Cold Turkey und Wehmut

Nein damit ist weder das gestrige Abendessen gemeint, wo noch etwas Truthahn übrig geblieben ist, noch ein Türke, dem die Kälte in Deutschland langsam aber sicher aufs Gemüt schlägt.
Cold Turkey heissen Entzugssymptome und darunter hab ich die letzten Tage gelitten.

Vorgestern Abend sag ich zu Kerstin: Mein letzter gefundener Cache liegt schon wieder 6 Tage zurück. Das geht doch nicht.
Das ist nunmal so im Burgund. Es gibt kaum Caches hier.
Hase verstand meine Lage und hielt meine zitternden Hände.
Ach Hasenmann, ich kenn da einen und der kann dich heilen, der Weg zum Cache ist weit, bis nach Vézelay. Da brauch ich Sprit, drum werd ich gleich mal tanken.
(Hm, kommt mir bekannt vor. Wers bei dem Video da unten bis 1:36 durchhält ohne Anfall, weiß was ich mein. Aber seid stark)


Sofort fingen meine trüb gewordenen Augen wieder zu leuchten an. Wir planten sofort einen Ausflug nach Vézelay für den gestrigen Tag. Zwei Caches gibts dort. Einen Multi und einen Normalen.
Da wir im Hasenstall keinen Drucker haben, musste ich mir die Beschreibung des Multis mühsam in mein Cachebuch schreiben. Das ist Arbeit.
So, am Nachmittag gings los.
Es ist Frühling und jetzt ist die Zeit, wo das Burgund zum heulen schön ist. Da soll man nicht wehmütig werden. Denn am Donnerstag ziehen wir ja vom Burgund weg ins Elsaß. Klar, dort ist es auch wunderschön und es hat seinen Reiz, aber das Burgund ist nunmal einzigartig.
Wir fuhren an blühenden Bäumen vorbei über sanfte Hügel ging es dahin. Die Wiesen leuchtend grün, dass man sich im nächsten Leben wünscht eine Burgundkuh zu sein, die dieses Paradies wegfressen darf. Gut, die Aussicht, als Schnitzel zu enden ist dann doch nicht so prickelnd.
Kurz vor Avallon fuhren wir eine Umgehungsstraße entlang. Immer am Fluß Cousin entlang. Es ist einfach sagenhaft dort. So richtig kitschig schön wie bei den Hobbits Zuhause in Hobbingen.
Alles grün, alles blüht, der Fluß rauscht, Wälder, Gras, der Naturoverkill für die Augennetzhaut.
In Avallon haben wir noch ein bisschen eingekauft.
Dann fuhren wir weiter in Richtung Vézelay. Aber zunächst musste der erste Cache gefunden werden. Der war in St. Père an einer Kirche. Auto abstellen und zielstrebig hinter die Kirche gelatscht. Dort führte mich das GPS hin. Hase machte nebenbei Fotos von der Kirche und einem hübschen Garten.
Wir standen hinter der Kirche und dann zeigte Kerstin auf einen Stein und meinte: Da is der Cache.
Ich guckte sie an und ich holte den Stein aus der Wand und schon hatte ich die Dose in der Hand.
Grins, grins, breitgrins und rumhüpf. Hase hat ihren ersten Cache gefunden. Aber ich vermute, so richtig infiziert hab ich sie mit dem Cachefieber damit nicht.
Sie machte auch den Logeintrag ins Logbuch.
Wie weggeblasen war der Cold Turkey, ich war voll euphorisiert. Voll auf Cachedroge sozusagen.
Nun fuhren wir aber wirklich nach Vézelay rüber. Dort waren wir schon ein paar mal und diesmal wars wohl für lange Zeit das letzte mal. Da war sie wieder die Wehmut.
Wir schlenderten durch die Stadt und ich genoß die Aussicht auf...... mein GPS. Tja, das findet Kerstin immer so 'toll' am Cachen, dass man in den tollsten Gegenden sein kann, aber der Charly hat nur einen Blick für den Bildschirm des Etrax Vista HCX und dem Pfeil, der mitten durch eine Mauer zeigt.
Guck mal Charly, schön gell?
Hmja schön ja (224 Meter nach Südwest müssen wir)
Aber wirklich, ich hab mir auch das Vézelay angeschaut. Zum Beispiel interessierte mich brennend, wieviel Bretter eine Bank hatte, wieviel Eisenstangen an einem Zaun sind und wie die letzte Ziffer des Todesdatums von 'KeineAhnung' ist. Es erschien mir auch wichtig, mir zu merken, wie die letzte Ziffer der Telefonnummer dieses Hotels war.
Was man eben so ansieht bei einem kulturellen Ausflug...... mit Einbeziehung einer Cacherunde.
Die Aufgaben des Caches haben wir dann aber nicht wirklich gemacht. Auf gut Glück suchte ich die Koordinaten, wo denn wohl der Cache sein könnte. Es war ein Bereich von etwa 100 Quadratmetern, wo der Cache sein könnte. Ich wusste auch, dass er in einer Mauer versteckt war, ein Bild von einem Teil der Mauer hatte wir dabei. Dass das aber nicht so einfach ist, liegt daran, dass überall Mauern sind.
Aber ich fand einen Weg hinaus aus Vézelay? Tapfer ging Kerstin hinter mir her und überlegte mit mir, wo denn der Cache sein könnte. Ständig sahen wir uns die Mauern an, ständig wurde aufs GPS gestarrt.
Eine Stelle kam mir sinnvoll vor, ich suchte und.... fand nix. Also gingen wir den Weg wieder zurück. Kerstin führte mich an der Hand, damit ich besser gucken konnte und nich in einen Abgrund fiel, wie Hans Guckindieluft.
Dann plötzlich blieb ich stehen, fixierte einen der 125.000 Steine, liess meinen Schatz los und keilte mich in Richtung Mauer hoch. Ich hörte noch wie durch einen Nebel 'Charly pass auf deine Beine auf', doch es gab kein Zurück mehr. Ich nahm den Stein heraus und noch einen Stein und hielt triumphierend den Cache in der Hand. Kerstin zückte sofort den Fotoapparat und machte Heldenbilder von mir mit dem Cache.
Wir öffneten die Dose und grinsten hinein. Ich völlig begeistert über diesen, meinen Adlercacherblick, Hase begeistert davon, dass wir nun endlich Cachefeierabend hatten.
Ein Eintrag ins Logbuch, die Dose zurück gebracht und schon war ich wieder an der Hand von Kerstin. Ich blickte auf und sagte 'Tolle Aussicht hier'
Ach tatsächlich? Siehst du das jetzt auch schon?
Wir grinsten und schlenderten suchtbefreit durch das schöne Vézelay.
Da es schon Abend war, gingen wir noch Essen in eine Creperie. Das war mal lecker. Nachdem wir dort schön gespeist haben, sind wir beim Sonnenuntergang wieder nach Hause gefahren.
Noch mehr Kitsch, nicht wahr?

