Teufelsküche bei Nacht

Wisst ihr, welches Sprichwort mir gestern Nacht durch den Kopf ging, als ich über den letzten Nachtcache nachsinnierte?

Und Gott sprach, lächle und sei froh, es könnte schlimmer kommen.
Und ich lächelte und war froh und es KAM schlimmer.


Tja, soll heissen, in der letzten Nacht war wieder Nachtcache Einsatz.
Nachdem wir den letzten Cache nicht machen konnten, weil die Hasen die Hinweise gefressen haben, wurde ein anderer Cache auserkoren. Dieser liegt bei Obergünzburg in der Teufelsküche.
So heisst ein wunderbares und faszinierendes geologisches Gebiet im Allgäu.
Man geht ja immer vom Besten aus. Zuvor mussten wir schon Recherchen betreiben und verschlüsselte Botschaften decodieren. So erlangten wir die Hinweise.
Aber guckt selber hier
Alles ganz easy, gell?
Es war auch das Leichteste an diesem Cache. Der Rest war höllisch, wie auch die Gegend vermuten lässt.
Also fuhren wir um 21 Uhr nach Obergünzburg und stellten das Auto am Parkplatz ab.
Die erste Station fanden wir schnell, war auch keine Kunst.
Nun strebten wir dem Weg entlang und verschwanden im Wald und befanden uns somit in Teufelsküche.
Ein Stück gingen wir, fanden Reflektoren und kamen bald an einem Baum an. Dem Baum nach oben waren noch ein paar Reflektoren. Das hieß, rauf auf den Baum. Ich hielt die Taschenlampe, der Martin durfte hoch klettern. Dort oben war ein Zettel mit Buchstaben und Zahlen. Sehr gut, weiter gehts.
Das flutscht aber.
Es hieß noch, 30 Meter in Richtung 140° laufen und wenn nix weiter geht, im Umkreis von 10 Metern suchen.
???
Wir fanden sogleich die zweite Station und standen vor einem riesigen Felsen. Ahaaaaa, hier gehts nicht weiter. *blink*
So suchten wir nun den Felsen ab und jeden Baum. Nix. 20 Minuten suchen. Nix. Hmmmm. Frust. Was tun? Wir entschieden uns fürs weiter gehen. Wir folgten den Reflektoren.
Hier ist einer, da vorne ist einer, dort ist einer und hier und da und...... Heee, die Dinger sind ja gelb und hieß es nicht, dass man sich vor gelben Irrlichtern schützen soll? Scheiße, wir sollten hier nicht lang gehen, weil der Weg in die Irre führt. Also den ganzen Käse wieder zurück, bis wir beim letzten weissen Reflektor waren. Von dort suchten wir uns den weiteren Weg. Ich erwähne jetzt nicht oft, dass es ständig steil nach oben ging, steil nach unten, über Bäche, über Stock und Stein, über Wurzeln, über spiegelglatte Wege usw. usw. Mir taten schon nach 1 Stunde die Füße weh. Äusserst anstrengend, kann ich sagen.
Nun kamen wir an eine Station. Eine Steckdose mitten im Wald??? Die ist nicht vom Baum gefallen. Wir untersuchten das Teil und kamen dann drauf, dass man mit einem spitzen Gegenstand reinstechen kann in ein Loch und aus dem andern Loch kommt rotes Licht raus. Strom war übrigens zum Glück keiner drauf.
Toll, rotes Licht. Und nu? Wo ist die Botschaft? Was fangen wir mit der Info an? Wir wussten es nicht so recht.
Die nächste Station hieß, dass wir am oberen Weg nach genau vier Hinweisen suchen sollen, erst dann können wir uns wieder treffen. Ich machs kurz, auch wenns lang war. Wir fanden keine Hinweise. Zumindest nix verwertbares. Wir liefen immer weiter hoch, bis wir ganz oben ankamen. Steiiiilll. Hier wehte nun ein eisiger Wind. Also Mütze auf.
Hier oben gabs nix zu finden, also machten wir uns auf einem Weg. (Hurra ein Weg) nach unten. Aber die Wege waren hoffnungslos vereist, so drängelten wir uns nah an den Rand des Weges, damit wir einigermaßen im Pinguinschritt voran kamen. Allerdings rudern Pinguine nicht mit den Armen, wenn sie ständig aus dem Gleichgewicht kommen. Irgendwie war das schon lustig. Vor mir wedelte der Martin mit den Armen und fing sich gerade noch ab und ich wusste immer gleich, dass ich umgehend auch mit den Armen wedeln werde um das Gleichgewicht zu halten.
So erreichten wir wieder die Station 3.
?????
Ja das war die Steckdose. Wieder darüber nachgedacht, was es denn nu mit der Steckdose auf sich hat. Keine Ahnung. Auf jeden Fall sollten wir jetzt auf keinen Fall in Richtung 300° gehen, weil das saugefährlich werden kann. Darauf wurde mehrmals insistent darauf hingewiesen und extra auch rote Reflektoren angebracht, damit dem leidenden Geocacher nix passiert.
Nun befanden wir uns in flacherer Gegend und durften große Felsen untersuchen. An einem Felsen war ein Schild angebracht, das wir suchten.
