Hells Bells

So heisst der Nachtcache, den wir gestern fortgesetzt haben, den wir vor einem Monat abbrechen mussten, weil Kerstins bucklige Verwandtschaft die Hinweistäfelchen weggefuttert hat. Die Hasen mögen anscheinend ausser Möhrchen auch Hinweisschilder aus Kunststoff.
Der Owner hat nun alles stabiler gebaut, damit sich die Hasen die Zähne ausbeissen müssten. Ich kann gleich sagen, es sind alle Schilder noch da.
Um 22 Uhr bin ich mit Martin von Kaufbeuren aus in den Wald gefahren um dann an der letzten Station weiter zu machen, an der wir vor einem Monat aufgeben mussten.
Nach einem kleinen Fußmarsch standen wir wieder an der Stelle.
Nun wussten wir auch, wo wir hin mussten, gaben die Koordinaten ins GPS ein und latschten durchs Gehölz, blieben an Dornenranken hängen und stapften über den gut gefrorenen Boden. Minus 5 Grad hatte es. Zur Waldbegehung prima Temperaturen, aber zum rumstehen nicht günstig. Aber noch gingen wir.
Wir mussten einem Weg folgen, der mit Reflektoren gespickt war, wir kamen gut voran, bis wir auf einer Anhöhe waren.
Und nu? Da waren wir auch schon und fanden damals keine Reflektoren mehr. Aber der Martin hat seinen Suchradius ausgeweitet, während ich jeden Baum ableuchtete, ob ich einen Hinweis finde. Irgendwann fand der Martin einen weiteren Reflektor in 200 Metern Entfernung. Super. Also runter mit uns und auf zum Reflektor. Dort fanden wir einen Hinweis und wussten, zu welchen Koordinaten wir mussten.
Es dauerte nicht lange, dann waren wir an der nächsten Station angekommen. Ich bückte mich am Baum und las 'Gehe 40 Schritte nach Nordost und warte auf 0 Uhr und hör genau hin'
Ich las: Gehe 40 Schritte nach Nordost und warte auf 0 Uhr und hör genau hin.
Ich las: Gehe...
Ich las meine Uhr ab: 23:10 Uhr
Ich las zuvor bei meinem Thermometer -5° ab.
So, da standen wir nun und mussten einfach nur warten, bis 50 Minuten vergingen. Wir aßen Studentenfutter und überlegten uns Fiesigkeiten, wenn wir selber mal einen Nachtcache organiseieren würden. Der Sadismus kennt keine Grenzen.
Die Zeit vergeht sehr zäh, wenn man nix zu tun hat, wenn man den Mond angeglotzt hat, wenn alles ruhig ist und man nur in der Kälte rumsteht.
Doch irgendwann wurde es 0 Uhr, wir lauschten und lauschten und hörten nur die Kirchturmuhr von Kaufbeuren und von Kleinkemnat und von wasweißich.
Der Owner wusste das auch und hat den Ohrenhinweis ein paar Minuten danach gestellt. Bis 0:05 rührten wir uns um keinen Millimeter und horchten in die Stille hinein. Dann plötzlich 'Pscht' da ist was. In der Ferne hörten wir ein pieppiep, pieppiep, pieppiep. In uns kam Bewegung, wir fußelten schnell in die ungefähre Richtung, blieben alle paar Schritte stehen um weiter zu lauschen und kamen dem Gepiepe immer näher.
Wir kamen an einem großen Baum an und waren dem Geräusch sehr nah, als dieses aufhörte. Das war knapp, aber wir standen an der Stelle, an die wir gelockt werden sollten.
So was nun? Wir leuchteten wieder die Bäume ab, ob wir einen Hinweis fänden. Den Wecker fanden wir auch, ganz oben am Baum hat der Owner einen elektrischen Wecker installiert, der jeden Tag um 0:05 das Signal gab. Es dauerte aber noch eine Viertelstunde, bis wir beschlossen, dass einer von uns, also Martin auf den Baum klettert um zu gucken. Und tatsächlich, dort oben war die Rechnung für die nächsten Koordinaten angeschraubt. Martin kam wieder runter, wir gaben die Koords ein und keilten uns gut gelaunt und zügig weiter durch den Wald, damit es uns auch wieder warm wurde.
Wir erreichten wieder eine Baumgruppe, aber wir wussten nicht, nach was wir suchten. Wir standen vor einer großen Buche und suchten die ganze Gegend ab. Irgendwann beschlossen wir, dass einer von uns beiden, also Martin auf den Baum klettern sollte um zu gucken, ob da oben was ist. Und tatsächlich, da oben im Baum war ein Melder, der aufleuchtete, wenn man ihn anleuchtete. Er blinkte rot, sobald er Licht abbekam. Aber nu? Kein Hinweis? Suchsuchsuch. Nix zu finden. Was tun? Martin entschloß sich dann, dass er den Owner anruft, als Telefonjoker sozusagen. Er wusste, dass wir im Wald sind und hat sein Ok gegeben, dass wir ihn im Notfall anrufen können. Gesagt, gerufen und Klaus, der Owner sagte, dass da oben aber ein Schild sein müsste. Aha. Wir beschlossen, dass einer von uns beiden auf den Baum klettern müsste, also Martin um das Schild zu suchen. Er hatte zuvor wohl wirklich Tomaten auf den Augen, weil er zuvor tatsächlich fast die Nase davor hatte.
Jubelnd notierten wir uns den Hinweis und sollten nun nur 35 Meter nach 100° gehen.
Aber wie es nunmal so sein muss, wir fanden nix. Wir hatten schon 100 Bäume und Wurzeln abgeklappert, doch unser Telefonjoker meinte, dass wir an einem Weg ankommen müssten. Da konnten wir aber nix dafür, weil der Weg 55 Meter weg war. Man sollte nicht immer so präzise denken. Wir fanden den Weg natürlich dann auch gleich und nun war der Rest eigentlich nur noch Formsache. Wir fanden Reflektoren und noch einen Hinweis, dass wir 110 Meter gehen sollten nach 45° und dann standen wir an einem Ort, an dem 3 Reflektoren an 3 Bäumen angeschraubt waren. Dort auf dem Boden ein völlig offensichtlicher Hasengrill (So nennt man das, wenn die Vorgänger einen Cache so tarnen, dass er eigentlich gar nicht mehr getarnt ist, weil so symetrisch keine Äste runter fallen können, mit Tannenzapfen dazu) Wir starrten auf die Stelle, im Fernsehen würde jetzt ein Engelschor singen, aus dem Himmel würden Leuchtstrahlen kommen und direkt auf den Cache strahlen. Wir hatten es geschafft und wir klopften uns auf die Schulter. Wir schoben den Hasengrill weg und hoben die Schatzkiste hoch. Die Tupperdose machten wir auf und suchten das Logbuch. Dann trugen wir uns in das Buch ein, machten noch unseren Trade und lasen, was die Vorgänger geschrieben haben. Nun gehörten wir dazu, auch wir haben diesen Cache geschafft.
Wir machten dann die Dose wieder zu und machten wieder einen Hasengrill, aber bitte so, dass er etwas natürlicher aussieht und schon keilten wir uns durch den Wald um wieder zurück zum Auto zu gelangen.
Hach ist es abenteuerlich.

