2/3 Alpinmarathon in Oberstaufen

Das war aber auch ein harter Lauf.
Ich wusste zwar, dass es 1000 Höhenmeter sein werden, aber dass das so heftig ist, das hätt ich jetzt auch nicht unbedingt gedacht.
Ich kam viel zu früh in Oberstaufen an, der Start war um 8:30, jetzt war es gerade mal 7 Uhr. Naja, ich dachte, ich muss ein Weilchen suchen, aber ich fuhr direkt zum Sportplatz. Da stand ich nun. Ich ging zur Anmeldung und hätte mich doch fast für den ganzen Marathon angemeldet. Da wär ich doch beinahe etwas übermütig geworden. Aber dann hab ich mich doch 'nur' für den 2/3 Marathon entschieden. Sind ja auch immerhin 29 km und sollte ja nur ein Wettkampf auf dem Weg zum Füssener König Ludwig Marathon werden, den ich so als Vorbereitung eben mitnehme.
Das Anmelden war dann auch schnell erledigt, was mach ich denn jetzt? Umziehen, mit Sonnencreme einschmieren, weil es ein superschöner Tag werden würde. Nicht zu heiß, leichter Wind und blauer Himmel. Besser kann man es nicht erwischen.
Nunja, jetzt war ich also eingeschmiert und umgezogen. Ich holte mir eine Breze und einen Kaffee und setzte mich raus um dem Treiben zuzusehen.
Ich hab mir ja eigentlich vorgenommen, nicht mehr so viel über die Nordic-Walker zu lästern, aber das muss jetzt schon sein, das war ja auch zu lustig.
Ich sah eine Gruppe von NW-lern, die sich für ihre Runde vorbereiteten. So 10 km würden die wohl walken.
Nun gings los, alle hatten ihre Startnummer und nun hefteten sich die Leute gegenseitig unter großem Brimborium mit 180 Sicherheitsnadeln die Startnummer auf den RÜCKEN.
Ich grinste vor mich hin und guckte. Ich hab schon überlegt, ob ich was sagen soll, aber nö, ich hatte ja Zeit und fand das recht interessant. Nachdem alle ihre Startnummer auf dem Rücken hatten, wurde noch ein Rucksack aufgeschwungen, der fast wieder die Startnummer wegriss. Ich weiß nicht wie lange die NWler vorhatten zu Walken, wenn sie sogar einen Rucksack brauchten. Man könnt ja verhungern unterwegs oder so. Nun standen alle da und dann kam eine Dame auf die Gruppe zu, sprach eine Weile, was eine nachdenkliche Miene bei der Gruppe zur Folge hatte. Die Dame zog wieder ab, die Gruppe guckte sich an, hoben die Schultern und nun gings los, Gegenseitig wurden die Startnummern vom Rücken genommen, anschließend wieder mit großem Zinober mit 590 Sicherheitsnadeln auf der Brust fest gemacht. Na also geht doch. Die Dame hat wohl gesagt, dass es etwas schwer sein könnte beim Zieleinlauf die Nummer zu sehen und zuzuordnen, ausser sie walken rückwärts ins Ziel.

Aber ich bin noch nicht fertig mit den NWlern. Es war ja noch ewig Zeit bis zum Start.
Eine Walkerin stand da so rum und haute sich fast eine halbe Stunde lang den linken Fuß an die rechte Wade und den rechten Fuß an die linke Wade. Hin und wieder setzte sie aus und dann gings wieder los. Hochinteressant.
Ich bin immer noch nicht fertig. Ich ging nochmal zu meinem Rucksack, als ich zurück kam, latschte ich so an der Laufbahn entlang, da standen vor mir 60 NWler und hielten alle ihre Stöcke mit beiden Armen in die Luft und streckten sich und wendeten sich und hin und her und hopp und hopp. Ich sah mir das grinsend an, keiner grinste zurück. Dann wurden noch weitere Hampelübungen gemacht, alles schön synchron. Dann drehte ich mich um und sah eine Nordic Walking Aufwärmanimateurin, die die Übungen vormachte. Ich ging jetzt mal lieber aus dem Weg, schüttelte aber nochmal grinsend den Kopf über das Getue. Einige Läufer sahen dem Treiben auch teilweise grinsend zu, aber es wärmte sich keiner mit auf. Wir haltens da lieber mit dem Laufen, statt mit Blödelgymnastik.
Aber danke für die Show, so verging die Zeit bis zum Start schneller.

