Ultrahalbmarathon

Ja es gibt sie, die Ultrahalbmarathons.
Kerstin und ich haben beim Dijon 'Halbmarathon' mitgemacht. Im vergangenen Jahr bin ich hier meine Bestzeit gelaufen. Gutes Terrain für Bestzeiten... eigentlich. Dass die Zeit letztes Jahr nicht gestimmt hat, das war eins der wenigen Ärgernisse. Meine Handgestoppte Zeit war 20 Sekunden langsamer, als die offizielle Messung. Ich nehm aber meine eigene Zeit als Maßstab. Kann ja nicht sein, dass die mich schneller machen als ich bin.
Aber zurück zu diesem Jahr.
Es wird ein warmer Tag, mit bis zu 28° wärs schön zum Baden, wir laufen lieber.
Wir freuten uns auf den Halbmarathon und wir waren richtig gut drauf. Sogar nervös war ich.
Kein Wunder, ich hab 2 Monate schön stur und brav nach Trainingsplan trainiert, es war nur eine Frage der Zielzeit, wieviel besser meine neue Bestzeit sein würde, trotz der Temperaturen.
Wir liefen kurz vor 13 Uhr zum Start und verabschiedeten uns und wünschten uns einen guten Lauf.
Pünktlich fiel der Startschuß, es ging los.
Ich hatte ganz gut Platz, die Menge entzerrte sich schnell. Es ging vorbei am Ziel, hinaus am Canal de Bourgogne vorbei. Den ersten Kilometer lief ich in 4:13. Super, denk ich. Es wird eine Runde um den Park gelaufen, ich halte bald Ausschau nach dem 2. Kilometer, aber Fehlanzeige, kein Kilometerschild. Hab ich wohl übersehen.
Es ging wieder vorbei am Zielbogen, der noch in weiter Ferne ist. Hier dürfte dann langsam auch das Kilometerschild für den 3. Kilometer stehen, aber da steht nix. Wieder übersehen? Ist ja blöd, ich hab keinen Anhaltspunkt, wie schnell ich bin. Hätt ich doch meinen Forerunner mitgenommen.
Nun liefen wir den Canal entlang und auch der vierte Kilometer wurde nicht angezeigt, erst beim 5. Kilometer kam ein Schild. Ich war viel zu schnell und war bei 21 Minuten. Aber egal, fühlt sich gut an. Da bin ich doch richtig optimistisch, dass die Bestzeit deutlich fällt.
An einer Brücke lief man durch ein Dorf und dann gings zurück, durch Schrebergärten. Ich lief mein Tempo, ohne dass ich von Kilometerschildern belästigt wurde. Ach tatsächlich da war doch ein 7 km Schild. Das nächste kam dann aber erst wieder nach 10 km. Zuvor dachte ich mir, öha, die haben die Strecke geändert, diesen Bogen hatten wir letztes Jahr nicht gemacht, diese Steigung hätt ich mir gemerkt. Nach genau 45 Minuten war ich am 10 km Schild. Hm, hab ich jetzt für die letzten 5 km wirklich 24 Minuten gebraucht? Ich war stutzig. Na gut, wenn das 5er Schild vielleicht zu früh war, dann kommts in etwa hin. Trotzdem, meine Euphorie bekam den ersten kleinen Dämpfer.
Nun war ich schon bald wieder im Zielbereich, 12 km waren geschafft, ich fühlte mich immer noch gut und schnell. Nun musste die Canalrunde wieder gemacht werden. Es war warm, vorallem bei Rückenwind. Gegenwind dagegen kühlt schön. Dass keine Kilometerschilder da waren, daran hab ich mich nun gewöhnt. Die können mich mal. Ist wahrscheinlich eine Wahnsinnsarbeit so beknackte Schilder jeden Kilometer aufzustellen. Ich grummelte vor mich hin, dann denk ich auch nicht an meine Beine und ob es noch weit ist. Denn nach 14 km fängt das letzte Drittel an und dann heisst es durchbeissen. Das 15 km Schild erschien, ich stoppte die Uhr bei 1:08 Stunden. Aha, jetzt hab ich wieder 23 Minuten gebraucht, dann passt das ja alles wieder halbwegs. Nun sinds noch 6 km, da spekulierte ich mit einer Zeit von knapp 1:36. Na super, passt doch. Vielleicht geht am Schluß noch ein bisschen mehr? Also ranhalten. Wieder wurde durch die Schrebergärten gelaufen, nur noch 3 km oder so. Dann dachte ich mir, das Schild, das ich nach der ersten Runde sah, mit den 20 km, ist aber verdammt weit weg noch, vielleicht täusch ich mich. Nun war ich bei 19 km und da dachte ich mir, dass das nicht sein kann, das kommt ja noch ewig nicht. Ich lief noch mitten am See entlang, da müsste ich doch schon im Park sein. Ich guckte auf die Uhr und war bei 1:33 und immer noch kein 20 er Schild. Soll ich jetzt kotzen oder was? Dann nach 1:36:30 war ich an dem Schild und dann war es vorbei mit meiner Lust, ich hatte nur noch eine Riesenwut im Bauch, mir taten plötzlich die Beine weh, ich hatte keine Lust mehr und war enttäuscht. Ich hatte auch keinen Nerv mehr mich zu schinden und lief mit grimmiger Miene dem Ziel entgegen. Dass ich noch von 7 Leuten im Endspurt überholt wurde, das war mir ja so Scheißegal, meine Wut war grenzenlos. Dann kam der beknackte Zielbogen und ich lief ins Ziel und stoppte meine Uhr resigniert bei 1:41:33.
Mir wurden Zettel entgegen gestreckt, mit Werbungen für irgendwelche Läufe und ich dachte mir, ihr könnt euch eure Läufe irgendwohin stecken. Dann kam auch noch eine Dame mit einer Schachtel Schokolade daher. Da bin ich ja jetzt total scharf drauf.
Ich ging zur Versorgung und kippte erst mal ein paar Becher Wasser in mich rein. Essen konnte ich nichts.
Dann stapfte ich zum Auto und holte mein 'Finishershirt' ab. Einfach nur ein Schneeweißes Funktionsshirt, ohne Aufdruck. Dann ging ich wieder zum Ziel und wartete auf meine Kerstin, die nach 2:03 völlig enttäuscht und weinend ins Ziel lief.
Sie war so gut in der Zeit und hätte die 2 Stunden locker unterboten, wahrscheinlich in 1:57 oder 1:58. Ich hielt sie fest und ließ meinen Hasen weinen.
Dann ließen wir unserer Enttäuschen und unserem Frust freien Lauf und meckerten und motzten über das Unding, dass die Strecke einfach mal einen Kilometer länger ist.
Wir waren lange Zeit untröstlich und auch jetzt, einen Tag später bin ich immer noch sauer deswegen.
In Dijon werden wir auf jeden Fall nicht mehr laufen.
Schade, dass ich nach dem Lauf direkt nach Hause fahren und meinen Schatz zurück lassen musste. Ich hatte ja noch über 500 km zu fahren.

So eine Erfahrung macht man am besten mit dem nächsten Lauf wett. In 2 Wochen ist hier in Weilheim ein Halbmarathon und den werd ich wohl mitmachen. Und wenn es in Deutschland heisst Halbmarathon, dann ist das auch kein Ultrahalbmarathon, man kann sich auf die angegebenen Distanzen eher verlassen. Ein Halbmarathon hat schließlich 21,1 km und nicht 22 Komma Irgendwas

10.9.06 07:34

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Hase (10.9.06 08:40)
Ich war ja so froh, daß du im Ziel da warst, mein lieber Schatz

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