Ich geb jetzt mal einen Link ein, damit ihr seht, wie die Gegend am Tag aussieht und das von Gehwegen aus gesehen. Viel Gehwege haben wir aber ja nicht benutzt, wir durften uns meist auf direktem Weg durch den Wald keilen.
hier der Link
Auf einem Bild seht ihr das Schild. Es besteht aus 574 Buchstaben das gehörte zur Aufgabe, dass wir die Buchstaben zählen. Lästig.
Dann suchten wir uns den Weg und eierten auf dem vereisten Weg herum. Ein paar mal rutschten wir einfach so dahin und warteten wo uns die Schuhe hintrugen. Natürlich wild mit den Armen wedelnd.
Ein kurzes Stück später, also etwa eine halbe Stunde, kamen wir wieder an einem beeindruckenden Felsen an. Dort war ein Spalt, in den man rein gehen konnte. Allerdings ohne Rucksack. Dort fanden wir einen Stock, daran hing ein Zettel. Nunja, da stand drauf, welche Farbe der Beerentrank hatte, an dem die Familie, die auf dem Schild stand, dahin gerafft wurde.
NEIN, NEINNEINNEIN, Überleg, überleg. Was für Beeren gibts denn? Blau, Rot? Was noch? Martin rutschte zurück zum Schild und kam wieder. Blau wars. Also vier Buchstaben. Puh. Weiter.
Soooo, nun hatte es bereits zu regnen begonnen. Nett bei 0°. Aber es regnete nicht lange, weil dieser in Schneeregen und dann in Schnee überging. Toll. Traumhaft. Herrlich. Erfrischend.
Es war schon nach 1 Uhr und ich legte mittlerweile den dritten Satz Batterien in die Taschenlampe. Doch jetzt kamen wir recht zügig voran. Ein paar Stationen kamen wir richtig gut voran.
Einmal verhakte ich mich in einem Bach und da zog es mir erstmal den Schuh aus. Ist ja eh scho wurscht, ich war ja schon nass. Der Schneeregen machte uns nun ganz schön zu schaffen. Der glatte Boden wurde noch glatter, den Boden konnte man auch nicht mehr so gut erkennen. Wo sind Wurzeln, wo trete ich am dümmsten hin? Aber wir kamen immer weiter. Die Stimmung bei uns wurde trotzdem schlechter und schlechter. Das liegt auch daran, dass der Martin
1. Am Morgen wieder arbeiten musste
2. Er seiner Frau gesagt hatte, dass sie sich um 3 Uhr in der Früh so richtig Sorgen machen kann. Und es war schon fast 2 Uhr.
Es schneite nun, der Schneeregen hatte somit aufgehört. Der Boden war der Wahnsinn. Wir mussten die Stationen ja auch immer mit den Händen frei schaufeln und nach jedem Baum konnte ich erstmal meine Handschuhe auswinden. Es war leicht feucht im Wald.
Wir rutschten zu einer Baumwurzel, leuchteten hinein und machten AAAAAAAAHHH huiiiii und hohohoho. Da hat der Witzbold in die Wurzel hinein einen kleinen Totenkopf hinein gestellt. Da denkst nix schlimmes und leuchtest 15 cm vor deiner Nase den Totenkopf an. Da haben wir uns leicht erschreckt. Aber den Hinweis fanden wir auch.
Wir glaubten jetzt aber, dass wir nicht mehr weit hatten bis zum Cache. Kann einfach nicht mehr weit sein.
Doch das dauerte noch. Jetzt wurden die Hinweise auch noch schwerer. Wir mussten die Zeichen decodieren, die Buchstaben hatten wir, aber der Zettel war patschnass und riss. Doch mit viel Mühe schafften wir das decodieren.
In Richtung 005° sollten wir 50 Meter gehen.
Ich suchte mit der Lampe, dann plötzlich TIRILIIIII, PFRIEP, PFRIEP.
?????
Wir blickten uns an und jeder meinte, vom andern hat das Handy angesprochen. Aber das wars nicht. Es machte noch 2x TIRILIIIII, PFRIEP, PFRIEP und merkten jetzt, dass wir an einer Art Bewegungsmelder waren. Als wir den durchschritten, piepte über unserem Kopf ein Vogelhäuschen. Achsoooo.
An der Wurzel wieder ein Hinweis, wieder decodieren. Der Zettel war mittlerweile fast nur noch Matsch. Ganz vorsichtig mit erfroreren Fingern hielten wir den Zettel in der Hand. Doch nun hatten wir den letzten Hinweis geschafft. Uns wurde gesagt, dass wir nun gleich am Ziel wären, nur noch 100 Meter in den Wald rein.
Wir waren komischerweise überhaupt nicht euphorisiert, wir hatten einfach die Schnauze voll. Martin ging das nun tierisch auf die Nerven, denn es war nun weit nach 3 Uhr in der Früh und seine Frau sitzt jetzt wohl senkrecht im Bett und macht sich Sorgen.
Lustig fand der Owner wohl auch, dass wir viele Hinweise überhaupt nicht benötigten. Dazu zählte auch das rote Licht in der Steckdose, als auch die 574 Buchstaben auf dem Schild.
Aber ich denk mir, wenn ich mal irgendwann bei Tage vor dem Schild stehe und dort lesen Spaziergänger, dann kann ich die Leute beiläufig damit beeindrucken, wenn ich lässig an ihne vorbei gehe und sage, dass das Schild 574 Buchstaben hat und die Farbe blau 4 Buchstaben hat.