Nun war gleich 8:30, alle stellten sich für den Start auf, ich war fast ganz hinten, pressiert ja net. Dann wurde gestartet und nach einer Runde im Stadion wurden wir auf die Strecke gelassen. Es ging nach Oberstaufen hinein, einige Zuschauer klatschten.
Nach knapp 2 km gings dann auch schon nach oben. Aber nicht zu knapp. Einige Schritte lief ich noch, dann fiel ich schon in den Gehschritt, schließlich sinds noch 27 km. Ich hatte noch keine Vorstellung davon, wieviel jetzt 1000 Höhenmeter sind. So ging ich den Berg hoch und ging hoch, bei etwas flacheren Passagen lief ich wieder, aber wenn es wieder steiler wurde, fiel ich wieder in den Gehschritt zurück. Vor und hinter mir ist keiner mehr gelaufen, es wurde nur gegangen. Hätte mich auch gewundert.
Irgendwann war der Anstieg geschafft und es ging wieder nach unten. Zunächst nicht so schlimm, aber dann wurde über Treppen im Wald und über Wurzeln gelaufen. Immer weiter nach unten und die schönen Höhenmeter wurden wieder abgegeben. Wir kamen in Steibis an, hier war ein Stück relativ flach, dann wurden wir wieder in die Berge gelockt, ein langer Anstieg nach oben auf direktem Weg. Auf der Straße wurde immer wieder der Verkehr aufgehalten, wenn wie diese kreuzten. Lustigerweise warens meist die Gleichen wie an der Serpentine davor.
Dann endlich kam man bei der Talstation einer Seilbahn an, tja, wo Talstation, da auch Bergstation. Wenn man nach oben blickte konnte man die Bahn irgendwo dort oben verschwinden sehen. Daneben der Weg, auf dem die Läufer hochgingen. Das war auch nun der schwerste Teil der Strecke. Ein Wanderweg führte uns zur Bergstation, immer in Serpentinen weiter nach oben. Meine Waden schmerzten, meine Achillessehnen meckerten, ich schwitzte unter der Brille durch. Ab und zu ging ich ein paar Schritte rückwärts um eine andere Belastung zu bekommen. Bis auf 1250 Meter üNN wurde gelatscht, dann war die Bergstation endlich geschafft. Hier oben war eine Verpflegungsstation, bei der ich ein paar Minuten stehen blieb. Nach rechts wurden nun die Marathonläufer geschickt, die noch 800 Höhenmeter mehr vor sich hatten, die 2/3 Luschen sollen den Berg hinten wieder runter laufen.
Oh wie ich das liebe, dieses bergab Laufen. Ich weiß auch nicht, ich kann es einfach nicht. Ich wurde von zwei Mädels überholt, da dachte ich, das gibts doch nicht, die stürzten sich halsbrecherisch nach unten und redeten dabei noch, dass das ganz schön auf die Knie geht. Ja, das geht auf die Knie, aber unbedingt. Vorallem wenn man so viel bremst wie ich. Noch ein paar Läufer überholten mich und ich fands immer noch mehr zum kotzen da runter zu laufen. Es war auch noch stellenweise supersteil und 14 km waren auch schon hinter mir. Naja, nützt ja nix, irgendwann wurde es auch wieder flacher, dann musste ich nicht so bremsen. Bald war ich auch ziemlich weit unten, es wurde flach. Durch einen schönen kühlen Waldweg genoß ich die Strecke ohne Gefälle und Steigungen. Dort vorne lag ein Mann im Liegestuhl, ein Bier in der Hand. Es war ein Streckenposten, der lässig nach links wedelte. Der hat ein Leben
Kaum nach links abgebogen, gings über einen Fluß und schließlich wieder nach oben, es galt wieder Steigungen zu machen. Immer wieder wurde es steiler und wieder flachter, entsprechend hab ich Gehpausen eingelegt oder hab wieder mit kleinen Schritten begonnen zu laufen. Kaum oben angekommen, winkte mich ein Streckenposten wieder den Berg runter. Mit dem Spruch, da vorne links und dann hast du es schon fast geschafft............ in weiteren 10 km. Hm, das könnt sich ziehen
Also weiter und wieder den Berg hinab. Aber sowas von steil, ich bin lieber mal ein paar Schritte gegangen, als da runter zu laufen. Meine armen Knie machten aber auch was mit.
Ich kam wieder in Steibis an und nun war das Schlimmste auch ausgestanden, nun waren nur noch kleine Wellen und kurze Steigungen zu erwarten. Nett war, dass die Zuschauer überall klatschten und nicht nur da standen. Sie wussten, dass es gut tut etwas angefeuert zu werden, bei so einem schweren Lauf.
Nun konnte ich schön vor mich hinlaufen, dabei überholte ich auch noch ein paar Läufer, die an allen Steigungen Gehpausen machten, aber mir gings doch nocht recht gut. Oberstaufen kam näher, dann wusste ich auch schon, dass bald das Ziel erreicht ist. Ich passierte den Bogen, der mir mitteilte, dass es noch ein km war. Den lief ich auch noch locker, lief ins Stadion ein, wo vom benachbarten Hotel auch noch die Leute vom Balkon klatschten und dann war ich auch schon nach 3:17 Stunden im Ziel.
Ich ging dann erstmal zum Stand mit dem alkoholfreien Bier und beschäftigte mich damit.
Dann später ging ich auf den Sportplatz und sah mir die Zieleinläufe an. 10 Minuten nach mir kamen auch schon die ersten Beiden des Marathons mit einem Fernsehreifen Schlußspurt ins Ziel, das war noch knapp.
Nach einem Steaksemmel und einem echten Bier hab ich mich auf den Weg nach Hause gemacht.

