Im Holzerwald

Heute war ja ein Traumcachertag.
Es hatte gerade mal 19° und ich hatte zudem auch noch schön Zeit vor der Nachtschicht.
Also auf geocaching.com geguckt und geplant, was ich denn für Caches angehen könnte. Natürlich kenn ich alle Caches, die ich noch machen muss in unserer Gegend auswendig. Ich guck ja jeden Tag drauf.
Diesmal wurden 5 Multicaches auserkoren, die bei Ronsberg in einem superschönen Wald zu machen sind.
Also losgefahren und nach gut 30 km auf einem Parkplatz angekommen.
Bauchtasche angezogen, GPS angeworfen und die Beschreibungszettel eingepackt und schon gings steil nach oben in den Holzerwald.
Es dauerte nicht lang, da musste ich auch schon die Wegpunkte anlaufen und entsprechend Aufgaben lösen.
Ihr kennt doch so Grenzsteine. Werden eigentlich nie beachtet. Die hier schon und das einfach aus dem Grund, dass die inflationär im Wald standen. Alle 20 - 30 Meter stand so ein Grenzstein herum. Links Wald, rechts Abgrund und an der Grenze entlang musste ich einen schönen Weg entlang gehen, der eben markiert war mit uralten Grenzsteinen. Die müssen übrigens schon 200 Jahre oder älter sein, weil die schon 1835 in Geschichtsbüchern erwähnt werden.
Hunderte Meter ging ich so durch den Wald und hatte reichlich gute Laune.
Ich musste so knapp 2 km gehen, löste die letzte Aufgabe und musste nun den ersten Cache suchen. War nicht schwer, denn es war ein 10 Liter Farbeimer, der so offensichtlich getarnt war, dass man ihn gar nicht übersehen konnte.
Also hab ich den Eimer rausgezerrt, mich eingetragen und die Travelbugs getauscht. Ich hatte ein Geländematchboxauto dabei und tauschte es gegen einen kleinen Mini. Wieder ein Mini, ich grinste und tarnte den Eimer wieder.
Sooooo, nun also auf zum zweiten. Ich musste nicht weit gehen und löste nach und nach auf dem Weg die Aufgaben für den nächsten Cache. Keine Probleme und nach einer weiteren Stunde stand ich am zweiten Cache. Aber ich suchte hier schon etwas länger. Plötzlich zwitscherte mein Handy in der Tasche. Hase hat mir eine SMS geschrieben. Ich schrieb zurück und kurz darauf, als brächte mir Kerstin Glück, hab ich den Cache gefunden. Es war ein Zigarrenröhrchen in einer Wurzel versteckt. Name notiert und das Röhrchen wieder zurück gesteckt.
Na geht doch und schon orientierte ich mich zum nächsten Cache.
Das war jetzt eher einer der wilden Sorte.
Es gibt in diesem 400 ha großen Wald eine Stück, das mit Absicht nicht mehr von Förstern oder anderen Arbeitern bearbeitet wird. Der Wald wird so belassen wie er ist und dies wird zu wissenschaftlichen Zwecken beobachtet. Das muss schon ein paar Jahre so gehen, denn über den alten Wegen liegen kreuz und quer schon einige Bäume herum. Riesengroße Buchen, die aus den Latschen gekippt sind. Es sieht manchmal so aus, als würde eine Fichte der Buche erste Hilfe leisten, als läge die Buche mit dem Kopf im Schoße der Fichte. Wilde Bilder. Und ich Depp nehm keinen Fotoapparat mit. Überall auch zerklüftete Felsen, alles wächst zu, wie es grad so vor sich hinwächst. Es sieht einfach wild aus.
Eine Aufgabe war fast schon ein bisschen gruselig. Ich stand mitten in der Wildnis und dann musste ich an eine Stelle und lauschen. Ich hörte aus dem Boden ein BUMP, BUMP, BUMP. Sofort erinnerte mich das an den alten Film 'Die Zeitreise' wo aus dem Boden die Morloks bumperten. Ich musste hier die Pulsschläge zählen, wieviel es pro Minute wären. Ich ging noch näher an die Ursache des Geräusches zu und stand nun genau darüber. Und jetzt fühlte ich auch noch den Puls. Also das war schon etwas unheimlich. Es waren übrigens 73 Schläge pro Minute. BUMP, BUMP, BUMP.
Bald hatte ich alle Aufgaben zusammen und nun konnte ich die nächste Dose suchen. Diesmal eine normale Tupperdose. Nochmal überblickte ich die Gegend und machte mich dann auf den Weg zum vierten Cache. Nochmal vorbei am BUMP, BUMP, BUMP. Ich studierte den Zettel und lief auf guten Wegen und leichten Aufgaben dem Cache entgegen.
Auf dem Weg zur Dose musste ich einen Hang hinauf und dort auf einem schmalen Kamm dem Weg folgen. Auch hier einige Grenzsteine im 25 Meter Rhytmus. Links könnte man wunderbar einen steilen Abhang runter fallen. Rechts gehts nicht ganz so steil runter. Am Ende des Weges hatte ich noch die dritte Option, ich war umgeben von Abgründen. Und hier fand ich an einer viergeteilten Buche den nächsten Cache. Diesmal wars eine Cremedose.
So, nu wieder umdrehen und äusserst konzentriert den Weg zurück verfolgt. Und bald stand ich wieder auf der sicheren Straße.
Dieses war der vierte Streich und 4 Stunden waren mittlerweile auch schon vergangen. Kinders wie die Zeit vergeht, das hab ich gar nicht gemerkt.
