekt. Ich guck ja da immer automatisch, was falsch gemacht wird, aber hier gibts null Einwände. Es liegt an vielen Kleinigkeiten, wo mir das auffällt. Es ist nicht die saubere Tischdecke, es ist eher der Salz- und Pfefferstreuer, der ein gutes Restaurant auszeichnet. Sind diese Dinge sauber, kann man dem Restaurant uneingeschränkt vertrauen.
Auch das Servieren und wie die Gläser abgestellt werden wird von mir beobachtet. Passt mal auf, ob euer Kellner das Glas mit der Schrift zu euch auf den Tisch stellt. Idealerweise stellt der Kellner das Glas etwas versetzt hin um es dann mit einer geübten Bewegung zu dir hindreht um auf den Namend der Biermarke aufmerksam zu machen. Und hier in dem Lokal wars einfach perfekt.
Wir bestellten uns auch leckere Dinge. Bei mir gabs Kalbslende mit Morchelsoße an Butternudeln.
Kerstin hat eine Maispoulardenbrust mit Kürbisrisotto gegessen. Super.
Der ganze Spaß hat 100 Franken gekostet, das sind 66 €. Dafür gabs auch noch 5 € Trinkgeld.
Dann sind wir wieder in die Innenstadt. Dort fand wohl so ne Kirmes statt. Riesenrad und Schleuderfahrdinger.
Kennt ihr noch die Raupe, die mit einem Affenzahn im Kreis fährt und das in Wellen? Genau in sowas sind wir eingestiegen. Das letzte mal als wir so dieses Dingens gefahren sind, waren wir beide noch recht jung. Das war aber auch mal wieder lustig.
Dann fuhren wir in unser Hotel und warteten auf den Samstag.

Samstag fuhren wir nach Colmar. Ach ist die Stadt putzig. Nicht ganz deutsch und nicht ganz französisch. Ein paar Bilder hat ja Hase eingestellt auf ihrem Blog.
Lustig diese halbdeutschen Namen und Begriffe, wie z.b. die Winstub. Wir gingen schön shoppen und aßen noch einen Elsäßer Flammkuchen. Das muss natürlich sein, wenn man im Elsaß ist. Das Bier ist aber sauteuer. Das hab ich mir dann aber auch verkniffen. Trink ma halt Wasser, is eh bald Marathon.
Wir schauten uns dann noch die Stadt ein bisschen an, bevor es am Nachmittag wieder ins Hotel ging. Achnö, erst waren wir ja noch in einer Pizzeria. Carboloading, weisch?