Heute hab ich lustigen Muskelkater. In den Beinen gehts eigentlich. Klar tun ein paar Sachen weh, aber witzig ist, dass ich in den Armbeugen unglaublichen Muskelkater hab. Ich bin ganz schön viel mit den Armen gelaufen, oder?
Der wird wohl daher kommen, weil ich bergab so verkrampft gelaufen bin.

Das war jetzt wohl mein bisher härtester Lauf, aber schön wars. Ich hab mir zwar unterwegs gedacht, das tu ich mir nicht mehr an, aber ich glaub selber nicht dran.
So anstrengend wie der Lauf war, so schön war auch die Strecke und das schöne Panorama der Allgäuer Berge.

Nun kann aber der Füssener Marathon kommen.

2.7.06 11:45

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bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


mutter (2.7.06 15:21)
du Ärmster hast dich aber sehr angestrengt ,bergauf,bergab ,warum tust du dir so etwas an?Aber du bist ja noch jung und wenn es Spass macht ,mach weiter so .

Muttern


freerunner (3.7.06 14:32)
Hallo Charly,

die Lust, so einen Lauf zu machen, kann nur ein Läufer nachvollziehen. Es ist einfach ein geniales Erlebnis. Deinen Muskelkater hast Du Dir redlich verdient, der geht auch wieder weg. Aber einen schönen Bericht hast Du geschrieben, NW'ler, tz,tz, da gibt's schon ulkige Exemplare....

Liebe Grüsse
Max

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