Voller Wut suchten wir jetzt aber die Gegend ab, wir suchten und suchten, wir hatten kein Gefühl mehr in den Händen, ich hatte Eisklötze statt Füße. Meine Jacke wog 25 Kilo, weil sie total vollgesogen war und wir waren erschöpft, fertig und schlecht gelaunt.
Irgendwann sagte Martin: CHARLY ABBRUCH
Es hatte keinen Zweck mehr. Wir standen wahrscheinlich direkt am Cache und konnten ihn nicht finden. Was ja auch daran liegt, dass der Boden nun ziemlich schneebedeckt war.
Dazu kommt noch, dass meine Lampe langsam den Geist aufgab und ich keinen vierten Satz dabei hatte.
So haben wir die Startkoordinaten ins GPS eingegeben und sind stolpernd und halb erfroren zum Auto zurück gegangen.
Wir wollten schnell nach Hause, aber das funktionierte auch nicht, weil auf der Straße 10 cm Schnee lag und um 3:30 Uhr noch kein Schneepflug unterwegs war. Dann kachelten wir eben mit 50 - 60 Sachen in die Heimat und um 4 Uhr war ich mit klappernden Zähnen und durchgeweicht Zuhause.

Nun fragt sich der geneigte Leser:
Was soll der Scheiß eigentlich?
Wieso gibt es dieses Hobby, wieso zum Teufel schlägt man sich als normal denkender Mensch im Januar mit allerhand Gerätschaft mitten in der Nacht mitten durch den Wald, mitten durch die Mitte, wenn man doch auch gemütlich hinterm Ofen hocken könnte?
Wofür bitte soll das gut sein, diese bescheuerten Kisten zu suchen, sie aufzumachen, wenn man sie gefunden hat, einen Eintrag im Logbuch schreibt, ein Plastikauto rein stellt und ein Katzenquartett raus holt um im Internet zu verkünden, dass man es geschafft hat.
Antwort: Im Nachhinein ist es einfach geil, WEIL man es geschafft hat. Wir sind doch schließlich geprägt von der Steinzeit und immer noch Jäger und Sammler, aber nun eben mit GPS. Ausserdem ist man sich sicher, dass ein total fieses Abenteuer erlebt hat.
Ausserdem gibts immer so viel zu erzählen

18.1.08 15:21

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bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Hase / Website (18.1.08 15:43)
Na, zum Glück hast du gleich selber die Antwort auf deine Frage mit dem "warum" gefunden.

Ihr spinnt - mit Verlaub

Wedelwedelwedel

Aber es gibt immer was Schönes zu erzählen, das stimmt


Hasenmama (18.1.08 18:22)
Ich möchte doch zu bedenken geben, daß MÄNNER schon in der Steinzeit so waren :-))))
Und - tja - lieber Charly, vielleicht solltest du in Zukunft berücksichtigen, daß auch Hasen (wenn sie Wesentliches auffressen) ihre Tücken haben :-))))
Etwaige Ähnlichkeiten sind zufällig und keineswegs vom Verfasser beabsichtigt usw.
ciao


muttern (20.1.08 18:01)
naja verrückt ist verrückt ,wenn ich an früher denke oje oje ,aber dein Bericht ist wieder SUPER ,irgendwann wird mal ein Buch draus .Hoffentlich werdet ihr 2 nicht krank bei der Rumsucherei ,bei der Kälte
aber ehrlich spinnig seid ihr ja doch
(spricht der Neid aus mir )
Gruß muttern

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