So kam der Sonntag und damit auch mein 40. Geburtstag. Hui, kaum zu glauben, dass ich schon in dem Alter bin. Aber lustigerweise geht es mir besser, als zu meinem 30. Geburtstag. Damals noch schön Übergewicht, brav 50 Zigaretten geraucht und wo ne Party war, war Charly auch nicht weit. Ne, die Zeiten kann ich getrost hinter mir lassen.
An meinem Geburtstag sollte es auch ein Marathon sein, man gönnt sich ja sonst nix. Dafür gings nach Ferrette, das natürlich auch im Elsaß liegt. Etwa 20 km von St. Louis entfernt.
Um 10 Uhr war der Start mitten im Nebel, der übergangslos später in den Nieselregen überging. War aber nicht schlimm, weils auch ganz bald zu regnen aufhörte. Ach war der Marathon nett. Nicht so ein Gedränge wie in Berlin. Nicht so irre lange Wege von der Unterkunft bis man endlich am Start steht. Wir konnten auch noch 5 Minuten vor dem Start die Klamotten wechseln, weil wir uns um 9:55 Uhr für Regenjacken entschieden.
Um 10 Uhr war dann auch der Start mit 260 Teilnehmern. Wir haben uns voneinander verabschiedet, wir sehen uns dann im Ziel.
Nettozeiten gibts nicht, brauchts auch nicht, man steht ja auch nicht 25 Minuten, bis man über die Startlinie kommt, sondern nur ein paar Sekunden. Und los ging mein 16. Marathon.
Ich nahm mir eigentlich überhaupt nix vor, ich lauf einfach nach Gefühl vor mich hin. Wenns unter 4 Stunden wird is gut, wenn nicht is Wurscht. Ich hab ja schließlich nix drauf hintrainiert.
Zunächst führt die Strecke 4 km lang bergab. Auf dem ersten km hatte ich so 5 Minuten verwendet, plötzlich haut mir jemand auf den Hintern. Spinn ich jetzt? Ich dreh mich um und seh zu meinem Erstaunen Hase grinsen. Sie musste mir unbedingt nochmal auf den Hintern hauen. Aber nu trennten wir uns wirklich.
Nach 7 km sahen wir uns nochmal an einer Schleife in einem der 14 zu durchlaufenden Dörfer und winkten uns fröhlich zu.
Die Strecke war eigentlich nie wirklich flach, ständig gings sanft hoch und wieder nach unten. Kilometerlange Steigungen ließen kilometerlange Bergabpassagen folgen. In den Dörfern selber war einiges los. Sogar mit Morgenmantel und Kaffeetasse wurde draussen gestanden und die Läufer angefeuert. Das war sowas von herzlich. Und es gab auch kein Mißverständnis, die meinten wirklich mich, schauten mich an und klatschten und riefen überall ihr Allez, allez zu mir herüber und das war wirklich in jedem Dorf so. Überall wurde auf Töpfe gehauen, alte Leute klatschten, die jüngsten auch und alle freuten sich darüber, dass der Marathon durch ihr Dorf führt. In Berlin sind meinetwegen mehr Zuschauer, bei München bin ich mir da nicht so sicher, aber die haben längst nicht die Herzlichkeit.
Auch an den Verpflegungsstationen ist einfach kein Vergleich mit deutschen Laufveranstaltungen möglich. In Deutschland würde man sagen, die Verpflegungsstationen sind funktionell eingerichtet, mehr aber auch nicht. In Frankreich erleben wir ständig, dass es eine absolute Vollverpflegung gibt. Was es da alles zu schlemmen gibt. An JEDER Station gab es Cola, an JEDER Station warmen Tee, an JEDER Station Isogetränk und Wasser.
Dazu natürlich Bananen, Orangen, Äpfel, Lebkuchen, Trockenfrüchte und was weiss ich noch alles. Laufen wie Gott in Frankreich. Und dazu noch die Leute, die wirklich alles tun um die Wünsche zu erfüllen. Nett, einfach nett.
Mir gings vom Körperlichen her ganz gut, die Kilometer wurden schön regelmäßig abgeklappert, wobei ich aber doch merkte, dass mir ein bisschen Training fehlt.
Ich hab aber auch noch meine Kräfte ein bisschen aufgespart, weil ich das Gefühl hatte, dass wir noch einiges an Höhenmetern nach oben laufen müssen, das kann ja noch was werden. Aber so verging Kilometer für Kilometer. Nach 36 km kam ein Anstieg und ich guckte auf den Forerunner, auf welcher Höhe wir sind um dann zu sagen, wie weit es noch nach oben ging. Aber so schlimm wars gar nicht. Irgendwo haben wir die Höhe wieder gewonnen, ohne dass man es richtig mitbekommen hat.
Naja, dann hab ich eben meine Beine laufen lassen und mich nicht mehr um mich gekümmert, nach 40 km konnts nicht mehr so schlimm werden. Aber dann nach 41 km BOING. Kam der Hammermann. Was is los? Was hat der jetzt verloren bei mir? Mir wurde es echt spontan schwummerig, die Beine waren aus Knetgummi und ich war fertig. Was is los? Naja, weit isses ja nicht mehr. Aber da es jetzt auch noch stetig bergauf ging, hatte ich einfach nicht mehr die Kraft und musste eine Gehpause einlegen und das 800 Meter vor dem Ziel. Was is los??? Naja, nach 200 Metern bin ich wieder angetrabt und dann gings eh bald steil bergab nach unten ins Ziel. Dem Fotografen hab ich ungrinsend das Victoryzeichen in die Kamera gehalten und bin nach 3:56 Stunden ins Ziel getrabt.
Ich hab mich dann schnell am Tee gütlich getan und bin bald wieder den Berg hoch: ÄCHZ!!! Ich latschte zum Auto um mich bei der Kälte gleich umzuziehen, denn in 15-20 Minuten werd ich Hase erwarten, bis dahin will ich wieder im Ziel sein.
Ich zog mich gerade am Auto um und stand in der Unterhose herum, als an mir jemand mit grüner Jacke vorbei lief. Spinn ich?
Haaaaaassseee rief ich, mit meiner Jogginghose wedelnd in Unterhosen rumstehend meinem Schatz hinterher. Ich guckte auf die Uhr und sah ungläubig, dass sie in einer Zeit von 4:24 Stunden ins Ziel laufen würde. Ja wie jetzt? Da bin ich ja jetzt gar nicht im Ziel? Sie kann mir ja gar nicht die Wimperntusche aufs Hemd schmieren?! Ich beeilte mich und joggte mit superschweren Beinen wieder den steilen Berg hinab und sah dann meinen Schatz schon auf einer Bank sitzen. Dann schloßen wir uns in die Arme und freuten uns über den schönen Marathon und erzählten das Erlebte.
Mit Beweiseisen und einer Rose, die jede Finisherin bekommt, sind wir dann zum Auto um sofort nach Freiburg zu fahren. Dort wollten wir noch ein bisschen meinen Geburtstag feiern und über die Hasenbestzeit staunen.
Abends aßen wir noch schön in Omas Küche und dann gings zurück in unser Hotel.