Der Cache heisst Hells Bells und ist nach Highway to hell der zweite Teil der Serie. Der dritte Teil ist mindestens doppelt so schwer. Ich hab nur eine vage Ahnung, was uns da erwartet, aber der muss alles bisher gewesene um Längen toppen. Manche Leute haben 6 Versuche benötigt und wenn einer nur 2 Tage braucht, dann wird gestaunt.
Nett war auch, dass wir diesen Cache gestern gemacht haben (Alle drei Caches sind nach Titeln von AC DC benannt)
Denn genau vor 28 Jahren starb der damalige Sänger Bon Scott von AC DC
Also Cache heben in memory of Bon Scott.

Und nun: Link anklicken und headbangen
Erst mit Bon Scott in Highway to hell HIGHWAY TO HELLUnd dann mit Brian Johnson HELLS BELLS

20.2.08 13:23

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bisher 7 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Hase / Website (20.2.08 13:36)
Na ja, das mit dem Headbangen spare ich mir jetzt mal

Tsss. Meine "bucklige" verwandtschaft. Erstens sind die nicht bucklig, und zweitens ist das auch deine Verwandtschaft, Herr Hase.
Und wenn ihnen die Schilder doch nun einmal schmecken? Stell dir mal vor, jemand würde deine Kekse durch Stahlkekse ersetzen?

Ich finde es einfach irre, was ihr da für eine Geduld und Beharrlichkeit aufbringt. Nie im Leben hätte ich die. Echt nicht. Eine Dreiviertelstunde in der Dunkelheit und Eiseskälte warten, bis irgendwo ein Wecker piept - unglaublich.
Ich bin stolz auf dich


Hasenmama (20.2.08 22:37)
Also - ich muß schon sagen, Charly, das mit der buckligen (Hasen-)Verwandtschaft geht zu weit :-)))
Selbst wenn man Nacht-Caches sucht!!!!
Aber ein bißchen masochistisch ist das schon, oder?


Charly (21.2.08 00:49)
Die Verwandtschaft hat doch aber nen Buckel?!
Also die Hasen die ich kenne, die sind so richtig rund, wenn sie so auf der Möhre kauen.

Stahlkekse? Neeeee.

Ja, ein bisschen masochistisch muss man da auf jeden Fall sein. Wer rennt schon Nachts mit nem GPS Gerät und zwei Taschenlampen in den Wald, haut sich in der Kälte die Nacht um die Ohren, nur um dann nach Stunden oder nach mehreren Anläufen vor so einer doofen Tupperdose zu stehen?
Wir

Es ist aber auch die Herausforderung, solche schweren Dinger zu schaffen. Und es gibt noch viel, viel schwerere, bei denen man sogar eine Tauchausrüstung braucht. Das spar ich mir dann auch lieber.
Man muss zum Beispiel in der Nacht auf einen See rudern und an einer bestimmten Stelle mit der Taschenlampe einen bestimmten Code ins Wasser morsen. Nur wenn man den richtigen Morsecode macht, leuchtet es im Wasser rot zurück. Dann muss man sich den gesendeten Morsecode notieren um den Hinweis zu erhalten, wo es hin geht.

Oder Caches in stillgelegten Wasserversorgungsrohren
Es gibt unglaubliche Dinge und den Ideen sind absolut keine Grenzen gesetzt.


Hase / Website (21.2.08 08:32)
Was??! Die Hasen, die du kennst, sind RUND?!

Jetzt muss ich aber doch auch mal insistent protestieren hier!!






Martin / Website (27.2.08 22:46)
Ein guter Arbeitskollege ist ebnfalls ein Geo Cacher und daher kenne ich solche Geschichten sehr gut. Ich bin nur froh dass ich nicht damit angefangen ahbe, denn ich bin mir sicher es würde mich fesseln !


Werner (8.3.08 10:39)
Hey Charly, schreib mal wieder was, sind ja bald 3 Wochen !

Hier noch ein Link über Laufstrecken, war verwundert das in deiner Gegend noch nichts eingetragen ist.

http://www.jogmap.de


Charly / Website (8.3.08 15:14)
Schreibblockade
Ja ich schreib die Tage wieder was. stimmt, wird wieder mal Zeit

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