Aber es war noch Zeit und so machte ich mich auf den Weg zu den Aufgaben des fünften Caches.
Weil ich hier an einer völlig falschen Stelle war, musste ich die Aufgaben dieses Caches von hinten nach vorne machen.
Ich kam an einer Holzfällerhütte an (Erbaut 1939) und fand einen Brunnen. Ah prima. Durst hab ich ja eh schon lange.
Und das war auch die Ursache für das BUMP, BUMP. Dort unten muss wohl eine Pumpe sein, die das Quellwasser hier hoch pumpte. Also doch nicht so gruselig. Das Wasser war herrlich. Das Haus hatte sogar ein Plumpsklo. Lustig.
Weiter ging die Reise zum Ausgangspunkt und die Aufgaben waren superleicht zu lösen. Als ich an der ersten Aufgabe war, musste ich natürlich wieder umdrehen, nachdem ich die Cachekoordinaten ausgerechnet hatte. Ich kam ja von hinten. Also wieder den ganzen Weg zurück gehoppelt und nach 2 km wieder an der Aufgabe angekommen, die ich doch schon längst gelöst hatte. Nun musste ich nochmal quer durch den Wald und fand mitten im Wald ein Loch. Kreisrund, 15 Meter Durchmesser, 3 Meter tief. Einfach so, zack. Loch. Und mitten in dem Loch stand wieder ein Farbeimer. Also der Cache.
Ich dackelte vorsichtig ins Loch hinunter und konnte den fünften Log des Tages machen.
In dem Cache lag sogar ein Bierkrug. Bloß hatte ich nix entsprechendes zu tauschen dabei. Also hab ich nur meinen Namen ins Logbuch geschrieben.
Auch der Owner rätselt über das Loch, woher das wohl kommt? Meteoriteneinschlag? Hat sich der Boden mal abgesenkt? Fliegerbombe? Ich weiß es auch nicht. Auf jeden Fall ist das vogelwild.
So nun zurück geklettert und jetzt hatte ich Feierabend. Doch ähm, ich muss ja noch zum Auto. Mal aufs GPS gucken, wo das steht. Öha, doch noch 2 km Luftlinie.
Also einen Weg gesucht und losgetrabt.
Irgendwann hörte ich schon Autos, aber ich war noch nicht da. Ich kam an einer Weide raus auf der 25 Teenagerkühe grasten. Ich stieg über den Zaun und ging quer drüber. Eine Teeniekuh erblickte mich und die sind ja furchtbar neugierig. Schlimmer als die Ratschkattl vom Dorf. Also trabte der erste Schumpen auf mich zu. Und was passiert wenn eine losdackelt? Richtig, der Rest schließt sich an, man könnt ja was verpassen. Ich versuchte die Kuhdorfjugend zu ignorieren, aber jetzt fingen die Mädels an zu rennen. Klar, ich war ja auch der einzige Mann auf der Wiese. Alle hatten Glocken um den Hals und kamen auf mich zugesaust. Ja ähm. Ich hab ja weiß Gott keine Angst vor Kühen, aber in dem Fall wurde es mir dann doch anders. Stell dir mal vor es laufen 25 halbhohe Kühe im Schweinsgalopp auf dich zu, alle glotzen dich an und bringen ihre Fliegen mit und du stehst mitten auf der Wiese und kannst nur gucken.
Ich breitete die Arme aus und rief den Kühen zu, dass sie sich schleichen sollen. Aber die waren nicht mal schreckhaft. Die ersten Kühe hatten mich schon erreicht und blieben 50 cm vor mir stehen und schauten mich mit einer irren intelligenz an, die Kühe nunmal so an sich haben. Ich glotzte zurück und wedelte mit den Armen. Keine Reaktion. Hm, ich drehte mich um und lief weiter die Wiese entlang. Drei Schritte später DINGDONGDINGELDIDENGELDONG. Die Kühe schlappten mir nach und eine fing zu traben an, also alle wieder hinterher mit Höllengetöse.
So, jetzt kam ein brillanter Geniestreich von mir, ich lief in die eine Richtung, die Wiese verschwindet hinter Bäumen. Alle Kühe mir hinterher mit DINGELDIDONG. Ein paar überholten mich. Wollten sie mich einkreisen? Dreckspack. Aber nicht mit Charly, dem Kuhflüsterer. Ich drehte abrupt um und lief in die andere Richtung. Die Kühe konnten gar nicht so schnell umdrehen und die meisten haben es eh nicht gepeilt, wo ich hin bin. So stiefelte ich davon und traf..... Einen Wachhund. Eine Bestie. Ein Golden Retrievermischling oder sowas. Er hatte was im Maul. Ein Arm? Nein es war ein dickes Seil. Ist wohl sein Spielzeug. Es war der Wachhund von einem Anwesen, das direkt an der Straße lag, wo ich eigentlich hin wollte. Also näherte ich mich der Bestie und..... streichelte ihn. Ich zog an seinem Seil, er ließ los und ich warf das Seil im hohen Bogen weg. Was macht Hund? Nix. Schaut mich bloß an.
Ich zeig aufs Seil. Nix. Ich zeig nochmal hin, dann watschelte er los und brachte das Seil zurück. Ich wollte es ihm wieder weg nehmen, aber nö, zweimal lässt er das nicht mit sich machen.
Ich unterhielt mich noch ein bisschen mit ihm, auf dem Weg zu dem Anwesen und fragte ihn, ob ich denn durch sein Grundstück laufen dürfe. Er verneinte nicht, also ging ich durch den Garten. Hund hinter mir her und als ich am Zaun ankam, ließ er sich nochmal von mir streicheln. Braver Aufpasshund. Und dann lief ich die restlichen 500 Meter zu meinem Auto.