Es wurde Montag und wir shoppten noch durch Freiburg.
Ich hab noch ein paar Caches gesucht und bin halb Wahnsinnig dabei geworden.
Einen haben wir dann aber doch noch gefunden an der Universität. Das war Arbeit.
Dann fuhren wir nochmal nach Colmar.
Da gibts auch noch was kurioses zu erzählen, was auch wieder beweist, wie absolut nett die Elsäßer sind.
Ich sperrte das Auto ab und wir liefen durch Colmar. Nach etwa 2 Stunden kamen wir zurück und fanden einen Zettel in der Windschutzscheibe. Häh?
Hase übersetz mal.
Da steht, wir sollen in das Optikergeschäft nebenan gehen und nach einem Jean fragen. Häh? Rätsel, isser uns in die Karre gefahren? Dann kam der Jean auch schon angefedert und erklärte was los war. Ich Idiot hatte auf der Beifahrerseite die Scheibe nach unten gefahren und hab vergessen es wieder zu schließen. So stand mein Auto die ganze Zeit mit offenem Fenster rum, alles lag im Auto. Meine Sonnenbrille auf dem Beifahrersitz, Ipod, Rucksack, Einkäufe, Taschen. Alles was das Herz begehrt.
Jean erklärte, dass er dann aus dem ersten Stock gesehen hat, wie sich jemand in mein Auto beugt und im Handschuhfach rumkramt, wobei er ihn von oben angebrüllt hat, worauf sich der Kerl vom Typ Penner verpisst hat.
Ich stieg dann erstmal ins Auto ein und glotzte blöde vor mich hin. Es fehlte nix, gar nix. So ein Glück. Ich war aber erstmal total fertig mit der Welt. Wie kann man bloß so blöd sein und das Autofenster unten lassen? Minutenlang saß ich noch so da und Kerstin ist nochmal zu Jean reingegangen um sich nochmal herzlich dafür zu bedanken, dass er das bemerkt hat. Hui, waren wir froh.
Perplex sind wir dann nach Hause gefahren in den Hasenstall.

So, das war dann also unser spannendes und schönes Wochenende und ihr braucht jetzt ein Wochenende um das alles zu lesen.

6.11.07 17:57

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bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


muttern (6.11.07 19:14)
ach ihr zwei ,hab mittags gleich kerstin einen riesen kommentar geschrieben,wieder nicht gegangen sch... super was ihr leistet bin soooo stolz auf euch ,wie ist es mit 40 ??? haben ohne dich gefeiert ,flo war auch kurz hier .beneide euch richtig was ihr alles könnt ,weiter so das nimmt euch keiner mehr weg gruß muttern
umarme euch beide


Uli / Website (7.11.07 08:41)
Ein ganzes Wochenende habe ich nicht gebraucht ;-)
Interessant was man sich so zum 40. gönnt. Bei mir wars ein Ironman. Normalsterbliche würden sich da nur an den Kopf tippen.
Besser es qualmen die Socken als die Lunge, finde ich.
Das mit dem Auto verstehe ich gut. Das wird Dir nun öfter passieren. Jetzt wo Du über 40 bist ...

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