Würzburg Marathon

Bonjour, isch bins
So sagt man im Elsaß
Aber ich will ja von Würzburg erzählen.
Es klingelte der Wecker, blabla, Frühstück, blabla, auf dem Weg zum Marathon, blabla

Zeitsprung

Um 10:03 fiel der Startschuß für den zweiten Block, in dem ich mich ganz vorne aufgestellt hab. War prima, keiner vor der Nase und kaum Leute, die mich überholt haben.
Ich hab mir eigentlich vorgenommen, wieder die 3:30 Stunden in Angriff zu nehmen, aber nachdem ich am Vortag den Wetterbericht gehört hab, hab ich das nicht mehr in Erwägung gezogen. Bis zu 22° und strahlender Sonnenschein. Nönö, das lass ich mal besser bleiben. Also lauf ich einfach so mit.
Die ersten Kilometer lief ich aber noch so zwischen 5:09 und 5:20. Fühlte sich prächtig an. Und am Vormittag wurden wir auch noch nicht so gegrillt von der Sonne. 22° ist eigentlich nicht viel, aber wenn es der erste Tag im Jahr ist, mit solchen Temperaturen, dann wird das nicht gut fürs werte Marathoniwohlbefinden.
Dieses Jahr war es ein einfacher Rundkurs, nachdem es die Jahre zuvor immer zwei Runden in Würzburg waren.
Da WÜ nicht sooooo groß ist, mussten sich die Veranstalter ganz schön verkünstelt.
So war es denn, dass man viele Straßen doppelt lief, ein paar Straßen sogar 3x. Ob das mental so toll ist, das sei mal dahin gestellt. Ich finds nicht sehr toll in einer Straße die Kilometerschilder für 9 km, 18 km und 39 km stehen zu sehen. Ausserdem wollte man uns in der Ausschreibung weiß machen, dass es sich um einen schnellen, flachen Kurs handelt. Dass das auf einer Einrundenstrecke in WÜ nicht funktioniert, ist mir klar, aber vielen andern Läufern nicht, die extra auf eine gute Zeit hintrainiert haben und denen es sowohl wegen den zahlreichen Hügeln und den Temperaturen die Zeit verhagelt hat. Schade drum. Aber mir wars ja wie gesagt wurscht.
Ich lief entspannt vor mich hin und dackelte der Läuferschar hinterher. Dass die Streckenorganisation noch ein bisschen verbesserungswürdig ist, merkte man dann auch, als von links die Nordic Walker ankamen und die Straße der Marathonläufer queren mussten. Ausserdem wurden die NWler fehlgeleitet, was sich daran auswirkte, dass die NWler nicht 16 sondern nur 10 km gegangen sind.
Beim HM gabs auch noch ein paar Pannen. Läufer, die um Platzierungen kämpften, fanden sich plötzlich auf der falschen Fährte wieder und liefen einen Kilometer zu weit. Den zweiten und dritten Platz holten dafür andere Läufer. Dass die stinksauren Läufer den Organisator zur Brust nahmen, war nur verständlich.
So, nun aber wieder zu meinem Lauf.
Bei km 19 trennte sich die Halbmarathonmeute von den Marathonis, die noch ein Stück zu bewältigen hatten und schon wurde es übersichtlich.
Es ging über eine Mainbrücke und am Start/Zielgelände entlang.
Dann bei 22 km sah ich meine Kerstin und die Susanne mit Kind am Rand stehen. Da musste ich doch natürlich stehen bleiben und ein bisschen Kussmotivation einholen. Wir unterhielten uns noch 2 Minuten und nachdem der Peter an mir vorbei gerauscht ist, hab ich mich mit den Worten 'Den krieg ich noch' verabschiedet.
So lief ich wieder los, als mir nach 500 Metern einer von hinten zurief, dass ich mich da so klammheimlich von hinten anschleiche und überhole.
Ach hallo, da überholte ich gerade den Richard.
Da es mir ja nicht pressierte, hab ich mich mit dem Richard unterhalten über sein Marathonwunschziel, über den Werner, seinen Bruder, der seinen ersten HM unter 2 Stunden gelaufen ist, obwohl er eigentlich gar nicht wirklich darauf hintrainieren konnte. Da geht noch was Respekt, respekt.
So liefen wir gemeinsam am Main entlang und ich hab mich als Paceläufer angeboten. So vergeht ja auch die Zeit viel schneller und man ist abgelenkt von seinen Gedanken, die einem während so einem Marathon durch den Kopf gehen.
Wir liefen weiter den Main hinauf und hatten immer leichten Gegenwind. Aber wenns Gegenwind gibt, dann gibts auch irgendwann Rückenwind. Ähm, das heisst *schwitz wie sau*
Kurz vor der 30 km Marke mussten wir auch umdrehen und hatten den Wind im Rücken. Es wurde superwarm, aber es ging hier auch leicht bergab.
Irgendwann ging der Häuserkampf wieder los, wir erreichten die Innenstadt von Würzburg. Dort wurde wieder kreuz und quer durch die Stadt gelaufen, die Läufer kamen einem entgegen, die schon mehr Strecke hinter sich gebracht hatten.
Richard hatte jetzt doch so seine Schwierigkeiten und wurde so nach und nach langsamer. Solche Schwächephasen sind mir auch bestens bekannt. Da reichts, da willst du ins Ziel und hast keine Lust mehr. Die Reststrecke, die nur noch Einstellig ist, kommt einem so elendig lang vor, obwohl man solche Strecken doch in jedem Training locker vor sich hinlaufen könnte. Bis km 38 zog ich den Richard nun mit, immer guckend, ob er auch noch hinter mir ist. Aber dann bei km 39, als der Richard von einer Passantin Cola bekommen hat, haben wir uns wohl aus den Augen verloren.
Und so zog ich mein Tempo auf den letzten 3 km nochmal an, nachdem mich plötzlich der Paceläufer für 4 Stunden überholt hat.
Ich war jetzt an der alten Mainbrücke, aber nö, es ging noch nicht drüber, man musste nochmal eine Schleife um die Häuser einlegen. Auch nicht gerade stimulierend fürs Gemüt.
Aber was solls, ein Marathon ist 42,2 km lang, egal wie und wo man läuft.
Auf den letzten 1600 Metern überholte ich ein Päärchen, als ich die beiden überholte, meinte die völlig erledigte Frau, dass sie einfach nicht mehr kann, sie kann nicht mehr.
Ich hab mich umgedreht und gerufen, dass es nur noch 1600 Meter sind und das die paar Meter natürlich noch zu schaffen sind. Aber sie meinte nöööööööö, geht nicht mehr, aber sie lief weiter. Geht doch
Nun durfte ich auch schon über die Mainbrücke und dann wars auch nicht mehr weit. Ich überholte wieder den Paceläufer für 4 Stunden und als ich an ihm vorbei lief, gab er mir die Hand und gratulierte mir, dass ich die 4 Stunden schaffen würde. Ähm, ja danke.
Nun waren es nur noch ein paar hundert Meter und in der letzten Kurve durfte ich nochmal meinen Schatz küssen, der hier auf mich wartete. Aber jetzt hielt ich mich nicht bei ihr auf und lief erstmal ein bisschen ins Ziel, um mir das verdiente Beweiseisen um den Hals hängen zu lassen.
Nachdem ich den Peter gleich im Ziel getroffen hab, bin ich direkt zum Weißbierstand gelaufen und hab zwei davon eingeschenkt um wieder zu Zielbereich zu gehen. Ich war kaum zurück, kam auch schon der Richard ins Ziel gelaufen.
Nicht wirklich glücklich, nicht wirklich enttäuscht verkündete er mir seine Zeit, worauf ich ihm erstmal ein Weißbier überreichte.
Es war schon schön in WÜ. Hat mir wieder gut gefallen, aber ob die Würzburger Organisatoren sich damit einen Gefallen getan haben mit dem Einrundenkurs, ich glaubs ja nicht unbedingt. Denn die Leute, die da waren wissen jetzt, dass der Kurs nicht flach und schnell ist.
Anderen Läufern stößt es sauer auf, wenn sie den Prospekt vom nächsten Jahr lesen und erkennen, dass Pauschal 6 Euro mehr bezahlt werden sollen.
So wird das nix mehr mit 5000 Teilnehmern.