4.7.08 23:12

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bisher 5 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Hase (4.7.08 23:29)
Natürlich bring ich dir Glück. Was sonst?

Hihi, die Kuhdorfjugend
Super. Charly, der Kuhflüsterer. Ich kann mir das Bild so richtig vorstellen. Superwitzig


Werner (5.7.08 20:05)
Hi Charly, da ich ja zum Geo-Cachen nie viel beizutragen hab, soll ich doch von Hilde aus fragen wie Ihr den Nudelsalat gezaubert habt?
Wenns da nen Rezept gibt, meine Mail hast ja .)


Hase (6.7.08 11:26)
Das Rezept stammt von mir, Werner, und ich freue mich ganz arg, dass er euch so geschmeckt hat!
Ein richtiges "Rezept" in dem Sinne gibt es eigentlich gar nicht, ich habe mir die Zutaten einfach so ausgedacht und reingeschmissen (Charly durfte schnippeln ), aber ich versuche mal, es zu rekonstruieren und aufzuschreiben. Mach ich gerne für Hilde!


muttern (6.7.08 11:26)
hallo Sohn habe mich köstlich amüsiert über deinen Bericht ,keine Angst mehr vor Hunden ?
Das wäre doch ein toller Film geworden,Du und die Kühe ,weiter so ,Mutter freut sich
Gruß auch von Pa Muttern


Charly / Website (6.7.08 13:10)
Hallo Werner
Was in den Salat rein kommt, das entscheiden wir eigentlich kurzfristig. Die Soße macht aber Hase, ich bin da auch immer ganz begeistert davon. Ich krieg die nicht so gut hin. Ganz wichtig ist der Balsamico Essig.
Freut mich aber auch, dass euch der Salat geschmeckt hat.

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