Kerstin hat einige Bilder vom gestrigen Tag gemacht.
Die können sehr bald in Kerstins Tagebuch angeguckt werden

Hasentagebuchbilder

22.4.08 12:39

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bisher 8 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Uli / Website (22.4.08 14:12)
Da siehste mal, wohin einen die Sucht führen kann! Der Verstand vernebelt völlig und man sieht sich abartige Videos an (nebenbei: das Mädel links, ist das Anke Engelke?)
Charly, Charly, wo soll das noch hin führen? Ich kann das nicht unterstützen!

Viele Grüße
Uli

P.S.: Hast Du eigentlich den Cache an der A93 bei mir um die Ecke schon gehoben? Muss ganz einfach so im Vorbeifahren gehen.


Charly (22.4.08 14:33)
Ja, das ist die Anke Engelke. Schlimm gell?

Wo das noch hinführt? Müssen wir uns Sorgen machen?

Mal sehn, ob ich heut noch schnell an der A93 vorbei komm, aber ich glaub eher nicht


Hasenmama (23.4.08 19:19)
ach Charly, dein Bericht ist echt zum Heulen schön, ich habe auch ein bißchen Wehmutsschmerz!
Aber schön, daß ihr morgen kommt. Übrigens wirst du hier von Niko sehnlichst erwartet zum cache-Suchen...............


Charly (23.4.08 23:02)
Aja, da fahren wir ja dann extra früh los
Ich wollt Nico eh noch ausquetschen wegen dem Frankenmemory

Jetzt haben wir schon wie wild gepackt. Mein Auto ist fast bis zum Rand voll. Puh.
Wir freuen uns auch aufs kommen


Martin / Website (24.4.08 16:19)
Gab es damals schon solche Drogen? Ich mein der Junge hat doch irgendetwas gschluckt, oder? Und Anke wird es bestimmt heute noch bereuen wenn sie dieses Video sieht.

G R A U E N V O L L

Aber zu deiner "Cachesucht", auch einer meiner ehemaligen Kollegen ist davon befallen und ich glaube es wäre auch "gefährlic"h für mich, drum lass ich besser die Finger davon, noch jedenfalls.


Charly (25.4.08 19:53)
Schlimm ja
Dieses Grinsen
Geht nur auf Droge

Och Martin probiers doch mal mit dem Cachen


Lars / Website (26.4.08 21:43)
Damals brauchten wir keine Drogen. Damals hatten wir Dieter-T.H. und seine Shitparade... und wir haben das ALLE geguckt! Oder? ;-)

Großes Kino. Tolles Video. Als wäre es gestern gewesen :-))

Schöne Grüße
Lars


Martin / Website (27.4.08 22:13)
Ja ich gebe es zu, auch ich habe die Hitparade geschaut. Und natürlich "Disco" mit dem ollen Ilja Richter über dessen Späße ich nie lachen konnte.

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