Der Sieger kam erst nach 2:30 Stunden ins Ziel. Er wollte aber 2:19 laufen.
Die Siegerin benötigte 3:01. Auch keine Spitzenleistung. Und auch darauf wird geguckt.

So endete also mein 17. Marathon (Davon 3 Ultras)
In der ersten Hälfte hatte ich eine 1:53 stehen, auf der zweiten Hälfte eine 2:03. Gesamtzeit ist 3:57:14.
Und in knapp 2 1/2 Wochen wartet schon der 18. Marathon auf mich.

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1.5.08 11:07

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bisher 4 Kommentar(e)     TrackBack-URL


muttern (2.5.08 13:26)
na das war er wieder anstrengend ,toller Bericht ,warum ist Kerstin nicht gelaufen ?
Gruß muttern


Richard (2.5.08 16:04)
Werde mich immer daran erinnern, das du mit
zwei Weizen im Ziel auf mich gewartet hast.



Uli / Website (5.5.08 12:56)
Hi Charly,

verspätet aber doch auch noch mein Senf zum Rennen.
Am besten gefällt mir die Einleitung mit dem Wecker und so
War ja recht entspannt der Lauf. So habe ich mir das für's nächste Mal auch vorgenommen. Immer der Stress mit den Zeiten. Mit dem Duell wirds halt dann nix. Aber man kann auch mit einem 0:0 Meister werden, wie wir gestern gesehen haben. Insofern sind wir durchaus auch Meister unseres Fachs, oder?
Grüße ins Allgäu
Uli


Charly (5.5.08 21:09)
Muttern: Kerstin hat sich nicht zugetraut 3 Wochen nach Freiburg gleich wieder einen HM oder M zu laufen. Hat sie recht, dass man auf das Gefühl hören soll.

Richard: Dafür wartest du beim nächsten 10er mit Weizen auf mich :D

Uli: Ja, der Lauf war echt entspannt. Solche Marathons gefallen mir viel besser, als auf Zeit zu laufen. Ausserdem tut danach viel weniger weh
Na und wenns Düll 0:0 ausgeht, damit können wir gut leben, nicht wahr?
Aber die 1:35 auf den HM, die will ich schon noch holen dieses Jahr.

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